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Full text of "Der Hodscha Nasreddin : türkische, arabische, berberische, maltesische, sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und griechische Märlein und Schwänke"

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Digitized  by  the  Internet  Archive 

in  2009  witii  funding  from 

University  of  Toronto 


Iittp://www.arcliive.org/details/derliodsclianasred02wess 


NARREN,  GAUKLER  UND  VOLKSLIEBLINGE 
HERAUSGEGEBEN  VON  ALBERT  WESSELSKI 
VIERTER  BAND:  DER  HODSCHA  NASREDDIN  II 


H) 


vsisuev, 


DER  HODSCHA 
NASREDDIN 

Türkische,  arabische,  berberische, 

maltesische,   sizilianische ,   kalabrische, 

kroatische,    serbische   und   griechische 

Märlein  und  Schwanke 

Gesammelt  und  herausgegeben  von 

Albert  Wesselski 


IL  Band 


Alexander  Duncker  Verlag 
Weimar  MCMXI 


Alle  Rechte  vorbehalten. 


PN 
ZI 


Inhalt  des  11.  Bandes 

Seite 

II,  Arabische  Überlieferungen  ........  1 

1.  Aus  dem  Nawadir  el  chodscha  nasr  ed-din 
effendi  dschoha 3 

2.  Aus  der  von  Mardrus  besorgten  Ausgabe  von 
Tausend  und  einer  Nacht 19 

3.  Volkserzählungen  aus  Tripolis  und  Tunis  .     .  25 

III,  Berberische  Überlieferungen 49 

IV,  Maltesische  Überlieferungen 91 

V.  Sizilianische  Überlieferungen 101 

VI,  Kalabrische  Überlieferungen 115 

VII,  Kroatische  Überlieferungen 131 

VIII,  Serbische  Überlieferungen 139 

IX,  Griechische  Überlieferungen 159 

Anmerkungen  literatur-  und  stoffgeschichtlichen  In- 
halts        179 

Tür  hüten 182 

Verscheuchung  von  Dieben     ,     .     .    183,  211  und  215 

Vertauschung  eines  Toten  gegen  einen  Hammel   ,  183 

Regen  eßbarer  Dinge 184,  195  und  204 

Prangerritt  der  Ehebrecherin 135 

Esel  (Kalb)  an  der  Stelle  des  Ehebrechers  ,     ,     .  187 

Nur  miteinander  verkaufen 188 

„Wenn  der  Berg  nicht  zum  Propheten  kommen 

will"  usw 190 

Zoll  auf  verschiedene  Gebrechen 194 

Die  drei  Dummen  (Braut  und  ihre  Eltern)  ,     ,     .  194 

Heller  in  fremdes  Geld  gev/orfen 197 

Unibosmärchen 197,  199  und  201 

Brandmarkung 198 

Der  Schuldner  stellt  sich  tot 199 

Goldmistende  Tiere 201 

Verschleuderung    wertvoller   Dinge    durch    einen 

Dummkopf 201 

Seltsame  Teilung 202 

Aristoteles  und  die  Königin 203 

Mitbieten  eines  falschen  Käufers 204 

Verkauf    an    einen    Vogel     (einen    Baum,    eine 

Statue  usw.) 204 

Fleischverkauf  an  Hunde 206  und  211 

VII 


Seite 

Die  Königstochter  lachen  gemacht 206 

Der  Schakal  (Fuchs)  hat  zehn  Listen 207 

Anbauen  von  Salz,  Geld,  Kuhschwänzen  usw.  .     .  209 

Nur  an  Leute  verkaufen,  die  wenig  reden    ,     .     .  211 

Fleischverkauf  an  Fliegen 211 

Verkehrte  Ansprache  oder  Begrüßung     ....  213 

Herauslockung  eines  Tieres 213 

Mehrfache  Ausnützung  eines  Leichnams  ....  214 

Heilung  durch  Lachen 214 

Bestreichung  der  Erde  mit  Butter 215 

Unkenntnis  vom  Wesen  des  Kindsschädels  .     .     .  215 

Entweder  .....  oder  .  .  .  .! 217 

Ist  das  Ernst  oder  Spaß? 219 

Lügenschnurren 219  und  220 

Zwecklosigkeit  der  Strafe  nach  dem  Vergehn  .     .  231 

Anhang 235 

Für  die  Nachkommen  pflanzen 235 

Drei  Fragen  (Kaiser  und  Abt) 238 

Prediger  mit  der  Eselsstimme 243 

Traumbrot 243 

Asinus  vulgi 244 

Dit  de  perdriz 245 

Einen  Esel  reden  (lesen)  lehren 247 

Einem  Esel  das  Essen  abgewöhnen 249 

Index 255 


VIII 


IL 

Arabische  Überlieferungen 


N  a  s  r  e  d  d  i  n ,   II.  1 


1.  Aus   dem  Nawadir   el  chodscha  nasr 
ed-din   effendi  dschoha 


v- 


MAn  fragte  Nasreddin:  „Kannst  du  rechnen?"  339. 

„Freilich,"  antwortete  er;  „darüber  gibts 
keinen  Zweifel."  „Wie  würdest  du  also  vier 
Dirhem  unter  drei  Personen  gleichmäßig  ver- 
teilen?" „Zweien  von  ihnen  gäbe  ich  jedem  zwei 
Dirhem,  der  dritte  bekäme  nichts  und  müßte 
warten,  bis  noch  zwei  Dirhem  dawären;  dann 
nähme  er  diese  und  so  hätten  alle  drei  gleich 
viel." 

NAsreddin,  der  Pfirsiche  in  der  Tasche  hatte,  340. 

kam  bei  etlichen  Leuten  vorbei  und  sagte 
zu  ihnen:  „Wer  es  errät,  was  ich  in  der  Tasche 
habe,  bekommt  den  größten  Pfirsich."  Sie  ant- 
worteten ihm;  „Es  sind  Pfirsiche."  Er  sagte: 
„Ja,  wer  hat  euch  denn  das  gesagt?  das  muß  ein 
rechter  Hurensohn  sein." 

Eines  Tages  ging  Nasreddin  mit  einer  Flasche  341. 

zum  Bache,  um  Wasser  zu  holen;  sie  fiel 
ihm  aus  der  Hand  und  sank  unter.  Da  setzte  er 
sich  am  Ufer  nieder.  Ein  Freund  von  ihm  kam 
vorbei  und  sagte:  ,,Was  sitzst  du  da,  Dschoha?" 
„Eine  meinige  Flasche  ist  ertrunken;  ich 
warte,  bis  sie  aufquillt  und  an  die  Oberfläche 
kommt." 

Eines  Tages    brachte  Nasreddin  Korn    in  die  342. 

Mühle;  dort  begann  er  dann  das  Korn  aus 
den  Körben  der  andern  Leute  zu  nehmen  und  es  in 
den  seinigen  zu  tun.  Endlich  sagte  der  Müller  zu 
ihm:  „Was  machst  du  da?"  „Ich  bin  ein  Narr." 
„Warum  nimmst  du  dann  nicht  das  Korn  aus 
deinem  Korbe  und  tust  es  in  die  der  andern?" 


„Ich  bin  ein  einfacher  Narr;  täte  ich  das,  was  du 
sagst,  wäre  ich  ein  doppelter  Narr," 

Der  Müller  begann  zu  lachen  und  ließ  ihn 
laufen. 


343.  T\As  Maultier  Nasreddin  Dschohas  nahm  ein- 

J-^  mal  einen  andern  Weg,  als  er  gewollt  hätte. 
Einer  seiner  Freunde,  der  ihm  begegnete,  fragte 
ihn:  „Wohin,  Dschoha?"  „Wohin  mein  Maul- 
tier will." 


344.  T^Schoha  brachte  eines  Tages  einen  löcherigen 
JL^  Kessel  auf  den  Markt,  um  ihn  zu  verkaufen; 
aber  man  sagte  ihm:  ,,Er  hat  ein  Loch,  er  ist 
nichts  wert."  Er  antwortete:  „Bei  Gott,  das  ist 
nicht  wahr,  er  hat  kein  Loch;  meine  Mutter  hatte 
Baumwolle  drinnen,  und  er  hat  nicht  geronnen." 

345.  "T^lnmal  ging  die  Mutter  Si  Dschohas  zu  einer 
C^  Lustbarkeit  und  sagte  zu  ihm:  „Hüte  die 
Tür,"  Da  setzte  er  sich  nieder,  mit  dem  Rücken 
an  die  Tür  gelehnt.  Als  es  ihm  dann  langweilig 
wurde,  stand  er  auf  und  ging  weg,  trug  aber 
dabei  die  Tür  auf  dem  Kopfe,  Einer  seiner 
Freunde  sah  ihn  und  sagte:  ,,Was  soll  das 
heißen?"  Er  antwortete:  „Meine  Mutter  hat  mir 
gesagt,  ich  soll  die  Tür  hüten." 

346.  "C^Ines  Tages  knackte  Dschoha  eine  Mandel  auf 
Ca  und  der  Kern  entschlüpfte  ihm;  da  sagte  er: 
,,Wie  wunderbar!  alles  flieht  vor  dem  Tode, 
sogar  die  unvernünftigen  Wesen." 


Einmal  ging  Dschoha  in  den  Vorraum  seines  347. 

Hauses  hinaus  und  fand  dort  einen  Er- 
mordeten. Er  warf  ihn  in  den  Brunnen  und 
.sagte  es  seinem  Vater.  Der  nahm  den  Leichnam 
wieder  heraus  und  begrub  ihn;  dann  erwürgte 
er  einen  Hammel  und  warf  ihn  in  den  Brunnen. 
Die  Verwandten  des  Toten  durchliefen  alle 
Straßen  und  fragten  um  den  Leichnam;  Dschoha 
begegnete  ihnen  und  sagte  zu  ihnen;  „Bei  uns  ist 
ein  Ermordeter;  kommt  nachsehn,  ob  es  euer 
Mann  ist."  Sie  gingen  zu  ihm  und  ließen  ihn  in 
den  Brunnen  steigen;  als  er  den  Hammel  sah, 
rief  er  zu  ihnen  hinauf:  „Hat  euer  Mann  Hörner 
gehabt?" 

DSchoha  hatte  drei  Pfund  Fleisch  gekauft  und  348, 

sagte  zu  seiner  Frau;  „Koch  uns  ein  wenig 
Fleisch,"  Sie  kochte  es,  aß  es  aber  mit  ihrem 
Geliebten.  Dschoha  kam  heim  und  fragte:  „Wo 
ist  das  Fleisch?"  Die  Frau  antwortete:  „Ich  war 
in  der  Küche  beschäftigt;  unterdessen  hat  es  die 
Katze  gefressen." 

Dschoha  stand  auf,  nahm  die  Katze  und  wog 
sie;  da  hatte  sie  gerade  drei  Pfund.  Und  er 
schrie:  „Du  Metze,  wenn  das  die  Katze  ist,  wo 
ist  das  Fleisch?  und  wenn  das  das  Fleisch  ist, 
wo  ist  die  Katze?" 

DSchoha   gab   seiner   Frau   drei   Dirhem   und  349. 

sagte  zu  ihr;  „Kauf  dafür  Fleisch,  laß  es 
aber  nicht  wieder  die  Katze  fressen  wie  neulich." 
Sie  ging  es  kaufen  und  traf  einen  von  ihren  Lieb- 
habern; den  nahm  sie  mit  sich  nach  Hause.  Die 
Nachbarn  sahen  das  und  führten  beide  vor  den 


Richter.  Der  Richter  befahl,  die  Frau  auf  einen 
Bullen  zu  setzen  und  sie  also  durch  die  Stadt  zu 
führen.  Als  Dschoha  die  Zeit  lang  wurde,  ging 
er  sie  suchen;  da  sah  er  sie  in  dieser  Verfassung 
und  sagte  zu  ihr:  „Du  Metze,  was  heißt  das?" 

Sie  antwortete:  „Nun,  nun,  was  denn?  Geh 
nur  nach  Hause;  ich  habe  nur  noch  den  Markt 
der  Essenzenverkäufer  und  der  Tuchhändler, 
dann  gehe  ich  das  Fleisch  kaufen  und  komme 
heim." 


350.  T^^^  Frau  Dschohas  pflegte  in  der  Nacht  weg- 

J--/  zulaufen  und  sich  mit  ihrem  Geliebten  zu 
treffen;  deswegen  wurde  Dschoha  von  seinen 
Nachbarn  gehänselt.  Da  hielt  er  sich  einmal  wach, 
bis  sie  wegging;  dann  stand  er  auf,  verschloß  die 
Tür  und  setzte  sich  dahinter.  Als  die  Frau  zurück- 
kam, fand  sie  die  Tür  versperrt.  Sie  begann  ihn 
zu  bitten,  er  möge  sich  ihrer  erbarmen,  aber  er 
beschimpfte  sie.  Als  sie  jede  Hoffnung  auf  einen 
günstigen  Ausgang  aufgegeben  hatte,  sagte  sie  zu 
ihm:  „Wenn  du  mir  nicht  öffnest,  springe  ich  in 
den  Brunnen,"  Dann  nahm  sie  einen  großen 
Stein  und  warf  ihn  hinein.  Voll  Reue  lief  er 
hinaus,  um  zu  sehn,  was  es  gebe.  Augenblicklich 
schlüpfte  die  Frau  ins  Haus  und  verschloß  die 
Tür.  Er  gab  sich  alle  Mühe,  sie  zur  Nachgiebig- 
keit zu  bestimmen,  aber  sie  hörte  nicht  auf,  ihn 
zu  beschimpfen  und  zu  ihm  zu  sagen:  „Da  hat 
mans,  wie  du  dich  aufführst;  die  ganze  Nacht 
steckst  du  bei  den  Trunkenbolden."  So  gelang 
es  ihr  denn,  ihn  vor  den  Nachbarn  mit  Schande 
zu  bedecken. 

8 


Einer,  der  die  Frau  Dschohas  liebte,  sagte  eines  351. 

Tages  zu  seinem  Diener,  einem  bartlosen  und 
wohlgewachsenen  Knaben:  „Geh  zu  ihr  und  sag 
ihr,  daß  ich  sie  bald  besuchen  werde."  Der  Knabe 
ging  hin.  Sie  konnte  sich  nicht  enthalten,  ihn 
zu  umarmen  und  ihn  an  ihre  Brust  zu  drücken^ 
bis  sie  schließlich  ihre  Gelüste  stillte.  Der  Herr 
des  Knaben  fand,  daß  der  zu  lange  ausblieb;  er 
machte  sich  also  selber  auf  den  Weg  zum  Hause 
Dschohas.  Als  ihn  die  Frau  kommen  hörte,  ver- 
barg sie  den  Knaben  unter  dem  Bette,  und  ihn 
empfing  sie  wie  gewöhnlich.  In  diesem  Augen- 
blicke klopfte  Dschoha  an  die  Tür.  Da  sagte  sie 
zu  ihrem  Geliebten:  „Steh  auf,  lauf  mit  blankem 
Schwerte  in  den  Hof  und  stoße  Schmähungen 
gegen  mich  aus."  Er  tat  es.  Dschoha  trat  ein 
und  fragte  seine  Frau:  „Was  will  der  Mensch?" 
„Ach,  Mann,"  sagte  sie,  „das  ist  unser  Nachbar: 
sein  Diener  ist  ihm  entlaufen  und  hat  sich  zu  uns 
geflüchtet;  er  wollte  auf  ihn  los,  um  ihn  zu  töten, 
aber  ich  habe  ihn  unter  das  Bett  gesteckt." 
Dschoha  sagte  zu  dem  Knaben:  „Komm  nur 
hervor,  mein  Kind,  und  bete  zu  Gott  für  diese 
ehrsame  Frau,  die  dir  diesen  großen  Dienst  ge- 
leistet hat;  Gott  möge  ihn  ihr  lohnen." 


Die  Frau  Dschohas  ging  mitten  in  der  Nacht  352. 

weg.  Es  begegnete  ihr  einer  und  der  sagte 
zu  ihr:  „Du  gehst  um  diese  Stunde  aus?"  „Das 
kümmert  mich  nichts,"  antwortete  sie:  „treffe  ich 
einen  Mann,  so  ist  das  das,  was  ich  suche;  be- 
gegnet mir  ein  Teufel,  so  werde  ich  ihm  ge- 
horchen." 

9 


353.  "h/^An  sagte  zu  Dschoha:  „Nun  bist  du  alt  ge- 
jyi.  worden  und  weißt  von  der  ganzen  Über- 
lieferung nichts  auswendig."  Er  antwortete: 
„Niemand  von  euch  hat  von  Ikrimah  das  sagen 
hören,  was  ich  von  ihm  gehört  habe,"  „Sag  es 
uns."  „Ich  habe  gehört,  wie  Ikrimah  nach  ihn 
Abbas\  der  es  von  dem  Propheten  hatte,  folgen- 
des verkündete:  ,Es  gibt  zwei  Eigenschaften,  die 
bei  niemand  sonst  als  bei  den  Gläubigen  vereint 
sind/  Aber  Ikrimah  hat  die  eine  vergessen  ge- 
habt und  ich  habe  die  andere  vergessen," 

354.  "T^Schoha  war  gerade  beim  Essen,  als  ein  Bettler 
J_^  vor  seiner  Tür  stehn  blieb  und  sagte: 
„Muselmanen,  Brüder!"  Dschoha  sagte:  „Es  soll 
keine  Verwandtschaft  unter  ihnen  gelten  und  sie 
sollen  sich  nicht  aneinander  mit  Bitten  wenden,*  " 
Der  Bettler  antwortete:  „Hab  Mitleid  mit  mir!" 
Dschoha  sagte:  „Eher  brauchte  ich  dein  Mitleid." 
Der  Bettler:  „Höre  mich  doch  an!"  Dschoha: 
„Ich  hätte  dich  angehört,  wenn  du  dich  an  einen 
Lebenden  gewandt  hättest."  Der  Bettler:  „Wie 
weitschweifig  sind  deine  Worte,  und  wie  trüge- 
risch deine  Handlungen!  Möge  Gott  deine  Hoff- 
nungen zu  Schanden  machen!" 

355.  "T^Schoha  brachte  seiner  Frau  ein  Stück  Fleisch 
A-/  und  fragte  sie:  „Was  kann  man  daraus 
machen?"     Sie  antwortete:  „Mit  gutem  Fleische 


^  Abdallah  ibn  Abbas,  der  Vetter  Mohammeds,  von 
dem  angeblich  ein  Korankommentar  herrühren  soll. 

^  Ist  der  103,  Vers  der  23,  Sure  des  Korans,  die  vom 
jüngsten  Gerichte  handelt. 

10 


lassen  sich  alle  möglichen  guten  Sachen  kochen." 
„Gut,"  sagte  Dschoha,  „koch  mir  alle  möglichen 
guten  Sachen," 

DSchoha  hatte  einen  Kamelhengst  bestiegen;  356. 

auf  dem  Wege  warf  ihn  der  ab  und  ent- 
wich. Dschoha  verfolgte  ihn,  bis  er  ihn  schließ- 
lich in  einer  Stadt  einholte;  und  er  sagte  zu  den 
Einwohnern  der  Stadt:  „Habt  ihr  den  Schuft  gc- 
sehn,  der  mich  hat  umbringen  wollen?  Bringt 
den  Metzger  her,  damit  er  den  Verfluchten 
schlachte."  Der  Metzger  schlachtete  das  Kamel 
und  Dschoha  verteilte  das  Fleisch  an  die  Ein- 
wohner der  Stadt. 

Einer  lud   Dschoha   zu   Tische   und   sagte   zu  357. 

seiner  Sklavin:  „Bereite  uns  Feigen."  Aber 
sie  vergaß  es  und  er  ebenso.  Später  sagte  er  zu 
Dschoha;  „Lies  uns  einen  Abschnitt  aus  dem 
Koran."  Dschoha  willigte  ein  und  begann:  „Im 
Namen  Allahs,  des  Erbarmers,  des  Barmherzigen! 
Bei  dem  Ölbaume  und  dem  Berge  Sinai  .  .  .  ."  ^ 
Der  Gastgeber  sagte:  „Wo  bleibt  die  Feige?" 
Dschoha  antwortete:  „Die  habt  ihr,  du  und  deine 
Sklavin,  seit  Anbruch  der  Nacht  vergessen." 

DSchoha  heiratete  eine  Frau,  die  schielte.    Um  358. 

die  Essensstunde  brachte  er  zwei  Brote;  sie 
sah  vier.  Dann  brachte  er  eine  Schüssel  mit 
Speise;  sie  sah  zwei  und  sagte  zu  ihm:  ,,Was  sollen 


^  Vers  1  und  2  der  95,  Sure  „Die  Feige";  eigentlich 
sollten  sie  lauten;  „Bei  der  Feige  und  dem  Ölbaume  und 
dem  Berge  Sinai." 

11 


wir  mit  zwei  Schüsseln  machen?  eine  ist  genug." 
Er  sagte  bei  sich;  ,,Was  für  eine  ausgezeichnete 
Frau,  die  alles  doppelt  sieht!"  Als  er  sich  dann 
mit  ihr  zu  Tische  setzte,  warf  sie  ihm  die  Schüssel 
an  den  Kopf  und  sagte:  „Bin  ich  denn  eine  Dirne, 
daß  du  einen  andern  Mann  zu  mir  führst?" 
„Liebste,"  sagte  Dschoha,  „bitte,  sieh  alles 
doppelt,  nur  deinen  Mann  nicht!" 

359.  "TV  Schoha  war  bei  einem  großen  Herrn  zu  Tische 
±J  und  es  gab  Nugat,  Da  fragte  ihn  einer: 
„Was  ist  das?"  Er  antwortete:  „Ich  weiß  es 
nicht;  aber  ich  habe  sagen  hören,  das  Bad  sei 
eines  der  köstlichsten  irdischen  Dinge,  und  so 
denke  ich,  daß  das  ein  Bad  ist." 

360.  T^  Schoha  sah  auf  dem  Tische  eines  Geizigen 
J-^  ein  Huhn,  das  niemand  anrührte;  man  hatte 
es  zugleich  mit  dem  Kuskussu  ^  gebracht  und 
nach  dem  Essen  wurde  es  wieder  zurückgetragen. 
Da  sagte  er:  „Bei  Gott,  dieses  Huhn  hat  nach 
seinem  Tode  ein  längers  Dasein  als  zu  seinen 
Lebzeiten," 

361.  "TV Schoha  aß  bei  einem  großen  Herrn;  es  gab 
J-y  eine  Fleischpastete  und  die  verschlang  er 
mit  vollem  Munde.  Einer  sagte  zu  ihm: 
„Dschoha,  iß  nicht  zu  viel;  wer  sich  daran  über- 
nimmt, muß  sterben."  Er  hielt  einen  Augenblick 
inne,   dann  klatschte   er   seine   fünf   Finger   zu- 


*  Ein  mit  Hammelfett  und  Weizenmehl  hergestellter 
Brei. 

12 


sammen  und  sagte:  „Nehmt  euch  meiner  Familie 
an;  ich  befehle  sie  euch." 

DSchoha  traf  einen  Christen,  der  in  der  christ-  362. 

liehen  Fastenzeit  Fleisch  aß;  da  setzte  er 
sich  zu  ihm,  um  an  seinem  Mahle  teilzunehmen. 
Der  Christ  sagte  zu  ihm:  „Dschoha,  das  Fleisch 
von  Tieren,  die  wir  geschlachtet  haben,  ist  euch 
Muselmanen  nicht  erlaubt."  Dschoha  antwortete: 
„Ich  bin  unter  den  Muselmanen  das,  was  du  unter 
den  Christen  bist." 

Die  Frau  Dschohas   erzählt:   Mein  Geliebter  363. 

hatte  Lust  nach  einer  Schüssel  gedünstetes 
Fleisch,  und  ich  verlangte  die  Sachen  dazu  von 
meinem  Manne.  Als  alles  nötige  bereit  war, 
kochte  ich  das  Gericht  und  aß  es  mit  meinem 
Geliebten  und  tat  eine  Gurke  in  den  Topf.  Mein 
Mann  kam  heim  und  ich  setzte  ihm  diese  vor; 
er  kostete  sie  und  sagte:  „Das  schmeckt  ja  wie 
eine  Gurke."  Ich  stellte  sie  noch  einmal  zu, 
bis  sie  eingetrocknet  war.  Er  aß  sie  und  ging 
weg.  Mein  Geliebter  kam  zum  zweiten  Male, 
aber  er  war  noch  kaum  recht  eingetreten,  als 
ihn  mein  Mann  ertappte;  er  packte  ihn  und 
steckte  ihn  in  eine  Truhe  und  verschloß  sie. 
Dann  ging  er  meine  Verwandten  holen.  Sofort, 
als  er  draußen  war,  machte  ich  mich  an  das 
Schloß,  öffnete  es  und  ließ  meinen  Geliebten 
heraus.  Unser  Nachbar  hatte  einen  Esel;  den 
nahm  ich  und  steckte  ihn  in  die  Truhe.  Da  trat 
auch  schon  mein  Mann  mit  meinem  Vater  und 
meinem  Bruder  ein.  Sie  öffneten  die  Truhe  und 
fanden  einen  Esel.    Und  sie  sagten  zu  Dschoha; 

13 


„Bist  du  närrisch?"  Er  sah  mich  an  und  sagte: 
,, Dirne!  du  hast  eine  Gurke  in  Fleisch  verwan- 
delt; kein  Wunder,  daß  du  einen  Menschen  in 
einen  Esel  verwandelst." 

364.  T^^^  Frau  Dschohas  erzählt  weiter:  Eines  Tages 
JLx  kam  mein  Mann  nach  Hause  und  mein  Ge- 
liebter war  da;  ich  versteckte  ihn  im  Keller, 
Mein  Mann  brachte  dreißig  Eieräpfel  mit  und 
legte  sie  in  den  Keller.  Mein  Geliebter  aß  einen. 
Dann  ging  mein  Mann  die  Äpfel  zählen;  mein  Ge- 
liebter gab  sie  ihm  einzeln,  und  er  bildete  sich  ein, 
es  sei  seine  eigene  Hand,  die  sie  ihm  von  innen 
reichte.  Als  er  fand,  daß  einer  fehlte,  ging  er 
hinein;  da  traf  er  meinen  Geliebten.  Er  fragte  ihn: 
,,Wer  bist  du?"  Und  mein  Geliebter  antwortete: 
,,Ich  bin  ein  Eierapfel."  Nun  sagte  mein  Mann  zu 
mir:  „Schau,  was  für  ein  Spitzbube  der  Händler 
ist!  er  hat  mir  den  da  für  einen  Apfel  zugezählt, 
und  dabei  habe  ich  zu  ihm  gesagt:  »Welcher  ists 
denn,  wenn  nicht  der  da,  der  den  Korb  so  schwer 
macht?'  "  Dann  führte  er  ihn  zu  dem  Apfel- 
händler und  sagte  zu  ihm:  „Hast  du  denn  keine 
Furcht  vor  Gott?  wie  kannst  du  mir  den  zu  den 
Äpfeln  zuwägen?"  Der  Händler,  der  ein  Schalk 
war,  nahm  meinen  Geliebten  beim  Ohre  und  sagte 
zu  ihm:  „Wie  oft  habe  ich  dir  schon  gesagt:  ,Bleib 
bei  den  Rüben  und  komme  nicht  immer  unter  die 
Eieräpfel!'  "  Dann  gab  er  meinem  Manne  an 
seiner  statt  einen  Eierapfel. 

365.  T^Schoha  erhielt  von  seinem  Vater  einen 
iy  Dirhem,  um  dafür  einen  Hammelkopf  zu 
kaufen.    Er   kaufte   ihn,   aß   aber   alles   Fleisch 

14 


herunter  und  brachte  seinem  Vater  den  nackten 
Schädel.  Der  Vater  sagte:  ,, Schuft,  was  ist  das?" 
„Ein  Hammelkopf."  „Wo  sind  die  Ohren?"  „Er 
war  taub."  „Und  die  Zunge?"  „Er  war  stumm." 
„Und  das  Fleisch  am  Kopfe?"    „Er  war  kahl." 

Einer  lud  eines  Tages  Dschoha  ein,  um  ihn  zu  366. 

hänseln,  und  als  Dschoha  zu  Tische  kam,  war 
nur  ein  Brot  da;  Dschoha  stand  auf  und  lief  eiligst 
weg.  Der  andere  sagte:  ,, Wohin  denn,  Dschoha?" 
Dschoha  antwortete:  „Ich  werde  am  Opfertage 
wiederkommen;  vielleicht  gibts  dann  bei  dir 
Fleisch." 

DSchoha  war  gerade  dabei,  ein  Huhn  mit  Brot  367. 

zu  essen,  als  einer  bei  ihm  vorbeikam;  der 
sagte  zu  ihm:  „Gib  mir  ein  Stückchen."  Aber 
Dschoha  sagte:  „Bei  Gott,  Bruder,  das  Huhn  ge- 
hört nicht  mir;  es  gehört  meiner  Frau  und  sie  hat 
es  mir  gegeben,  damit  ich  es  esse." 

DSchoha  fragte  einen  Geizhals:  ,, Warum  lädst  368. 

du  mich  nicht  ein?"  „Weil  du  große  Bissen 
nimmst  und  sie  gierig  verschlingst;  während  du 
den  einen  ißt,  bereitest  du  dir  schon  den  andern 
vor."  „Aber  Bruder,"  entgegnete  Dschoha,  „möch- 
test du  denn,  daß  ich  jedesmal  zv/ischen  zwei 
Bissen  zwei  Kniebeugungen  machte?" 

Eines  Tages  sagte  Dschoha  zu  seiner  Frau,  als  369. 

er  mit  ihr  aß:  ,, Nichts  könnte  lieblicher  sein 
als  diese  Speise,  wenn  sie  nur  nicht  so  knapp 
wäre."  „Wieso  denn  knapp?"  sagte  sie;  „wir 
sind  doch  allein,  du  und  ich."    „Mir  wäre  es  am 

15 


liebsten,"  sagte  er,  ,,wenn  nur  der  Topf  und  ich 
dawären,  und  sonst  niemand." 

yiO,  T^Schohas  Esel  hatte  sich  verlaufen;  da  schwur 

±J  Dschoha,  ihn,  wenn  er  ihn  finden  werde,  für 
einen  Dinar  zu  verkaufen.  Als  er  ihn  aber  ge- 
funden hatte,  nahm  er  eine  Katze,  setzte  sie  dem 
Esel  auf  den  Hals  und  führte  beide  Tiere  auf  den 
Markt  und  schrie;  „Wer  will  einen  Esel  um  einen 
Dinar  und  eine  Katze  um  hundert  Dinar?  eines 
ohne  das  andere  verkaufe  ich  aber  nicht." 

yjl'  "pines  Tages  war  Dschoha  in  dem  neugebauten 

JCtf  Hause  eines  Freundes;  er  setzte  sich  einen 
Augenblick  nieder,  bekam  aber  nichts  zu  essen. 
Da  stand  er  auf  und  begann  das  Haus  von  einer 
Ecke  zur  andern  mit  seinem  Fuße  auszumessen. 
Der  Eigentümer  sagte:  ,,Was  machst  du  da, 
Dschoha?"  „Ich  will  mir  ein  Haus  bauen  lassen 
wie  dieses  da;  ein  Haus,  wo  nichts  zu  trinken 
und  nichts  zu  essen  ist,  muß  ja  leicht  zu  bauen 
sein," 

372.  Tr\Schoha  wollte  für  heilig  gelten.     Er  wurde 

J-y  gefragt:  „Wo  sind  deine  Wunder?"  und  er 
sagte:  „Ich  werde  einem  Baume,  gleichgültig 
welchem,  befehlen,  zu  mir  zu  kommen,  und  er 
wird  mir  gehorchen."  „Sag  es  dem  Palmbaum 
da."  ,,Komm,"  sagte  Dschoha;  aber  der  Palm- 
baum rührte  sich  nicht,  auch  nicht,  als  er  ihn  drei- 
mal angerufen  hatte.  Nun  stand  Dschoha  auf; 
man  fragte  ihn:  „Wohin,  Dschoha?"  Er  sagte: 
„Die  Propheten  Gottes  und  die  Heiligen  kennen 
weder  Hochmut,  noch  Verblendung;  da  der  Palm- 

16 


bäum  nicht  zu  mir  kommt,  werde  ich  zum  Palm- 
baum gehn." 

Eines  Tages  stieg  Dschoha  auf  das  Minaret  der  373. 

Moschee  und  rief  zum  Gebete;  und  er  ver- 
wunderte sich  über  seine  Stimme,  Alsbald  stieg 
er  hinunter  und  begann  hastig  davonzulaufen. 
Man  fragte  ihn:  „Wohin,  Dschoha?"  Und  er 
antwortete:  „Ich  will  wissen,  bis  wohin  meine 
Stimme  reicht," 

Eines  Tages  ging  der  Hodscha  mit  einem  seiner  374, 

Freunde  auf  die  Jagd.  Sie  sahen  einen  Wolf, 
und  den  wollten  sie  fangen;  sie  verfolgten  ihn,  bis 
er  sich  unter  einen  Felsen  verkroch.  Der  Gesell 
Dschohas  steckte  seinen  Kopf  hinein,  um  ihn  zu 
packen,  aber  der  Wolf  riß  ihm  ihn  ab,  Dschoha 
wartete  länger  als  eine  Stunde;  als  er  schließlich 
sah,  daß  sich  sein  Gesell  nicht  wieder  erhob,  zog 
er  ihn  heraus,  und  da  sah  er,  daß  er  keinen  Kopf 
hatte.  Er  fragte  sich,  ob  er  einen  gehabt  habe 
oder  nicht;  dann  ging  er  in  die  Stadt  und  fragte 
die  Frau  seines  Freundes:  „Hat  dein  Mann,  als 
er  heute  weggegangen  ist,  seinen  Kopf  bei  sich 
gehabt  oder  nicht?" 

Eines  Tages  trug  Dschoha  einen  Sack  Korn  in  375. 

die  Mühle,  Auf  dem  Wege  dachte  er,  wie 
schön  es  wäre,  wenn  Gott  das  Korn  in  sei- 
nem Sacke  in  Gold  verwandeln  möchte,  und 
schließlich  glaubte  er,  daß  sein  Wunsch  erhört 
sei.  Er  streckte  die  Hand  aus,  um  zu  sehn,  ob  es 
Gold  geworden  sei  oder  nicht,  aber  der  Sack  legte 

Nasreddin,   II.  2  17 


sich  um.  Da  wandte  er  den  Blick  gen  Himmel 
und  sagte:  „Herr,  du  hast  mich  betrogen," 

yi6.  T?Iner  lud  Dschoha  ein  in  der  Absicht,  ihn  zu 

■  ^  hänseln;  er  brachte  Rosinen  in  einer  zu- 
gedeckten Schüssel,  worein  er  auch  Mistkäfer  ge- 
tan hatte.  Als  der  Deckel  abgenommen  wurde, 
liefen  die  Käfer  davon;  aber  Dschoha  machte  sich 
daran,  sie  aufzulesen  und  zu  essen,.  Der  Haus- 
herr fragte  ihn:  ,,Was  tust  du  denn?"  Und 
Dschoha  antwortete:  „Ich  fange  vorerst  die  Aus- 
reißer; die  Rosinen  rühren  sich  ja  nicht  von  der 
Stelle." 


18 


2.  Aus  der  von  Mcirdrus  besorgten  Ausgabe 
von  Tausend  und  einer  Nacht 


IN  den  Jahrbüchern  der  alten  Weisen,  o  König  377 . 

der  Zeit,  und  in  den  Schriften  der  Gelehrten 
wird  erzählt  und  durch  die  Überlieferung  ist  auf 
uns  gekommen,  daß  in  der  Stadt  Kairo,  diesem 
Sitze  des  Frohsinns  und  des  Geistes,  ein  Mann 
gewesen  ist,  der  wie  ein  Dummkopf  aussah,  aber 
unter  dem  Äußern  eines  ungewöhnlichen  Narren 
einen  unvergleichlichen  Kern  von  Verschlagen- 
heit, Scharfsinn,  Witz  und  Weisheit  verbarg,  ganz 
zu  geschweigen,  daß  er  sicherlich  der  vergnüg- 
lichste, unterrichtetste  und  geistreichste  Mensch 
seiner  Zeit  war;  mit  seinem  Namen  hieß  er 
Dschoha,  und  von  Beruf  war  er  nichts,  gar  nichts, 
wenn  er  auch  gelegentlich  in  den  Moscheen  das 
Predigeramt  ausübte. 

Eines  Tages  sagten  nun  seine  Freunde  zu  ihm: 
„Schämst  du  dich  denn  nicht,  Dschoha,  daß  du 
dein  Leben  im  Müßiggange  verbringst  und  deine 
Hände  samt  den  zehn  Fingern  zu  nichts  anderm 
brauchst,  als  um  sie  voll  zum  Munde  zu  führen? 
Und  denkst  du  nicht,  daß  es  die  höchste  Zeit 
wäre,  dein  Luderleben  aufzugeben  und  dich  den 
Sitten  aller  Welt  zu  fügen?" 

Dschoha  antwortete  darauf  nichts.  Aber  eines 
Tages  fing  er  einen  großen,  schönen  Storch  mit 
herrlichen  Flügeln,  die  ihn  hoch  in  den  Himmel 
trugen,  mit  einem  wunderbaren  Schnabel,  dem 
Schrecken  der  Vögel,  und  mit  zwei  Lilienstengeln 
als  Beinen.  Und  nachdem  er  ihn  gefangen  hatte, 
stieg  er  mit  denen,  die  ihm  Vorwürfe  gemacht 
hatten,  auf  das  Dach  seines  Hauses,  und  dort 
schnitt  er  dem  Storche  mit  einem  Messer  die  herr- 
lichen Federn  der  Flügel  und  den  wunderbaren 
langen  Schnabel  und  die  hübschen,  so  zierlichen 

21 


Beine  ab,  stieß  ihn  mit  dem  Fuße  hinaus  und 
sagte:  „Fliege!  fliege!" 

Entrüstet  schrien  ihn  seine  Freunde  an:  „Daß 
dich  Allah  verfluche,  Dschoha!  Warum  diese 
Verrücktheit?" 

Und  er  antwortete  ihnen:  „Dieser  Storch  hat 
mich  geärgert  und  hat  meine  Augen  verdrossen, 
weil  er  nicht  so  war  wie  die  andern  Vögel;  jetzt 
aber  habe  ich  ihn  den  andern  ähnlich  gemacht." 


378.  T  TNd  einmal  kam   sein  Nachbar   zu  Dschoha, 

LJ  um  ihn  zu  einem  Mahle  einzuladen,  und 
sagte  zu  ihm:  ,,Komm  zu  mir  essen,  Dschoha." 
Und  Dschoha  nahm  die  Einladung  an.  Und  als 
sie  alle  beide  vor  dem  Eßbrette  saßen,  wurde 
ihnen  eine  Henne  aufgetragen.  Und  Dschoha  gab 
es  nach  mehrern  Kauversuchen  auf,  sich  mit 
dieser  Henne  zu  befassen,  die  eine  alte  war  unter 
den  allerältesten  Hennen,  und  deren  Fleisch  zäh 
war  wie  Leder;  und  er  begnügte  sich,  ein  wenig 
von  der  Suppe,  worin  sie  gekocht  war,  zu  sich 
zu  nehmen.  Dann  stand  er  auf,  nahm  die  Henne, 
stellte  sie  in  die  Richtung  nach  Mekka  und 
schickte  sich  an,  sein  Gebet  über  ihr  zu  sprechen. 
Und  sein  Wirt  sagte  betreten  zu  ihm:  ,,Was 
v/illst  du,  Ungläubiger?  Seit  wann  beten  die 
Muselmanen  über  den  Hühnern?" 

Und  Dschoha  antwortete:  ,,Du  täuschest  dich, 
Oheim.  Diese  Henne,  über  der  ich  beten  will, 
ist  keine  Henne:  sie  hat  nur  die  Gestalt  einer 
Henne;  denn  in  Wirklichkeit  ist  sie  eine  alte 
heilige  Frau,  die  in  eine  Henne  verwandelt 
worden  ist,  oder  ein  verehrungswürdiger  frommer 

22 


Mönch!  denn  sie  war  im  Feuer,  und  das  Feuer 
hat  sie  verschont." 

Ein  andermal  war  Dschoha  mit  einer  Karawane  379. 

ausgezogen  und  der  Mundvorrat  war  gar 
spärlich  und  der  Hunger  der  Reisenden  war  be- 
trächtlich; und  er  wurde  von  seinem  Magen  so 
gepeinigt,  daß  er  gern  das  Futter  der  Kamele 
verschlungen  hätte.  Als  sie  sich  nun  beim  ersten 
Halt  alle  niedergesetzt  hatten,  um  zu  essen,  zeigte 
Dschoha  so  viel  Zurückhaltung  und  Bescheiden- 
heit, daß  sich  seine  Gefährten  nicht  genug  wun- 
dern konnten.  Sie  drangen  in  ihn,  das  Brot  und 
das  harte  Ei,  das  ihm  zukam,  zu  nehmen,  aber  er 
antwortete:  „Nein,  bei  Allah!  eßt  nur  und  seid 
zufrieden;  ich  wäre  nicht  imstande,  ein  ganzes 
Brot  und  ein  Ei  aufzuessen.  Nehmt  nur  jeder 
euer  Brot  und  euer  Ei;  mir  gebt  dann,  wenn  es 
euch  beliebt,  jeder  die  Hälfte  von  seinem  Brot 
und  seinem  Ei:  mehr  verträgt  mein  Magen  nicht, 
der  ziemlich  schwach  ist." 

Ein  andermal,  an  einem  sehr  heißen  Tage,  hatte  380. 

sich  Dschoha  in  der  ärgsten  Sonnenglut  auf 
den  Weg  gelegt  und  hielt  seinen  Freudenstifter 
entblößt  in  der  Hand.  Da  kam  einer  vorbei,  und 
der  sagte  zu  ihm:  „Schande  über  dich,  Dschoha! 
was  machst  du  da?" 

Und  Dschoha  antwortete:  „Schweige,  Mann, 
und  geh  mir  aus  meinem  Winde!  siehst  du  nicht, 
daß  ich  meinen  Kleinen  Luft  schöpfen  lasse  zu 
seiner  Erfrischung?" 


23 


3.  Volks erzählungen  aus  Tripolis  und 
Tunis 


Einmal  kam  ein  Mann  zu  Dschuha  und  sprach  381. 

zu  ihm:  „Ich  habe  eine  Kuh  und  möchte  sie 
verkaufen,  aber  niemand  will  sie  mir  abkaufen." 
Dschuha  antwortete:  „Ich  werde  den  Verkauf  be- 
sorgen. Bring  sie  morgen  auf  den  Markt;  da  will 
ich  sie  an  den  Mann  bringen."  Dschuha  ging  zu 
seiner  Mutter  und  erzählte  es  ihr,  und  sie  sagte 
zu  ihm:  „Weißt  du  auch,  mein  Sohn,  wie  du  die 
Kuh  teuer  verkaufen  kannst?"  ..Sag  mirs." 
,,Sag:  (Das  ist  eine  sehr  schöne  Kuh;  sie  ist  noch 
jung,  ist  aber  schon  im  sechsten  Monate  träch- 
tig.' "    ,, Schön,"  antwortete  Dschuha. 

Am  nächsten  Morgen  brachte  ihm  der  Mann 
die  Kuh;  Dschuha  trieb  sie  auf  den  Markt  und  be- 
gann sie  auszurufen.  Man  fragte  ihn:  ,, Dschuha, 
ist  das  eine  gute  Kuh?"  Er  antwortete:  „Eine 
sehr  gute;  ich  weiß,  daß  sie  sehr  gut  ist."  ,, Wieso 
weißt  du  das?"  „Sie  ist  noch  jung  und  ist  schon 
trächtig  im  sechsten  Monate."  ,,Ja  dann  ist  sie 
gut."  Dschuha  verkaufte  sie  in  der  Tat  sehr 
teuer.    Dann  ging  er  nach  Hause. 

Nun  hatte  er  eine  junge  Tochter,  und  um  die 
warben  eben  Leute,  als  er  nach  Hause  kam.  Und 
ihre  Mutter  sagte  zu  den  Leuten:  „Da  kommt  ihr 
Vater.  Bittet  ihn  um  sie;  er  wird  sie  euch  schon 
geben."  ,,Was  wollt  ihr?"  fragte  Dschuha.  „Wir 
wollen  deine  Tochter  haben."  Er  sagte:  „Ja  die 
ist  gut:  ihr  Verstand  ist  gut  entwickelt,  ihre  Augen 
sind  hübsch,  ihre  Augenbrauen  sind  zierlich,  ihr 
Haar  ist  schön  genug,  und  überdies  ist  sie  im 
sechsten  Monate  schwanger."  Die  Leute  be- 
gannen zu  lachen,  wandten  sich  zur  Tür  und 
gingen  weg. 

Nun  sagte  die  Frau  zu  Dschuha:  „Schämst  du 

27 


dich  nicht?"  ,, Warum  denn?"  „Wie  kannst  du 
zu  Leuten,  die  um  deine  Tochter  werben  kommen, 
sagen,  sie  sei  im  sechsten  Monate  schwanger?" 
,,Nun,  bei  der  Kuh  war  es  doch  heute  gut,  die  gar 
nichts  wert  war.  Niemand  hat  sie  mir  abnehmen 
wollen,  bis  ich  den  Leuten  gesagt  habe,  sie  sei  im 
sechsten  Monate  trächtig;  da  haben  sie  sie  sofort 
genommen.  Na,  und  wenn  einer  etwas  kaufen 
will,  ists  da  besser,  er  erhält  ein  Ding  oder  gleich 
zwei ! 

Dschuha  ging  nun  weg  von  seiner  Frau.  Auf 
der  Straße  kam  er  wieder  mit  den  Leuten  zu- 
sammen, die  bei  ihm  um  seine  Tochter  geworben 
hatten,  und  die  sagten  zu  ihm:  ,,Wie  hast  du  uns 
nur  sagen  können,  deine  Tochter  sei  eine  Jung- 
frau, und  dann  behaupten,  sie  sei  im  sechsten 
Monate  schwanger?"  Dschuha  antwortete:  ,,Das 
will  ich  euch  erklären.  Wenn  du  zum  Beispiel 
reisest  und  irgendwohin  willst,  ist  es  da  besser, 
wenn  du  in  neun  Stunden  hinkommst  oder  in 
drei?"  ,, Natürlich  ist  es  in  drei  Stunden  besser." 
,,Nun,  das  trifft  auch  bei  meiner  Tochter  zu;  ist  es 
besser,  wenn  sie  ihrem  Gatten  in  drei  Monaten 
ein  Kind  schenken  kann,  oder  wenn  das  erst  in 
neun  Monaten  möglich  ist?"  Da  lachten  die 
Leute  und  gingen  weg. 

382.  T^Schuha    kam    einst    zu    König    Jachja;    der 

J--/  mochte  ihn  gut  leiden  und  sagte  zu  ihm: 
,, Verlange,  was  du  willst,"  Dschuha  antwortete: 
,,Wer  Jachja  heißt,  soll  mir  einen  Piaster  geben, 
wer  am  frühen  Morgen  ausgeht,  desgleichen,  wer 
auf  seine  Frau  hört,  desgleichen,  ebenso  wer 
einen  langen  Bart  hat,  und  schließlich  wer  grindig 

28 


ist."  Der  König  befahl:  „Fertigt  ihm  die  Gewäh- 
rung seiner  Bitte  schriftlich  aus,"  Dschuha  nahm 
den  Bescheid  und  ging. 

Eines  Tages  ging  er  früh  ums  Morgengrauen 
zu  einem  Stadttore  und  setzte  sich  dort  nieder. 
Da  kam  ein  Beduine  vorbei,  der  Brennreisig  in  die 
Stadt  bringen  wollte,  Dschuha  hielt  ihn  an  und 
sagte  zu  ihm:  ,,Gib  mir  einen  Piaster,"  Der 
Beduine  fragte:  „Warum?"  Dschuha  antwortete: 
„Weil  du  am  frühen  Morgen  ausgehst,"  Der 
Beduine  blickte  auf  und  sagte:  „Hätte  ich  nicht 
auf  meine  Frau  gehört,  wäre  ich  nicht  früh  auf- 
gestanden." Da  sagte  Dschuha:  ,, Jetzt  mußt  du 
mir  zwei  Piaster  geben,"  Der  Beduine  wurde 
zornig  und  sagte:  „Weg!  laß  mich  in  Ruh;  sonst 
kannst  du  den  Stock  da  von  der  Hand  Hadsch 
Jachjas  zu  kosten  bekommen!"  Da  sagte 
Dschuha:  „Jetzt  machts  drei  Piaster,"  Sie  be- 
gannen zu  streiten:  der  eine  sagte:  ,,Gib  her,"  und 
der  andere:  ,,Ich  gebe  dir  nichts,"  bis  sie  sich  zu 
prügeln  anfingen.  Da  wurde  der  Bart  des 
Beduinen  sichtbar,  und  Dschuha  sah,  daß  er  lang 
war;  da  sagte  er:  ,,Vier  Piaster,"  Sie  prügelten 
sich  weiter,  und  da  wurde  auch  der  Kopf  des 
Beduinen  bloß;  Dschuha  sah,  daß  er  grindig  war, 
und  so  sagte  er  sofort:  „Fünf  Piaster,"  Der  Streit 
wurde  immer  heftiger  und  schließlich  wurden  sie 
vor  den  Sultan  geführt. 

Der  Sultan  antwortete:  ,,Was  soll  das  heißen, 
Dschuha?"  Dschuha  antwortete:  ,,Hier  ist  der 
treffliche  Bescheid,  den  du  mir  gegeben  hast.  Bei 
diesem  Manne  habe  ich  die  fünf  Eigenschaften 
getroffen,  die  in  dem  Bescheide  verzeichnet  sind: 
er  heißt  Jach  ja,  geht  am  frühen  Morgen  aus,  hört 

29 


auf  den  Rat  seiner  Frau,  hat  einen  langen  Bart 
und  ist  grindig."  Der  Sultan  sagte  zu  dem 
Beduinen;  ,,Geh  nur  ruhig  nach  Hause;  du  bist 
ein  armer  Mann  und  bist  hergekommen,  um  dir 
etwas  zu  verdienen,  und  Dschuha  hat  dich  ab- 
gehalten." Und  er  gab  ihm  ein  Geschenk  und 
sagte:  ,,Geh  jetzt."  Dschuha  sah  König  Jachja 
an  und  sagte:  „Es  mangelt  doch  einem  jeden,  der 
Jachja  heißt,  am  Verstände."  Darüber  erboste 
sich  König  Jachja  und  ereiferte  sich  immer  mehr; 
endlich  rief  er:  „Bei  Gott,  wenn  du  mir  niemand 
ausfindig  machst,  der  Jachja  heißt  und  dem  es 
am  Verstände  mangelt,  so  lasse  ich  dir  den  Kopf 
abschlagen."  Dschuha  antwortete:  ,,Gib  mir  hun- 
dert Piaster  und  gewähre  mir  neun  Tage  Frist." 
Der  König  ließ  ihm  das  Geld  geben  und  gewährte 
ihm  die  gewünschte  Frist,  erklärte  aber  nochmals: 
„Wenn  du  mir  nicht  binnen  neun  Tagen  einen 
Menschen,  wie  beschrieben,  bringst,  so  lasse  ich 
dir  den  Kopf  abschlagen." 

Dschuha  verließ  den  Palast  und  ging  auf  den 
Schaf  markt;  dort  kaufte  er  einen  hübschen 
Hammel.  Den  trieb  er  in  den  Basar  der  Gewürz- 
krämer. Er  fragte  einen  Mann:  „Ist  vielleicht  in 
dem  Basar  da  ein  Mann,  der  Jachja  heißt?"  Der 
Mann  sagte:  „Der  in  dem  Laden  dort  heißt 
Jachja."  Dschuha  ging  zu  dem  ihm  bezeichneten 
und  sagte  zu  ihm:  „Friede  sei  über  dir!"  Der 
Gewürzkrämer  antwortete:  ,,Über  dir  sei  der 
Friede,"  und  bewillkommnete  Dschuha.  Der 
sagte:  „Du  heißt  Jachja?"  Der  Krämer  ant- 
wortete; „Jawohl."  Dschuha  sagte;  „Ich  habe 
dir  ein  Geschenk  gebracht."  Der  Krämer  fragte: 
„Von  wem  denn?"    Dschuha  antwortete;  „Diesen 

30 


Hammel  hat  dir  der  Erzengel  Gabriel  geschickt." 
Der  Alte  freute  sich  und  rief:  „Lob  sei  Gott,  der 
sich  meiner  erinnert  und  mir  durch  den  Engel 
Gabriel  einen  Hammel  geschickt  hat/  "  Dschuha 
sagte  ihm  noch:  ,,Ich  warne  dich  aber  vor  einem: 
dieser  Hammel  erzählt  alles  weiter,  was  er  zu 
hören  und  zu  sehn  bekommt;  er  ist  ein  Plauderer." 
Der  alte  Jach  ja  nahm  den  Hammel  mit  nach 
Hause  und  band  ihn  in  der  Küche  an. 

Nun  hatte  der  Alte  einen  Sohn,  der  eben  ge- 
heiratet hatte.  Die  junge  Frau  mußte  auf  einmal 
auf  den  Abtritt  geim,  und  dort  ließ  sie  einen 
fahren;  ach,  da  sah  sie,  daß  der  Hammel  her- 
guckte. Sie  schämte  sich  heftig  und  sprach  bei 
sich:  ,,Der  sagt  es  jetzt  meinem  Manne  und  stellt 
mich  vor  ihm  bloß."  Drum  sagte  sie  zu  dem 
Hammel:  „Bitte,  sag  nichts."  „Bäh,  bäh,"  „Ver- 
sprich mir,  daß  du  nichts  sagen  wirst."  „Määh." 
Da  zog  sie  ihr  Leibchen  aus  und  bat  den  Hammel: 
„Nimm  es,  aber  sage  meinem  Manne  nichts." 
Und  so  zog  sie  sich  ein  Kleidungsstück  nach  dem 
andern  aus,  um  es  dem  Hammel  hinzugeben,  bis 
sie  splitternackt  auf  dem  Abtritte  dasaß.  Ihre 
Mutter  vermißte  sie  und  fand  sie  endlich  auf  dem 
Abtritte;  da  sie  sah,  daß  sie  nackt  und  bloß  war, 
fragte  sie  sie:  „Dir  fehlt  doch  nichts?"  „Ach, 
Mütterchen,  ich  habe  einen  streichen  lassen,  und 
der  Hammel  hat  es  gehört,  und  ich  ängstige  mich, 
daß  ers  weitererzählt;  und  er  will  mir  nichts  ver- 


^  Die  folgende  Episode  ist  in  der  deutschen  Über- 
tragung der  Tunisischen  Märchen  nicht  enthalten;  Herr 
Prof,  Dr,  Stumme  war  so  liebenswürdig,  meiner  Bitte  um 
eine  Übersetzung  nachzukommen,  wofür  ihm  auch  an 
dieser  Stelle  herzlichst  gedankt  sei. 

31 


sprechen."  Da  zog  sich  die  Alte  auch  aus  und  saß 
schließlich  auch  nackt  auf  dem  Abtritte.  Die 
Mutter  des  jungen  Gatten  vermißte  die  beiden 
und  ging  ihnen  nach;  und  sie  sagte  zu  ihnen: 
,, Warum  sitzt  ihr  denn  nackt  und  bloß  da?"  Die 
Mutter  der  jungen  Frau  begann:  „Mein  Töch- 
terchen hat  einen  streichen  lassen,  und  wir  haben 
Angst,  der  Hammel  erzählts  ihrem  Manne,"  Da 
zog  sich  die  Mutter  des  jungen  Gatten  auch  aus 
und  gab  auch  alle  ihre  Kleider  dem  Hammel  und 
sagte  zu  ihm:  ,,Mein  Söhnchen,  bitte,  sags  nicht 
weiter." 

So  standen  die  Dinge,  als  der  alte  Jachja  sein 
Haus  betrat.  Er  rief  hinein:  ,,Chaddidscha! 
Fatima!",  aber  niemand  antwortete  ihm.  Da 
suchte  er  das  ganze  Haus  ab,  bis  er  auf  den  Ab- 
tritt kam  und  die  drei  Frauen  sah;  er  fragte  sie: 
,,Was  ists  mit  euch?"  Sie  schwiegen;  denn  sie 
schämten  sich.  Er  sagte:  „Sagt  es  mir  nur." 
Nun  sagten  sie:  „Die  junge  Frau  hat  früher  einen 
streichen  lassen,  und  wir  haben  uns  geängstigt, 
daß  es  der  Hammel  ihrem  Manne  erzählen 
werde."  Da  begann  sich  der  alte  Jachja  auch 
zu  entkleiden:  er  gab  dem  Hammel  Turban,  Rock 
und  Kaftan  und  saß  schließlich  nackt  wie  die 
drei  Frauen  auf  dem  Abtritte- 
Endlich  kam  der  junge  Ehemann,  der  Sohn 
des  alten  Jachja,  heim;  er  fand  das  Haus  öde 
und  leer.  Er  rief:  „Mutter!  Frau!",  aber  niemand 
antwortete  ihm.  Als  er  dann  vom  Abtritte  her 
ein  Geräusch  hörte,  ging  er  hin,  und  dort  fand  er 
die  ganze  Gesellschaft  nackt:  Vater,  Mutter,  Frau 
und  Schwiegermutter.  „Gottes  Wunder!"  sagte 
er;  ,,was  ist  denn  los  mit  euch?"     Sie  schwiegen 

32 


und  schlugen  ihre  Augen  zu  Boden;  dann  trat 
sein  Vater  vor  und  sagte  zu  ihm:  „Deine  junge 
Frau,  mein  Sohn,  hat  einen  fahren  lassen,  und 
wir  hatten  Angst,  der  Hammel  könnte  es  dir  er- 
zählen." 

Lassen  wir  jetzt  diese  Leute  und  ihre  Sachen 
und  wenden  wir  uns  wieder  zu  Dschuha.  Was 
tat  also  Dschuha?  Dschuha  hielt  sich  eine  Woche 
lang  fern  vom  alten  Jachja;  dann  aber  ging  er 
wieder  in  seinen  Laden.  Der  Alte  bewillkommnete 
ihn  freudig  und  sagte:  „Sei  gegrüßt!"  Dschuha 
sagte:  „Komm  her!  ich  will  dir  etwas  anver- 
trauen, was  ein  Geheimnis  zwischen  uns  bleiben 
soll."  Jachja  sagte:  „Sag  es,"  Dschuha  sagte: 
„Ich  bin  der  Engel  Asrael  und  heute  Nacht  wird 
mich  Gott  zu  dir  senden,  um  deinen  Geist  zu 
holen."  Jachja  sagte:  „Freund,  was  habe  ich 
denn  verbrochen?"  Dschuha  antwortete:  „Du 
magst  etwas  verbrochen  haben  oder  nicht:  wer 
vor  seinem  Ende  steht,  muß  den  Fuß  lang- 
strecken.  Geh  hin  und  nimm  von  allen  deinen 
Angehörigen,  Verwandten  und  Bekannten  Ab- 
schied." Der  alte  Jachja  erwiderte:  „Ich  will 
aber  nicht  sterben."  Dschuha  sagte:  „Was  soll 
das  heißen?  Das  Geschenk  ist  dir  recht,  aber 
vom  Sterben  willst  du  nichts  hören?  Nimm  nur 
dein  Leichentuch  und  geh  nach  Hause.  Ich  werde 
gegen  Abend  zu  dir  kommen  und  zwar  mit  zwei 
andern  Engeln,  nämlich  Michael  und  Gabriel." 
Damit  verließ  er  den  alten  Jachja.  Der  dachte 
nun:  „Heute  Nacht  muß  ich  also  sterben."  Dann 
nahm  er  sein  Leichentuch  und  ging  nach  Hause. 
Er  wusch  sich  und  betete  zwei  Abschnitte;  und 
zu  den  seinigen  sagte  er:  „Niemand  soll  das  Haus 

Nasreddin,   IL  3  33 


verlassen,"  Hierauf  ging  er  zu  seinen  Freunden 
und  Verwandten  und  sagte  zu  ihnen:  ,, Verzeiht 
mir  alles  schlechte."  Sie  fragten  ihn:  „Was  ists 
mit  dir?"  und  er  antwortete:  „Heute  Nacht  muß 
ich  sterben."  Der  eine  sagte:  „Jachja  ist  verrückt 
geworden",  der  andere:  „Vielleicht  hat  er  seinen 
Tod  vorausgesehn."  Dann  ging  Jachja  wieder 
nach  Hause,  Seine  Frau  und  seine  Schwieger- 
tochter kamen  ihm  entgegen  und  sagten  zu  ihm: 
„Sei  gegrüßt!";  er  aber  entgegnete:  „Weder  ge- 
grüßt, noch  sonst  etwas.  Verzeihet  mir  alles; 
denn  heute  Nacht  muß  ich  sterben." 

Dschuha  ging  wieder  zum  Könige  und  sagte 
zu  ihm:  „Nun  habe  ich  einen  ausfindig  gemacht, 
der  Jachja  heißt  wie  du  und  dem  es  am  Ver- 
stände fehlt,"  Er  brachte  zwei  Kapuzenmäntel 
und  der  König  und  der  Wesir  zogen  sie  an;  er  tat 
das  gleiche.  Und  um  die  Zeit  des  Abendgebetes 
ging  er  mit  ihnen  zu  dem  alten  Jachja;  sie  fanden 
die  Haustür  offen.  Als  sie  eintraten,  flohen  die 
weiblichen  Familienmitglieder,  indem  sie  riefen: 
„Das  ist  der  König  Tod;  er  will  vielleicht  auch 
uns  töten,"  Die  drei  traten  ein  und  sagten  zum 
alten  Jachja:  „Friede  sei  über  dir,"  Er  ant- 
wortete ihnen  mit  matter  Stimme:  „Über  euch  sei 
der  Friede,"  Nun  befahl  ihm  Dschuha:  „Lege 
dich  hin  und  strecke  dich  lang,"  Jachja  legte 
sich  hin  und  streckte  sich  lang,  Dschuha  befahl 
ihm  weiter:  „Sag  dein  Glaubensbekenntnis." 
Dann  begann  er  den  Alten  von  unten  an  zu 
quetschen  und  zu  zwicken:  mit  dem  Beine  fing 
er  an  und  zwar  mit  der  großen  Zehe;  dann  kam 
er  ihm  an  den  Bauch,  an  die  Brust  und  schließ- 
lich an  den  Hals.     Als  er  ihm  tüchtig  an  den 

34 


Hals  griff,  wurde  Jach  ja  ohnmächtig-  Drauf 
deckte  ihm  Dschuha  das  Gesicht  zu  und  sagte 
zum  Sultan  und  zum  Vesir;  ,,Laßt  uns  wieder 
gehn."  Und  als  er  das  Haus  verließ,  sagte  er  zu 
den  Angehörigen  des  alten  Jachja;  ,,Wer  sich 
muckst  oder  gar  schreit,  dessen  Geist  hole  ich," 
Zum  Sultan  aber  und  zum  Wesir  sagte  er:  ,, Morgen 
sollt  ihr  mit  mir  dem  Begräbnisse  beiwohnen." 

Am  nächsten  Morgen  ging  der  Sohn  des  alten 
Jachja  aus  und  holte  die  Sänger  und  die  Bahre. 
Man  wusch  den  Alten  und  hüllte  ihn  in  das 
Leichentuch,  legte  ihn,  ohnmächtig,  wie  er  noch 
immer  war,  auf  die  Bahre  und  zog  zum  Fried- 
hofe. Unter  den  Leuten,  die  dem  Begräbnisse 
beiwohnten,  waren  der  Sultan  und  der  Wesir  und 
auch  Dschuha.  Dem  begegnete  ein  altes  Weib 
und  er  sagte  zu  ihr:  ,,Komm  her;  da  ist  ein  Gold- 
stück. Geh  an  die  Bahre,  tritt  zu  den  Trägern 
und  sage  zu  ihnen,  was  ich  dir  sagen  werde." 
Und  er  sagte  ihr,  was  sie  zu  sagen  haben  werde. 
Sie  trat  auf  die  Träger  zu  und  sagte  zu  ihnen 
nach  dem  Wortlaute  Dschuhas:  „Wer  ist  der 
Tote?"  Man  antwortete  ihr:  „Der  alte  Jachja 
vom  Basar  der  Gewürzkrämer,"  Sie  sagte: 
,,Gott  sei  ihm  nicht  gnädig!  Ich  habe  bei  ihm, 
als  ich  meine  Tochter  verheiraten  wollte,  ein 
Pfündchen  Ambra  gekauft;  da  hat  er  mich  um 
vier  Unzen  betrogen,"  Als  das  der  alte  Jachja 
hörte,  richtete  er  sich  auf  der  Bahre  auf  und  rief: 
„Ich  bin  ein  Betrüger,  du  schlechtes  Weib?  Mich 
kennt  man  als  einen  Dieb?"  Da  warfen  die 
Träger  die  Bahre  zu  Boden  und  entflohen;  alle 
Leute  aber  begannen  zu  lachen  und  der  Sultan 
und  der  Wesir  stimmten  mit  ein.     Nun  wandte 

3*  35 


sich  Dschuha  an  den  Sultan  und  sagte  zu  ihm: 
„Habe  ich  dir  nicht  gesagt,  daß  es  jedem,  der 
Jachja  heißt,  am  Verstände  fehlt?"  Der  Sultan 
antwortete:  ,,Ich  verzeihe  dir;  verlange  von  mir, 
was  du  willst." 

3S3.  "TV  Schuha  pflegte  mit  seiner  Mutter  unter  einem 

J-y  Tuche  zu  schlafen,  und  allmorgendlich,  wann 
der  Muezzin  auf  das  Minaret  stieg,  um  zum  Ge- 
bete zu  rufen,  stand  seine  Mutter  auf  und  nahm 
das  Tuch  um,  so  daß  Dschuha  in  der  Kälte  bloß 
liegen  mußte.  Eines  Tages  sprach  er  bei  sich: 
,, Dieser  Muezzin  ist  doch  ein  nichtswürdiger 
Mensch;  jede  Nacht  stört  er  mich,"  Er  ging  zu 
ihm  hinauf  aufs  Minaret;  und  während  der 
Muezzin  zum  Gebete  rief,  erschlug  er  ihn.  Und 
er  schnitt  ihm  den  Kopf  ab  und  warf  ihn  in  den 
Brunnen  seines  Hauses,  Dann  ging  er  zu  seiner 
Mutter  und  sagte  zu  ihr:  ,, Jetzt  habe  ich  dir 
glücklich  Ruhe  vor  dem  Muezzin  verschafft;  ich 
habe  ihn  getötet  und  ihm  den  Kopf  abgeschnitten," 
Die  Mutter  fragte  ihn:  „Wo  ist  denn  der  Kopf?" 
Dschuha  antwortete:  „Ich  habe  ihn  in  unsern 
Brunnen  geworfen,"  Nun  sagte  die  Mutter: 
,,Geh  jetzt  hinein  und  leg  dich  schlafen;  sonst 
wird  man  kommen  und  dich  festnehmen," 
Dschuha  ging  ins  Zimmer  und  legte  sich  schlafen 
und  die  Mutter  deckte  ihn  zu, 

Sie  schlachtete  ein  Hämmelchen,  das  sie  hatte, 
und  warf  den  Kopf  in  den  Brunnen;  das  Netz 
und  den  Magen  nahm  sie  her  und  machte  Würste 
daraus.  Die  kochte  sie,  ging  damit  zu  Dschuha 
und  warf  sie  auf  den  Boden;  dann  sagte  sie  zu 
ihm:    „Steh    auf,    Dschuha,    es    hat    Würste    ge- 

36 


regnet."  Dschuha  erhob  sich,  las  die  Würste  auf 
und  aß  sie.  Hierauf  ging  er  aus;  er  fand  die 
Moschee  voller  Menschen  und  die  fragten  ein- 
ander: „Was  ist  das?  der  Muezzin  hat  keinen 
Kopf;  wer  hat  ihn  getötet?"  Dschuha  sagte  zu 
ihnen:  „Ich  habe  ihn  getötet."  Sie  fragten  ihn: 
„Wo  ist  sein  Kopf?"  Er  sagte:  „Den  habe  ich  in  • 
unsern  Brunnen  geworfen."  Nun  hieß  es:  „Wir 
müssen  zu  Dschuha  gehn,  damit  wir  sehn,  ob  das 
wahr  oder  gelogen  ist,"  Man  ließ  Dschuha  in  den 
Brunnen  hinab,  damit  er  den  Kopf  des  Muezzins 
heraufhole.  Als  er  nun  im  Wasser  herumtastete, 
kamen  ihm  die  Hörner  des  Hammels  in  die  Hand; 
da  sah  er  hinauf  und  rief  denen  oben  zu:  ,,Hat 
euer  Muezzin  Hörner  gehabt  oder  nicht?"  Sie 
sagten:  „Was  soll  das  heißen?  Wann  hast  du  ihn 
übrigens  getötet?"  Dschuha  antwortete:  „In  der 
Nacht,  wo  es  Würste  geregnet  hat."  Da  sahen 
sich  die  Leute  an  und  sagten:  ,,Ach,  das  ist  ja 
der  verrückte  Dschuha!" 

DSchuha  hatte  einen  Oheim  von  Vaters  Seite,  384. 

und  in  dessen  Frau  war  er  verliebt  und  sie 
gewährte  ihm  auch  ihre  Gunst;  da  verstieß  sie 
der  Oheim  und  nahm  eine  andere  Frau  und  die 
warnte  er  mit  den  Worten:  „Dschuha  ist  ein 
Taugenichts;  hüte  dich  ja,  daß  er  dir  zu  nahe 
kommt  und  du  ihm  irgendeine  Gunst  gewährst." 
Dschuha  war  der  Schafhirt  seines  Oheims;  und 
wenn  er  abends  heimkam  und  die  Frau  anzureden 
versuchte,  so  wies  sie  ihn  allemal  schnöde  ab. 
Als  er  aber  einmal  die  Schafe  weidete,  kam  er 
zu  einem  unterirdischen  Gewölbe;  dahinein  trieb 
er  die  Schafherde,  und  den  Eingang  verrammelte 

37 


er.  Er  ging  zu  seinem  Onkel  und  sagte  zu  ihm: 
„Die  Schafe  sind  weg."  Sein  Oheim,  der  Ärmste, 
machte  sich  auf  und  suchte  mit  seiner  Frau  die 
Schafe;  die  waren  in  dem  Gewölbe.  Als  die 
Suchenden  dort  in  die  Nähe  kamen,  begann  auf 
einmal  Dschuha  für  sich  zu  sprechen.  Sein  Oheim 
sagte:  ,,Was  redest  und  sprichst  du  da?"  Dschuha 
antwortete:  ,,Die  Vögel  sprechen  mit  mir,"  Der 
Oheim  fragte  weiter:  ,,Was  sagen  sie  dir  denn?" 
Dschuha  antwortete:  ,,Was  mir  die  Vögel  sagen, 
kann  ich  dir  nicht  wiedersagen;  es  schickt  sich 
nicht."  Der  Oheim  dachte  eine  Weile  nach;  dann 
sagte  er:  ,,Sag  es  mir;  es  tut  weiter  nichts." 
Dschuha  antwortete:  ,,Die  Vögel  haben  zu  mir 
gesagt:  ,Wenn  du  die  Frau  deines  Oheims  wirst 
küssen,  wirst  du  die  Schafe  finden  müssen.'  "  Da 
sagte  der  Oheim:  ,,Also,  Dschuha,  ich  soll  die 
Schafe  finden,  wenn  ich  dir  meine  Frau  über- 
lasse?" Dschuha  antwortete:  ,,Ja,  bei  Gott. 
Wahrhaftig,"  Nun  sagte  der  Oheim:  „Wohlan 
denn,  nimm  sie  dort  ins  Gebüsch  und  küsse  dich 
satt  an  ihr."  Dschuha  nahm  sie  ins  Gebüsch  und 
küßte  sich  satt  an  ihr.  Dann  kam  er  aus  dem 
Gebüsche  hervor  und  begann  wieder  ein  Selbst- 
gespräch. Der  Oheim  fragte  ihn:  ,,Was  hat  dir 
der  Vogel  jetzt  gesagt?"  ,,Er  hat  mir  gesagt,  wo 
die  Schafherde  ist,  nämlich  dort  in  dem  unter- 
irdischen Gewölbe,"  Der  Oheim  fragte  ihn 
wieder:  ,, Wirklich?  oder  lügst  du  mir  etwas  vor?" 
Bald  waren  sie  bei  dem  Gewölbe  und  Dschuha 
öffnete  es  und  ließ  die  Schafe  heraus;  und  er 
sagte:  ,,Nun,  Oheim,  da  haben  wir  also  die  Schafe 
wiedergefunden."  Als  sie  dann  zu  Hause  waren, 
sagte  Dschuhas  Oheim  zu  seiner  Frau:   „Dieser 

38 


Dschuha  ist  ein  Taugenichts;  er  verspottet  uns 
und  macht  sich  über  uns  lustig."  Und  damit 
jagte  er  Dschuha  weg, 

DSchuha  hatte  einen  kleinen  Esel,     Den  ent-  385. 

deckten  etliche  lose  Buben  und  nahmen  ihn 
weg;  und  als  sie  ihn  gestohlen  und  verkauft 
hatten,  kamen  sie  wieder  zu  Dschuha  und  sagten 
zu  ihm:  „Dschuha,  dein  Esel  ist  Kadi  geworden." 
Dschuha  antwortete:  ,, Wahrhaftig?"  Sie  be- 
teuerten es:  ,,Wir  haben  ein  Buch  vor  uns  hin- 
gelegt und  zu  lesen  begonnen,  und  da  hat  er  uns 
zugehört,"  Dschuha  nahm  einen  Futtersack  und 
ging  damit  zum  Kadi.  Der  Kadi  sprach  gerade 
Recht;  da  hielt  ihm  Dschuha  den  Futtersack  hin 
und  sagte  zu  ihm:  ,,Komm,  friß  Gerste;  du  bist 
doch  ein  Esel,"  Der  Kadi  blickte  auf  und  sagte: 
„Was  soll  das  heißen?  du  machst  mich  zu  einem 
Esel,  verfluchter  Junge?  Greift  ihn  und  ver- 
abreicht ihm  zweihundert  Hiebe,"  Dschuha  er- 
hielt also  von  den  Dienern  die  Hiebe;  aber  er 
schrie:  „Ach,  ich  werde  dir  keine  Gerste  und  kein 
Stroh  mehr  geben;  wann  ich  aber  wieder  frei  bin, 
werde  ich  dirs  schon  zeigen."  Der  Kadi  blickte 
auf  und  sagte:  ,,Der  Mensch  ist  verrückt;  was 
war  dein  Esel  wert,  mein  Junge?"  Dschuha  ant- 
wortete: „Hundert  Piaster."  Der  Kadi  befahl: 
,,Gebt  ihm  hundert  Piaster  und  jagt  ihn  weg," 
Aber  Dschuha  begann  wieder:  „Wenn  du  nun 
nicht  mein  Esel  bist,  wo  ist  denn  dann  mein 
Esel?"  Der  Kadi  fragte  ihn:  „Was  war  es  mit 
deinem  Esel?"  Dschuha  sagte:  „Ich  suchte  ihn, 
konnte  ihn  aber  nicht  finden.  Da  sind  mir  etliche 
Leute  begegnet  und   die  haben   zu  mir   gesagt: 

39 


.Dein  Esel  ist  Kadi  geworden,'  Da  bin  ich  zu  dir 
gekommen  und  du  hast  mir  zu  dem  nötigen  ver- 
holfen.  Drum  bist  du  wirklich  ein  Kadi  und  kein 
Esel."  Der  Kadi  ließ  die  Leute  holen,  die  diese 
Geschichte  angestiftet  hatten;  man  brachte  sie 
und  der  Kadi  befahl:  „Gebt  jedem  zweihundert 
Hiebe,"  Und  dann  sagte  er  zu  ihnen:  ,,Ihr  müßt 
Dschuha  seinen  Esel  wieder  verschaffen," 


386.  T^Schuhas  Familie  hatte  als  Nachbarn  in  der 

J-</  Gasse  sehr  angesehne  Leute,  und  in  dem 
Nachbarhause  war  eine  Frau,  die  einen  Ein- 
äugigen zum  Liebhaber  hatte;  den  sah  Dschuha 
täglich  das  Haus  betreten.  Was  tat-nun  Dschuha? 
Er  kaufte  sich  eine  ganz  magere  Ziege  und  die 
schlachtete  er;  dann  versammelte  er  die  Hunde 
des  Stadtviertels  um  sich  und  schnitt  ihnen  das 
Fleisch  der  Ziege  zurecht  und  gab  es  ihnen  zu 
fressen.  So  kam  auch  ein  einäugiger  Hund  dazu. 
Die  andern  Hunde  hatte  er  schon  alle  satt  ge- 
macht und  sie  waren  wieder  weggelaufen;  nun 
nahm  er  den  einäugigen  Hund  her,  der  darauf 
wartete,  daß  er  ihm  zu  fressen  gebe:  er  jagte  ihn 
in  die  enge  Gasse  hinein  und  schlug  auf  ihn  los, 
bis  schließlich  der  Hund  in  das  Haus  floh,  wo 
die  Frau  mit  ihrem  einäugigen  Liebhaber  war. 
Der  Hund  lief  also  in  die  Tür  und  verkroch  sich 
im  Hausflur.  Dschuha  trat  nun  auch  ins  Haus, 
ging  in  den  Hausflur  und  rief:  „Hinaus  mit  dir, 
Einäugiger!  Du  frißt  die  Sachen  der  Leute  und 
nimmst  Reißaus  und  versteckst  dich  bei  Fremden 
im  Hausflur."  Die  Frau  hörte  das,  die  Ärmste, 
kam  von  innen  heraus  und  fragte:  ,,Was  gibts  mit 
dem    Einäugigen?"      Dschuha    antwortete:    „Ich 

40 


habe  ihn  mit  eigenem  Auge  hineingehn  sehn;  er 
ist  ein  Hund  und  Hundesohn."  Da  sagte  die 
Frau  bittend:  ,,Da  sind  hundert  Piaster;  geh  aber 
weg:  du  verursachst  mir  einen  Lärm  vor  der 
Haustür,"  Dschuha  handelte  mit  ihr  um  den 
Betrag,  bis  sie  ihm  schließlich  fünfhundert  gab. 
Als  er  dann  das  Geld  in  der  Hand  hatte,  sagte 
er  zu  ihr:  „Dort  im  Hausflur  steckt  der  Hund; 
jag  mir  ihn  heraus."  Da  blickte  sie  hin  und  sah 
den  Hund,  und  sie  sah,  daß  er  einäugig  war  wie 
ihr  Geliebter;  und  sie  rief:  ,,Ach,  dieser  nichts- 
nutzige Dschuha  hat  mich  angeführt!"  Damit 
jagte  sie  den  Hund  hinaus  und  Dschuha  ging  mit 
ihm  weg. 

DSchuha  pflegte  die  Kühe  seiner  Verwandten  387. 

von  Mutterseite  auf  die  Weide  zu  treiben; 
ihm  selber  gehörte  von  der  Herde  nur  ein  Kalb. 
Die  Kühe  waren  alle  mager,  Dschuhas  Kalb  hin- 
gegen fett;  als  er  nun  einmal  auf  das  Kalb  nicht 
achtgab,  ersahen  seine  Verwandten  die  Gelegen- 
heit und  schlachteten  es.  Sie  waren  gerade  dabei, 
es  zu  verzehren,  als  Dschuha  heimkam;  da  sagten 
sie  einfach  zu  ihm:  „Dein  Kalb  hat  uns  so  ge- 
fallen, daß  wir  es  geschlachtet  haben;  jetzt  essen 
wir  es,"  Dschuha  bat  sie  und  sagte:  „Gebt  mir 
wenigstens  die  Haut."  Sie  gaben  sie  ihm.  Er  ging 
damit  weg  und  bot  sie  im  Basar  zum  Verkaufe 
aus.  Den  ganzen  Tag  bot  er  sie  aus;  schließlich 
verkaufte  er  sie  um  einen  Heller.  Er  überlegte  und 
sagte  sich:  „Was  tu  ich  mit  dem  Heller?"  Dann 
machte  er  ein  Loch  in  den  Heller,  zog  einen 
Faden  durch  und  wickelte  sich  den  Faden  um 
den  Finger  und  machte  sich  auf  den  Weg  nach 

41 


Hause.  Da  sah  er  vor  sich  zwei  Männer  auf  der 
Straße;  die  hatten  einen  Kasten  voll  Goldstücke 
gefunden  und  w^aren  eben  dabei,  sie  mit  einem 
Maße  zu  messen  und  sie  zu  teilen,  Dschuha 
schlich  sich  von  hinten  an  sie  heran  und  warf 
seinen  Heller  mitten  unter  die  Goldstücke;  und 
er  sagte  zu  ihnen;  „Seid  gegrüßt!"  Sie  fragten 
ihn:  „Was  ists  mit  dir?"  Er  antwortete:  „Und 
was  ists  mit  euch?  Teilt  ihr  das  Geld  anderer 
Leute?"  Sie  antworteten:  „Diesen  Schatz  hat 
uns  Gott  geschenkt;  wir  haben  ihn  regelrecht 
durch  Zauberei  gehoben,"  Dschuha  aber  sagte: 
„Der  Schatz  gehört  mir."  Sie  fragten:  „Wieso 
denn?"  Dschuha  antwortete:  „Ich  habe  ihn  ge- 
kennzeichnet, und  zwar  mit  einem  Heller,  durch 
den  ein  roter  Faden  gezogen  ist."  Sie  suchten 
nach  und  fanden  den  Heller  wirklich;  nun  sagten 
sie  zu  Dschuha:  „Du  hast  recht;  da  müssen  wir 
ihn  unter  uns  drei  teilen."  Dschuha  aber  er- 
widerte: ,,Nein;  nehmt  ihr  eine  Hälfte,  und  ich 
will  die  andere  nehmen,"  Und  er  nahm  die 
Hälfte  von  den  Goldstücken,  und  die  andern 
nahmen  die  Hälfte.  Er  steckte  sein  Geld  in  den 
Bausch  seines  Burnus  und  ging  heim. 

388.  "TVSchuha    ging    zu    seinen    Verwandten    und 

J--/  öffnete  seinen  Burnus;  da  erstaunten  sie  und 
fragten  ihn:  „Woher  hast  du  das  viele  Geld?" 
Er  antwortete:  „Wißt  ihr  das  nicht?  das  ist  ja 
das  Geld  für  die  Kalbshaut."  Sie  sagten:  „Da 
wollen  wir  doch  auch  unsere  Kühe  schlachten 
und  die  Häute  verkaufen,"  Dschuha  sagte: 
„Schlachtet  sie  nur;  ihr  werdet  reich  daran  wer- 
den."   Sie  schlachteten  also  ihre  Kühe  und  zogen 

42 


ihnen  die  Häute  ab.  Dschuha  hatte  ihnen  aber 
noch  geraten:  ,,Laßt  die  Häute  stinkend  werden; 
salzt  sie  nicht  ein,"  Als  nun  diese  Bauern  ihre 
Kühe  geschlachtet,  das  Fleisch  verzehrt  und  auch 
die  Hunde  damit  gefüttert  hatten,  ließen  sie  die 
Häute  liegen,  bis  sie  zu  stinken  begannen.  Nach 
drei  oder  vier  Tagen  sah  Dschuha  nach,  und  da 
fand  er,  daß  aus  den  stinkenden  Häuten  Würmer 
herauskrochen;  er  ging  wieder  zu  seinen  Ver- 
wandten und  sagte  zu  ihnen:  „Nehmt  jetzt  die 
Häute  und  verkauft  sie."  Sie  gingen  in  den 
Basar  und  boten  die  Häute  aus.  Es  kamen  die 
Schuster  und  sahen  sich  die  Häute  an,  und  sie 
sahen,  daß  Würmer  herauskrochen  und  daß  sie 
entsetzlich  stanken.  Da  sagten  sie  untereinander: 
,,Sie  wollen  uns  zum  besten  haben!"  Damit 
nahmen  sie  die  unglückseligen  Verkäufer  her  und 
versetzten  ihnen  Faustschläge;  und  sie  schrien: 
„Nehmt  euer  Aas  wieder  und  werft  es  weg!"  Die 
Verwandten  Dschuhas  zogen  ab  und  entwichen; 
und  sie  sagten:  „Wenn  wir  Dschuha  nicht  heute 
Nacht  töten,  so  macht  er  uns  noch  ganz  arm." 

Sie  gingen  zu  Dschuha,  nahmen  ihn  fest  und  389. 

banden  ihn  und  sagten  zu  ihm:  „Du  hast  uns 
also  arm  gemacht."  Dschuha  sah  sie  an  und 
sagte  zu  ihnen;  „Ihr  habt  es  also  geglaubt,  daß 
man  stinkende  Kuhhäute  kauft?  Ich  habe  euch 
ja  nur  zum  besten  gehabt."  Sie  nahmen  ihn  also 
fest,  fesselten  ihn  und  steckten  ihn  in  einen  Sack; 
den  banden  sie  zu  und  wollten  also  Dschuha  ins 
Meer  werfen.  Als  sie  ans  Ufer  kamen,  sahen  sie 
einen  Schafhirten  auf  der  Weide;  nun  sagten  sie 
untereinander:  ,,Wir  wollen  den  Sack  einstweilen 

43 


niederlegen  und  bei  dem  Hirten  Milch  trinken." 
Sie  gingen  zu  dem  Hirten  und  fragten  ihn:  „Hast 
du  einen  Trunk  Milch?"  Er  gab  ihnen  Milch  in 
einem  Schlauche  und  sie  tranken  sie.  Dann 
setzten  sie  sich  zu  dem  Hirten,  den  Kopf  auf  die 
Ellbogen  gestützt;  sie  begannen  schläfrig  zu  wer- 
den und  schließlich  übermannte  sie  der  Schlaf. 
Der  Hirt  ließ  sie  ruhig  schlafen  und  ging  seine 
Schafe  zurücktreiben;  dabei  sah  er  den  zugebun- 
denen Sack  und  er  stieß  mit  seinem  Stabe  daran, 
Dschuha  sagte  im  Sacke:  „Laß  mich  in  Frieden." 
Der  Hirt  erschrak  und  sagte:  „Ist  das  ein  Mensch 
oder  ein  Geist?  Was  ists  mit  dir  in  dem  Sacke 
da?"  Dschuha  antwortete:  „Man  will  mich  zu 
meinem  Meister  bringen,  der  mich  unterrichten 
soll;  und  wen  mein  Meister  unterrichtet,  der  sieht 
das  Schicksalsbuch,  das  Gott  verwahrt."  Da  sagte 
der  Hirt:  „Ach,  ich  möchte  gern  an  deiner  statt 
hingehn."  Dschuha  sagte:  ,,Nein,  damit  bin  ich 
nicht  einverstanden."  Er  stellte  sich  abgeneigt, 
obwohl  er  es  gar  zu  gern  gehabt  hätte,  wenn  der 
andere  seine  Stelle  eingenommen  hätte.  Aber 
der  Hirt  ließ  nicht  ab,  Dschuha  um  diese  Gunst 
zu  bitten,  bis  Dschuha  endlich  nachgab  und  sagte: 
,,Gut  denn;  binde  den  Sack  auf,  damit  ich  heraus 
kann."  Der  Hirt  machte  den  Sack  auf  und 
Dschuha  kroch  heraus;  dann  befahl  er  dem 
Hirten:  „Zieh  deine  Kleider  aus,"  Er  zog  die 
Kleider  des  Hirten  an  und  gab  ihm  die  seinigen 
und  die  zog  der  Hirt  alsbald  an;  dann  steckte  er 
ihn  in  den  Sack  und  band  den  zu.  Dann  trieb 
er  die  Schafe  vor  sich  her,  und  kehrte  so  ins  Dorf 
zurück;  vorher  hatte  er  aber  noch  dem  Hirten 
eingeschärft:  „Wenn  man  dich  fortträgt,  so  ver- 

44 


halte  dich  still;  denn  wenn  du  sprichst,  wird  man 
dich  in  die  Tiefe  des  Meeres  werfen,"  Dschuhas 
Verwandte  standen  nach  einiger  Zeit,  als  Dschuha 
schon  mit  seiner  Herde  weit  weg  war,  vom  Schlafe 
auf,  nahmen  den  Sack  und  warfen  ihn  ins  Meer; 
dann  sagten  sie  untereinander:  „Jetzt  sind  wir 
ihn  los."  Nun  gingen  sie  heim,  aber  auf  einem 
kürzern  Wege  als  Dschuha,  der  erst  in  der  Nacht 
ins  Dorf  kam.  Alle  Frauen  im  Dorfe  waren 
frohen  Muts  und  riefen:  „Dschuha  ist  tot!  wir 
sind  ihn  los!"  Aber  nach  Sonnenuntergang,  da 
kommt  auf  einmal  Dschuha  mit  einer  Schafherde 
ins  Dorf!  und  die  Frauen  riefen:  „Da  ist  ja 
Dschuha  wieder!  er  lebt  ja  noch  und  ist  gar  noch 
nicht  tot!  und  ihr  habt  gesagt:  ,Wir  haben 
Dschuha  ins  Meer  geworfen,  wir  sind  ihn  los!'  " 

NUn  wurde  Dschuha  gefragt:  „Woher  hast  du  390. 

denn  die  Schafherde?"  Und  Dschuha  ant- 
wortete: „Die  habe  ich  aus  dem  Meere  herauf- 
gebracht: das  Meer  hängt  am  Himmel,  und  unterm 
Meere  weiden  die  Schafe."  Sie  sagten:  „Rate 
uns,  Dschuha,  wie  wir  es  anstellen  sollen." 
Dschuha  sagte:  „Bindet  euere  Kinder,  fesselt 
sie,  wie  ihr  mich  gefesselt  habt,  steckt  sie  in  Säcke 
und  werft  sie  ins  Meer;  dann  werden  auch  sie 
gegen  Sonnenuntergang  Schafe  bringen  wie  ich," 
Da  nahm  ein  jeder  sein  Kind  und  steckte  es  in 
einen  Sack;  und  sie  trugen  die  Kinder  zum  Meere 
und  warfen  sie  hinein.  Nun  war  in  dem  Dorfe 
auch  eine  Witwe;  die  wandte  sich  an  Dschuha 
und  sagte  zu  ihm:  „Ich  habe  keine  Kinder." 
Dschuha  sagte:  „Nimm  deinen  Hund  und  wirf  ihn 
den    Kindern    nach;    er    wird    dir    schon    gegen 

45 


Sonnenuntergang  Schafe  bringen,"  Die  Witwe 
warf  den  Hund  ins  Meer;  aber  er  schwamm  natür- 
lich wieder  heraus,  Dschuha  saß  versteckt  auf 
der  Spitze  eines  Hügels,  besah  sich  die  Sache 
und  lachte  für  sich  und  rief  dem  Hunde  zu; 
„Bring  nur  deiner  Herrin  schöne  Hammel  und 
Lämmer!"  Der  Hund  schwamm  aber  immer 
wieder  zurück  ans  Ufer  zu  seiner  Herrin,  ohne 
Schafe  oder  sonst  etwas  mitzubringen.  Da  rief 
die  Frau  Dschuha  herbei  und  sagte:  ,,Mein  Hund 
da  hat  mir  keine  Schafe  gebracht,"  Dschuha  ant- 
wortete: ,,Weil  er  nicht  untergetaucht  ist;  hätte 
er  getaucht,  so  hätte  er  dir  welche  gebracht.  Die 
andern  werden,  weil  sie  untergetaucht  sind,  gegen 
Abend  Schafe  bringen;  binde  ihm  doch  einen 
Stein  an  den  Hals,  damit  er  ordentlich  unter- 
taucht," Als  die  Sonne  unterging  und  die  Kinder 
noch  nicht  kamen,  sahen  sich  die  Leute  an  und 
sagten  zu  ihm:  ,, Dschuha,  die  Kinder  sind  nicht 
gekommen,"  Dschuha  antwortete;  ,,Bis  die 
Dunkelheit  einbricht,"  Es  wurde  dunkel,  aber 
die  Kinder  kamen  nicht  wieder.  Die  Leute  wur- 
den unruhig  und  sagten  zu  Dschuha:  ,,Die  Kinder 
sind  noch  immer  nicht  gekommen,"  Dschuha 
sagte:  ,,Ja,  habt  ihr  denn  wirklich  geglaubt,  daß 
es  in  der  See  Schafe  gibt?  an  euern  Kindern 
haben  sich  heute  die  Fische  gütlich  getan,"  Da 
begannen  sie  über  ihre  Kinder  zu  wehklagen  und 
zu  weinen;  dann  aber  nahmen  sie  Dschuha  fest, 
fesselten  ihn  und  sagten:  ,,Für  den  gibt  es  nur 
das  eine,  daß  wir  ihn  in  die  gefährliche  Einöde 
bringen  und  an  eine  Olive  binden,  damit  ein  Löwe 
kommt  und  ihn  frißt," 


46 


Sie  nahmen  Dschuha  und  brachten  ihn  in  die  391. 

Einöde;  sie  banden  ihn  nahe  der  Straße  an 
eine  Olive  und  verließen  ihn.  So  an  den  Baum  ge- 
fesselt, sah  er  einen  Reiter  kommen,  einen  Kaid, 
der  beim  Bei  in  Tunis  gewesen  w^ar.  Der  Reiter 
kam  heran  und  sagte;  ,, Friede  sei  über  dir." 
Dschuha  antwortete,  als  wäre  er  gar  nicht  geneigt 
gewesen,  zu  sprechen:  „Über  dir  sei  der  Friede." 
Der  Reiter  fragte  ihn:  ,, Warum  bist  du  gefesselt?" 
Dschuha  antwortete:  ,,Geh,  laß  mich  in  Ruh! 
was  fragst  du  mich?"  Der  Greis  sagte:  ,,Ist  denn 
Fragen  ein  Verbrechen  oder  etwas  unrechtes?" 
Dschuha  antwortete:  ,,Du  wirst  mich  sicher 
wieder  zu  dem  machen,  was  ich  früher  war," 
Der  Greis  fragte  ihn:  ,,Was  warst  du  denn 
früher?"  Dschuha  antwortete:  ,,Ich  war  früher 
hundert  Jahre  alt:  da  man  mich  aber  gefesselt 
und  an  den  Baum  Sidi  Abd  Elkaders  gebunden 
hat,  bin  ich  zu  einem  Dreißigjährigen  geworden; 
denn  jeder  alte  Mann,  den  man  an  diesen  Baum 
fesselt  und  der  sich  still  und  stumm  verhält,  wird 
wieder  jung,"  Da  sagte  der  Greis:  ,, Freund,  bei 
Gott,  ist  das  so?"  Dschuha  antwortete:  ,,Bei 
Gott,"  Nun  bat  ihn  der  Greis:  „Laß  mich  an 
deinen  Platz",  und  schließlich  sagte  Dschuha: 
„So  binde  mich  denn  los."  Der  Greis  band 
Dschuha  los  und  der  befahl  ihm:  ,,Leg  deine 
Kleider  ab;  den  ich  kann  dir  nur  das  Hemd  auf 
dem  Leibe  lassen,"  Der  Greis  zog  seine  Sachen 
aus  und  legte  die  Burnusse  ab,  die  Seidenschale 
und  das  Turbantuch;  und  Dschuha  zog,  nachdem 
er  ihn  an  seiner  statt  an  die  Olive  gebunden  hatte, 
seine  Kleider  an  und  bestieg  seine  Stute  und  ritt 
hinein  ins  Dorf.    Nichts  ahnend  saßen  die  Leute 

47 


da,  als  auf  einmal  Dschuha  herangesprengt  kam 
auf  einer  schönen  Stute  und  in  kostbaren  Klei- 
dern; sie  fragten  ihn:  „Dschuha,  woher  hast  du 
die  Stute?"  Er  antwortete:  „In  der  Schlucht  dort 
laufen  überall  Pferde  umher,"  Sie  sagten  zu  ihm: 
„Bei  Gott,  du  lügst,  du  Taugenichts!  wen  hast  du 
wieder  zum  besten  gehabt?" 


48 


IIL 

Berberische  Überiieferungen 


Nasreddin,   II.  4 


DSchuha  hatte  einen  Esel;  den  fütterte  er,  bis  392. 

er  hübsch  dick  wurde.  Seine  Stadtviertels- 
genossen sagten  zu  ihm:  , .Verkauf  uns  den  Esel." 
,,Der  ist  zu  teuer  für  euch,"  antwortete  Dschuha. 
Sie  sagten:  ,,Sage  uns  du,  wie  hoch  sein  Preis 
sein  soll;  wir  werden  ihn  dir  schon  bezahlen." 
Dschuha  antwortete:  ,,Ich  werde  es  nicht  sagen; 
aber  wir  wollen  ihn  auf  den  Eselsmarkt  bringen, 
und  für  das,  was  er  dort  gilt,  verkaufe  ich  ihn 
euch."  „Gut,"  sagten  sie.  Am  nächsten  Morgen 
ging  er  mit  dem  Esel  früh  auf  den  Markt,  stopfte 
ihm  den  Hintern  mit  Goldstücken  voll  und  über- 
gab ihn  dem  Ausrufer. 

Die,  die  den  Esel  kaufen  wollten,  kamen 
herbei  und  musterten  ihn,  ob  er  ihnen  wohl  ge- 
falle und  sie  auf  ihn  bieten  sollten.  Der  Ausrufer 
bestieg  ihn  und  ließ  ihn  lustig  galoppieren,  und 
der  Esel  lief  hurtig  dahin  und  blies  seinen  Wind, 
während  ihm  die  Goldstücke  aus  dem  Hintern 
fielen.  Die  Leute,  die  zusahen,  hoben  die  Gold- 
stücke auf  und  begannen  einander  zuzuraunen: 
,,Der  Esel  Dschuhas  mistet  Gold."  So  kam  es,  daß 
auch  die,  die  ihn  eigentlich  nicht  hatten  kaufen 
wollen,  darauf  loszubieten  begannen.  Man  über- 
bot sich  gegenseitig,  bis  der  Esel  auf  zehntausend 
Franken  kam.  Da  verkaufte  ihn  Dschuha  und 
nahm  das  Geld  in  Empfang.  Er  trat  zu  dem,  der 
den  Esel  gekauft  hatte,  und  sagte  zu  ihm:  „Ich 
habe  dir  etwas  verkauft,  das  der  verkörperte 
Reichtum  ist,"  Der  Käufer  antwortete:  ,,Sage 
mir,  worin  sein  Futter  besteht,"  Dschuha  ant- 
wortete: ,,Du  mußt  ihm  genügend  Gerste  und 
Gras  geben  und  ihn  auch  täglich  zweimal  trän- 
ken; und  wenn  du  ihn  in  den  Stall  schließt,  so 

4*  51 


laß  ihn  dort  nicht  so  ohne  weiteres;  wenn  du 
vielmehr  willst,  daß  er  gehörig  viele  Goldstücke 
zur  Welt  befördert,  so  bring  ihn  auf  deinem 
eigenen  Lager  unter,  decke  ein  Moskitonetz  über 
ihn  und  feßle  ihm  die  Füße,  damit  ihm  bis  Tages- 
anbruch nichts  vom  Lager  heruntergleitet.  Mit 
Tagesanbruch  aber  geh  zu  seinem  Lager;  da  wirst 
du  zwei  Körbe  voll  Goldstücke  finden," 

Der  Käufer  des  Esels  wachte  die  ganze  Nacht 
in  froher  Hoffnung,  daß  es  Tag  werde.  Früh  ging 
er  zum  Zimmer  und  öffnete  es;  und  freudig 
sprach  er  bei  sich:  ,, Heute  werde  ich  durch 
Dschuhas  Esel  ein  reicher  Mann."  Er  hob  das 
Netz  auf,  und  nun  fand  er,  daß  der  Esel  zwei 
ganze  Körbe  Mist  ins  Bett  gemacht  hatte,  wäh- 
rend sein  Urin  auf  dem  Boden  unter  dem  Bette 
eine  lustige  Pfütze  bildet.  Er  warf  den  Esel  vom 
Bette  herunter  und  begann  den  Mist  zu  durch- 
v/ühlen,  fand  aber  auch  nicht  ein  Goldstück,  Nun 
ging  er  mit  dem  Esel  zu  Dschuha  und  sagte  zu  ihm: 
,,Ich  habe  mit  dem  Esel  alles  so  gemacht,  wie  du 
mir  gesagt  hast,  habe  aber  nicht  entdeckt,  daß 
er  mir  etwas  andres  verschafft  hätte  als  zwei 
Körbe  Mist;  und  das  Bett  hat  er  mir  in  einen 
netten  Zustand  versetzt.  Und  nicht  ein  einziges 
Goldstück  habe  ich  gefunden,"  Dschuha  ant- 
wortete: „Wie?  Habe  ich  dir  denn  gesagt,  du 
solltest  ihn  in  dein  Bett  legen?"  Der  Käufer  ant- 
wortete: ,,In  mein  Bett  habe  ich  ihn  genommen, 
weil  ich  Angst  hatte,  die  Nachbarn  könnten  mir 
die  Goldstücke  stehlen,  die  er  misten  werde; 
deshalb  habe  ich  ihn  in  das  Bett  gelegt,"  Dschuha 
antwortete:  ,, Darum  hat  er  dir  auch  keine  Gold- 
stücke   gemistet.      Deine    Gesinnung    gegen    die 

52 


Nachbarn  war  nicht  edel;  darum  hat  dir  Gott 
nichts  schenken  wollen."  Nun  sagte  der  Mann: 
„Gib  mir  mein  Geld  zurück  und  nimm  deinen 
Esel,"  Dschuha  antwortete:  „Nein,  ich  gebe  dir 
nichts  zurück;  du  hast  den  Esel  auf  dem  Basar 
gekauft,  wo  Recht  und  Gesetz  gilt." 

Darauf  sagte  der  Käufer:  „Wohlan,  wir  wollen 
zum  Richter  gehn."  Dschuha  antwortete:  „Ich 
gehe  nicht  mit  dir;  verklage  nur  erst  den  Esel, 
und  ich  werde  dann  schon  kommen,"  Der  Mann 
ging  hin  und  verklagte  Dschuha;  dann  nahm  er 
einen  Schergen  mit  zu  Dschuha.  Sie  kamen  zu 
ihm  und  der  Scherge  sagte:  ,,Steh  auf,  der  Richter 
läßt  dich  rufen."  ,,Gut,"  antwortete  Dschuha  und 
ging  mit  ihm.  Als  er  und  sein  Gegner  vor  den 
Richter  traten,  gebot  ihnen  der,  zu  sprechen.  Der 
Käufer  begann:  ,,Ich  habe  von  Dschuha  einen 
Esel  gekauft,  der  Goldstücke  misten  sollte.  Als 
ich  ihn  kaufte,  fragte  ich  Dschuha:  ,Was  gibt  du 
ihm  zu  fressen?'  Er  antwortete  mir:  ,Gib  ihm 
genügend  Gerste  und  Gras  und  tränke  ihn  zwei- 
mal des  Tages.  Laß  ihn  auch  in  dein  Bett  steigen 
und  feßle  ihm  die  Füße,  damit  du  am  Morgen 
neben  ihm  findest,  was  er  setzen  soll.'  Ich  tat 
so,  wie  er  mich  geheißen  hatte.  Am  Morgen  ging 
ich  zum  Esel,  fand  aber  dort  nichts  als  einen 
Haufen  Mistbatzen."  Da  sagte  der  Richter  zu 
ihm:  ,,Du  bist  verrückt;  gibt  es  denn  auf  der  Welt 
einen  Esel,  der  Goldstücke  mistet?  Dschuha  ist 
ganz  in  seinem  Rechte;  dir  jedoch  fehlt  es  am 
Verstände." 

Nun  wurde  der  Mann  sehr  zornig.  Er  ging 
mit  seinem  Esel  heim  und  prügelte  ihn  zu 
Tode. 

53 


393.  "C*Inst  sagten  Männer  zu  Schaha,  daß  er  hei- 

Cd  raten  solle;  er  antwortete  ihnen,  er  werde 
nicht  heiraten,  bis  der  Fluß  eine  Frau  bringe. 
Sie  sagten:  „Wie  wäre  es  möglich,  daß  der  Fluß 
eine  Frau  brächte?"  Schaha  antwortet  kurz:  „So 
sage  ich  euch," 

Als  dann  eine  Zeit  verstrichen  war,  sah 
Schaha  eines  Tages  am  Stadttore  eine  Frau  aus 
der  Fremde;  er  fragte  sie:  ,,Wer  bist  du?"  Sie 
antwortete  ihm:  „Ich  bin  aus  dem  und  dem 
Lande."  „Wohin  gehst  du?"  ,,In  diese  Stadt." 
„Was  willst  du  da  tun?"  „Ich  will  dableiben," 
Er  fragte  weiter:  ,,Hast  du  Kinder?"  Sie  ant- 
wortete: ,,Ich  habe  eines  geboren,  aber  es  ist  ge- 
storben, als  es  noch  ganz  klein  war."  Er  sagte: 
„Ich  fürchte,  daß  mir  seine  Krankheit  Schaden 
bringen  wird."  Sie  antwortete:  ,,Aber  wie  sollte 
dir  denn  die  Krankheit,  woran  der  Knabe  ge- 
storben ist,  als  er  noch  klein  war,  Schaden  bringen 
können?"  Er  sagte  zu  ihr:  „Liebst  du  mich? 
willst  du,  daß  ich  dich  heirate?"  Sie  antwortete: 
„Ich  liebe  dich." 

Darauf  gingen  sie  in  die  Stadt,  um  sich  von 
einem  Priester  trauen  zu  lassen,  und  nachdem  sie 
geheiratet  hatten,  blieb  er  daheim  bis  zur  Regen- 
zeit, Als  dann  alle  Leute  hinausgingen,  um  das 
Feld  zu  bestellen,  ging  auch  er  zur  Arbeit;  dabei 
fand  er  einen  Schatz,  einen  Topf  voll  Gold, 
Diesen  Topf  grub  er  aus;  für  einen  Teil  des 
Goldes  kaufte  er  Weizen,  Datteln  und  Butter, 
und  den  Rest  versteckte  er  in  einem  alten  Wasser- 
schlauche. 

Darauf  lebte  er  mit  seiner  Frau  bis  zu  der 
Zeit,  wo  die  Pilger  kamen.    Von  diesen  kam  ein 

54 


armer  zu  seiner  Frau  und  bat  sie  um  einen  alten 
Schlauch,  um  darin  Wasser  aufzubewahren.  Sie 
sagte,  sie  habe  keinen,  aber  eine  Nachbarin 
machte  sie  darauf  aufmerksam,  daß  im  obern 
Teile  des  Hauses  ein  alter  Schlauch  sei.  Nun 
stieg  sie  hinauf,  holte  ihn  und  gab  ihn  dem 
Armen.  Der  sagte:  ,,Gott  möge  dich  noch  in 
deinen  Kindern  segnen."  Sie  antwortete:  ,,Ich 
habe  keine;  ich  habe  nur  eines  geboren,  und  das 
ist  gestorben,  als  es  noch  klein  war."  Er  sagte: 
,,Möge  Gott  mit  ihm  Erbarmen  haben," 

Eines  Tages  stieg  Schaha,  der  in  der  Stadt  ge- 
blieben war,  in  den  obern  Teil  des  Hauses,  um 
den  alten  Schlauch  mit  dem  Golde  zu  suchen;  der 
war  aber  nicht  da.  Er  fragte  seine  Frau,  wo  der 
Schlauch  sei,  der  oben  gewesen  sei,  und  sie  sagte: 
„Ein  armer  Mann  ist  zu  mir  gekommen  und  hat 
ihn  verlangt.  Er  hat  Gott  um  Barmherzigkeit  für 
mein  Kind  angefleht,  und  ich  bin  hinaufgestiegen, 
habe  ihn  geholt  und  habe  ihn  ihm  gegeben." 
Schaha  sagte:  ,,Habe  ich  es  dir  nicht  gesagt  ge- 
habt, daß  mir  die  Krankheit  deines  Kindes,  ob- 
wohl es  tot  ist,  Schaden  bringen  werde?  Und  du 
hast  mir  erwidert;  ,Wie  soll  dir  die  Krank- 
heit des  verstorbenen  Kindes  Schaden  bringen 
können?'  " 

Schaha  ging  weg  und  kaufte  einen  großen 
schönen  Schlauch;  damit  ging  er  in  den  Straßen 
umher  und  fragte:  „Wer  tauscht  einen  neuen 
Schlauch  gegen  einen  alten  um?"  Da  sagte  ein 
Armer  zu  ihm;  ,,Nimm  meinen  alten  Schlauch 
und  gib  mir  den  neuen,"  Und  er  gab  ihm  den, 
der    das    Gold    enthielt.      Schaha    nahm    den 


55 


Schlauch,  wo  das  Gold  war,  von  dem  der  Arme 
nichts  wußte. 

Dann  ging  Schaha  nach  Hause  und  schied  sich 
von  seiner  Frau. 

394.  "rpines  Tages  ging  Si  Dscheha  auf  den  Markt, 
C^  um  einen  Esel  zu  kaufen.  Ihm  begegnete 
einer  und  der  sagte  zu  ihm:  „Wohin,  Si  Dscheha?" 
„Auf  den  Markt,  einen  Esel  kaufen."  Der  Mann 
erwiderte:  ,,Sag:  ,So  Gott  will',  Si  Dscheha." 
Dscheha  antwortete:  „Warum  sollte  ich  sagen: 
,So  Gott  will'?  ich  habe  Geld  bei  mir  und  auf  dem 
Markte  sind  Esel,"    Damit  ging  er  weiter. 

Als  er  auf  dem  Markte  angelangt  war,  kam 
ein  Mann  daher;  der  benützte  einen  Augenblick 
der  Unaufmerksamkeit  Dschehas  und  stahl  ihm 
sein  Geld.  Si  Dscheha  machte  sich  auf  den 
Heimweg,  ohne  einen  Esel  gekauft  zu  haben. 
Der  besagte  Freund  begegnete  ihm  wieder  und 
sagte  zu  ihm:  „Was  hast  du  gekauft,  Si  Dscheha?" 
Dscheha  antwortete:  „Mein  Geld  ist  mir  ge- 
stohlen worden,  so  Gott  will;  dein  Vater  sei  ver- 
flucht, so  Gott  will." 

395.  'C'Ines  Tages  ging  Si  Dscheha  zu  einem  andern 
JZtf  essen,  und  der  setzte  ihm  ein  gebratenes 
Zicklein  vor,  Dscheha  packte  das  Zicklein  und 
begann  es  zu  verschlingen  wie  ein  Wolf.  Da 
sagte  sein  Wirt:  „Weshalb  hast  du  denn  eine 
solche  Wut  auf  das  Zicklein?  seine  Mutter  hat 
dich  wohl  einmal  mit  den  Hörnern  gestoßen?" 

„Und  du,"  versetzte  Dscheha,  ,,du  bist  so  mit- 
leidig mit  ihm,  als  ob  seine  Mutter  deine  Amme 
gewesen  wäre." 

56 


SEine  Freunde  hatten  gehört,  daß  er  krank  sei,  396. 

und  kamen  ihn  besuchen.  Er  lag  im  Bettc- 
Sie  schwatzten  alles  mögliche  und  ließen  ihn 
nicht  schlafen.  Da  stand  er  auf,  nahm  sein 
Kissen  und  sagte  zu  ihnen:  „Ihr  könnt  jetzt  gehn; 
ich  bin  gesund:  Gott  selber  ists,  der  mich  gesund 
gemacht  hat." 

Eines  Tages  kam  er  bei  etlichen  Leuten  vorbei,  397. 

die  gerade  beim  Essen  waren.  Er  sagte  zu 
ihnen:  ,,Das  Heil  sei  mit  euch,  ihr  Geizigen!" 

Sie  antworteten:    ,,Bei   Gott,   wir   sind  nicht 
geizig." 

,,Ach  Herrgott,"  schrie  Dscheha,  ,,gib,  daß  sie 
nicht  lügen;  gib,  daß  ich  es  bin,  der  gelogen  hat." 


SI  Dscheha  kochte  Fleisch  und  es  kamen  zwei  398. 

Freunde  zu  ihm.     Der  eine  nahm  ein  Stück 
Fleisch  und  sagte:  „Dieses  Fleisch  braucht  Salz." 
Der  andere  nahm  auch  ein  Stück  und  sagte: 
„Dieses  Fleisch  braucht  Essig." 

Si  Dscheha  packte  alles,  was  noch  übrig  war, 
und  sagte:  ,,Der  Topf  da  braucht  Fleisch." 

Einmal  trieben  Dscheha  und  zwei  Freunde  von  399. 

ihm  zwei  Schafe  und  einen  Hammel  heim, 
die  sie  auf  dem  Markte  gekauft  hatten.  Als  sie 
zu  Hause  angelangt  waren,  sagten  seine  Freunde 
zu  ihm:  „Si  Dscheha,  wie  teilen  wir  sie?" 

,,lhr  zwei",  antwortete  Dscheha,  „nehmt  das 
eine  Schaf;  ich  und  der  Hammel  nehmen  das 
andere." 

57 


400.  IT  Ines  Tages  verkaufte  Dscheha  sein  Haus,  und 

Ct  er  sagte  zu  dem  Käufer:  „Freund,  das  Haus 
habe  ich  dir  verkauft;  den  Nagel  aber,  der  in  der 
Wand  steckt,  habe  ich  dir  nicht  verkauft.  Daß 
du  mir  nicht  morgen  sagst:  ,Du  hast  mir  auch 
den  Nagel  verkauft.'  Ich  habe  ihn  dir  nicht  ver- 
kauft; ich  habe  dir  nichts  verkauft  als  das 
Haus." 

„Es  ist  gut,"  antwortete  der  Käufer.  „Ich 
habe  dir  das  Haus  abgekauft;  den  Nagel,  der  in 
der  Mauer  steckt,  habe  ich  dir  nicht  abgekauft." 

Der  Käufer  dachte:  Der  Nagel  ist  mir  gleich- 
gültig. Ich  habe  das  Haus  gekauft;  an  dem  Nagel 
liegt  wenig. 

Si  Dscheha  suchte  seine  Mutter  auf  und  sagte 
zu  ihr:  „Mutter,  wie  lange  leiden  wir  schon 
Hunger!     Heute  habe  ich  das  Haus  verkauft." 

„Was?"  sagte  sie,  „du  hast  das  Haus  ver- 
kauft? wo  wollen  wir  wohnen?  Außer  Hunger 
zu  leiden,  werden  wir  jetzt  auch  noch  unter 
freiem  Himmel  schlafen  müssen." 

„Hab  keine  Angst ,  Mutter ,"  antwortete 
Dscheha,  „Ich  habe  ihm  das  Haus  verkauft,  habe 
mir  aber  einen  Nagel  vorbehalten,  den  ich  in  die 
Wand  geschlagen  habe;  den  habe  ich  ihm  nicht 
verkauft.  Und  mit  diesem  Nagel  will  ich  ihm  das 
Haus  wieder  abnehmen.  Wir  sterben  vor  Hunger; 
darum  habe  ich  mir  diese  List  ausgedacht,  damit 
uns  der  Käufer  Geld  gibt  und  wir  essen  können. 
Was  das  Haus  betrifft,  so  wird  er  bald  draußen 
sein." 

„Was?"  sagte  sie;  „du  hast  ihm  das  Haus  ver- 
kauft und  sagst,  daß  er  wieder  herausgehn  wird? 
Wie  sollte  er  denn  wieder  herausgehn,  wo  er  dir 

58 


doch  sicherlich  das  Geld  vor  Zeugen  gegeben 
hat?'* 

„Sei  nur  ruhig,"  antwortete  Dscheha.  „Ich 
werde  schon  einen  Plan  aushecken,  damit  er 
herausgehn  muß." 

Und  sie  sagte:  „Tu,  was  du  willst." 

Si  Dscheha  ging  Tierhäute  kaufen;  die  trug  er 
hin  und  hing  sie  an  den  Nagel.  Auch  Därme 
hängte  er  hin.  Und  da  die  Häute  und  Därme  dort 
blieben,  begannen  sie  nach  einem  oder  zwei  Tagen 
zu  stinken.  Dscheha  kam  hin,  ließ  sie  aber,  wie 
sie  waren. 

Der,  der  das  Haus  gekauft  hatte,  kam  zu  ihm 
und  sagte:  „Was  ist  das  für  ein  Handel,  Si 
Dscheha?  Du  hast  Häute  und  Därme  gebracht 
und  sie  im  Hause  aufgehängt!  Sie  stinken.  Wie 
kann  ich  denn  da  wohnen?" 

„Freund/'  antwortete  Dscheha,  „ich  habe  dir 
nur  das  Haus  verkauft,  nicht  wahr?  Den  Nagel 
habe  ich  mir  behalten,  und  ich  habe  dir  gesagt, 
daß  ich  ihn  dir  nicht  verkaufe.  Du  hast  jetzt 
nichts  mehr  zu  sagen." 

Nun  sagte  der  Käufer  zu  ihm:  ,,Geh  in  dein 
Haus.  Ich  verlasse  es.  Ich  lasse  dir  das  Geld 
und  das  Haus.  Ich  kann  nicht  länger  drinnen 
wohnen.  Es  ist  ein  fürchterlicher  Gestank,  und 
das  Haus  selber  ist  vergiftet." 

„Gut,"  sagte  Dscheha;  „wenn  du  ausziehen 
willst,  so  zieh.  Das  Geld,  das  habe  ich  aus- 
gegeben, und  du  bekommst  keinen  Heller  zurück." 

„Ich  schenke  dir  das  Haus  und  das  Geld," 
sagte  der  Käufer. 

Si  Dscheha  verließ  ihn  und  zog  wieder  in  sein 


59 


Haus;  und  der  andere  machte  sich  auf  die  Suche 
nach  einer  neuen  Wohnung. 

401.  O  I  Dscheha  ging  im  Felde  und  hatte  Hunger. 

O  Da  sah  er  einen  Araber,  der  aß.  In  der  Mei- 
nung, daß  ihn  der  einladen  werde,  mitzuessen, 
ging  er  hin;  aber  er  wurde  keineswegs  eingeladen, 
sondern  der  Araber  fragte  ihn  nur:  „Woher  bist 
du,  Bruder?" 

„Aus  deinem  Dorfe,"  antwortete  Dscheha. 

„Dann  bringst  du  uns  gute  Nachrichten," 

„Ich  bringe  dir  alle  guten  Nachrichten,  die  du 
willst." 

„Hast  du  Nachrichten  von  unserm  Dorfe?" 

„Ja." 

„Hast  du  Nachrichten  von  0mm  Othman?"  — 
Das  war  die  Frau  des  Arabers.  — 

„Oh,"  sagte  Dscheha,  ,,sie  wiegt  sich  wie  ein 
Pfau." 

„Und  wie  geht's  meinem  Sohne  Othman?" 

„Gewöhnlich  spielt  er  Ball  mit  seinen  Kame- 
raden," 

,,Wie  geht  es  dem  Kamel?" 

,,Das  wird  bald  zerplatzen,  so  feist  ist  es." 

„Und  was  ists  mit  unserm  Hunde  Titu?" 

„Er  ist  sehr  scharf,  und  das  will  etwas  heißen. 
Die  Diebe  fürchten  ihn,  so  daß  der  Pferch  vor 
ihnen  sicher  ist." 

,,Und  unser  Haus,  wie  steht  es  damit?" 

„Es  ist  wie  eine  Festung," 

Nun  schwieg  der  Araber.  Er  aß,  ohne  Si 
Dscheha  einzuladen,  und  der  stand  auf,  um  weg- 
zugehn.  Der  Araber  fragte  ihn:  „Wohin, 
Bruder?" 

60 


„Ins  Dorf,"  antwortete  Dscheha.  „Seid  Titus 
Tod  wimmelts  dort  von  Dieben." 

„Titu  ist  tot?" 

„Ja." 

„Woran  ist  er  gestorben?" 

„Er  hat  von  dem  Fleische  des  Kamels  zu  viel 
gefressen,  und  daran  ist  er  gestorben." 

„Das  Kamel  ist  also  auch  tot?" 

„Ja." 

„Woran  ist  es  gestorben?" 

„Es  ist  über  das  Grab  0mm  Othmans  ge- 
stolpert." 

„0mm  Othman  ist  gestorben?" 

„Ja." 

„Woran?" 

„An  dem  Kummer  über  den  Tod  Othmans." 

„Othman  ist  gestorben?" 

„Ja." 

„Wieso?" 

„Das  Haus  hat  ihn  erschlagen,  als  es  ein- 
stürzte." 

Bei  diesen  Worten  sprang  der  Araber  wie  ein 
Narr  auf  und  lief  in  der  Richtung  seines  Dorfes 
davon,  sein  Essen  im  Stiche  lassend.  Si  Dscheha 
aß  alles,  was  noch  da  war. 


DEr    Kaid    von    Dschehas    Stamm    liebte    die  402. 

Frauen  leidenschaftlich,  und  Dscheha,  der 
ihn  oft  besuchte,  machte  ihm  Vorstellungen. 
„Wie  kannst  du  denn,"  sagte  er  zu  ihm,  „du,  ein 
Kaid,  gar  so  in  die  Frauen  vernarrt  sein?  Nimm 
doch  ein  wenig  Vernunft  an.  Fürchte  den  Herrn. 
Es   ist   eine   Schande   für    dich."     Diese   Worte 

61 


drangen  dem  Kaid  bis  auf  den  Grund  seines 
Herzens. 

Nun  hatte  der  Kaid  eine  Magd,  die  eine  Frau 
von  großer  Schönheit  war,  und  die  sagte  zu  ihm, 
als  sie  seine  Niedergeschlagenheit  bemerkte: 
„Was  drückt  dich,  Herr?" 

Der  Kaid  antwortete:  „Dscheha  hat  mir  das- 
unddas  gesagt." 

„Sonst  nichts?"  sagte  sie.  „Nun,  gib  mir  die 
Erlaubnis  zu  ihm  zu  gehn.  Du  bleibst  noch  eine 
Weile  hier,  und  kommst  dann  unversehens  zu 
Dscheha  nach.  Du  wirst  schauen,  was  ich  tun 
werde,  und  wirst  dich  wundern,  in  was  für  einer 
Verfassung  du  ihn  finden  wirst." 

,,Geh,"  sagte  der  Kaid  zu  ihr,  und  sie  ging. 
Sie  kam  zu  Dscheha  und  setzte  sich  mit  ihm  in 
seinem  Hause  nieder.  Als  Dscheha  sie  sah, 
wurde  er  sterblich  verliebt  in  sie.  Er  rückte 
näher  zu  ihr,  aber  sie  schlug  ihn  zurück;  er  ver- 
folgte sie,  und  wohin  immer  sie  sich  setzte,  er  kam 
zu  ihr.  „Bleib  auf  deinem  Platze,  Si  Dscheha," 
sagte  sie  zu  ihm,  „und  komm  mir  nicht  zu  nahe. 
Wenn  du  aber  herankommen  willst,  so  laß  mich 
auf  dir  reiten;  du  wirst  mit  mir  auf  dem  Rücken 
auf  allen  vieren  gehn." 

„Komm,"  sagte  Dscheha,  und  sie  legte  ihm 
einen  Sattel  auf  und  einen  Zaum  an  und  setzte 
sich  rittlings  auf  ihn;  er  begann  auf  allen  vieren 
zu  kriechen. 

Unversehens  kam  der  Kaid,  und  der  sagte  zu 
ihm:  „Si  Dscheha,  mir  hast  du  verboten,  die 
Frauen  zu  lieben,  und  du,  sieh  nur,  in  was  für 
einer  Verfassung  du  bist!" 

„Herr,"    antwortete    Si   Dscheha,    „ich   hatte 

62 


Angst,   dich  zu  einem  solchen  Esel  werden   zu 
sehn,  wie  ich  einer  bin." 

Der  Kaid  begann  zu  lachen  und  machte  ihm 
ein  Geschenk. 

ES  war  ein  Jude,  der  täglich  also  zum  Herrgott  403. 

betete:  ,,0  mein  Gott,  zeige  dich  mir";  und 
er  betete  unter  einem  Baume.  Eines  Tages  hörte 
ihn  Dscheha,  als  er  lustwandelte.  Am  nächsten 
Tage  ging  er  hin  und  war  noch  vor  dem  Juden 
dort;  er  stieg  auf  den  Baum  und  verbarg  sich  im 
Laube.  Der  Jude  kam  und  betete  wie  gewöhn- 
lich. Si  Dscheha  rief  ihn  an  und  sagte:  „O  mein 
Anbeter,  nimm  hundert  Dinar  und  gib  sie  der 
Frau  Dschehas.  Dann  komm  sofort  hieher  zurück, 
und  du  wirst  mich  sehn." 

Als  der  Jude  diese  Worte  hörte,  war  er  auf 
dem  Gipfel  der  Freude.  Er  ging  nach  Hause, 
holte  hundert  Goldstücke  und  gab  sie  der  Frau 
Dschehas,  Dann  kam  er  zum  Baume  zurück  und 
sagte:  „O  mein  Gott,  ich  habe  getan,  was  du  mir 
gesagt  hast."  Si  Dscheha  warf  ihm  einen  Strick 
zu,  indem  er  sagte:  ,, Fasse  diesen  Strick  und  du 
wirst  zu  mir  emporsteigen."  Der  Jude  ergriff 
den  Strick  und  Si  Dscheha  zog  ihn  herauf;  als 
er  ihn  aber  einigermaßen  in  der  Höhe  hatte,  ließ 
er  den  Strick  los.  Der  Jude  fiel  herunter  und 
schlug  sich  ein  Loch  in  den  Kopf.  ,,0  mein 
Gott,"  sagte  er,  „du  bist  unersättlich!  Du  nimmst 
mein  Geld  und  schlägst  mir  überdies  ein  Loch  in 
den  Kopf!" 

MAn  wußte  sich  keinen  Rat  mehr,  um  Dscheha  404. 

sein  Schmarotzerhandwerk  zu  legen.     Als 
nun  eines  Tages  die  vornehmen  Leute  zu  einem 

63 


Manne  essen  gingen,  der  einen  Festschmaus  vor- 
bereitet hatte,  schloß  sich  ihnen  Dscheha  an;  da 
sagten  sie  untereinander:  ,,Was  machen  wir  nur 
mit  Si  Dscheha?"  Und  einige  sagten:  „Wann  die 
Schüsseln  aufgetragen  werden,  wollen  wir  zu  ihm 
sagen:  ,Si  Dscheha,  in  deinem  Dorfe  brennt  es', 
damit  er  nichts  ißt.  Unsere  Worte  werden  ihn 
so  beschäftigen,  daß  er  nichts  ißt," 

Als  die  Speise  kam,  sagten  sie  zu  ihm:  „Si 
Dscheha,  in  deinem  Dorfe  brennt  es." 

„Unser  Haus  ist  davor  bewahrt  geblieben?" 
fragte  Dscheha, 

Während  sie  sich  darauf  beschränkten,  zu 
sprechen,  aß  Dscheha,  Sie  sagten:  „Das  Feuer 
ist  schon  bei  deinem  Hause," 

„Nun,  mich  hat  es  noch  nicht  erreicht." 

,, Jetzt  hat  es  deine  Kleider  erfaßt," 

„Mein  Kopf  brennt  noch  nicht,  nicht  wahr?" 
antwortete  Dscheha,  „Meine  Füße  mag  es  ver- 
schlingen, wenn  es  mir  nur  den  Kopf  in  Ruhe 
läßt," 

Und  er  aß  immerzu.  Als  dann  die  andern 
desgleichen  tun  wollten,  stellte  es  sich  heraus,  daß 
Dscheha  alles  aufgegessen  hatte;  und  sie  sagten 
untereinander:  „Si  Dscheha  hat  uns  zum  besten 
gehabt." 

405.  O  I  Dscheha  kaufte  auf  dem  Markte  eine  Ziege 

O  um  zehn  Duro,  Er  trieb  sie  heim,  schlachtete 
sie  und  häutete  sie.  „Diese  Ziege  kostet  uns  viel 
Geld,"  sagte  er  zu  seiner  Mutter,  und  sie  er- 
widerte: „Was  willst  du  tun,  mein  Sohn?" 

„Für  den  Augenblick  das  Fleisch  kochen; 
späterhin  werden  wir  sehn,  was  zu  tun  ist.     Am 

64 


nächsten  Markttage  werde  ich  die  Haut  auf  den 
Markt  bringen;  du  wirst  hingehn  und  sie  in  der 
Hand  halten.  Ich  werde  immer  um  dich  herum 
sein,  und  du  wirst  tun,  als  ob  du  mich  nicht 
kenntest;  ebenso  werde  ich  tun,  als  ob  ich  dich 
nicht  kennte.  Ich  werde  um  die  Haut  handeln, 
und  welchen  Preis  immer  ich  dir  biete,  weigerst 
du  dich,  sie  mir  zu  verkaufen.  Ich  werde  sie 
spannenweise  messen.  Du  sagst  zu  mir:  ,Ich  ver- 
kaufe sie  nicht.'  Ich  werde  dir  zwanzig,  dreißig, 
vierzig,  fünfzig  Duro  bis  zu  hundert  Duro  bieten. 
Unter  den  Fremden,  die  dazukommen  werden, 
wird  einer  sein,  der  dir  mehr  bieten  wird,  und 
dem  verkaufst  du  sie.  Gib  acht  jetzt!  Merk  dir 
wohl,  wie  ich  dich  empfehlen  will!" 

Sie  machten  sich  auf  den  Weg  und  kamen  auf 
den  Markt.  Si  Dscheha  ging  abseits,  und  seine 
Mutter  hielt  die  Ziegenhaut.  Si  Dscheha  kam 
und  sagte  zu  ihr:  ,,Wie  viel  hat  man  dir  für  die 
Haut  da  geboten?"  Und  auf  ihre  Antwort:  „Zehn 
Duro"  begann  er  sie  spannenweise  zu  messen. 
Alle  Welt  sammelte  sich  um  sie.  „Die  Haut,  die 
du  da  mißt,"  sagte  einer  zu  ihm,  „wozu  kann  sie 
dir  dienen?" 

,,Sie  wird  gut  zu  verwenden  sein,"  antwortete 
Dscheha;  ,,sie  gibt  eine  große  Trommel  oder  eine 
kleine," 

Er  zog  sich  zurück,  kam  aber  einen  Augen- 
blick später  wieder,  ging  wieder  zu  seiner  Mutter 
und  sagte  zu  ihr:  ,,Nun,  altes  Frauchen,  was  ists 
mit  der  Haut?" 

„Mein  Sohn,"  antwortete  die  Alte,  ,,man  hat 
mir  zwanzig  Duro  gegeben," 

, »Verkaufst  du  sie  um  fünfzig?" 

Nasreddin,   II.  5  65 


„Nein." 

Si  Dscheha  maß  die  Haut  noch  einmal  und 
ging  weg.  Die  Leute  liefen  zusammen  und  sagten 
einander:  ,,Si  Dscheha  ist  verrückt.  Wie  geht  es 
zu,  daß  er,  der  sonst  so  durchtrieben  ist,  sich  so 
täuschen  läßt?" 

Dscheha  kam  zurück  und  sagte  zu  seiner 
Mutter:  ,, Mutter,  wie  viel  hat  man  dir  für  die 
Haut  geboten?" 

,,Sie  ist  noch  auf  fünfzig  Duro,  mein  Sohn." 

„Ich  will  sie  messen,  ob  sie  zu  meinem  Zwecke 
taugt  oder  nicht."  Er  maß  sie,  und  als  er  damit 
fertig  war,  sagte  er  zu  seiner  Mutter:  ,,Wenn  du 
sie  verkaufen  willst,  so  gebe  ich  dir  hundert 
Duro." 

„Ich  verkaufe  sie  nicht,"  antwortete  sie,  und 
Dscheha  entfernte  sich  und  beobachtete  sie  von 
weitem. 

Ein  Mann,  der  auf  den  Markt  gekommen  war, 
kam  und  sagte  zu  der  Mutter  Dschehas:  ,, Altes 
Frauchen,  verkaufe  sie  mir.  Ich  gebe  dir  um 
zehn  Duro  mehr  als  der  Mann," 

,,Gib  das  Geld  her,  bevor  er  kommt;  er  könnte 
mir  sonst  Vorwürfe  machen,  daß  ich  einem  andern 
den  Vorzug  gegeben  habe." 

Er  gab  der  Alten  das  Geld,  und  die  machte 
sich  auf  den  Heimweg  und  Si  Dscheha  gesellte 
sich  zu  ihr;  sie  gingen,  bis  sie  dorthin  kamen,  wo 
sie  wohnten,  und  dort  blieben  sie. 

Die  Alte  hatte  aber  dem  Käufer  der  Haut  ge- 
sagt: ,, Diese  Haut  ist  gar  kostbar;  lege  sie  in  die 
Sonne:  sie  wird  trocknen,  und  du  wirst  sehn,  was 
für  einen  Nutzen  du  finden  wirst." 

Er  breitete  also  die  Haut  an  der  Sonne  aus. 

66 


Zwei  oder  drei  Tage  darauf  ging  er  nachsehn  und 
fand  sie  vollständig  ausgetrocknet.  Er  nahm  sie 
zwischen  die  Hände  und  rieb  sie;  da  zerfiel  sie. 
Nun  ging  er  die  Frau  suchen,  die  sie  ihm  ver- 
kauft hatte.  Er  traf  die  Mutter  Dschehas  und 
sagte  zu  ihr;  „Altes  Frauchen,  bist  du  nicht  die, 
die  mir  die  Haut  verkauft  hat?" 

„Sag  so  etwas  nicht  noch  einmal,"  sagte  die 
Alte,  „Ich,  Häute  verkaufen!  ich  bin  die  Mutter 
Si  Dschehas," 

,, Schon  recht,"  sagte  der  Mann;  ,,sieh  nur 
selber,  wer  mich  betrogen  haben  kann,  wenn  du 
es  nicht  bist." 

„Mein  Sohn,"  erwiderte  die  Alte,  ,,das  habe 
ich  nie  getan." 

Der  Mann  ging  heim,  ohne  sie  erkannt  zu 
haben.  Die  Ziegenhaut  verblieb  ihm  und  er  warf 
sie  den  Hunden  hin. 

Eines  Tages  sagte  die  Mutter  zu  Si  Dscheha:  406. 

„Ich  gehe  Holz  machen."  Er  bildete  sich 
ein,  das  sei  wahr;  sie  ging  aber  irgendwohin, 
setzte  sich  nieder  und  legte  einen  Fuß  über  den 
andern.  Dscheha  kam  und  sah,  daß  sie  die  Füße 
übereinander  geschlagen  hatte. 

Am  nächsten  Tage  sagte  sie  zu  ihm:  ,,Sohn, 
das  Barfußgehn  bringt  mich  um;  kaufe  mir  doch 
Schuhe." 

Dscheha  holte  Baumwolle  und  machte  ihr 
daraus  Schuhe;  „da,  Mutter,"  sagte  er,  „da  sind 
deine  Schuhe." 

„Aber,"  sagte  sie,  „wie  lange  werden  die  denn 
halten?" 

„Mutter,"    antwortete    Dscheha,    „wenn    du 

ö*  67 


l 


immer  so  viel  gehst  wie  gestern,  werden  sie 
halten,  bis  du  stirbst." 

407.  A    Ls  Si  Dscheha  noch  klein  war,  war  er  ein 

X*.  wenig  dumm  und  unwissend;  erst  als  er  ein 
wenig  größer  war,  erwachte  sein  Geist, 

Eines  Tages,  es  war  der  Tag,  wo  sein  Vater 
starb,  war  er  allein  auf  der  Welt;  er  hatte 
niemand  mehr  als  seine  Mutter,  Nun  nahm  er 
einmal  einen  Ochsen,  um  ihn  zu  verkaufen.  Auf 
dem  Wege  traf  er  eine  Eule,  und  er  sagte  zu  ihr: 
„Kaufst  du  meinen  Ochsen?" 

Die  Eule  schrie:  ,,Imiaruf." 

„Gibst  du  mir  fünfzehn  Realen?"  fuhr  Dscheha 
fort, 

„Imiaruf,"  wiederholte  die  Eule. 

,,Du  gibst  mir  zwanzig?" 

„Imiaruf," 

,,Du  gibst  mir  fünfundzwanzig?" 

„Imiaruf," 

„Da  hast  du  deinen  Ochsen,"  Und  er  fügte 
bei:  „Und  das  Geld?" 

,, Imiaruf," 

„Beim  nächsten  Markte?" 

,, Imiaruf,"  sang  die  Eule. 

„Gut;  da  ist  der  Ochse,  Das  Geld  werde  ich 
am  nächsten  Markttage  holen." 

„Imiaruf," 

Dscheha  ließ  den  Ochsen  dort  und  ging.  Als 
er  daheim  angelangt  war,  sagte  seine  Mutter  zu 
ihm:  ,,Und  der  Ochse,  mein  Sohn?" 

„Den  habe  ich  verkauft,"  antwortete  er;  „um 
fünfundzwanzig  Realen.  Was  das  Geld  betrifft, 
so  warte  ich  darauf  bis  zum  nächsten  Markte." 

68 


Als  der  nächste  Markttag  gekommen  war, 
ging  er  an  den  Ort,  wo  er  den  Ochsen  gelassen 
hatte;  dort  traf  er  die  Eule  und  die  sang  wie  am 
ersten  Tage.    ,,Und  das  Geld?"  sagte  er. 

,,Imiaruf." 

„Heute  will  ich  mein  Geld  haben." 

,,Imiaruf," 

Dscheha  ging  auf  sie  zu,  indem  er  sagte:  „Ich 
muß  heute  mein  Geld  haben."  Die  Eule  flog 
gegen  ein  altes  Gemäuer  hin;  Dscheha  folgte  ihr 
und   sagte:    ,,Du   mußt   mir   mein   Geld   geben." 

,,Imiaruf,"  schrie  die  Eule. 

Dscheha  verfolgte  sie  immer  weiter,  bis  er  sie 
in  dem  Gemäuer  vor  sich  hatte.  Sie  entwischte 
ihm  wieder;  aber  Dscheha  fand  in  dem  Gemäuer 
einen  Schatz. 

„Du  glaubst,"  sagte  er  nun  zu  der  Eule,  „daß 
ich  ein  Dieb  bin  wie  du?  ich,  ich  stehle  nicht;  ich 
werde  nur  nehmen,  was  mir  gebührt."  Und  er 
zählte  seine  fünfundzwanzig  Realen  ab  und 
steckte  sie  zu  sich;  dann  ging  er  heim. 

Als  er  zu  Hause  angelangt  war,  sagte  er  zu 
seiner  Mutter:  , .Mutter,  das  ist  das  Geld  von 
dem,  dem  ich  den  Ochsen  verkauft  habe."  Und 
er  fügte  bei:  ,,Ich  selber  habe  mit  meinen  eigenen 
Händen  die  fünfundzwanzig  Realen  aus  dem 
Schatze  genommen." 

„Mein  Sohn,"  sagte  die  Mutter,  „gehn  wir 
zu  ihm." 

„Mutter,  wenn  du  willst,  so  gehn  wir  hin;  ich 
fürchte  aber,  daß  du  ihn  bestehlen  wirst." 

„Pfui,  mein  Sohn!  Deinem  Freunde,  zu  dem 
wir  als  Gäste  kommen,  dem  werde  ich  etwas 
stehlen!" 

69 


„Also  gut;  komm,  gehn  wir," 

In  aller  Eile  kochte  sie  nun  Bohnen  und  Eier 
und  buk  Kuchen,  Als  sie  dann  das  Dörfchen 
verließen,  warf  sie  die  Bohnen  über  Dscheha;  er 
las  sie  auf  und  sagte:  „Mutter,  es  regnet  Bohnen," 

„Lies  sie  auf,  mein  Sohn."  Dscheha  las  sie 
auf  und  aß  sie.  Seine  Mutter  ging  immer  weiter; 
und  als  sie  an  dem  bewußten  Orte  angekommen 
waren,  sagte  sie  zu  ihm:  ,,Nun,  mein  Sohn;  wo  ist 
das  Haus  deines  Freundes?" 

„Da,"  antwortete  Dscheha. 

„Zeig  es  mir  doch." 

,,Nun  hier." 

„Das  da?" 

„Komm,  ich  werde  es  dir  zeigen," 

Als  er  sie  hingeführt  hatte  und  sie  den  Schatz 
sah,  warf  sie  Kuchen  in  die  Höhe,  so  daß  sie  auf 
Dscheha  niederfielen;  und  er  sagte:  ,, Ach,  Mutter, 
es  regnet  Kuchen,"  Er  begann  sie  aufzulesen 
und  sie  zu  essen.  Seine  Mutter  bemächtigte  sich 
des  Schatzes  und  er  sagte  zu  ihr:  ,,Hüte  dich, 
Mutter,  etwas  zu  nehmen," 

,,Ich  nehme  nichts,  mein  Sohn."  Aber  sie  hob 
den  Schatz  und  wickelte  ihn  in  ein  großes  Baum- 
wolltuch, um  ihn  wegzutragen;  und  zu  Dscheha 
sagte  sie:  „Komm,  mein  Kind,  gehn  wir." 

Sie  gingen.  Als  sie  ins  Dörfchen  kamen,  warf 
sie  die  Eier  über  ihn.  ,, Mutter,"  sagte  er,  „es 
regnet  Eier,"  Er  las  sie  auf  und  aß  sie,  und  sie 
kamen  nach  Hause. 

An  diesem  Abende  ging  Dscheha  dorthin,  wo 
die  Leute  zusammenkamen,  und  sagte  zu  ihnen: 
,, Heute  haben  meine  Mutter  und  ich  einen  Schatz 
heimgetragen." 

70 


Sie  fragten  ihn;  „Wann?" 

„Wir  sind  weggegangen,"  antwortete  Dscheha, 
„als  es  Bohnen  regnete.  Als  dann  der  Kuchen- 
regen gekommen  ist,  sind  wir  bei  dem  Schatze 
eingetroffen,  den  meine  Mutter  weggetragen  hat. 
Ins  Dorf  sind  wir  zurückgekommen  in  dem 
Augenblicke,  wo  es  Eier  regnete," 

,,Bah,"  sagten  sie  untereinander,  ,,der  Junge 
ist  ein  Tölpel;  nehmt  seine  Worte  doch  nicht 
ernst." 

Warum  hatte  nun  die  Mutter  Dschehas  die 
Bohnen  und  die  Eier  gesotten  und  die  Kuchen 
gebacken?  Weil  sie  nicht  zweifelte,  daß  der 
Dummkopf  von  ihrem  Sohne  alles  ausplaudern 
v/erde;  darum  hat  sie  ihm  die  Bohnen  und  die 
Eier  gesotten  und  die  Kuchen  gebacken.  Sie 
hatte  es  sich  an  den  Fingern  abgezählt,  daß 
Dscheha,  wenn  er  den  andern  sagen  werde:  ,,Wir 
haben  einen  Schatz  heimgebracht",  beifügen 
werde:  ,,als  es  Bohnen  und  dann  Kuchen  und 
dann  Eier  regnete";  und  sie  wußte,  daß  also 
niemand  seine  Worte  ernst  nehmen  werde. 

SI  Dscheha  konnte  kein  Pferd  besteigen,  aber  408, 

ein  guter  Fußgänger  war  er.  Eines  Tages 
ließ  ihn  nun  der  Kaid  des  Dorfes  rufen  und  sagte 
zu  ihm:  ,,Si  Dscheha,  du  mußt  mir  diesen  Brief 
zum  Bei  von  Algier  bringen;  steig  auf  mein  Pferd 
und  spute  dich," 

Das  Pferd  des  Kaids  war  aber  ein  hitziges 
Tier,  das  niemand  besteigen  konnte  außer  seinem 
Herrn.  Si  Dscheha,  der  das  wußte,  zog  sich  mit 
einem  einzigen  Worte  aus  dem  Handel;  er  fragte: 
„Ist  es  eilig,  Herr  Kaid?" 

71 


„Sehr  eilig,"  antwortete  der  Kaid. 

„Dann",  sagte  Dscheha,  „geh  ich  zu  Fuß;  ich 
werde  so  viel  schneller  dort  sein,  als  wenn  ich 
zu  Pferde  stiege." 

Alle  schüttelten  sich  vor  Lachen,  als  sie  ihn 
so  reden  hörten.  Der  Kaid,  der  Si  Dscheha  nur 
einen  Streich  hatte  spielen  wollen,  sagte:  „Bleib 
da;  du  wirst  mit  mir  essen." 

409.  O  I  Dscheha  hatte  einen  Feind,   der  ein  Eier- 

O  händler  war.  Den  traf  er  eines  Tages,  als 
er  auf  den  Markt  ging;  er  trat  auf  ihn  zu  und 
sagte:  „Du  hast  da  wirklich  schöne  Eier." 

„Laß  den  Spott,"  sagte  der  Händler.  „Willst 
du  welche  kaufen,  so  kauf;  wenn  nicht,  so  geh 
deines  Weges." 

Dscheha  kaufte  zwei  Eier  und  steckte  ge- 
schickt in  jedes  ein  Goldstück,  Dann  sagte  er 
zu  seinem  Feinde:  „Höre;  ich  will  jetzt  Frieden 
machen  mit  dir,  und  darum  will  ich  dir  einen 
guten  Rat  geben." 

„Wir  werden  sehn,"  sagte  der  Händler; 
„sprich." 

Nun  sagte  ihm  Dscheha  ins  Ohr:  „Verkaufe 
diese  Eier  nicht;  alle  enthalten  sie  Goldstücke!" 

„Pack  dich,"  schrie  der  Händler;  „du  lügst." 

„Ich  lüge?"  sagte  Dscheha;  „also  gut:  sieh 
her."  Und  er  schlug  vor  ihm  die  zwei  Eier  auf, 
die  er  gekauft  hatte.  Der  Händler  stand  ganz 
verdutzt  da,  als  er  die  zwei  Goldstücke  sah,  die 
zum  Vorscheine  kamen.  Dscheha  las  sie  auf, 
schob  sie  in  seine  Tasche  und  ging  heim. 

Alsbald  nahm  der  Händler  seine  Eier  und 
schlug  sie  alle  ohne  Ausnahme  auf.    Goldstücke 

12 


aber  fand  er  nicht  ein  einziges,  und  er  schrie: 
„Gott  verderbe  die  Augen  Si  Dschehas,  so  wie 
ich  alle  meine  Eier  verdorben  habe!" 

SI  Dscheha  hatte  in  einem  Hause,  das  auch  410, 

der  Eigentümer  bewohnte,  eine  Kammer  ge- 
mietet. Er  bezahlte  nie  die  Miete  und  lärmte  die 
ganze  Nacht  in  seiner  Kammer.  Der  Eigentümer, 
der  dieses  Lärms  halber  nicht  schlafen  konnte, 
sagte  eines  Tages  zu  ihm:  ,, Warum  verübst  du 
allnächtlich  einen  solchen  Lärm  in  deiner 
Kammer?" 

„Mein  Sohn,"  antwortete  Dscheha,  ,, ich  richte 
Schlangen  ab,  um  sie  den  Aissawa  ^  zu  ver- 
kaufen." 

,,Du  züchtest  Schlangen  in  meinem  Hause?" 
schrie  der  Eigentümer.  „Gut  also;  du  kannst 
jetzt  ziehen.  Die  Miete  schenke  ich  dir,  aber 
räume  das  Haus  noch  heute." 

„Das  ists  ja,  was  ich  wollte,"  dachte  Dscheha. 
„Auf  diese  Weise  brauche  ich  keine  Miete  zu 
zahlen." 

Eines  Tages  war  Si  Dscheha  bei  seiner  Mutter  411. 

zu  Hause  geblieben.  Da  sie  nichts  zu  essen 
hatten,  sagte  er  zu  ihr:  „Warte,  ich  hole  etwas 
zu  essen." 

Er   ging   zu   den   Schülern,   die   er   alle  bei- 

^  Die  Aissawa  sind  nach  Basset  eine  in  ganz  Nord- 
afrika weit  verbreitete  religiöse  Bruderschaft  nach  Art  der 
Fakire,  die  sich  ebenso  wie  diese  durch  Tänze  und  wilde 
Bewegungen  eine  gewisse  körperliche  Unempfindlichkeit 
aneignen;  sie  essen  Glas  und  Skorpione,  lassen  sich  von 
giftigen  Schlangen  beißen,  lecken  glühendes  Eisen,  ver- 
schlucken Kiesel  usw. 

73 


sammen  fand,  und  sagte  zu  ihnen;  „Kommt,  ihr 
sollt  heute  bei  mir  essen,"  Er  war  nämlich  ihr 
Mitschüler,  war  aber  an  diesem  Morgen  nicht  zur 
Schule  gegangen.  Als  er  ihnen  nun  sagte: 
, »Kommt  heute  zu  mir  essen",  antworteten  sie: 
,,Si  Dscheha,  du  bist  arm." 

Er  antwortete:  ,,Das  ist  Brauch  bei  uns:  wenn 
ein  Schüler  den  ganzen  Koran  auswendig  kann, 
muß  er  seinen  Mitschülern  zu  essen  geben." 

„Gut  ists,"  sagten  sie,  „Geh  und  richte  das 
Mahl  her;  wir  werden  kommen," 

„Steht  auf  und  kommt  mit,"  sagte  Dscheha; 
„das  Mahl  ist  schon  kalt," 

Sie  standen  auf  und  gingen  mit  ihm.  Als  sie 
in  seinem  Hause  angelangt  waren,  ließ  er  sie  in 
eine  Kammer  treten.  Dann  nahm  er  ihre  Schuhe, 
die  sie  an  der  Tür  gelassen  hatten,  und  steckte 
sie  in  einen  Sack;  hierauf  ging  er  zu  den  Schülern 
zurück  und  sagte  zu  ihnen:  „Wartet  ein  bißchen; 
ich  komme  sofort  wieder,"  Er  ging  aber  weg  und 
nahm  den  Sack  mit  ihren  Schuhen  mit;  er  kam 
zu  einem  Garkoch, 

„Gib  mir  etwas  um  zwei  Franken,"  sagte  er 
zu  ihm,  ,,und  nimm  dafür  dies  Paar  Schuhe." 

Dann  ging  er  zu  einem  Fleischer  und  hielt 
ihm  dieselbe  Rede,  dann  zu  dem  Kuskussu- 
verkäufer;  und  als  er  so  alle  Schuhe  der  Schüler 
verteilt  hatte,  ging  er,  mit  köstlichen  Mund- 
vorräten beladen,  nach  Hause-  Sofort  nach  seiner 
Heimkehr  setzte  er  alles  den  Schülern  vor,  und  sie 
ließen  es  sich  trefflich  schmecken.  Dann  erhoben 
sie  sich,  um  in  ihre  Schule  zu  gehn.  Als  sie  ihre 
Schuhe  suchten,  sagte  Dscheha  zu  ihnen:  ,, Kommt 
mit  mir;  ich  habe  sie  versteckt." 

74 


Sie  gingen  mit  ihm.  Einen  führte  er  zum  Gar- 
koch und  sagte  zu  ihm:  „Gib  ihm  zwei  Franken; 
er  wird  dir  deine  Schuhe  geben,"  So  zeigte  er 
schließlich  allen,  wo  er  ihre  Schuhe  verpfändet 
hatte,  und  die  armen  Schüler  gaben  Geld  her, 
um  sie  wiederzubekommen.  Er  blieb  bei  seiner 
Mutter;  und  von  den  Speisen  hatten  sie  noch 
zwei  Tage  zu  essen. 

ALs  sein  Vater  starb,  trug  ihn  Dscheha  auf  412. 

den  Markt  und  beerdigte  ihn  dort;  aber 
einen  Fuß  des  Toten  ließ  er  außerhalb  der  Erde, 
Die  Leute  sagten  zu  ihm:  ,,Was,  Si  Dscheha?  du 
läßt  den  Fuß  deines  Vaters  außerhalb  der  Erde? 
was  ist  das  für  ein  Begräbnis?" 

„Nun,"  antwortete  er,  ,, jedermann  weiß,  wie 
er  seinen  Vater  zu  begraben  hat.  Dieser  Platz 
ist  das  Grab  meines  Vaters,  nicht  wahr?  Wenn 
ich  also  auf  den  Markt  komme,  werde  ich  meinen 
Esel  an  den  Fuß  meines  Vaters  binden,  und 
niemand  wird  mir  etwas  sagen  dürfen," 

Eines  Tages  ging  Dscheha  auf  den  Markt;  er 
band  seinen  Esel  an  den  Fuß  seines  Vaters  und 
ging  dann  einen  Fleischhandel  anfangen.  Er 
kaufte  einen  magern  Ochsen,  tötete  ihn,  deckte 
ihn  ab,  zerstückelte  ihn  und  legte  die  Fleisch- 
stücke auf  einen  großen  Stein.  Alle  andern 
Fleischer  töteten  fette  Tiere.  Sie  verkauften  und 
gingen  weg;  Dscheha  blieb  zurück.  Alle,  die  bei 
ihm  vorbeikamen,  spien  aus  und  setzten  ihren 
Weg  fort. 

Als  es  Abend  wurde,  war  er  allein  noch  da. 
Die  Hunde  umgaben  ihn  und  er  sagte  zu  ihnen: 
,, Wollt  ihr  es  kaufen?" 

75 


Sie  begannen  alle  zu  knurren,  Dscheha 
wandte  sich  zu  dem  größten  im  Rudel:  ,,Wenn 
du  für  sie  bürgst,  so  verkaufe  ich  ihnen  meinen 
Ochsen."  Der  Hund  knurrte.  ,,Ich  weiß," 
sagte  Dscheha,  ,,daß  du  mir  für  mein  Geld  gut 
bist",  und  überließ  den  Hunden  das  Feld.  Sic 
fraßen  das  Fleisch  des  Ochsen  und  Dscheha  ging. 

Am  nächsten  Markttage  kam  er  wieder  und 
ging  sofort  zum  Grabe  seines  Vaters.  Er  sah, 
daß  dort  einer  sein  Maultier  angebunden  hatte; 
er  fragte:  „Wer  ist  das,  der  sein  Maultier  hier 
angebunden  hat?" 

Der  Herr  des  Maultiers  erhob  sich  und  ant- 
wortete: ,,Ich  bins." 

„Was?"  sagte  Dscheha.  „Das  ist  das  Grab 
meines  Vaters.  Ich  habe  seinen  Fuß  heraußen 
gelassen,  damit  alle  Welt  weiß,  daß  der  Platz 
mein  ist;  denn  man  sieht  sehr  wohl,  daß  das 
das  Grab  meines  Vaters  ist,  und  alle,  die  her- 
kommen, sollten  sich  sagen;  ,Der  Platz  gehört 
Si  Dscheha.'  Hier  hat  niemand  etwas  zu  suchen." 

Der  Eigentümer  des  Maultiers  sagte  zu  ihm: 
„Ich  habe  nicht  gewußt,  Freund,  daß  das  der 
Fuß  deines  Vaters  ist;  ich  habe  ihn  für  ein  Stück 
Holz  gehalten." 

Dscheha  antwortete:  „Von  heute  an  gib  acht, 
nicht  wieder  hieher  zu  kommen." 

Von  diesem  Tage  an  wurde  der  Platz  Eigen- 
tum Dschehas. 

413.  A    Ls     der     Eigentümer     des     Maultiers     und 

J^L  Dscheha  auseinander  gegangen  waren,  be- 
gann Dscheha  den  Hund  zu  suchen,  der  die  Bürg- 
schaft für  die  andern  Hunde  übernommen  hatte. 

76 


Als  er  ihn  gefunden  hatte,  sagte  er  zu  ihm:  „Jetzt 
will  ich  mein  Geld  von  dir  haben,"  Der  Hund 
riß  aus,  aber  Dscheha  verfolgte  ihn,  indem  er 
sagte;  „Die  Flucht  wird  dir  nichts  nützen," 

Er  hatte  die  Absicht,  mit  diesen  Hunden  eine 
gewisse  List  ins  Werk  zu  setzen;  er  hatte  nämlich 
sagen  hören,  die  Tochter  des  Sultans  habe  seit 
dem  Tage  ihrer  Geburt  weder  gelacht,  noch  ge- 
sprochen, und  hatte  sagen  hören,  der  Sultan  habe 
gesagt:  „Ich  werde  meine  Tochter  dem  geben, 
der  sie  zum  sprechen  bringt," 

Dscheha  ging  einen  Strick  kaufen,  und  den 
knüpfte  er  an  einen  Baum.  Dann  lief  er,  um  die 
Hunde  zusammenzufangen.  Alle,  deren  er  hab- 
haft werden  konnte,  band  er  an  diesen  Strick; 
und  als  er  sie  alle  angebunden  hatte,  ging  er  mit 
einem  Stocke  auf  sie  los,  wobei  er  in  einem  fort 
sagte:  ,,Gebt  mir  mein  Geld," 

Das  Haus  des  Sultans  war  gegenüber  von  dem 
Baume,  woran  er  die  Hunde  gebunden  hatte,  und 
die  Tochter  des  Sultans  betrachtete  das  Schau- 
spiel von  ihrem  Fenster  aus.  Dscheha  verfolgte 
die  Hunde  ununterbrochen;  wenn  er  von  der 
einen  Seite  her  auf  sie  eindrang,  retteten  sie  sich 
auf  die  andere,  und  wenn  er  sie  verfolgte,  liefen 
sie  in  einer  andern  Richtung, 

Darob  begann  die  Tochter  des  Sultans  zu 
lachen.  Das  hörte  die  Negerin  und  ging  zum 
Sultan  und  sagte:  ,,Herr,  meine  Gebieterin  lacht," 
Hastig  lief  der  Sultan  hin,  und  als  er  bei  seiner 
Tochter  war,  fragte  er  sie:  ,, Tochter,  warum 
lachst  du?  Zeit  deines  Lebens  hast  du  noch 
nicht  gelacht.  Heute  hat  Gott  dein  Herz  er- 
schlossen." 

77 


„Vater,"  antwortete  sie,  ,,du  siehst,  was  der 
Mann  dort  mit  den  Hunden  treibt;  das  ist  der 
einzige  Grund,  daß  ich  lache," 

Der  Sultan  sagte  zu  seinem  Sklaven:  ,,Geh  zu 
dem  Manne  dort,  der  die  Hunde  gefangen  hat, 
und  sag  ihm;  , Wohlan,  schenke  den  Hunden  die 
Freiheit;  der  Sultan  sagt  dir:  komm,'  "  Der 
Neger  ging.  Als  er  bei  Dscheha  war,  wiederholte 
er  ihm  die  Worte  des  Sultans. 

„Ich  werde  sie  nicht  freilassen,"  erklärte 
Dscheha;  „ich  habe  ihnen  auf  dem  letzten  Markt 
einen  Ochsen  verkauft,  und  heute  haben  sie  sich 
geweigert,  mich  zu  bezahlen," 

,,Komm  doch  zum  Sultan,  Narr,  der  du  bist," 
sagte  wieder  der  Neger,  ,,Er  wird  dich,  so  Gott 
will,  reich  machen.  Er  selber  hat  mir  gesagt: 
,Sag  ihm,  er  soll  kommen  und  die  Hunde  laufen 
lassen;  ich  will  ihn  bezahlen.'  " 

Dscheha  ließ  die  Hunde  laufen,  sagte  aber  zu 
dem  Neger:  ,, Vielleicht  hast  du  mich  zum  besten, 
und  dann  habe  ichs." 

Dscheha  ging  also  mit  ihm,  und  als  er  vor  dem 
Sultan  stand,  sagte  dieser  zu  ihm:  ,,Was  hast  du 
mit  den  Hunden  gehabt?" 

,,Am  letzten  Markte",  antwortete  Dscheha, 
„habe  ich  ihnen  einen  ganzen  Ochsen  verkauft, 
und  sie  haben  ihn  gefressen.  Heute  habe  ich  zu 
ihnen  gesagt:  ,Gebt  mir  mein  Geld,'  Sie  haben 
sich  geweigert.     Dann  habe  ich  sie  gefangen," 

„Wie  viel  forderst  du?" 

,, Zwanzig  Duro," 

,,Komm,"  sagte  der  Sultan  und  ließ  Dscheha 
in  ein  Zimmer  treten,  Dscheha  sah,  daß  es  voll 
Gold  war, 

78 


„Also,"  sagte  der  Herrscher,  „nimm  dir,  was 
du  willst." 

,,Das  ist  es  nicht,  was  ich  will,"  sagte  Dscheha. 
„Laß  mich  nur  gehn  und  meine  Schuldner  wieder 
fangen." 

Die  Tochter  des  Sultans  war  dabei;  da  sie  zu 
lachen  begann,  sagte  Dscheha  zu  ihr:  „Du  hast 
recht,  dich  über  mich  lustig  zu  machen;  denn 
nachdem  ich  alle  beisammen  gehabt  habe,  die  mir 
Geld  schuldig  sind,  bin  ich  von  euch  zum  Narren 
gehalten  worden.  Dein  Vater  hat  den  Schwur 
vergessen,  den  er  deinetwegen  geschworen  hat. 
Laß  mich  jetzt  wenigstens  gehn,  um  meine  Wider- 
sacher zu  verfolgen." 

Da  der  Sultan  gesehn  hatte,  daß  Dscheha  ein 
sehr  schmutziger  Mensch  war,  hatte  er  nicht  vom 
Anfang  an  zu  ihm  sagen  wollen:  „Ich  gebe  dir 
meine  Tochter";  indem  aber  Dscheha  das  Wort 
Schwur  aussprach,  rief  er  dem  Sultan  die  Sache 
ins  Gedächtnis,  und  nun  sagte  dieser:  „Wohlan, 
so  heirate  meine  Tochter." 

,,Ich  werde  sie  nicht  heiraten,"  antwortete 
Dscheha,  und  das  zu  dem  Zwecke,  für  einen  ge- 
wichtigen Mann  angesehn  zu  werden, 

„Warum  willst  du  sie  nicht  heiraten?" 

,,Weil  ich,  wenn  ihr  mich  auch  jetzt  sehr 
schmutzig  seht,  immerhin  der  Sohn  eines  Sultans 
bin;  gebt  acht,  daß  ihr  euch  nicht  in  mir  täuscht." 

,,Das  ist  gerade  das,"  sagte  der  Sultan,  ,,was 
auch  mein  Wunsch  war;  es  war  mir  darum  zu 
tun,  daß  meine  Tochter  einen  Sultanssohn  und 
nicht  irgendeinen  schmutzigen  Bauer  heirate." 

Er  gab  ihm  seine  Tochter  und  Dscheha 
heiratete   sie.     Und    der   Sultan   sagte   zu   ihm: 

79 


„Nun,  mein  Schwiegersohn,  wirst  du  bei  mir 
wohnen  oder  in  deinem  Hause?" 

,,Bei  dir  will  ich  nicht  wohnen,"  antwortete 
Dscheha;  ,,ich  habe  ein  Haus," 

,,Also,  da  ist  deine  Frau,  nimm  sie;  nimm 
auch  alles  Geld,  alle  Kamele,  alle  Pferde  und 
alle  Maultiere,  die  du  willst," 

Dscheha  führte  seine  Frau  weg  und  nahm 
überdies  diese  unendlichen  Reichtümer  mit. 

414.  TTVScheha  führte  also  seine  Frau  heim;  aber  als 

J-X  sie  ankam,  gefiel  ihr  das  Haus  gar  nicht, 
weil  sie  es  voller  Schmutz  fand,  ,,Was?"  sagte 
sie  sich;  ,, dieser  Mensch  hat  mich  zum  besten 
gehabt.  Er  hat  mir  gesagt:  ,Ich  bin  ein  Sultans- 
sohn, ich  bin  aus  einem  großen  Hause';  jetzt  sieht 
man,  wie  schlecht  es  mit  seinem  Hause  bestellt 
ist."  Aber  sie  verschloß  diese  Gedanken  in 
ihrem  Herzen  und  wollte  sie  niemand  kundtun. 

Es  kam  das  Fest  heran,  und  sie  sah  Dscheha 
zur  Arbeit  gehn,  obwohl  alle  Welt  dem  Feste  zu 
Ehren  feierte.  „Si  Dscheha,"  sagte  sie  zu  ihm, 
„was  tust  du?  alle  Welt  feiert  des  Festes  halber, 
und  du  gehst  arbeiten!  Hast  du  mir  nicht  seiner- 
zeit gesagt:  ,Mein  Vater  ist  Sultan',  und  wieder: 
,Ich  habe  ein  schönes  Haus,  ich  bin  aus  einem 
großen  Hause'?" 

„Meine  Liebe,"  antwortete  Dscheha,  ,,es  ist 
wahr,  ich  habe  das  gesagt,  und  ich  habe  nicht 
gelogen;  ich  will  jetzt  nur  eine  kleine  Arbeit  ver- 
richten." 

„Kein  Mensch  verrichtet  in  der  Festzeit  eine 
Arbeit,  weder  eine  kleine,  noch  eine  große;  man 
arbeitet  an  den  andern  Tagen  genug." 

80 


„Das  ist  wahr,  meine  Liebe.  Aber  wenn  mich 
die  Dorfleute  feiern  sehn,  feiern  sie;  sehn  sie 
mich  zur  Arbeit  gehn,  gehn  auch  sie.  Ich,  ich 
bin  wohl  in  der  Lage,  nichts  zu  tun;  mir  wird  es 
an  nichts  mangeln.  Daß  ich  öffentlich  so  tue, 
geschieht  nur,  damit  nicht  die  Kinder  des  Volkes 
unaufhörlich  im  Hunger  leben." 

Ein  andermal  sagte  sie  zu  ihm;  ,,Si  Dscheha, 
wie  ist  nur  das  Kleid,  das  du  trägst,  zuge- 
schnitten? warum  kleidest  du  dich  nicht  wie  die 
Sultanssöhne?" 

„Meine  Liebe,"  antwortete  er,  „auf  schöne 
Kleider  gebe  ich  nichts  der  Leute  halber;  sie 
machen  alles,  was  ich  mache:  gehe  ich  ihnen  im 
Müßiggang  voran,  so  arbeiten  sie  auch  nichts 
mehr;  gebe  ich  ihnen  ein  Beispiel  mit  schönen 
Kleidern,  so  werden  auch  sie  sich,  wenn  sie  ein 
paar  Groschen  haben,  solche  kaufen,  und  die 
ganze  Familie  wird  Hunger  leiden." 

„Wieso  ist  es  möglich  gewesen,  Si  Dscheha, 
daß  du  mir  gesagt  hast:  ,Ich  bin  Sultan'?  Ich 
sehe  dich  doch  niemals  das  Herrscheramt  aus- 
üben. Niemand  im  Volke  nennt  dich  Sultan  oder 
Sultanssohn.  Du  hast  mich  belogen;  du  bist 
sicherlich  nichts  sonst  als  ein  Bettler  und  legst 
dir  die  Eigenschaft  eines  Sultans  fälschlich  bei." 

,,Ich  frage  dich,"  antwortete  Dscheha,  ,,was 
deine  Absicht  ist.  Hast  du  die  Absicht,  hier  zu 
bleiben,  so  mach  nicht  die  Närrin  und  bleib  in 
deinem  Hause.  Wenn  du  merkst,  daß  du  den 
Verstand  verloren  hast  und  meiner  vielleicht 
überdrüssig  bist,  so  geh  wieder  heim  zu  deinem 
Vater.  Ich  liebe  keine  Leute,  die  sich,  obwohl 
von  geringem  Stande,  doch  besser  dünken  als  die 

Nasreddin,   II.  Q  gj 


andern.  Ich  für  meine  Person  bin  der  Sultan 
meiner  Brüder,  und  es  ist  mir  unmöglich,  jemand 
unrecht  zu  tun,  wer  immer  es  sei." 

„Ich  glaube  es  nicht  eher,  daß  du  Sultan  bist, 
als  bis  du  den  Muezzin  getötet  hast,  der  mich 
jeden  Morgen  so  zeitlich  früh  weckt." 

,, Morgen  werde  ich  ihn  töten,"  sagte  Dscheha. 
„Ich  werde  dir  seinen  Kopf  bringen,  und  du  wirst 
so  erkennen,  ob  ich  ein  Sultan  bin  oder  ein  Be- 
trüger." 

415.  A   M    nächsten    Morgen     ließ     Dscheha     den 

J'\.  Muezzin  bis  auf  die  Spitze  des  Minarets 
steigen;  dann  ging  er  ihm  nach  und  schlug  ihm 
den  Kopf  ab.  Den  gab  er  seiner  Frau  mit  den 
Worten:  ,,Da  hast  du  den  Kopf  des  Menschen, 
der  dich  alle  Morgen  früh  geweckt  hat." 

Und  sie  sagte:  „Nun  sehe  ich,  daß  du  Sultan 
bist." 

Dscheha  ging  einen  Hammel  kaufen,  und  den 
kehlte  er  ab.  Den  Kopf  des  Muezzins  warf  er  in 
den  Brunnen;  den  Kopf  des  Hammels,  den  er 
getötet  hatte,  versteckte  er  und  legte  ihn  unter 
eine  große  Holzschüssel. 

Gegen  Mittag  begannen  die  Leute  den  Muezzin 
zu  suchen,  konnten  ihn  aber  nicht  finden.  Endlich 
stiegen  sie  aufs  Minaret,  und  dort  fanden  sie  ihn 
tot  mit  abgeschlagenem  Kopfe.  Und  sie  sagten: 
„Wer  hat  unsern  Muezzin  getötet?"  Einer  nahm 
das  Wort  und  sagte;  „Si  Dscheha  habe  ich  heute 
zeitlich  früh  hier  heraufsteigen  sehn;  der  hat 
ihn  vielleicht  getötet." 

Sie  gingen  zu  Si  Dscheha  und  sagten  zu  ihm: 
„Si  Dscheha,  hast  du  den  Muezzin  getötet?" 

82 


„Nein,"  antwortete  er,  „Was  hat  er  mir  ge- 
tan, daß  ich  ihn  hätte  töten  sollen?  Seht  nach, 
wer  mit  ihm  auf  schlechtem  Fuße  gestanden  ist; 
der  hat  ihn  auch  getötet.     Ich  war  es  nicht." 

„Der  Mann,  der  dich  hat  aufs  Minaret  steigen 
sehn,  hat  gesagt,  du  hast  ihn  getötet.  Du  belügst 
uns.  Wir  wollen  dein  Haus  durchsuchen,  ob  wir 
nicht  seinen  Kopf  finden." 

,, Kommt  und  sucht,"  sagte  Dscheha. 

Sie  traten  ein  und  begannen  zu  suchen;  sie 
stöberten  das  ganze  Haus  durch,  fanden  aber 
nichts.  Da  fiel  einem  die  große  Holzschüssel  auf, 
die  verkehrt  dalag,  und  er  ging  hin,  und  hob  sie 
auf;  und  er  fand  darunter  den  Hammelkopf.  Nun 
sagte  er  zu  seinen  Gesellen:  ,,An  dieser  Stelle, 
die  uns  verdächtig  war,  finde  ich  einen  Hammel - 
köpf.  Es  ist  also  wahrscheinlich,  daß  es  nicht 
Dscheha  war,  der  den  Muezzin  getötet  hat." 

Darauf  gingen  sie  alle  nach  Hause,  und 
Dscheha  war  gerettet. 

DScheha  traf  im  Walde  einen  Schakal  und  zu  416. 

dem  sagte  er:  „Du  Schakal,  wie  bist  du 
denn  eigentlich  geartet?  Du  tust  Tag  und  Nacht 
nichts  andres,  als  im  Walde  herumzulaufen. 
Komm,  geh  mit  mir  nach  Hause,  und  wir  werden 
miteinander  wohnen;  was  ich  esse,  wirst  du  essen, 
und  wenn  ich  nichts  tue,  wirst  du  nicht  mehr  tun." 

,,Gott  hat  mich  erschaffen,"  antwortete  der 
Schakal,  „damit  ich  im  Busche  herumlaufe,  und 
es  ist  mir  unmöglich,  in  einem  Hause  zu  ver- 
weilen." 

„Meine  Absicht  ist,"  erwiderte  Dscheha,  ,,dir 
gutes  zu  tun." 

6*  83 


„Du  bist  listig,"  sagte  der  Schakal;  „aber 
wenn  du  eine  List  hast,  so  habe  ich  ihrer  zehn. 
Darum  wird  es  dir  nie  gelingen,  mich  zu  foppen," 

„Mein  lieber  Freund,  ich  habe  auch  nicht  eine 
einzige  List;  du  bist  eben  mißtrauisch.  Ich  will 
nur,  daß  du  mit  mir  nach  Hause  essen  und 
trinken  kommst.  Das  ist  besser,  als  so  durch 
den  Wald  zu  schweifen,  ausgesetzt  den  Dörnern, 
der  Kälte  und  dem  Hunger," 

,,Ich  wiederhole  dir,"  sagte  der  Schakal,  ,,daß 
du  ein  großer  Schurke  bist;  ich  bin  es  auch.  Wir 
werden  also  niemals  zusammenkommen." 

,,Und  warum  nicht?"  sagte  Dscheha;  „sind 
wir  nicht  Brüder?  Ich  bin  von  Mitleid  für  dich 
bewegt  gewesen;  sonst  hätte  ich  nicht  so  mit  dir 
gesprochen," 

„Ich  habe  es  dir  gesagt  und  ich  wiederhole  es 
dir,  daß  ich  nicht  mitgehn  werde;  sobald  du  aber 
darauf  bestehst,  gut,  so  gehe  ich  mit," 

Der  Schakal  begleitete  also  Dscheha.  Und  als 
sie  dann  zu  Hause  angelangt  waren,  sagte  er: 
„Ins  Haus  gehe  ich  nicht;  ich  werde  vor  der  Tür 
schlafen," 

„Warum  willst  du  nicht  im  Hause  schlafen?" 
fragte  ihn  Dscheha;  „da  heraußen  ist  es  ja  kalt." 

„Ich  will  hier  bleiben;  ich  bin  an  die  Kälte 
gewöhnt.     Ins  Haus  gehe  ich  nicht," 

„Meinetwegen,"  sagte  Dscheha;  „bleib  also 
da." 

Der  Schakal  hielt  sich  nun  gewöhnlich  draußen 
auf  und  Dscheha  im  Hause.  Zu  Mittag  brachte 
ihm  Dscheha  das  Mittagessen,  am  Abende  das 
Nachtmahl.  Schließlich  mußte  aber  Dscheha  ein- 
mal weggehn,  und  da  gab  er  seiner  Frau  folgende 

84 


Aufträge  und  sagte  zu  ihr:  ,,Gib  acht;  laß  deinen 
Sohn  nicht  heraus."  Er  wußte,  daß  man  vor  dem 
Schakal  auf  der  Hut  sein  mußte.  Dann  entfernte 
er  sich,  und  seine  Frau  ging  ihren  gewöhnlichen 
Beschäftigungen  nach.  Der  kleine  Knabe  trat  vor 
die  Tür.  Als  ihn  der  Schakal  sah,  stürzte  er  sich 
auf  ihn  und  fraß  ihn.  Dann  leckte  er  alles  Blut 
auf  und  ließ  nichts  übrig,  was  ihn  hätte  verraten 
können. 

Die  Mutter  des  Knaben  kam  heraus,  um  ihn 
zu  suchen.  Als  sie  ihn  nicht  fand,  ging  sie  zum 
Schakal  und  sagte  zu  ihm:  „Hast  du  vielleicht 
mein  Kind  gefressen?" 

„Das  ist  sehr  gut,"  sagte  der  Schakal;  „so  also 
steht  es?  Warum  hat  mich  denn  dein  Mann  her- 
gebracht? Vielleicht  deswegen,  damit  ich  mich 
heute  über  dein  Gezeter  ärgern  soll?" 

Dscheha,  der  in  diesem  Augenblicke  zurück- 
kam, blieb  auf  der  Straße  stehn;  als  er  seine  Frau 
weinen  hörte,  lief  er  herbei  und  sagte:  „Was 
hast  du?" 

„Der  Schakal,  den  du  hergebracht  hast,  hat 
deinen  Sohn  gefressen." 

Der  Schakal  tat,  als  ob  er  zornig  wäre,  und 
sagte  zu  Dscheha:  „Ich  habe  es  dir  am  ersten 
Tage  gesagt:  laß  mich,  ich  gehe  nicht  her.  Dann 
hast  du  mich  aber  gezwungen  zu  kommen.  Jetzt 
segne  dich  Gott!  So  also  handeln  Freunde  an 
ihren  Freunden?   Laß  mich  augenblicklich  gchn." 

„Bleib  nur,"  sagte  Dscheha,  ,,und  mache  dir 
nichts  aus  den  Reden  einer  Frau." 

Er  ging  zu  seiner  Frau  und  sagte  zu  ihr: 
„Schweig,  sage  ich  dir,  damit  er  bleibt  und  nicht 
geht.     Daß  er  meinen  Sohn  gefressen  hat,  be- 

85 


zweifle  ich  nicht;  vorderhand  aber  wollen  wir  ihn 
dabehalten,  damit  ich  ihn  töte,  ihn,  der  mein  Kind 
gefressen  hat." 

Der  Schakal  erriet  alles.  Si  Dscheha  dachte 
bei  sich,  daß  er  auf  den  Schakal,  nachdem  er  ihn 
habe  einschlafen  lassen,  losgehn  und  ihn  abkehlen 
werde;  aber  der  Schakal,  der  voraussah,  was  ihm 
geschehn  sollte,  ließ  seine  Wirte  einschlafen, 
sprang  über  die  Mauer  und  suchte  das  Weite. 

Si  Dscheha  und  seine  Frau  standen  auf  und  er 
ging  an  den  Ort  des  Schakals;  aber  er  fand,  daß 
der  Schakal  nicht  mehr  dawar.  Er  kehrte  zu 
seiner  Frau  zurück  und  sagte  zu  ihr:  ,,Du  bist 
schuld  daran,  daß  er  gegangen  ist.  Hättest  du 
nicht  mit  ihm  gesprochen,  so  hätte  er  sich  nicht 
geflüchtet  und  wir  hätten  ihn  getötet;  nach  dem 
Auftritte  aber,  den  du  ihm  gemacht  hast,  hat  er 
fortgehn  müssen." 

417.  A   Ls  Dscheha  alt  wurde,  ließ  sein  Gesicht  nach, 

x^  und  er  sah  nicht  mehr  so  gut  wie  in  seinen 
jungen  Jahren:  einst  hatte  er  ein  Rebhuhn  oder 
einen  Hasen  auf  fünfhundert  Schritt  gesehn  und 
mit  jedem  Pfeil,  den  er  abschoß,  sein  Ziel  ge- 
troffen; jetzt  aber  zitterten  seine  Hände  und  er 
sah  nicht  mehr  so  gut.  Als  seine  Freunde  diese 
Zeichen  des  Greisenalters  bemerkten,  machten 
sie  sich  lustig  über  ihn.  Um  ihnen  nun  den  Mund 
zu  stopfen,  dachte  er  sich  eine  List  aus,  die  wir 
erzählen  wollen. 

Er  kaufte  einen  jungen  Hund,  den  er  Packan 
nannte,  und  richtete  ihn  auf  jede  Jagd  ab;  und 
er  lehrte  ihn  alles  bringen,  was  er  ihm  angab. 
Oft  versteckte  er  am  Morgen  einen  toten  Hasen 

86 


im  Gebirge;  er  zeigte  dem  Hunde  den  Ort,  wo  er 
ihn  hinlegte,  und  ging  mit  ihm  zurück  nach  Hause. 
Gegen  Mittag  sagte  er  dann  dem  Hunde:  „Such." 
Packan  lief  ins  Gebirge  und  kam  im  Nu  mit  dem 
Hasen  im  Maule  zurück.  Schließlich  war  der 
Hund  ausgezeichnet  abgerichtet,  Dscheha  wartete 
den  Tag  des  großen  Festes  ab,  um  die  Dorfleutc 
zu  verblüffen. 

An  diesem  Tage  legte  er  am  Morgen  einen 
toten  Hasen  neben  einen  Baum,  der  mehr  als 
fünfhundert  Schritt  vom  Dorfe  entfernt  war,  und 
zeigte  ihn  seinem  Hunde.  Zu  Mittag  lud  er  seine 
Nachbarn  ein,  den  Kaffee  vor  seiner  Tür  zu 
nehmen.  Es  kamen  Leute  von  allen  Seiten,  und 
es  war  eine  große  Menge  da,  als  sich  Si  Dscheha 
plötzlich  erhob  und  schrie:  ,,He,  Freunde!  seht 
ihr  dort  unten  den  Hasen  neben  dem  Baume?" 
Alle  machte  große  Augen  und  blickten  an- 
gestrengt hin;  da  sie  nichts  sahen,  sagten  sie  zu 
Dscheha:  ,,Du  bist  ein  Narr;  wieso  könntest  du 
denn  einen  Hasen  auf  diese  Entfernung  sehn?" 

„Ich  begreife,"  antwortete  Dscheha,  „daß  ihr 
ihn  mit  euerm  schwachen  Gesichte  nicht  be- 
merken könnt;  aber  ich  sehe  ihn."  Dann  wandte 
er  sich  an  seine  Frau:  „Bring  mir  meinen  Bogen 
und  meine  Pfeile.  Ich  will  einmal  diesen  jungen 
Leuten  zeigen,  daß  weder  mein  Auge,  noch  mein 
Arm  schwach  geworden  ist,^'  Er  nahm  einen 
Pfeil  und  schoß  ihn  ins  Blaue  ab.  „Ich  habe  ihn 
getroffen!"  schrie  er.  Und  zu  seinem  Hunde: 
„Lauf,  Packan,  und  bring  den  Hasen;  heute 
Abend  wollen  wir  ihn  essen."  Der  Hund  sprang 
auf  und  lief  davon.  Einen  Augenblick  später  kam 
er  zurück,  im  Maule  einen  bluttriefenden  Hasen, 

87 


Alle  Welt  war  verdutzt.  Von  nun  an  machte 
man  sich  nicht  mehr  über  Si  Dscheha  lustig, 
der  das  Stückchen  noch  drei-  oder  viermal  auf- 
führte. Ausnahmslos  v^^aren  alle  überzeugt,  daß 
Dschehas  Schießfertigkeit  und  Sehschärfe  ver- 
blüffend waren.  Und  von  diesem  Tage  an  ehrte 
ihn  das  Volk  noch  mehr  als  früher. 

418.  TPiScheha  hatte  einen  Freund,  und  das  war  der 

JL^  einzige  Mensch  auf  der  Welt,  zu  dem  er  ein 
volles  Vertrauen  hatte;  er  aß  und  trank  sehr 
häufig  bei  ihm.  Allen  andern  Menschen  miß- 
traute er. 

Eines  Tages  kam  nun  sein  Freund  und  sagte 
zu  ihm:  ,,Komm  mit  mir  spazieren  gehn." 

„Mein  Freund,"  antwortete  Dscheha,  „ich  bin 
nicht  frei.  Da  du  jedoch  selber  gekommen  bist, 
so  lasse  ich  meine  Geschäfte  und  begleite  dich. 
Wäre  ein  anderer  zu  mir  gekommen,  und  hätte  er 
mir  alle  Güter  der  Erde  gegeben,  ich  hätte  ihn 
nicht  begleitet.  Da  aber  du  es  bist,  so  kann  ich 
dich  nicht  also  verabschieden." 

Er  ging  und  begleitete  seinen  Freund,  und  der 
sagte,  als  sie  bei  seinem  Hause  waren:  „Komm 
mit  hinein,  Si  Dscheha." 

,,Mein  Freund,"  sagte  Dscheha,  ,,das  sind  die 
Gemächer  der  Frauen;  zu  den  Frauen  uns  zu 
setzen,  schickt  sich  nicht,  Gehn  wir  lieber  in  ein 
Zimmer,  wo  wir  allein  sind." 

Nun  hatte  dieser  Freund  für  Si  Dscheha  in 
den  Frauengemächern  eine  Grube  gegraben; 
Dscheha  wußte  davon  nichts.  Als  Dscheha  ge- 
antwortet hatte:  „Gehn  wir  zwei  ganz  allein  ins 
Zimmer,"    sagte    der    andere    zu   ihm:    „Warum 

88 


sollen  wir  uns  nicht  im  Hause  einrichten?  es  ist 
leer.  Das  Zimmer  ist  klein,  und  nicht  einmal  ein 
einzelner  Mann  hätte  genug  Platz,  sich  zu 
setzen." 

,,Gut,"  sagte  Dscheha,  ,,gehn  wir,  wohin  du 
willst," 

Dieser  Freund,  auf  den  Dscheha  so  viel  Ver- 
trauen setzte,  hatte  ihn  verraten  und  Geld  von 
Leuten  genommen,  denen  Dscheha  geschadet 
hatte. 

Er  führte  also  Dscheha  ins  Haus,  Dscheha 
versah  sich  keineswegs  von  diesem  Manne,  daß 
er  ihn  töten  würde,  da  er  sein  vertrauter  Freund 
war;  darum  eben  kam  ihm  der  Gedanke  nicht, 
als  er  ins  Haus  trat.  Der  Freund  hatte  über  die 
Grube  eine  Matte  gespannt  und  darüber  noch 
einen  Teppich  gebreitet. 

Als  Dscheha  beim  Eintritte  den  Teppich  sah, 
dachte  er,  das  sei  eine  Aufmerksamkeit,  die  ihm 
sein  Freund  erweise;  er  ging  vorwärts,  um  auf  dem 
Teppich  Platz  zu  nehmen,  und  fiel  in  die  Grube. 

Augenblicklich  lief  der  Verräter  zu  denen,  die 
ihm  Geld  gegeben  und  zu  ihm  gesagt  hatten:  „Du 
wirst  Si  Dscheha  töten;  denn  er  hat  uns  viel  ge- 
schädigt." An  diesem  Tage  kam  er  nun  ihnen 
sagen:  „Ich  habe  Si  Dscheha  getötet." 

„Wir  gehn  mit  dir,"  sagten  sie,  ,,um  zu  sehn, 
wie  du  ihn  getötet  hast."  Und  sie  gingen  mit  ihm. 

Im  Hause  angelangt,  beugten  sie  sich  über  die 
Grube  und  sahen  auf  ihrem  Grunde  Si  Dscheha. 
„Si  Dscheha,"  sagten  sie  zu  ihm,  „hast  du  es  nun 
satt,  alles  nur  nach  deinem  Kopfe  machen  zu 
wollen?  Jetzt,  nicht  wahr,  wirst  du  uns  keinen 
Schaden  mehr  zufügen," 

89 


„Wahrhaftig,"  sagte  Dscheha,  „ihr  seid  es 
nicht,  die  meinen  Untergang  herbeigeführt  haben; 
mein  Freund  ist  es,  mit  dem  ich  oft  Brot  und 
Salz  gegessen  habe;  sooft  er  mit  mir  aß,  sooft  aß 
ich  mit  ihm.  Bis  jetzt  habe  ich  ihm  nie  etwas 
böses  getan;  er  hat  es  mir  zuerst  getan,  Gott  Lob!" 

Die  Männer  kehrten  sich  zu  dem,  der  ihn  also 
in  die  Grube  gestürzt  hatte,  und  sagten  zu  ihm: 
„Er  ist  nicht  tot.  Es  ist  möglich,  daß  er  wieder 
herauskommt.  Ist  er  lücht  der  schlaueste  von 
allen  Menschen?  Er  wird  die  Wände  unter- 
graben, bis  so  viel  Erde  herunterfällt,  daß  er 
heraufkommen  kann;  dann  wird  er  uns  alle  töten, 
dich  so  wie  uns." 

„Da  ist  eine  Flinte,"  sagte  der  Mann;  „einer 
von  euch  soll  auf  ihn  schießen."  Er  gab  ihnen 
die  Flinte. 

Der  eine  trat  vor,  um  zu  schießen,  aber  Si 
Dscheha  stieß  einen  mächtigen  Schrei  wider  ihn 
aus.  Von  Schrecken  gepackt,  fiel  der  Mann  zu 
Dscheha  in  die  Grube  und  fiel  sich  zu  Tode,  Die 
Flinte  ging  von  selber  los  und  die  Kugel  durch- 
bohrte Si  Dscheha. 

Der  Freund  dessen,  der,  als  er  auf  Dscheha 
feuern  wollte,  in  die  Grube  gefallen  war,  sagte 
nun  zu  dem  Manne,  der  Dscheha  hinuntergestürzt 
hatte;  „Dscheha,  ists  nicht  wahr,  hat  einen  Streich 
geführt  und  den  einen  von  uns  getroffen."  ^ 

Der  Verräter  blieb  daheim  und  der  andere 
ging  nach  Hause;  Si  Dscheha  und  sein  Gesell 
lagen  beide  tot  auf  dem  Grunde  der  Grube. 

1  Das  heißt,  daß  der  Verräter  keinen  Anspruch  auf 
den  Lohn  hat. 


90 


IV. 

Maltesische  Überlieferungen 


ALs  die  Mutter  Dschahans  eines  Tages  krank  419. 

war,  befahl  ihm  der  Arzt,  etwas  Urin  von 
ihr  aufzuheben;  am  nächsten  Tage  werde  er 
kommen  und  den  Urin  untersuchen.  Der  Arzt 
kam  auch,  und  Dschahan  beeilte  sich,  ihm  das 
Gefäß  zu  zeigen.  Der  Arzt  wunderte  sich,  es  bis 
zum  Rande  voll  zu  finden,  aber  Dschahan  er- 
klärte ihm  die  Sache,  indem  er  sagte:  „Meiner 
ist  auch  dabei;  der  meinige  ist  oben," 

DSchahan  war  einmal  mit  einer  Henne  in  der  420. 

Hand  auf  dem  Wege  zu  seinem  Herrn,  um 
sie  ihm  zu  schenken;  aber  etliche  Räuber  rissen 
sie  ihm  aus  der  Hand  und  entflohen.  Dschahan 
nahm  sich  vor,  sich  zu  rächen.  Nachdem  er  den 
Ort,  wo  sie  wohnten,  ausfindig  gemacht  hatte, 
ging  er,  als  Mädchen  verkleidet,  hin,  und  es  ge- 
lang ihm,  in  ihrem  Hause  als  Magd  Aufnahme 
zu  finden. 

Als  nun  die  Räuber  eines  Tages  ausgegangen 
waren,  stieg  er  auf  das  flache  Dach,  stellte  dort 
eine  Strohpuppe  auf,  die  ihm  ähnlich  war,  be- 
strich die  Stufen  der  Stiege,  die  zum  Dache 
führte,  bis  hinunter  mit  Seife,  belud  sich  mit  einer 
Menge  kostbarer  Dinge,  die  die  Räuber  besaßen, 
verließ  das  Haus,  schloß  die  Tür  ab  und  lief 
heim. 

Nachdem  die  Räuber  bei  ihrer  Rückkehr  ver- 
gebens gerufen  hatten,  daß  ihnen  geöffnet  werden 
solle,  traten  sie  die  Tür  ein  und  stürzten  blind- 
lings die  Stiege  hinauf,  entschlossen,  sich  an  der 
frechen  Dirne  zu  rächen,  die  noch  immer  auf 
dem  Dache  stand,  als  ob  sie  sich  über  sie  lustig 
machen  wollte;  aber  sie  glitten  allesamt  aus  und 

93 


fielen  einer  auf  den  andern,  und  so  war  die  Rache 
Dschahans  erfüllt/ 

421.  Th*^  ^^^  einmal  ein  Junge,  der  Dschahan  hieß, 

XZrf  und  der  sagte  zu  seiner  Mutter:  „Gib  mir 
einen  Centime,"  Sie  antwortete:  „Wozu?"  „Da- 
mit ich  mir  Bohnen  kaufe."  „Bohnen  haben 
Schalen,"  „Dann  werde  ich  mir  Nüsse  kaufen." 
„Die  haben  auch  Schalen."  „Dann  werde  ich  mir 
Erbsen  kaufen."  „Gut,"  sagte  die  Mutter  und 
gab  ihrem  Dschahan  drei  Centimes;  und  er  ging 
hin  und  kaufte  sich  Erbsen. 

Nun  aß  er  darauf  los,  bis  er  nur  noch  eine 
Erbse  hatte.  Diese  gab  er,  da  er  noch  keine 
Messe  gehört  hatte,  einer  Frau  und  bat  sie:  ,,Heb 
sie  mir  auf;  ich  will  zur  Messe  gehn."  Die  Frau 
antwortete:  „Leg  sie  nur  auf  den  Sims,"  Aber 
ein  Huhn  fraß  die  Erbse,  und  als  Dschahan 
zurückkam  und  sagte:  ,,Ich  komme  um  die 
Erbse",  antwortete  die  Frau:  ,, Deine  Erbse  hat 
die  Henne  gefressen."  Da  begann  Dschahan  zu 
schreien:  ,, Entweder  die  Erbse  oder  die  Henne!" 
Und  die  Frau  sagte:  „Nimm  die  Henne",  und  gab 
sie  ihm. 

Wieder  hörte  Dschahan  zur  Messe  läuten;  er 
sah  eine  alte  Großmutter,  die  spann,  und  zu  der 
sagte  er:  „Großmutter,  erlaube,  daß  ich  die 
Henne  dalasse;  ich  werde  sie  bald  wieder  ab- 
holen." Als  dann  die  Messe  zu  Ende  war,  wollte 
er  sie  abholen,  aber  die  Frau  sagte  zu  ihm:  „Geh 


1  Die  Übersetzung  der  Nrn,  419  und  420  ist  wort- 
wörtlich; leider  bringt  das  Original  nur  diese  Inhalts- 
angaben, 

94 


dorthin  zu  den  Truthühnern;  dort  ist  sie," 
Dschahan  schrie:  „Aber  sie  ist  ja  tot!  Die  Trut- 
henne hat  sie  getötet!"  Und  weiter  schrie  er: 
„Entweder  die  Henne  oder  die  Truthenne!"  Da 
gab  ihm  die  alte  Frau  die  Truthenne, 

Wieder  hörte  Dschahan  zur  Messe  läuten;  er 
sah  unter  einer  Haustür  eine  Frau,  und  zu  der 
sagte  er:  „Darf  ich  die  Truthenne  dalassen?" 
Die  Frau  antwortete:  „Geh  und  laß  sie  bei  den 
Schweinen."  Als  er  dann  von  der  Messe  zurück- 
kam, wollte  er  die  Truthenne  wieder  haben,  aber 
die  Frau  sagte  zu  ihm:  „Die  Sau  hat  sie  dir  ge- 
tötet." Da  begann  er  zu  schreien:  „Mir  ist  alles 
einerlei!  entweder  die  Truthenne  oder  die  Sau!" 
Und  die  Frau  gab  ihm  die  Sau. 

Wieder  hörte  Dschahan  zur  Messe  läuten, 
und  als  er  eine  Frau  unter  ihrer  Haustür  sah, 
sagte  er  zu  ihr:  „Darf  ich  die  Sau  für  einen 
Augenblick  dalassen?"  Die  Frau  sagte:  „Steck 
sie  zur  Stute."  Als  er  dann  von  der  Messe 
zurückkam  und  zu  der  Frau  sagte:  ,,Gib  mir 
meine  Sau",  antwortete  sie  ihm:  „Die  hat  die 
Stute  getötet."  Da  sagte  Dschahan:  „Das  ist  mir 
einerlei!  entweder  die  Sau  oder  die  Stute!"  Und 
die  Frau  sagte  zu  ihm:  „Nimm  dir  die  Stute," 

Dschahan  ging  zu  einer  andern  Frau  und  bat 
sie:  „Laß  mich  die  Stute  dalassen."  Die  Frau 
sagte:  ,,Ja;  laß  sie  da."  Nun  mistete  die  Stute 
auf  den  Boden;  die  Frau  hatte  aber  eine  junge 
Tochter  und  die  sagte  zu  ihr:  „Was  hast  du  denn 
da  hereingebracht?",  und  begann  mit  ihr  zu 
zanken,  weil  sie  den  Boden  eben  gewaschen  hatte. 
Und  da  sie  ihn  so  beschmutzt  sah,  nahm  sie  eine 
Stange  und  begann  die  Stute  zu  prügeln,  bis  sie 

95 


tot  war.  Da  kam  Dschahan  um  seine  Stute  und 
fragte:  „Wo  ist  sie?"  Die  Frau  antwortete:  ,,Das 
Mädchen  hat  sie  getötet,"  Und  die  Frau  schenkte 
ihm  die  Tochter  und  Dschahan  steckte  sie  in 
einen  Sack  und  ging  damit  weg. 

Wieder  hörte  er  zur  Messe  läuten;  er  sah  eine 
alte  Großmutter  und  zu  der  sagte  er:  „Erlaube 
mir,  daß  ich  den  Sack  für  ein  wenig  dalasse." 
Die  Alte  antwortete:  ,,Leg  ihn  auf  den  Sims  da", 
und  Dschahan  legte  ihn  hin.  Da  aber  die  Alte 
sah,  daß  sich  der  Sack  bewegte,  öffnete  sie  ihn; 
und  sie  fand  das  Mädchen  darinnen.  Sie  nahm 
es  und  versteckte  es,  und  den  Sack  füllte  sie  mit 
Scherben.    Und  damit  ist  die  Geschichte  aus. 

422.  *r\Schahan  wollte  einmal  Matrose  werden; 
±J  darum  ging  er  auf  ein  Schiff.  Der  Kapitän 
sprach  zu  ihm:  ,, Dschahan,  was  kannst  du 
leisten?"  „Herr  Kapitän,  ich  kann  von  unten 
nach  oben  steigen  und  von  oben  nach  unten," 
Da  sagte  der  Kapitän;  ,,Gut;  klettere  den  Mast- 
baum hinauf."  „Nein,  Herr  Kapitän;  der  ist  mir 
zu  hoch.  Ich  kann  nicht  hinaufsteigen;  aber  ich 
werde  dir  zeigen,  wie  man  etwas  im  Hinunter- 
steigen leistet.  Laß  mir  einen  Kessel  Suppe 
holen."  Man  brachte  den  Kessel,  und  Dschahan, 
der  ein  Vielfraß  war,  aß  alles  auf.  Als  der  Boden 
des  Kessels  sichtbar  wurde,  rief  er:  ,,Seht  ihrs 
nun?  Auch  das  Hinuntersteigen  —  mit  dem 
Löffel  —  ist  eine  Leistung." 

423.  T^Schahan  hatte  schon  öfters  darüber  nach- 
JL/  gedacht,  wo  wohl  die  Schweine  wüchsen, 
und  auf  welchen  Bäumen.  Und  gar  zu  gern  hätte 

96 


er  so  einen  mit  kleinen  Schweinchen  behangenen 
Baum  gesehn;  vielleicht  könnte  er  dann  auch  ein 
kleines  Zweiglein  erhaschen,  das,  in  die  Erde  ge- 
steckt, mit  der  Zeit  zu  einem  großen  Schweinchen- 
baum wachsen  würde.  Aber  nie  gelang  es  ihm, 
einen  solchen  Baum  zu  sehn,  und  darum  ersann 
er  ein  andres  Mittel.  Er  fragte  einen  alten  Mann: 
„Großvater,  was  tut  ihr  mit  dem  geschlachteten 
Schweine?"  „Junge,  wir  salzen  es  ein  und  tun 
das  Fleisch  in  einen  Kübel,"  „Ach,  dann  macht 
ihr  es  also  wie  mit  den  Oleanderbäumen?"  „Du 
Lamm,  sei  so  gut  und  laß  mich  in  Ruhe;  ich  muß 
arbeiten."  Dschahan  entfernte  sich  und  dachte: 
,,Also,  wie  mit  den  Oleanderbäumen  muß  es  ge- 
macht werden,  um  die  Schweine  fortzupflanzen; 
ich  werde  mir  einen  solchen  Schweinebaum- 
setzling  verschaffen." 

Hierauf  lief  er  heim,  und  da  seine  Mutter  auf 
dem  Felde  arbeitete,  so  war  er  ganz  ungestört: 
er  ging  in  den  Stall,  nahm  das  alte  fette  Schwein 
heraus,  schlachtete  es,  rieb  es  mit  Salz  ein, 
steckte  es  in  einen  alten  Kübel,  tat  Erde  darüber 
und  stellte  ihn  in  den  Hof,  Dschahans  Mutter  kam 
alsbald  nach  Hause;  da  sie  das  Trier  vermißte,  so 
fragte  sie  Dschahan  nach  seinem  Verbleibe.  Er  er- 
widerte: „Mutter,  hab  keine  Sorge;  diesmal  habe 
ich  sicher  nichts  unrechtes  getan.  Für  das  eine 
Schwein  wirst  du  eine  Unmenge  von  kleinen 
Schweinchen  erhalten.  Die  kannst  du  dann  ver- 
kaufen; und  einen  Teil  von  ihnen  ziehst  du  auf, 
und  wir  werden  fürderhin  keinen  Mangel  an 
Schweinefleisch  haben."  Da  gab  sich  die  Mutter 
zufrieden  und  forschte  nicht  v/eiter  nach. 

Aber   es   vergingen   Tage,    Wochen,   Monate, 

Nasreddin,   II.  7  97 


und  das  Schwein  im  Kübel  wollte  keine  Schöß- 
linge treiben.  Es  zeigten  sich  noch  immer  keine 
grünen  Spitzen,  Der  arme  Dschahan  wurde 
immer  betrübter,  umsomehr  als  die  Mutter  täg- 
lich nach  dem  alten  Schwein  und  den  ver- 
sprochenen Ferkelchen  fragte.  Als  sie  endlich 
die  volle  Wahrheit  darüber  wissen  wollte,  was 
mit  dem  alten  Schweine  geschehn  sei,  da  rief 
Dschahan  verzweifelt  aus:  ,,Das  dumme  Schwein 
will  keine  Schößlinge  treiben,"  ,,Was?  Schöß- 
linge treiben?"  ,,Es  will  nicht  keimen  und  keinen 
Schweinebaum  sprossen  lassen,  von  dem  wir 
Ferkelchen  pflücken  könnten!  Mein  Gott,  schon 
seit  vier  Monaten  liegt  das  dumme  Tier  im 
Oleanderkübel;  vielleicht  war  es  nicht  genug  ein- 
gesalzen," Da  begriff  die  Mutter.  Tobend  und 
fluchend  zerrte  sie  den  armen  Dschahan  hin,  wo 
der  Kübel  stand,  und  hieß  ihn  die  Erde  heraus- 
nehmen. Aber  kaum  entfernte  Dschahan  die 
oberen  Erdschollen,  als  sich  ein  unausstehlicher 
Geruch  bemerkbar  machte:  das  Schwein  war  in 
Fäulnis  übergegangen  und  stank  wie  Pestilenz. 
Daß  der  arme  Dschahan  diesmal  mehr  Prügel 
erhielt  als  gewöhnlich,  brauchen  wir  nicht  erst 
zu  sagen. 

424,  T\^®    Mutter    Dschahans    hatte    ein    mageres 

JL/  Schweinchen;  Dschahan  aber  hatte  großen 
Appetit  auf  Schweinfleisch  und  fragte  beständig: 
„Mutter,  wann  schlachten  wir  denn  eigentlich 
das  Tier,  das  Borsten  hat  und  grunzt?"  Da  ant- 
wortete die  Mutter  immer:  ,, Sobald  ihm  das  Fett 
vom  Hintern  tropft."  Da  aber  Dschahan  dies  nie 
sah,  ärgerte  er  sich  über  das  faule  Tier;  er  ging 

98 


hin,  kaufte  Fett  und  bestrich  das  Schwein  in  einer 
Weise,  daß  das  Fett  hinten  abtropfen  mußte.  Als 
er  diese  Arbeit  verrichtet  hatte,  lief  er  hin  zur 
Mutter  und  teilte  ihr  mit,  daß  das  Fett  anfange, 
hinten  am  Schweinchen  abzutropfen.  Die  Mutter 
überzeugte  sich  davon  und  schlachtete  das  Tier. 
Dschahan  fragte  jetzt:  „Mutter,  wie  wird  das 
Fleisch  nun  zubereitet?"  Die  Mutter  antwortete: 
,,Im  Acker  stehen  Kohlköpfe:  auf  jeden  Kohlkopf 
eine  Schnitte  Fleisch,"  Als  nun  Dschahan  einmal 
allein  im  Hause  war,  nahm  er  den  Steintopf,  in 
dem  das  Fleisch  eingesalzen  lag,  und  trug  ihn 
hinaus  auf  den  Krautacker.  Dort  steckte  er  in 
jeden  Kohlkopf  eine  Schnitte  Fleisch  und  sah  zu, 
wie  die  Hunde,  Katzen  und  Feldmäuse  davon 
fraßen.  Den  nächsten  Tag  wollte  die  Mutter  von 
dem  Schweinefleische  kochen,  konnte  aber  den 
Topf  nicht  finden.  Als  sie  nun  Dschahan  be- 
fragte, antwortete  dieser:  ,,Ach,  du  hättest  nur 
sehen  sollen,  wie  sich  die  Hunde,  die  Katzen  und 
die  Mäuse  satt  gefressen  haben!  kein  Schnittchen 
ist  übrig  geblieben;  und  jeder  Krautkopf  hat  seine 
Fleischschnitte  gehabt!  Wie  sie  herumrasten, 
diese  Fresser,  wenn  sie  einander  herumbissen!" 
Da  rief  die  Mutter:  „Also  bist  du  wirklich  ein 
Dschahan!  Und  darum  müssen  alle  Leute  sagen: 
,Dumm  ist  Dschahan,  ein  Esel  ist  er,  Verstand  hat 
er  keinen,  ein  Tropf  ist  er!'  " 

DSchahan  fuhr  einst  mit  seinem  Gemüsekarren  425. 

zur  Stadt.  Auf  dem  Wege  sah  er  vor  sich 
einen  Herrn,  der  keine  Anstalten  machte,  ihm 
auszuweichen.  Dschahan  rief  etliche  Male  laut: 
„Geh  aus  dem  Wege!";  aber  der  Herr  rührte  sich 

7*  99 


nicht,  und  Dschahan  konnte  nicht  mit  seinem  Ge- 
fährte ausweichen,  da  der  Weg  abschüssig  und 
schmal  war.  Drum  warf  Dschahans  Karren  den 
Herrn  um,  und  so  kam  es,  daß  Dschahan  eines 
Tages  zum  Gerichte  vorgeladen  wurde.  Dort 
antwortete  er  nun  auf  keine  Frage  der  Richter, 
und  diese  sagten  zu  dem  Kläger:  „Der  An- 
geklagte ist  ja  stumm;  gegen  einen  Stummen  gehn 
wir  nicht  vor."  Doch  der  Ankläger  entgegnete: 
,,Das  ist  doch  wohl  eine  Finte  dieses  boshaften 
Menschen,  da  ich  ganz  genau  weiß,  daß  er 
sprechen  kann.  Er  rief  mir  ja  damals,  bevor  er 
mich  überfuhr,  zu:  »Geh  aus  dem  Wege!'  und 
nicht  nur  einmal,  sondern  mehrere  Male."  Aber 
da  stand  der  Richter  auf  und  schrie  den  Kläger 
an:  ,,Was  suchst  du  uns  dann  auf?  wir  haben 
andere  Sachen  zu  tun,  als  Leuten  wie  dir  zu 
helfen!  Warum  bist  du  nicht  ausgewichen,  als  er 
dich  angerufen  hat?  Jetzt  mußt  du  die  Gerichts- 
kosten bezahlen."  Dschahan  aber  ging  straflos 
heim. 


100 


V. 

Sizilianische  Überlieferungen 


i 


Es  wird  erzählt,  daß  einmal  eine  Mutter  war,  426. 

die  einen  Sohn  hatte,  Giufä  mit  Namen,  und 
sie  war  sehr  arm;  dieser  Giufä  war  ein  Tölpel  und 
ein  fauler  Lümmel  und  ein  Schelm.  Seine  Mutter 
hatte  etwas  Leinwand  und  da  sagte  sie  zu  Giufä: 
,,Wir  nehmen  etwas  Leinwand,  und  du  gehst  sie 
in  einem  weit  entfernten  Dorfe  verkaufen;  sie 
darf  aber  nur  an  Leute  verkauft  werden,  die 
wenig  reden."  Giufä  warf  sich  die  Leinwand  über 
die  Schulter  und  ging  sie  verkaufen. 

In  einem  Dorfe  angelangt ,  begann  er  zu 
schreien:  ,,Wer  will  die  Leinwand?"  Die  Leute 
riefen  ihn  und  fingen  viel  zu  reden  an;  der  eine 
meinte,  sie  sei  zu  grob,  der  andere,  zu  teuer. 
Giufä  meinte,  sie  redeten  zu  viel,  und  wollte  sie 
ihnen  nicht  geben.  Wie  er  nun  dahin  und  dorthin 
ging,  kam  er  in  einen  Hof;  dort  war  kein  Mensch, 
aber  eine  gipserne  Statue  sah  er,  und  zu  der  sagte 
er:  „Wollt  Ihr  die  Leinwand  kaufen?"  Die 
Statue  sagte  kein  Wort,  und  so  sah  er,  daß  sie 
wenig  redete.  „Da  muß  ich  die  Leinwand  also 
Euch  verkaufen,  weil  Ihr  wenig  redet."  Er  nahm 
die  Leinwand  und  hängte  ihr  sie  um:  , .Morgen 
komme  ich  dann  um  das  Geld."  Und  damit 
ging  er. 

Als  es  tagte,  ging  er  um  das  Geld;  die  Lein- 
wand war  nicht  mehr  da,  und  er  sagte:  „Gib  mir 
das  Geld  für  die  Leinwand."  Die  Statue  ant- 
wortete nichts.  ,,Da  du  mir  das  Geld  nicht  geben 
willst,  werde  ich  dir  zeigen,  wer  ich  bin."  Er 
holte  sich  ein  Beil  und  schlug  auf  die  Statue  los, 
bis  sie  zusammenstürzte;  und  in  ihrem  Bauche 
fand  er  einen  Krug  voll  Geld.  Er  steckte  das 
Geld  in  den  Sack  und  ging  heim  zu  seiner  Mutter; 

103 


angekommen,  sagte  er  zu  ihr:  „Ich  habe  die  Lein- 
wand einem  verkauft,  der  nichts  redete,  und  am 
Abende  hat  er  mir  kein  Geld  gegeben;  da  bin  ich 
am  Morgen  mit  einem  Beile  hingegangen  und 
habe  ihn  erschlagen  und  zur  Erde  geworfen,  und 
da  hat  er  mir  dieses  Geld  gegeben."  Die  Mutter, 
die  eine  kluge  Frau  war,  sagte  zu  ihm:  ,,Sag  nie- 
mand etwas;  das  Geld  wollen  wir  langsam  ver- 
zehren." 

i21.  L|^In  andermal  sagte  die  Mutter  zu  ihm:  „Giufa, 

JZrf  ich  habe  da  ein  Stück  Leinwand,  das  muß  ich 
färben  lassen;  geh  damit  zum  Färber  vmd  laß  es 
ihm  dort,  er  soll  es  dunkelgrün  färben."  Giufa 
warf  die  Leinwand  über  die  Schulter  und  ging. 
Unterwegs  sah  er  eine  schöne,  große  Eidechse; 
da  er  sah,  daß  sie  grün  war,  sagte  er:  ,, Meine 
Mutter  schickt  mich  und  sie  will  diese  Leinwand 
gefärbt  haben,"  Und  dabei  legte  er  sie  nieder. 
„Morgen  komme  ich  sie  holen." 

Als  er  heimkam  und  seine  Mutter  die  Ge- 
schichte hörte,  begann  sie  sich  die  Haare  auszu- 
raufen und  zu  jammern:  ,,Du  elender  Kerl!  was 
für  einen  Schaden  machst  du  mir!  Lauf,  und 
schau,  ob  sie  noch  dort  ist!"  Giufa  ging  zurück, 
aber  die  Leinwand  war  verschwunden. 

^28.  Ti/r  An  erzählt,  daß  Giufa  eines  Morgens  Kräu- 

-L'^jL  ter  sammeln  gegangen  ist,  und  dabei  hat 
ihn  die  Nacht  im  Freien  überrascht;  wie  er  so 
dahinschritt,  war  da  der  Mond,  und  der  war  um- 
wölkt und  kam  zum  Vorschein  und  verschwand 
v/ieder.  Giufa  setzte  sich  auf  einen  Felsen  und 
schaute  zu,  wie  der  Mond  kam  und  ging;   und 

104 


wann  er  kam,  sagte  er:  ,,Komm!  komm!"  und 
wann  er  ging:  „Geh!  geh!"  Und  er  hörte  nicht 
auf,  zu  sagen:  ,,Komm!  komm!  Geh!  geh!" 

Nun  waren  unten  am  Wege  zwei  Diebe,  die 
ein  Kalb  häuteten,  das  sie  gestohlen  hatten.  Da 
die  sagen  hörten:  ,,Komm!  Geh!",  befiel  sie  die 
Angst,  daß  die  Häscher  kämen;  sie  nahmen  Reiß- 
aus und  ließen  das  Fleisch  liegen.  Als  Giufä  die 
zwei  Diebe  laufen  sah,  ging  er  nachsehn,  was  es 
gebe,  und  da  fand  er  das  gehäutete  Kalb;  er  nahm 
das  Messer,  schnitt  tüchtig  Fleisch  herunter, 
füllte  damit  seinen  Sack  und  ging.  Zu  Hause  an- 
gekommen, sagte  er:  „Mutter,  macht  auf!"  Seine 
Mutter  sagte  zu  ihm:  „Warum  kommst  du  so 
spät  in  der  Nacht?"  „Ich  bin  in  der  Nacht  ge- 
kommen, weil  ich  Fleisch  gebracht  habe,  und  das 
müßt  Ihr  morgen  alles  verkaufen;  das  Geld  wird 
mir  trefflich  zustatten  kommen."  Seine  Mutter 
sagte  zu  ihm:  „Morgen  gehst  du  wieder  hinaus, 
und  ich  verkaufe  das  Fleisch."  Als  es  Tag  ge- 
worden war,  ging  Giufä  hinaus,  und  seine  Mutter 
verkaufte  das  ganze  Fleisch. 

Am  Abende  kam  Giufä  und  sagte  zu  ihr: 
„Mutter,  habt  Ihr  das  Fleisch  verkauft?"  „Ja, 
ich  habe  es  den  Fliegen  auf  Kredit  verkauft." 
„Und  wann  sollen  sie  Euch  das  Geld  geben?" 
,,Wann  sie  es  haben."  Es  vergingen  acht  Tage 
und  die  Fliegen  brachten  kein  Geld;  da  machte 
sich  Giufä  auf  und  ging  zum  Richter  und  sagte  zu 
ihm:  „Herr  Richter,  ich  will  Gerechtigkeit  haben; 
ich  habe  das  Fleisch  den  Fliegen  auf  Kredit  ver- 
kauft, und  sie  sind  mich  nicht  bezahlen  ge- 
kommen," Der  Richter  sagte  zu  ihm:  „Ich  gebe 
dir  den  Spruch,  daß  du  jede,  die  du  nur  siehst, 

105 


töten  darfst."  Just  in  diesem  Augenblicke  setzte 
sich  eine  Fliege  auf  des  Richters  Kopf;  Giufä 
schlug  mit  der  Faust  auf  sie  los  und  zertrümmerte 
dem  Richter  den  Schädel, 

429.  T  7"0n  der  Arbeit  wollte  Giufä  nichts  wissen, 

V  aber  essen,  trinken  und  nichtstun  gefiel  ihm. 
Er  aß,  und  dann  ging  er  weg  und  trieb  sich  hier 
und  dort  herum.  Seine  Mutter  war  darüber 
ärgerlich,  und  immer  sagte  sie  zu  ihm:  ,, Giufä, 
was  für  ein  Lebenswandel  ist  das?  Du  machst  ja 
keine  Anstalt,  ein  Handwerk  zu  ergreifen:  du 
ißt,  du  lebst,  und  was  aus  dir  wird,  das  ist  die 
Frage  . ,  ,  ,  Jetzt  dulde  ich  das  aber  nicht  mehr: 
entweder  du  gehst  dir  dein  Brot  verdienen,  oder 
ich  werfe  dich  auf  die  Straße," 

Nun  ging  Giufä  einmal  in  die  Cassarustraße^), 
um  sich  Kleider  zu  verschaffen.  Bei  dem  einen 
Händler  nahm  er  das  eine,  das  andere  bei  dem 
andern,  bis  er  ganz  neu  gekleidet  war,  sogar  auch 
mit  einer  schönen  roten  Mütze  —  damals  gingen 
alle  mit  Mützen;  jetzt  geht  der  schäbigste  Hand- 
werker mit  einem  Seidenhut  oder  wenigstens  mit 
einem  Filzhut.  Aber  Giufä  bezahlte  die  Sachen 
nicht,  weil  er  kein  Geld  hatte;  er  sagte:  „Borg 
mir;  dieser  Tage  komme  ich  zahlen,"  Und  so 
sagte  er  allen  Händlern, 

Als  er  sich  ordentlich  herausstaffiert  hatte, 
sagte  er:  ,,Nun  also,  jetzt  wären  wir  so  weit;  jetzt 


^  Gemeint  ist  der  jetzige  Corso  Vittorio  Emanuele  in 
Palermo,  der  im  Volksmunde  Via  Cassaru  oder  Cassero 
heißt,  und  zwar  nach  dem  arabischen  al  kassar,  d.  i.  die 
Burg, 

106 


kann  meine  Mutter  nicht  mehr  sagen,  ich  sei  ein 
Taugenichts!  Aber  wie  soll  ich  es  mit  der  Be- 
zahlung der  Händler  machen?  ....  Ich  werde 
mich  tot  stellen,  und  wir  werden  sehn,  wie  es 
ausgeht . . ."  Er  warf  sich  aufs  Bett:  ,,Ich  sterbe! 
ich  sterbe!  ....  Ich  bin  gestorben!"  Und  er 
kreuzte  die  Hände  und  streckte  die  Beine.  ,,Sohn, 
Sohn!  was  für  ein  Unglück!"  Seine  Mutter  raufte 
sich  vor  Schmerz  die  Haare  aus.  ,,Wie  ist  denn 
das  Unglück  geschehn?  0  mein  Sohn!"  Als  die 
Leute  diesen  Lärm  hörten,  liefen  sie  herbei,  und 
alle  bemitleideten  die  arme  Mutter.  Die  Kunde 
verbreitete  sich,  und  die  Kaufleute  kamen  nach- 
sehn, und  die  sagten,  als  sie  ihn  tot  sahen:  , .Armer 
Giufä!  Er  war  mir  —  sagen  wir  —  sechs  Tari 
schuldig,  weil  ich  ihm  ein  Paar  Schuhe  verkauft 
habe  ....  Aber  ich  schenke  sie  ihm!"  Und  alle 
gingen  und  schenkten  ihm  ihre  Guthaben,  so  daß 
Giufä  aller  seiner  Schulden  ledig  war.  Der  von 
der  roten  Mütze  jedoch  hatte,  ich  weiß  nicht,  was 
für  einen  Ärger;  er  sagte:  „Ich  aber  lasse  ihm  die 
Mütze  nicht."  Er  ging  hin  und  fand  die  Mütze 
nagelneu  auf  seinem  Kopfe,  Und  was  hat  er 
getan?  Am  Abende,  als  die  Leichenknechte 
Giufä  nahmen  und  ihn  in  die  Kirche  trugen,  um 
ihn  dann  zu  begraben,  ging  er  hinterdrein  und 
ging,  ohne  von  jemand  bemerkt  zu  werden,  in  die 
Kirche.  Nach  einer  Weile,  es  mochte  so  gegen 
Mitternacht  gewesen  sein,  schlichen  etliche  Diebe 
in  die  Kirche;  sie  kamen,  um  einen  Sack  Geld  zu 
teilen,  den  sie  gestohlen  hatten.  Giufä  rührte  sich 
nicht  von  seiner  Bahre,  und  der  von  der  Mütze 
verbarg  sich  hinter  einer  Tür  und  wagte  kaum  zu 
atmen.     Die  Diebe  leerten  das  Geld  auf  einen 

107 


Tisch,  so  daß  er  ganz  voll  wurde  von  Gold  und 
Silber  —  denn  zu  jener  Zeit  lief  das  Silber  wie 
das  Wasser  —  und  machten  so  viel  Häufchen,  wie 
sie  Leute  waren.  Ein  Dutzend  Tari  blieb  über, 
und  nun  wußten  sie  nicht,  wer  es  sich  nehmen 
sollte.  ,,Um  einen  Streit  zu  vermeiden,"  sagte 
einer,  „wollen  wir  es  so  machen:  da  ist  ein  Toter, 
und  auf  den  wollen  wir  schießen,  und  wer  ihn  auf 
den  Mund  trifft,  soll  die  zwölf  Tari  haben,"  Alle 
billigten  diesen  Vorschlag:  ,,Sehr  gut!  sehr  gut!"'; 
und  schon  hatten  sie  sich  vorbereitet,  um  auf 
Giufä  zu  schießen.  Als  das  Giufa  sah,  erhob  er 
sich  auf  der  Bahre  und  stieß  ein  Gebrüll  aus: 
„Auf,  ihr  Toten,  allesamt!"  Was  brauchte  es  bei 
den  Dieben  mehr?  Sie  ließen  alles  im  Stich, 
und  hilf  mir,  heiliger  Reißaus,  sie  laufen  noch 
immer.  Als  sich  Giufä  allein  sah,  stand  er  auf 
und  eilte,  um  sich  der  Häufchen  zu  bemächtigen. 
Da  kam  aber  auch  schon  der  von  der  Mütze  her- 
vor, der  sich,  ohne  sich  zu  mucksen,  verkrochen 
gehabt  hatte,  und  lief  zu  dem  Tische  hin,  um  das 
Geld  zu  packen.  Genug:  auf  jeden  kam  die 
Hälfte  und  sie  teilten  das  Geld,  Ein  Fünfgrani- 
stück  blieb  übrig;  Giufä  rief:  „Das  nehme  ich 
mir!"  „Nein,  der  Fünfer  gehört  mir,"  ,,Mir  ge- 
hört er."  ,,Pack  dich,  das  ist  nichts  für  dich;  die 
fünf  Grani  sind  mein."  Giufä  erwischte  eine 
Stange  und  stellte  sich,  um  sie  dem  von  der  Mütze 
um  den  Schädel  zu  schlagen;  er  sagte:  ,,Her  mit 
den  fünf  Grani!  die  fünf  Grani  will  ich!"  In 
diesem  Augenblicke  kamen  die  Räuber  zurück, 
um  zu  sehn,  was  die  Toten  machten;  denn  es 
däuchte  sie  allzu  schmerzlich,  das  ganze  Geld 
einzubüßen.    Sie  stellten  sich  hinter  die  Kirchen- 

108 


tür,  und  da  hörten  sie  diesen  Wortwechsel  und 
mächtigen  Lärm  wegen  der  fünf  Grani.  Sie  sag- 
ten: „Dummköpfe!  fünf  Grani  kommen  auf  einen, 
und  dazu  reicht  das  Geld  nicht  aus.  Wer  weiß, 
wie  viel  Tote  aus  dem  Grabe  gekommen  sind!" 
Damit  nahmen  sie  die  Beine  in  die  Hand  und  ent- 
flohen. 

Giufä  nahm  die  fünf  Grani,  lud  sich  seinen 
Geldsack  auf  und  ging  nach  Hause. 

Glufa  hörte  einmal  am  Morgen,  als  es  däm-  430, 

merte  und  er  im  Bette  lag,  die  Pfeife  blasen, 
und  da  fragte  er  seine  Mutter:  „Mutter,  wer  ist 
denn  der,  der  vorbeigeht?"  Seine  Mutter  sagte 
zu  ihm:  ,,Das  ist  der  Morgensänger."  Dieser 
Morgensänger  kam  allmorgendlich  vorbei.  Eines 
Morgens  stand  nun  Giufä  auf  und  ging  und  tötete 
den  Morgensänger,  der  ein  Mann  war,  der  die 
Pfeife  blies;  dann  ging  er  zu  seiner  Mutter  und 
sagte  zu  ihr:  , .Mutter,  den  Morgensänger  habe  ich 
getötet,"  Seine  Mutter,  die  begriff,  daß  er  den 
Mann  getötet  hatte,  der  die  Pfeife  geblasen  hatte, 
nahm  den  Toten,  trug  ihn  ins  Haus  und  warf  ihn 
in  den  Brunnen,  der  gerade  ohne  Wasser  war. 

Als  Giufä  den  Mann  tötete,  war  er  von  einem 
beobachtet  worden,  und  der  ging  hin  und  erzählte 
es  dessen  Verwandten;  alsbald  machten  sich  die 
auf  und  führten  bei  Gericht  Klage,  daß  Giufä  den 
Morgensänger  getötet  habe. 

Der  Mutter  Giufäs,  die  klug  war,  fiel  es  ein, 
daß  sie  einen  Hammel  hatte;  den  tötete  sie  und 
warf  ihn  in  den  Brunnen,  Das  Gericht  kam  zu 
Giufä,  um  den  Totschlag  zu  bewähren,  und  die 
Verwandten  des  Toten  kamen  allesamt  mit.    Der 

109 


Richter  sagte  zu  Giufä:  „Wohin  hast  du  den 
Toten  gebracht?"  Giufä  antwortete  in  seiner 
Dummheit:  ,,In  den  Brunnen  habe  ich  ihn  ge- 
worfen," Sie  banden  Giufä  an  einen  Strick  und 
ließen  ihn  in  den  Brunnen  hinab;  auf  dem  Boden 
angekommen,  machte  er  sich  ans  Suchen,  Er 
stieß  und  tappte  auf  Wolle,  und  da  sagte  er  zu 
den  Söhnen  des  Toten:  „Hatte  dein  Vater 
Wolle?"  „Mein  Vater  hatte  keine  Wolle,"  „Der 
da  hat  Wolle;  es  ist  dein  Vater  nicht."  Dann  traf 
er  auf  den  Schwanz:  ,, Hatte  dein  Vater  einen 
Schwanz?"  ,,Mein  Vater  hatte  keinen  Schwanz," 
„Dann  ist  das  nicht  dein  Vater,"  Dann  fand  er, 
daß  der  im  Brunnen  vier  Füße  hatte,  und  sagte: 
„Wie  viel  Füße  hatte  dein  Vater?"  ,,Mein  Vater 
hatte  zwei  Füße,"  Giufä  antwortete:  „Der  da  hat 
vier  Füße;  er  ist  dein  Vater  nicht."  Dann  tastete 
er  an  den  Kopf:  , .Hatte  dein  Vater  Hörner?" 
Die  Söhne  antworteten:  ,,Mein  Vater  hatte  keine 
Hörner."  Giufä  antwortete:  ,,Der  da  hat  Hörner; 
er  ist  dein  Vater  nicht."  Der  Richter  antwortete: 
„Giufä,  ob  mit  den  Hörnern,  ob  mit  der  Wolle, 
bring  ihn  herauf,"  Sie  zogen  Giufä  herauf  und  er 
hatte  den  Hammel  auf  der  Schulter;  das  Gericht 
sah,  daß  es  wirklich  ein  Hammel  war,  und  sprach 
Giufä  frei. 

431.  "T^^^  Mutter  Giufäs  hatte  ein  kleines  Mädchen, 

J--/  und  das  hütete  sie  wie  ihren  Augapfel.  Als 
sie  nun  eines  Tages  zur  Messe  gehn  mußte,  sagte 
sie  zu  ihrem  Sohne:  ,, Giufä,  schau,  ich  gehe  zur 
Messe:  die  Kleine  schläft;  koch  ihr  den  Griesbrei 
und  gib  ihn  ihr  zu  essen."  Giufä  kochte  einen 
großen  Topf  Griesbrei,  und  als  der  gekocht  war, 

110 


nahm  er  einen  großen  Löffel  voll  und  stopfte  ihn 
der  Kleinen  in  den  Mund.  Das  Kind  fing  mäch- 
tig zu  schreien  an,  weil  es  sich  arg  verbrannt 
hatte,  und  nach  zwei  Tagen  starb  es,  da  der  Mund 
brandig  wurde-  Die  Mutter  wußte  sich  keinen 
Rat  mehr  mit  diesem  Sohne;  sie  nahm  einen  Stock 
und  verprügelte  ihn  tüchtig. 

DA  Giufä  ein  halber  Tölpel  war,  tat  ihm  nie-  432. 

mand  etwas  zuliebe,  wie  ihn  einzuladen  oder 
ihm  einen  Bissen  zukommen  zu  lassen.  Einmal 
kam  er  in  ein  Pächterhaus,  wo  er  etwas  zu  er- 
halten hoffte.  Aber  als  ihn  die  Pächtersleute  so 
zerlumpt  sahen,  so  fehlte  wenig  und  sie  hätten  die 
Hunde  auf  ihn  gehetzt;  und  sie  behandelten  ihn 
so,  daß  er  mehr  krumm  als  gerade  von  dannen 
ging.  Seine  Mutter  begriff  die  Sache  und  besorgte 
ihm  schöne  Hosen,  ein  Paar  Strümpfe  und  eine 
Samtweste.  Nun  ging  Giufä  als  Bauer  gekleidet 
in  dasselbe  Pächterhaus;  da  hättet  ihr  Ehren- 
bezeigungen sehn  können!  Sie  luden  ihn  zu 
Tische  und  überhäuften  ihn  alle  mit  Aufmerksam- 
keiten, Obwohl  aber  Giufä  sonst  nicht  bis  fünf 
zählen  konnte,  war  er  doch  schlau  genug,  sich  mit 
einer  Hand  den  Wanst  zu  füllen  und  mit  der 
andern  das,  was  übrig  blieb,  in  die  Taschen  zu 
stecken;  und  sooft  er  etwas  einsteckte,  sagte  er: 
,,Eßt  nur,  meine  lieben  Kleider;  ihr  seid  es  ja, 
die  eingeladen  worden  sind," 

ES  war  einmal   ein  gewisser   Giufä;    zu   dem  433. 

sagte  seine  Mutter,  als  sie  zur  Messe  ging: 
,, Giufä,  schau,  ich  gehe  jetzt  zur  Messe:  schau, 
da  ist  die  Henne,  die  muß  die  Eier  ausbrüten; 

111 


nimm  sie,  füttere  sie  mit  dem  Mansch  und  setze 
sie  dann  wieder  auf  die  Eier,  damit  sie  nicht  kalt 
werden."  Giufä  bereitete  also  den  Mansch  aus 
Brot  und  Wein,  nahm  die  Henne  und  fütterte  sie, 
und  fütterte  sie  auf  die  Weise,  daß  er  ihr  den 
Mansch  mit  dem  Finger  hineinstopfte;  und  dabei 
erstickte  er  sie  und  sie  verendete.  Als  er  sah, 
daß  es  mit  ihr  aus  war,  sagte  er:  „Wie  soll  ich  es 
denn  nun  anstellen,  daß  die  Eier  nicht  kalt  wer- 
den? jetzt  setze  ich  mich  selber  drauf."  Er  zog 
sich  Hosen  und  Hemd  aus  und  setzte  sich  auf  die 
Eier.  Als  dann  seine  Mutter  heimkam,  rief  sie: 
„Giufä!  Giufä!"  Giufä  antwortete:  „Gluck, 
gluck,  ich  kann  nicht  kommen;  ich  bin  jetzt  die 
Henne  und  sitze  auf  den  Eiern."  Seine  Mutter 
schrie:  ,,Du  Nichtsnutz,  du  Nichtsnutz!  du  hast 
mir  ja  alle  Eier  zerdrückt,"  Giufä  stand  auf, 
und  die  Eier  waren  ein  Brei. 

434.  Ij^S  war  einmal  ein  großer  Herr,  und  der  hatte 

IZtf  einen  seltsamen  Einfall,  Er  sagte  zur  Win- 
terszeit zu  einem  armen  Teufel:  ,,Wenn  du  dich 
getraust,  es  eine  Nacht  lang,  so  wie  du  aus  dem 
Leibe  deiner  Mutter  gekommen  bist,  am  Ufer  des 
Meeres  auszuhalten,  so  gebe  ich  dir,  wenn  du  am 
Morgen  noch  lebst,  hundert  Unzen;  bist  du  am 
Morgen  tot,  so  hast  du  die  Wette  verloren," 
Dieserhalb  wurden  Wachen  aufgestellt:  „Gebt 
acht  auf  den  da!" 

In  der  Nacht  fuhr  nun  ein  Schiff  vorüber.  Der 
arme  Wicht,  der  am  Strande  war,  streckte  die 
Hände  aus,  als  ob  er  sich  hätte  an  dem  Lichte  des 
Schiffes  wärmen  wollen.  Der  Morgen  brach  an, 
und  die  Wächter  meldeten  dem  Herrn:  „Herr,  er 

112 


hat  die  ganze  Nacht  nackt  verbracht;  um  Mitter- 
nacht aber  kam  in  einer  Entfernung  von  hundert 
Meilen  im  Meere  ein  Schiff  mit  dem  Lichte  vorbei, 
und  daran  hat  er  sich  gewärmt,"  Da  sagte  der 
Herr  zu  dem,  mit  dem  er  gewettet  hatte:  „Ihr 
habt  verloren;  Ihr  habt  Euch  gewärmt,  und  damit 
habt  Ihr  die  Wette  verloren," 

Der,  der  die  Wette  verloren  hatte,  ging  zu 
Giucä,  Giucä  sagte:  ,, Warum  weinst  du  denn?" 
Er  antwortete:  ,, Heute  Nacht  bin  ich  demunddem 
auf  seinen  seltsamen  Einfall  eingegangen;  und 
weil  ich,  als  ein  Schiff  vorübergefahren  ist,  mit 
den  Händen  so  gemacht  habe,  sagte  er,  ich  hätte 
mich  gewärmt.  Wie  wäre  das  möglich?  .  .  ,  Und 
jetzt  habe  ich  die  Wette  verloren,"  Giucä  ant- 
wortete: „Hab  keine  Angst;  bin  ja  ich  da!  Aber 
sag  mir,  teilen  wir  das  Geld,  wenn  ich  dir  den 
Sieg  verschaffe?"  „Ja,"  Nun  versah  sich  Giucä 
mit  einem  Sack  Kohlen  und  einem  Hammel  und 
zündete  die  Kohlen  an  dem  einen  Ende  von  Tra- 
pani  bei  den  Kapuzinern  an;  dann  nahm  er  einen 
Rost  und  stellte  ihn  in  der  Richtung  über  das 
Kloster  bei  der  Loggia  auf.  Er  nahm  den  Hammel 
und  legte  ihn  auf  den  Rost,  und  das  Feuer  hatte 
er  bei  den  Kapuzinern;  und  also  begann  er  den 
Hammel  ohne  Feuer  zu  braten.  Alle  Leute,  die 
dieses  törichte  Treiben  sahen,  den  Hammel  bei 
der  Loggia  und  das  Feuer  bei  den  Kapuzinern, 
fragten  ihn,  was  er  tue;  und  Giucä  sagte  zu  ihnen; 
,,Ich  brate  diesen  Hammel," 

Da  kam  auf  einmal  auch  der  von  der  Wette 
vorbei,  und  der  sagte:  „Was  tust  du,  Giucä?" 
„Ich  brate  diesen  Hammel,"  ,,  Ja  wo  ist  denn  das 
Feuer?"    ,,Bei  den  Kapuzinern."    „Was  soll  das 

Nasreddin,   II.  8  113 


heißen?  wie  dumm!"  „Verrückt  freilich  und 
dumm,"  sagte  Giucä;  „wie  hat  sich  aber  dann  der 
da  an  dem  Lichte  des  Schiffes  wärmen  können, 
das  doch  hundert  Meilen  entfernt  war?  Wie  man 
den  Hammel  hier  nicht  braten  kann,  so  hat  sich 
auch  der  da  dort  nicht  wärmen  können," 

Und  nun  erzählte  Giucä  den  Leuten  die  ganze 
Geschichte,  und  der  Herr  mußte  die  Wette  be- 
zahlen. 


114 


VL 

Kalabrischc  Überlieferungen 


Es  war  also  einmal  ein  gewisser  Hiohä.     Der  435. 

Vater  und  die  Mutter  wollten  ihm  gut:  sie 
hielten  ihn  für  etwas  ganz  besonders;  aber  Hiohä 
war  ein  Dummkopf.  Was  hat  er  nicht  alles  ge- 
tan, dieser  Hiohä! 

Einmal  schickten  ihn  der  Vater  und  die 
Mutter,  die  sehr  arm  waren,  Kutteln  waschen, 
„Gib  acht,"  sagte  die  Mutter,  als  er  wegging,  „gib 
acht,  daß  du  sie  dort  wäschst,  wo  viel  Wasser  ist," 

Nun  begann  Hiohä  zu  wandern.  Er  wan- 
derte und  wanderte,  sah  einen  Bach  und  machte 
nicht  halt.  Er  wanderte  und  wanderte,  sah  einen 
Fluß  und  machte  noch  immer  nicht  halt.  Erratet 
ihr,  wo  er  halt  gemacht  hat?  Er  ist  bis  ans  Meer 
gegangen.  Dort  begann  er  die  Kutteln  zu 
waschen  und  abzureiben.  Nachdem  er  sie  eine 
Stunde  abgerieben  und  gewaschen  hatte,  wußte 
er  nicht,  ob  sie  gut  gewaschen  seien. 

Wen  hätte  er  fragen  sollen?  Wen  hätte  er 
nur  fragen  sollen?  Er  sah  in  der  Ferne  ein  Schiff 
mit  Seeleuten  drinnen.  Da  begann  er  zu  pfeifen 
und  mit  den  Händen  Zeichen  zu  machen.  Als  die 
Seeleute  diese  Bewegungen  sahen,  kamen  sie, 
weil  sie  nicht  wußten,  was  es  gebe,  mit  dem 
Schiffe  zum  Ufer.  „Was  willst  du?"  sagten  sie 
zu  ihm,  und  Hiohä  sagte  zu  ihnen:  „Sind  diese 
Kutteln  gut  gewaschen  oder  nicht?" 

,,Der  Teufel  soll  dich  holen!"  begannen  die 
Seeleute;  „der  und  jener  soll  dich  holen!  Und 
wegen  so  etwas  hast  du  uns  gerufen?  Der  Teufel 
soll  dich  holen!"  Und  damit  gaben  sie  ihm  eine 
Tracht  Prügel,  wirklich  eine  ordentliche  Tracht. 

Nun  begann  Hiohä  zu  weinen  und  sagte:  „Was 
habe  ich  euch  getan,  daß  ihr  mich  schlagt?    Wie 

117 


I 


hätte  ich  denn  sagen  sollen,  als  ich  das  Schiff 
gesehn  habe?" 

„Du  hättest  sagen  sollen,"  sagten  die  Seeleute 
zu  ihm:  ,, Guten  Wind!    Guten  Wind!" 

Und  so  machte  sich  Hiohä  davon, 

436.  i^ Ines  Tages  sagte  Juvadi  zur  Mutter:  ,,Geh  du 

Jl^  aufs  Feld  arbeiten;  ich  bleibe  zu  Hause." 
Und  die  Mutter  antwortete:  „Verrichte  du  alles; 
ich  gehe  aufs  Feld,  Laß  die  Katze  nicht  zu  den 
Speisen,  bring  das  Bett  in  Ordnung,  gib  acht  auf 
die  Gluckhenne  und  geh  zum  Flusse  und  besorge 
die  Wäsche."  Juvadi  antwortete:  „Ja,  ja, 
Mutter." 

Und  so  ging  sie  aufs  Feld,  Aber  anstatt  das 
Bett  in  Ordnung  zu  bringen,  riß  es  Juvadi  aus- 
einander, nahm  Polster  und  Strohsäcke  und  warf 
sie  mitten  ins  Haus;  und  er  füllte  eine  Schwinge 
mit  Mist  und  beutelte  ihn  im  Hause  aus.  Dann 
sagte  er:  „Ich  bin  hungrig,"  Und  er  nahm  und 
aß  alle  Speisen;  hierauf  nahm  er  einen  Kessel 
und  sott  die  Gluckhenne  samt  den  Küchlein  und 
aß  sie.  Dann  tat  er  die  Wäsche  in  einen  Trag- 
korb und  ging  damit  zum  Flusse;  er  warf  sie  ins 
Wasser  und  ging. 

Wie  er  so  dahinging,  traf  er  einen  Esel,  und 
den  packte  er  beim  Schwanz;  der  Esel  schlug 
aus  und  verletzte  ihn  am  Bein,  Unter  bitter- 
lichen Tränen  ging  Juvadi  nach  Hause;  er  ver- 
schloß die  Tür  und  setzte  sich  auf  den  Herd, 

Am  Abende  kam  die  Mutter  heim  und  rief  an 
der  Tür:  „Juva',  mach  mir  auf,"  Er  antwortete: 
„Nein,"  „Ist  dir  etwas  geschehn?"  „Ja."  „Und 
was  ist  dir  denn  geschehn?"    „Die  Katze  hat  die 

118 


Speisen  gefressen,"  „Das  macht  weiter  nichts; 
wir  kaufen  andere.  Mach  mir  auf,  Juva'." 
„Nein."  „Warum  denn?  ist  dir  noch  etwas  ge- 
schehn?"  „Ja."  „Und  was  denn?"  „Die  Gluck- 
henne und  die  Küchlein  sind  weg."  „Das  macht 
weiter  nichts;  mach  mir  nur  auf."  „Nein,"  „Und 
warum  denn  nicht?  ist  dir  noch  etwas  geschehn?" 
„Ja."  „Und  was  ist  dir  denn  geschehn?"  „Ich 
bin  zum  Flusse  waschen  gegangen,  und  das 
Wasser  hat  die  Wäsche  weggeschwemmt."  „Ach 
das  macht  weiter  nichts;  öffne  mir."  „Nein." 
„Was  ist  dir  denn  geschehn?"  „Ein  Esel  hat 
mich  am  Beine  verletzt." 

Nun  erbrach  die  Mutter  die  Tür,  und  da  fand 
sie  das  ganze  Haus  verwüstet.  Sie  wäre  bald 
vor  Schreck  gestorben;  aber  dann  nahm  sie  einen 
Stock,  prügelte  Juvadi  tüchtig  durch  und  jagte 
ihn  aus  dem  Hause." 

JUvadi  sagte  zur  Mutter:   „Ich  gehe  auf  den  431. 

Markt."  Die  Mutter  antwortete:  „Kaufe 
einen  Farren."  Sie  gab  ihm  das  Geld  und  Juvadi 
ging  auf  den  Markt.  Er  kaufte  einen  schönen 
Farren  und  ging  mit  ihm  nach  Hause.  Er  kam 
bei  den  Mönchen  vorbei  und  traf  sie  auf  der 
Straße;  kaum  hatten  sie  ihn  gesehn,  so  sagten 
sie:  ,,Juva',  wo  bist  du  gewesen?"  Und  Juvadi 
antwortete:  ,,Ich  bin  auf  dem  Markte  gewesen  und 
habe  einen  Farren  gekauft."  Die  Mönche  ant- 
worteten einer  nach  dem  andern:  ,,Ist  es  ein 
Farre  oder  ein  Bock?"  ,,Es  ist  ein  Farre."  Es 
kam  ein  anderer  Mönch  dazu:  ,,Juva',  was  ist 
das?"  „Es  ist  ein  Farre,"  „Ist  es  ein  Farre  oder 
ein  Bock?"     „Es  ist  ein  Farre  und  kein  Bock; 

119 


ich  habe  ihn  mit  zwanzig  Dukaten  bezahlt."  Der 
Guardian  sagte:  „Willst  du  ihn  mir  verkaufen? 
ich  gebe  dir  zehn  Dukaten."  „Wenn  es  ein  Bock 
ist,  so  nehmt  ihn."  So  gab  ihm  der  Guardian 
zehn  Dukaten  und  er  ging  nach  Hause.  Die 
Mutter  sagte:  „Was  hast  du  gemacht?"  „Ich 
habe  das  gemacht:  Ich  habe  einen  schönen  Farren 
gekauft,  bin  bei  den  Mönchen  vorbeigekommen 
und  sie  haben  mir  gesagt,  es  sei  ein  Bock;  sie 
haben  mir  ihn  abgekauft  und  mir  zehn  Dukaten 
gegeben."  Die  Mutter  nahm  einen  Stock,  prügelte 
Juvadi  durch  und  sagte:  ,,Der  Teufel  soll  dich 
holen!  du  hast  dich  also  von  den  Mönchen  be- 
schwatzen lassen?" 

Nun  verkleidete  sich  Juvadi  als  Frau,  mit 
einem  Rosenkranze  in  der  Hand,  und  ging  in  die 
Kapuzinerkirche  und  blieb  dort.  Als  es  Nacht 
geworden  war,  kam  der  Sakristan  und  sagte: 
,,Geh  jetzt;  ich  muß  die  Kirche  schließen."  Er 
antwortete:  ,,Laß  mich  aus  Barmherzigkeit  da 
schlafen."  ,,Ich  gehe  es  dem  Guardian  sagen," 
Er  ging  und  der  Guardian  sagte:  ,,Ja,  ja,  laß  sie 
da  schlafen."  Als  es  Mitternacht  geworden  war, 
ging  er  sachte,  sachte  in  die  Zelle  des  Guardians, 
stellte  sich  vor  das  Bett,  zog  einen  Knüttel,  den 
er  unter  dem  Kleide  verborgen  hatte,  hervor  und 
begann  den  Guardian  zu  verprügeln,  indem  er 
sagte;  ,,Ist  es  ein  Farre  oder  ein  Bock?  ha?  ist 
es  ein  Farre  oder  ein  Bock?  ha?"  Und  dabei 
schlug  er  tüchtig  zu,  bis  der  Guardian  halbtot 
dalag;  dann  ging  er.  Am  Morgen  kamen  die 
Mönche  und  da  fanden  sie  den  Guardian  tot- 
elend. Alsbald  liefen  sie  um  Ärzte,  um  zu  sehn, 
was  es  sei. 

120 


Juvadi  ging  nach  Hause,  kleidete  sich  als 
Arzt  und  ging  weg,  um  vor  den  Kapuzinern 
herumzuschlendern.  Ein  Laienbruder  kam  heraus 
und  sagte  zu  ihm;  ,,Wer  ist  Euere  Herrlichkeit?" 
Juvadi  antwortete:  ,,Ich  bin  ein  fremder  Arzt; 
ist  hier  jemand  krank?"  Der  Mönch  ging  augen- 
blicklich hinein,  es  seinen  Brüdern  sagen,  und  die 
ließen  ihn  hereinkommen.  Als  er  drinnen  war 
und  seinen  Kranken  betrachtet  hatte,  sagte  er: 
„Der  hat  Schläge  bekommen." 

Nun  schickte  er  alle  Mönche,  die  dort  waren, 
hinaus;  der  eine  ging  Kaffee  machen,  der  andere 
Heilmittel  holen.  Als  Juvadi  ganz  allein  war, 
zog  er  den  Knüttel  unter  dem  Oberkleide  hervor 
und  begann  den  Guardian  zu  prügeln  und  sagte: 
„Ist  es  ein  Farre  oder  ein  Bock?  ha?  ist  es  ein 
Farre  oder  ein  Bock?  ha?"  Und  er  ließ  nicht 
eher  von  dem  Guardian  ab,  als  bis  der  schier  tot 
war.  Dann  entwich  er.  Als  die  Mönche  zurück- 
kehrten und  den  Guardian  in  diesem  Zustande 
sahen,  begannen  sie  zu  jammern  und  fragten  ihn: 
„Wer  hat  dich  geschlagen?"  Der  Guardian  ant- 
wortete: „Der,  der  hier  war."  Die  Mönche 
sagten:  „Wir  wollen  ihn  suchen  gehn." 

Und  so  setzten  sie  den  Guardian  auf  einen 
Sessel  und  machten  sich  an  die  Verfolgung 
Juvadis.  Der  sah  sie  von  v/eitem;  da  sagte  er 
zu  einem  Manne,  der  mit  dem  Karste  arbeitete: 
„Guter  Mann,  schau  wie  viel  Leute  dich  prügeln 
kommen."  Der  erschrak,  warf  den  Karst  weg 
und  entfloh;  nun  nahm  Juvadi  den  Karst  und  be- 
gann zu  ackern.  Die  Mönche  holten  den  andern 
ein  und  prügelten  ihn  weidlich  durch;  und  der 
arme  Teufel  schrie:  „Warum  schlagt  ihr  mich? 

121 


438. 


ich  habe  euch  doch  nichts  getan."  Juvadi  lachte 
von  weitem,  warf  den  Karst  weg  und  ging  nach 
Hause  und  sagte:  ,,Nun  habe  ich  mich  für  meinen 
Farren  bezahlt  gemacht," 

ES  war  Fastnacht,  Juvadis  Mutter  schlachtete 
einen  Hahn  und  kochte  ihn  mit  Makkaroni; 
als  Juvadi  kam,  aßen  sie  ihn.  Nach  dem  Essen 
sagte  Juvadi  zur  Mutter:  ,, Mutter,  wie  heißt  das, 
was  wir  gegessen  haben?"  Die  Mutter  ant- 
wortete: „Das  war  ein  Morgensänger," 

Nun  hörte  Juvadi  einen  Mann,  der  auf  der 
Straße  sang;  er  ging  hin,  tötete  ihn  und  brachte 
ihn  der  Mutter.  Die  Mutter  begann  zu  schreien: 
„Du  Tölpel,  das  war  ein  Mensch  und  kein 
Morgensänger."  Juvadi  sagte:  „Macht  nichts, 
Mutter;  ich  stecke  ihn  in  einen  Sack  und  gehe 
ihn  in  eine  Schlucht  werfen." 

Auf  dem  Wege  begegnete  er  einem  Manne, 
der  auch  einen  Sack  trug,  und  zu  dem  sagte  er: 
„Freund,  was  trägst  du  da  in  dem  Sacke?"  Der 
antv/ortete:  ,,Ein  Schwein,"  Juvadi  sagte: 
„Wollen  wir  tauschen?"  Der  Unglückselige 
sagte:  „Ja",  und  sie  tauschten,  Juvadi  ging  zu 
seiner  Mutter  nach  Hause  und  sagte  zu  ihr: 
..Mutter,  bring  einen  Kessel,  damit  wir  das 
Schwein  abbrühen.  Schließ  die  Tür;  ich  muß 
einen  Botengang  machen."  Und  er  ging  zu  dem, 
dem  er  den  Sack  mit  dem  Toten  gegeben  hatte, 
und  sagte  zu  ihm:  „Was  hast  du  getan?  jetzt 
gehe  ich  zum  Richter  und  zeige  dich  an,"  Der 
andere  sagte  unter  Tränen:  ,,Sag  nichts;  ich  gebe 
dir  fünfzig  Dukaten,"  So  nahm  Juvadi  den  Toten 
und  die  fünfzig  Dukaten.     Dann  ging  er  zu  der 

122 


Tür  der  Mönche,  stellte  den  Toten  auf  die  Füße 
und  läutete  an;  der  Sakristan  öffnete  die  Tür  von 
innen  und  der  Tode  fiel  nieder.  Der  Sakristan 
sagte:  „Steh  auf!  steh  auf!  was  ist  dir  geschehn?" 
Juvadi  kam  hervor  und  sagte:  ,,So  also  werden 
die  Leute  umgebracht?"  Der  Sakristan  sagte: 
„Sag  nichts;  ich  gebe  dir  fünfzig  Dukaten."  Und 
Juvadi:  „Wenn  du  willst,  daß  ich  nichts  sage, 
mußt  du  mir  fünfzig  Dukaten,  eine  Mönchskutte 
und  den  Toten  geben."  Juvadi  nahm  den  Toten, 
zog  ihm  die  Kutte  an,  steckte  ihm  eine  Pfeife  in 
den  Mund,  setzte  ihn  auf  den  Abtritt  der  Mönche 
und  kauerte  sich  nieder.  Es  kam  der  Guardian, 
um  ein  Bedürfnis  zu  verrichten;  da  fand  er  den, 
der  dort  saß,  und  er  sagte:  „Steh  auf;  ich  muß  ein 
Bedürfnis  verrichten,"  Dann  packte  er  ihn  und 
stieß  ihn,  und  der  fiel  nieder.  Der  arme  Guardian 
sagte:  „Auf!  auf!  was  habe  ich  dir  denn  getan?" 
Juvadi  kam  hervor  und  sagte:  „So  also  werden 
die  Leute  umgebracht?  jetzt  gehe  ich  zum  Richter 
und  sag  ihms,"  Erschrocken  sagte  der  Guardian: 
„Sei  barmherzig  und  sag  nichts;  ich  gebe  dir 
hundert  Dukaten,  und  wir  begraben  ihn,"  Juvadi 
nahm  die  hundert  Dukaten  und  sie  legten  den 
Toten  ins  Grab.  Dann  ging  Juvadi  voll  Fröhlich- 
keit mit  den  zweihundert  Dukaten  nach  Hause 
und  sagte  zur  Mutter:  „Mutter,  wie  viel  hat  mir 
der  Morgensänger  eingebracht!  Jetzt  bin  ich 
reich  geworden!" 


Eines  Tages  ging  Juvadi  um  Reisig,  und  da  fand  439. 

er  einen  Eichenast  mit  Eicheln  dran;   den 
nahm  er  auf  die  Arme  und  trug  ihn  mit  viel  Acht- 

123 


I 


samkeit  weg.  Als  er  nahe  beim  Orte  war,  setzte 
er  sich  darauf  wie  auf  ein  Pferd  und  zog  ihn  so 
weiter.  An  einem  Fenster  des  Königs  stand  die 
kleine  Prinzessin,  und  die  begann  aus  vollem 
Halse  zu  lachen.  Juvadi  sah  sie  an  und  sagte: 
,,Du  sollst  schwanger  sein  von  mir."  Alsbald 
wurde  sie  schwanger,  und  nach  neun  Monaten 
gebar  sie  ein  Mädchen.  Der  König  war  darüber 
so  aufgebracht,  daß  er  den  Rat  zusammenrief  und 
sagte:  „Ratet  mir,  was  ich  mit  der  machen  soll, 
von  der  diese  Schande  kommt;  ich  kann  es  gar 
nicht  glauben,  was  sie  sagen,"  Der  Rat  ant- 
wortete: „Lassen  wir  alle  Männer  des  Reiches 
kommen,  und  da  werden  wir  sehn,  wen  es  Babba 
ruft."  Da  befahl  der  König,  daß  sich  alle  Männer 
in  seinem  Hause  einfänden.  So  kamen  seine 
Barone,  Fürsten,  Ritter,  Bürger  und  Bauern;  aber 
das  Kind  rief  niemand  Babba,  Nur  Juvadi,  der 
nicht  kommen  wollte,  war  übrig  geblieben;  aber 
der  König  zwang  ihn,  zu  kommen.  Kaum  hatte 
ihn  das  Kind  gesehn,  als  es  sich  auch  schon  in 
seine  Arme  warf  und  ihn  Babba  nannte.  Nun 
rief  der  König  den  Rat  von  neuem  zusammen  und 
sagte:  ,,Was  für  eine  Strafe  soll  die  erhalten,  von 
der  diese  Schande  kommt?"  Sie  antworteten; 
,, Schließen  wir  sie  in  ein  Faß  und  rollen  wir  es 
einen  Abhang  hinunter."  So  ließen  sie  ein  Faß 
machen  und  die  Königin  legte  einen  Sack  mit 
Feigen  und  Rosinen  hinein;  und  sie  schlössen  die 
Prinzessin,  ihre  Tochter  und  Juvadi  hinein  und 
gingen  es  von  einem  Abhänge  hinunterstürzen. 
Als  es  rollte,  sagte  Juvadi:  „Laß  mich  heraus, 
laß  mich  heraus;  ich  gebe  dir  Feigen  und 
Rosinen."     Und  er  warf  Händevoll  Feigen  und 

124 


Rosinen  aus  dem  Fasse.  Das  blieb  in  einer  Ebene 
stehn;  Juvadi  zerbrach  es  und  sie  gingen  heraus. 
In  der  Nähe  war  eine  Hexe,  die  lachte  so 
heftig,  daß  ihr  eine  Halsgeschwulst,  die  sie  hatte, 
verging.  Darüber  ganz  glücklich,  sagte  sie  zu 
Juvadi:  ,,Was  willst  du?  ich  kann  alles  und  tue 
dir  gutes."  Juvadi  antwortete:  „Schaff  mir  ein 
Haus;  denn  wir  haben  keine  Wohnung."  Die 
Hexe  nahm  eine  Gerte,  machte  einen  Kreis 
rundum  und  sagte:  ,,Hier  soll  ein  Palast  werden 
mit  aller  Bequemlichkeit  der  Welt."  So  wurde 
dort  ein  schöner  Palast  und  Juvadi  ging  ganz 
vergnügt  mit  der  Prinzessin  und  der  Tochter 
hinein.  Und  die  Prinzessin  sagte  zu  Juvadi: 
„Du  mußt  noch  behext  werden,  damit  dir  deine 
Dummheit  ausgetrieben  wird." 

Eines    Morgens    hatte    die    Prinzessin    Juvadi  440, 

verloren;  sie  schrie  in  allen  Gemächern  und 
fand  ihn  endlich  an  einem  Fenster.  Dort  pustete 
er  mit  dem  Munde  und  machte  Bu,  bu  .  .  .  bu,  bu 
.  .  .  bu.  Sie  schrie:  „Was  machst  du  da?"  Juvadi 
antwortete:  „Ich  puste  auf  die  Fliegen  und 
Wespen  da,  damit  sie  nicht  hereinkommen;  sie 
könnten  uns  beißen  und  wir  müßten  sterben." 

JUvadi  war  wieder   einmal   verloren  und   die  441, 

Prinzessin  konnte  ihn  nicht  finden.  Am  Tage 
darauf  fand  sie  ihn,  wie  er  mit  einem  Kuh- 
schwanze  in  der  Hand  in  die  Luft  starrte  und 
Bu,  bu  .  .  ,  bu,  bu  .  ,  .  bu,  bu  pustete.  Sie  sagte: 
„Juva',  was  machst  du  da?"  Und  Juvadi  lachte 
aus  vollem  Halse:  „Ich  habe  ein  Wildschwein  ge- 
tötet, und  dann  ist  ein  Wind  gekommen  und  hat 

125 


mich  in  die  Höhe  gehoben;  ich  habe  mich  aber  so 
kräftig  gewehrt,  daß  mir  beim  Hinundherreißen 
der  Schwanz  in  der  Hand  geblieben  ist," 

442.  Ij^In  andermal  sagte  Juvadi:  „Ich  gehe  in  den 
C^  Hühnerstall,  Eier  holen."  Er  ging,  nahm  ein 
Messer,  tötete  alle  Hühner  und  hängte  sie  ringsum 
an  die  Wände,  Sie  gingen  ihn  suchen,  fanden 
den  Schaden  und  schrien:  ,, Warum  hast  du  das 
getan?"  Und  Juvadi:  ,,Ich  bin  ein  Metzger  ge- 
worden.    Was  wollt  ihr?" 

Die  Prinzessin  nahm  einen  Stock  und  prügelte 
Juvadi  weidlich  durch;  dann  jagte  sie  ihn  wegen 
all  dieser  dummen  Streiche  aus  dem  Hause. 

443.  TUvadi  hatte  ein  Gärtchen,  und  dort  war  ein 
%j  einzelner  Kirschbaum,  Er  pflegte  ihn  mit 
aller  Sorgfalt,  aber  der  Baum  trug  nicht  eine 
einzige  Kirsche.  Eines  Tages  verlor  Juvadi  die 
Geduld  und  sagte:  „Jetzt  will  ich  diesen  ver- 
maledeiten Baum  fällen,  der  nichts  trägt."  Er 
fällte  den  Kirschbaum  und  machte  ein  Kreuz 
daraus;  das  pflanzte  er  in  das  Gärtchen.  Er 
glaubte,  wenn  er  zu  Jesus  Christus  beten  werde, 
werde  ihm  der  alle  Gnaden  erweisen;  aber  er 
mochte  heute  beten  oder  morgen  oder  über- 
morgen, eine  Gnade  sah  er  niemals.  Da  packte 
er  erbost  das  Kreuz,  warf  es  zur  Erde,  daß  es 
in  tausend  Stücke  zersprang,  und  sagte:  ,,Dich 
kenne  ich  schon,  wie  du  noch  ein  Kirschbaum 
warst," 

444.  A^  An  erzählt,  daß  Juvadi  eines  schönen  Tages 
iy\.  einen  Gevatter  besuchen  gegangen  ist.  Der 
Gevatter,    dessen    Weib    gerade    Brot    bereitete, 

126 


sagte  zu  ihm:  „Willkommen,  Juva';  bleib  bei  uns 
und  hilf  uns  das  Brot  bereiten,"  Während  die 
Frau  in  der  Küche  war,  um  das  Essen  zu  kochen, 
ging  Juvadi  nachsehn,  ob  der  Teig  aufgegangen 
sei;  er  kam  in  eine  Kammer,  deren  Wände  überall 
Ritzen  hatten,  durch  die  der  Wind  einundausging, 
und  sagte:  „Da  machen  sie  Brot  und  das  Haus 
ist  voller  Löcher;  aber  ich  will  das  in  Ordnung 
bringen."  Er  nahm  den  Teig  und  besserte  alle 
Wände  aus,  indem  er  alle  Löcher  verschmierte. 
Als  die  Gevatterin  diesen  Schaden  sah,  begann 
sie  zu  schreien:  ,,Um  Gotteswillen,  um  Gottes- 
willen! was  tust  du?  wenn  mein  Mann  kommt, 
bringt  er  mich  um,"  Juvadi  sagte  ganz  entrüstet: 
,, Statt  mir  zu  danken,  weil  das  Haus  löchrig  war, 
gibst  du  mir  böse  Worte."     Und  er  entwich. 


Einmal  ging  Juvadi  eine  Gevatterin  besuchen.  445. 

Als  sie  ihn  sah,  sagte  sie  vergnügt:  „Will- 
kommen, Gevatter;  es  wird  mir  eine  Freude  sein, 
wenn  du  heute  Morgen  bei  mir  bleibst.  Gib  mir 
acht  auf  das  Kindchen,  das  ich  niedergelegt  habe, 
und  ich  verrichte  indessen  die  häusliche  Arbeit." 
Juvadi  nahm  das  Kind;  da  er  sah,  daß  sein  Kopf 
ganz  weich  war,  nahm  er  eine  Nadel  und  stach 
hinein,  so  daß  das  Gehirn  heraustrat.  Und  er 
sagte:  ,, Madonna  mia!  da  hat  das  Kind  ein  Ge- 
schwür und  niemand  denkt  daran."  Als  die 
Mutter  das  Kind  tot  sah,  war  sie  ganz  weg  vor 
Schmerz  und  schrie:  ,,Mein  .  .  ,  Kind  .  .  .  mein  .  .  . 
Kind,  ich  habe  dich  einem  Tölpel  anvertraut," 
Juvadi  sagte:  ,,Für  mein  gutes  Werk  erhalte  ich 
einen  schlechten  Lohn."     Und  er  ging. 

127 


446.  'C'Ines  Tages  ging  Juvadi  hinaus,  stieg  auf  einen 
*^  Felsen,  begann  zu  pissen  und  sagte  zu  den 
einzelnen  Bächlein:  ,,Du  gehst  dorthin,  du  dahin, 
du  gehst  rechts  und  du  gehst  links."  Eine  Bande 
von  Räubern,  die  unter  dem  Felsen  waren  und 
viel  Silbergeld  teilten,  hörten  ihn  so  reden;  sie 
glaubten,  die  Häscher  seien  da,  und  entflohen. 
Juvadi  stieg  hinab,  nahm  alles  Silber  und  kehrte, 
mit  Geld  beladen,  heim. 

447.  "T^lnes  Tages  ging  Juvadi  mit  seinem  Esel  um 
Cd  Holz.  Er  saß  auf  einer  Eiche  und  schnitt 
gerade  an  einem  Aste,  als  ein  Mann  vorbeikam 
und  zu  ihm  sagte:  „Juva',  paß  auf,  du  fällst 
herunter,  wenn  der  Ast  bricht."  Juvadi  ant- 
wortete: ,, Kümmere  dich  nicht  darum;  ich  sterbe 
noch  nicht."  Aber  als  er  das  sagte,  fiel  er  auch 
schon  herunter,  und  es  fehlte  wenig,  so  wäre  er 
tot  gewesen.  Nun  sagte  er  zu  dem  Manne: 
,, Guter  Mann,  wann  werde  ich  denn  sterben?" 
„Wann  dein  Esel  drei  Fürze  tut,"  Juvadi  glaubte 
es  und  vergaß  es  keineswegs.  Er  mußte  eine  An- 
höhe ersteigen,  und  der  Esel,  der  zu  schwer  be- 
laden war,  ließ  einen  Furz,  „Oh,  jetzt  geht  es 
böse,"  sagte  Juvadi,  „nun  muß  ich  bald  sterben," 
Er  ging  weiter  und  hörte  wieder,  wie  der  Esel 
einen  Furz  ließ,  und  er  zitterte  noch  mehr  vor 
Angst.  Als  er  dann  den  letzten  hörte,  wurde  er 
ohnmächtig  und  fiel  wie  ein  Toter  zu  Boden;  und 
er  blieb  auf  dem  Wege  liegen.  Der  Esel,  der  den 
Weg,  wer  weiß,  wie  oft  gemacht  hatte,  ging  mit 
dem  Holze,  aber  ohne  Juvadi,  nach  Hause.  Als 
die  Mutter  den  Esel  ohne  den  Sohn  kommen  sah, 
erschrak  sie  und  ging  weg,  um  zu  sehn,  was  ihm 

128 


geschehn  sei;  sie  fand  Juvadi  mit  dem  Gesichte 
nach  oben  auf  dem  Wege  liegen.  Und  sie  holte 
den  Geistlichen,  einen  Bruder  mit  dem  Kreuze, 
den  Sakristan  mit  dem  Weihwasser  und  vier 
Männer  mit  der  Bahre.  Sie  luden  ihn  auf;  aber 
sie  klagten,  weil  er  sehr  schwer  war,  und  setzten 
ihn  alle  zehn  Schritte  nieder.  Als  sie  an  eine 
Stelle  des  Weges  gekommen  waren,  hob  Juvadi 
den  Kopf  und  schrie:  ,, Dorthin  geht,"  Die,  die 
ihn  trugen,  warfen  ihn  vor  Angst,  weil  sie  ihn  tot 
glaubten,  zu  Boden,  und  der  arme  Juvadi  zer- 
schlug sich  den  Kopf  und  starb  nun  wirklich. 


Nasreddin,   11. 


129 


VIL 

Kroatische  Überlieferungen 


Einmal  war  Nasreddin  schwer  krank  und  lag  448. 

still  und  hilflos  da.  Seine  Frau,  die  bei  ihm 
saß,  weinte,  und  das  machte  ihn  unruhig.  Da 
kam  ihm  ein  Einfall,  und  er  sagte  zu  ihr  mit 
schwacher  Stimme:  „0  weh,  o  weh!  Hör  auf  zu 
weinen;  zieh  dich  schön  an,  nimm  deine  besten 
Sachen  und  deinen  ganzen  Schmuck  und  mach 
dich  so  hübsch,  wie  du  kannst." 

„Ach  Effendi,"  sagte  sie  und  begann  noch 
mehr  zu  weinen,  ,,wie  könnte  ich  das,  wo  du  so 
krank  bist?" 

„Wenn  du  mich  liebst,"  bat  der  Hodscha, 
„dann  tust  du,  was  ich  dir  gesagt  habe." 

Nun  wurde  in  ihr  die  weibliche  Neugier  rege. 
„Nein,"  sagte  sie  entschieden;  ,,ich  werde  es  nicht 
früher  tun,  als  bis  du  mir  gesagt  hast,  warum  du 
es  von  mir  verlangst." 

,,Ich  möchte  es  dir  ja  sagen,  aber  ich  fürchte, 
du  wirst  dich  dann  über  mich  ärgern." 

,,Nein,  wahrhaftig  nein,"  Und  zum  Beweise 
schwor  sie  ihm,  daß  sie  alles  machen  werde,  wann 
sie  den  Grund  gehört  haben  werde. 

Und  der  Hodscha  sagte:  ,, Denkst  du  denn 
nicht  auch,  liebes  Weib,  daß  Asrael,  wenn  er  um 
meine  Seele  kommen  und  dich  so  schön  gekleidet 
und  geschmückt  sehn  wird,  lieber  dich  mitnehmen 
wird  als  mich?" 

In  diesem  Augenblicke  hörte  die  Frau  zu 
weinen  auf. 


DEr    Hodscha    saß    vor    seinem    Hause    und  449. 

rauchte.  Da  kam  sein  nächster  Nachbar  imd 
sagte    nach    dem    gewöhnlichen    Gruße:    „Aber 

133 


Hodscha,  warum  brällt  denn  dein  Esel  schon  seit 
dem  frühen  Morgen?" 

„Warum  fragst  du  mich?  frag  ihn." 

450.  "C'Inmal  ging  der  Hodscha  Nasreddin  spazieren; 
Ca  ein  junger  Zigeuner  lief  ihm  nach  und 
bettelte,  er  solle  ihm  etwas  schenken.  Dem 
Hodscha,  der  die  Zigeuner  haßte,  fiels  nicht  ein, 
sich  umzudrehn,  geschweige  denn  ihm  etwas  zu 
geben.  Plötzlich  schrie  der  Zigeuner  aus  vollem 
Halse:  „Schenk  mir  etwas,  Herr,  sonst  werde  ich 
etwas  tun,  was  ich  noch  nie  getan  habe!" 

Nasreddin  drehte  sich  um,  warf  ihm  einen 
Para  zu  und  fragte  ihn,  was  er  zu  tun  beabsichtigt 
hätte.  Darauf  antwortete  der  Zigeuner:  „Ja, 
Herr,  hättest  du  mir  nichts  geschenkt,  so  hätte 
ich  arbeiten  müssen,  und  das  habe  ich  noch  nie 
getan." 

451.  T^Inmal  kam  wieder  sein  nächster  Nachbar 
JÜä  zum  Hodscha  und  fragte  ihn,  warum  er 
seinen  Hund  habe  die  ganze  Nacht  bellen  lassen, 
so  daß  er  und  die  Seinigen  im  Schlafe  gestört 
worden  seien. 

Nasreddin,  der  wohl  zugehört  hatte,  lachte 
und  antwortete:  „Ich  glaube,  du  wirst  doch  nicht 
von  mir  verlangen  wollen,  daß  ich  bellen  soll." 

452.  A  Ls  Nasreddin  einmal  besonders  gut  aufgelegt 
^jL  war,  erzählte  er  in  einer  Gesellschaft,  daß 
er,  als  er  in  Stambul  gewesen  sei  und  in  dem 
Garten  des  Sultans,  dort  Bienen  gesehn  habe,  so 
groß  wie  Schafe. 

134 


Da  fragte  ihn  einer  von  den  Zuhörern:  „Wie 
groß  waren  denn  dann  die  Bienenstöcke?" 

Nasreddin  antwortete:  „Gerade  so  groß  wie 
bei  uns." 

„Wie  konnten  denn  da  die  Bienen  hinein  und 
heraus?" 

„Ich  bin  gerade  dazu  gekommen,  als  sie  hinein 
wollten;  als  sie  mich  aber  bemerkt  haben,  sind  sie 
erschrocken  und  weggeflogen.  Deshalb  kann  ich 
euch  nicht  recht  sagen,  wie  sie  es  anstellen,  um 
hineinzukommen," 

NAsreddin  ging  einmal  in  den  Garten,  legte  453. 

sich  unter  einen  alten  Birnbaum  und  schlief 
ein.  Unterdessen  kam  ein  Freund  von  ihm  mit 
der  Nachricht,  daß  seine  Mutter  gestorben  sei. 
Nasreddins  Sohn  führte  den  Freund  in  den 
Garten,  weckte  den  Vater  und  sagte  zu  ihm: 
„Vater,  steh  auf;  Mujkan  ^  Djehaic  ist  gekommen 
und  hat  die  Nachricht  gebracht,  daß  deine  Mutter 
gestorben  ist." 

„0,  o,"  sagte  der  Hodscha,  „das  ist  ein 
bitterer  Schmerz;  und  wie  bitter  wird  er  erst 
morgen  sein,  wenn  ich  aufwache!" 

Damit  drehte  er  sich  auf  die  andere  Seite  und 
schlief  weiter. 

Auf  einem  Spaziergange  erzählten  einander  454. 

zwei  Schüler  Nasreddins  merkwürdige  Ge- 
schichten und  suchten  sich  gegenseitig  durch 
Lügen  zu  übertrumpfen.  Unter  anderm  sagte  der 
eine;  „Als  ich  einmal  in  Stambul  war,  habe  ich 

1  Mustafa. 

135 


einen  Kohlkopf  gesehn,  unter  dem  sich  drei- 
hundert Leute  verstecken  konnten." 

Darauf  antwortete  ihm  der  andere:  ,,Aber 
Bruder,  das  ist  gar  nichts  gegen  das,  was  ich  in 
Athen  gesehn  habe,  als  ich  dort  war.  Dort  habe 
ich  nämlich  einen  großen  Kessel  gesehn,  an  dem 
schmiedeten  dreihundert  Leute,  und  die  standen 
so  weit  von  einander,  daß  einer  den  andern  nicht 
hören  konnte," 

Nun  sagte  der  erste:  ,,Wozu  soll  denn  so  ein 
großer  Kessel  dienen?" 

,,Aber  Bruderherz,  wie  kannst  du  nur  so 
dumm  fragen?  um  den  großen  Kohlkopf  zu 
kochen,  den  du  gesehn  hast," 

455  "pines    Abends    zankten    sich    Nasreddin    und 

Xltf  seine  Frau,  und  er  sagte  zu  ihr:  ,,Ich  war 
wahrhaftig  blind,  als  ich  dich  mit  deiner  Häßlich- 
keit genommen  habe,"  Deswegen  schimpfte  sie 
ihn  zusammen,  was  sie  nur  konnte,  und  sagte 
schließlich  zu  ihm:  ,,Die  Eule  hat  auch  an  der 
Lerche  etwas  auszusetzen  gehabt!  Wie  kannst 
du  mir  sagen,  daß  ich  häßlich  sei,  wo  du  doch 
weit  und  breit  der  häßlichste  Kerl  bist!" 

Das  war  für  den  stolzen  Nasreddin  zu  viel, 
und  er  beschloß,  ein  Mittel  zu  suchen,  um  schöner 
zu  werden.  Nachdem  er  überall  herumgefragt 
hatte,  wandte  er  auch  einige  Salben  und  Pulver 
an,  aber  sein  Ziel  konnte  er  nicht  erreichen. 

Nun  kamen  eines  Tages  etliche  Zigeunerinnen 
zu  ihm,  und  die  sagten  ihm,  sie  würden  ihn  in 
ein  paar  Stunden  so  jung  und  schön  machen,  daß 
ihn  jedermann  bewundern  werde.  Voller  Freude 
machte  er  die  Sache  mit  ihnen  ab. 

136 


Am  nächsten  Morgen  stand  er  früh  auf  und 
schickte  sein  ganzes  Gesinde  aufs  Feld  und  seine 
Frau  zu  ihrer  Mutter;  dann  setzte  er  sich  vors 
Haus,  um  die  Zigeunerinnen  zu  erwarten.  Um 
neun  Uhr  kamen  sie,  Sie  gingen  um  ihn  herum 
und  besprachen  ihn  und  redeten  ihm  ein,  er  werde 
noch  an  diesem  Tage  schön  wie  die  Sonne  wer- 
den, nur  müsse  er  ihre  Anordnungen  befolgen. 
Er  ließ  sich  täuschen  und  holte  ein  Faß,  das  sie 
ihm  gezeigt  hatten,  und  stellte  es  mitten  ins 
Zimmer;  sie  befahlen  ihm,  unter  dieses  Faß  zu 
kriechen,  worauf  sie  ihn  damit  bedecken  und 
dann  herumgehn  und  ihn  besprechen  würden. 

Als  er  ihnen  gehorcht  hatte  und  unter  dem 
Fasse  war,  legten  sie  noch  einige  schwere  Steine 
darauf;  dann  begannen  sie,  herumzugehn  und 
dabei  zu  murmeln.  Während  aber  einige  um  das 
Faß  herumgingen  und  ihre  Besprechungen  vor- 
nahmen, machten  die  andern  die  Kisten  und 
Kasten  auf  und  nahmen  alles,  was  sie  wollten, 
im  Zimmer  sowohl,  als  auch  in  der  Küche;  und 
dann  schlichen  sie  alle  leise  hinaus  und  liefen 
davon. 

Als  es  nun  völlig  still  geworden  war,  rief 
Nasreddin,  sie  sollten  das  Faß  aufheben  und  ihn 
herauslassen;  aber  vergebens:  es  meldete  sich 
niemand.  Und  seine  ganze  Stärke  nutzte  ihm 
nichts;  er  mußte  warten,  bis  jemand  nach  Hause 
kommen  werde.  Erst  in  der  Dämmerung  kamen 
die  Frau  und  die  andern  heim,  und  sie  hatten 
eine  schwere  Mühe,  daß  sie  die  Steine  vom  Fasse 
herunterbekamen;  und  sie  erstaunten,  wie  gründ- 
lich das  Haus  durchstöbert  und  ausgeplündert 
worden  war.     Nasreddin  war,  als  er  aus  seinem 

137 


Kerker  befreit  wurde,  schier  ohnmächtig,  weil  er 
nicht  Luft  genug  gehabt  und  den  ganzen  Tag 
nichts  gegessen  hatte. 

Im  Gesichte  war  er,  wie  er  gewesen  war,  und 
die  schönsten  Sachen  waren  gestohlen  und  weg- 
getragen, und  von  den  Zigeunerinnen  war  keine 
Spur  und  kein  Laut.  Jetzt  sah  er  ein,  daß  er 
samt  seiner  Schlauheit  der  Gefoppte  war. 


138 


VIII. 

Serbische  Überlieferungen 


Die  Frau  Nasreddins  bekam  einmal  einen  An-  456. 

fall  von  Schüttelfrost,  und  da  bat  sie  ihn, 
einen  Arzt  zu  holen;  er  sprang  sofort  auf  und 
ging.  Als  er  aber  schon  im  Flur  war,  rief  ihm 
die  Frau  aus  dem  Fenster  zu;  ,,Es  ist  nicht  mehr 
notwendig,  den  Arzt  zu  rufen;  ich  bin  nicht  mehr 
krank," 

Der  Hodscha  ging  jedoch  trotzdem  zu  dem 
Arzte  und  sagte  zu  ihm:  „Meine  Frau  ist  krank 
geworden  und  hat  mich  gebeten,  einen  Arzt  zu 
holen.  Als  ich  dann  schon  im  Flur  war,  hat  sie 
mir  zugerufen,  daß  sie  keines  Arztes  mehr  be- 
darf. Ich  bin  aber  trotzdem  gekommen,  um  dir 
zu  sagen,  daß  du  nicht  mehr  zu  kommen 
brauchst." 


ALs   die  Frau   des   Hodschas   Nasreddin   ge-  457. 

storben  war,  konnte  man  ihm  keine  Trauer 
anmerken.  Nach  einiger  Zeit  verendete  ihm  aber 
ein  Pferd,  und  das  machte  ihn  so  traurig,  daß  er 
längere  Zeit  nicht  aus  dem  Hause  ging. 

Da  kamen  die  Leute  zu  ihm  und  fragten  ihn, 
warum  ihm  um  das  Pferd  mehr  leid  sei,  als  um 
die  Frau,  und  er  antwortete  ihnen;  „Als  mir  die 
Frau  gestorben  ist,  sind  die  Nachbarn  gekommen 
und  haben  mir  Trost  zugesprochen:  ,Freund, 
mach  dir  nichts  daraus,  daß  deine  Frau  tot  ist; 
wir  werden  dir  eine  bessere  und  schönere  finden', 
und  was  weiß  ich  noch.  Seit  mir  aber  mein 
Pferd  fehlt,  ist  noch  niemand  gekommen,  der  mir 
gesagt  hätte,  er  werde  mir  ein  bessers  Pferd 
verschaffen.  Drum  ist  mir  um  mein  Pferd  mehr 
leid  als  um  meine  Frau." 

141 


458.  "pines  Tages  wurde  der  Hodscha  Nasreddin 
Ca  auf  dem  Wege  von  Räubern  angefallen;  sie 
nahmen  ihm  sein  Pferd,  seine  Kleider  imd  sein 
Geld  und  dann  begannen  sie  ihn  zu  schlagen. 

„Warum  schlagt  ihr  mich?"  fragte  sie  Nasr- 
eddin; „ich  habe  wohl  zu  wenig  Geld  bei  mir, 
oder  ihr  habt  etwa  zu  lange  auf  mich  warten 
müssen?" 

459.  Tpinmal  fiel  Nasreddin  in  eine  Kotlache  imd 
±lä  bemühte  sich  vergebens  herauszukommen. 
Schließlich  sprach  er  bei  sich:  „Ich  werde  da  nie 
herauskommen  können,  wenn  ich  mich  nicht  bei 
den  Haaren  packe  und  mich  herausziehe." 

460.  "C*  Ines  Nachts  wurde  Nasreddin  von  seiner  Frau 
Xlä  aus  dem  tiefsten  Schlafe  geweckt,  imd  sie 
sagte  zu  ihm:  „Das  Kind  weint  schon  seit  einer 
Stunde.  Wiege  es  ein  wenig;  eine  Hälfte  des 
Kindes  gehört  doch  dir." 

„Meine  Hälfte  soll  weiter  weinen,"  antwortete 
Nasreddin;  „wiege  du  nur  deine  Hälfte."  Damit 
kehrte  er  sich  zur  Wand  und  schlief  ein. 

461.  "KT Asr eddin  begegnete  einmal  einem  Freunde, 
IN  den  er  schon  lange  nicht  gesehn  hatte,  und 
der  fragte  ihn  im  Gespräche:  „Wie  gehts  dir  denn 
jetzt?" 

Nasreddin  antwortete:  „Nun,  ganz  gut;  mein 
ganzes  Geld  steckt  in  Getreide,  was  ich  an  Ge- 
treide habe,  steckt  in  Mehl,  was  ich  an  Mehl 
habe,  steckt  in  Brot,  und  was  ich  an  Brot  habe, 
ist  alles  in  meinem  Bauche." 

142 


ALs  der  Hodscha  Nasreddin  eines  Tages  in  462. 

der  Moschee  auf  die  Kanzel  stieg,  richtete 
einer,  in  der  Meinung,  der  Hodscha  werde  ant- 
worten können,  eine  Frage  an  ihn;  aber  Nasreddin 
antwortete  ihm,  daß  er  es  nicht  wisse.  Darauf 
sagte  der  Fragesteller:  „Wenn  du  das  nicht 
weißt,  warum  bist  du  dann  so  hoch  hinauf- 
gestiegen?" 

Und  Nasreddin  gab  ihm  zur  Antwort:  „Ich 
bin  so  hoch  hinaufgestiegen  nach  dem  Maße 
dessen,  was  ich  weiß;  sollte  ich  aber  nach  dem 
hinaufsteigen,  was  ich  nicht  weiß,  dann,  Bruder, 
würde  ich  bis  in  den  Himmel  kommen." 

Eines  Nachts  hatte  der  Hodscha  einen  wunder-  463. 

baren  Traum,  und  am  Morgen  ging  er  sofort 
zum  Kadi.  Auf  dessen  Frage,  warum  er  ge- 
kommen sei,  antwortete  er:  ,,Ich  habe  heute 
Nacht  einen  wunderbaren  Traum  gehabt." 

„Ists  möglich?  ists  möglich?"  staunte  der 
Kadi;  „was  hast  du  denn  geträumt?" 

„Mir  hat  geträumt,  daß  du  und  ich  unsere 
Häuser  getauscht  haben,  und  ich  habe  dir  hundert 
Asper  aufgezahlt.  Da  nun  heute  alles  verkehrt 
zu  verstehn  ist,  so  bleibt  mir  mein  Haus  und  dir 
das  deine,  und  ich  bitte  dich,  daß  du  mir  die 
hundert  Asper  gibst." 

Einmal  pflanzte  der  Hodscha  Zwiebeln,  und  da  464. 

bespuckte  er  jede  Knolle,  bevor  er  sie  in  die 
Erde  steckte.  Als  man  ihn  fragte,  warum  er  das 
mache,  antwortete  er:  „Nun,  ich  begieße  sie,  und 
das  bekommen  sie  von  mir  mit;  das  übrige  sollen 
sie  vom  Herrgott  verlangen." 

143 


465.  T^^'*  Hodscha  ging  einmal  ins  Dorf  zu  einem 
JL^  Freunde  und  saß  bei  ihm  von  Mittag  bis 
Mitternacht;  niemand  kümmerte  sich  dort  um 
ihn,  und  nicht  das  geringste  wurde  ihm  angeboten. 
Da  fing  er  zu  gähnen  an  und  setzte  das  so  lange 
fort,  bis  ihn  sein  Freund  fragte:  ,,Hodscha,  woher 
kommt  das  Gähnen?" 

„Es  sind  da  zwei  Ursachen,"  antwortete  Nasr- 
eddin;  „die  eine  ist  der  Hunger,  die  andere  ist  die 
Schläfrigkeit;  aber  schläfrig  bin  ich  nicht," 

466.  Tl^^  Hodscha  wurde  gefragt:  ,,Was  wünschst 
J«y  du  deiner  Frau?" 

„Wenn  sie  krank  werden  sollte,  so  gebe  Gott, 
daß  ich  statt  ihrer  erkrankte;  aber  wenn  die  Zeit 
kommt,  daß  ich  sterben  soll,  so  gebe  Gott,  daß  sie 
statt  meiner  sterbe," 

467.  "^TAsreddin  hatte  eine  Tür  inmitten  des  Feldes 
1  1  gebaut,  so  daß  er  sie  von  seinem  Hause  sehn 
konnte;  den  Schlüssel  verwahrte  er  zu  Hause. 
Seine  Frau  fragte  ihn,  was  das  für  ein  Schlüssel 
sei,  und  er  sagte,  was  er  gemacht  hatte,  und  fuhr 
fort:  „Ich  habe  diese  Tür  gebaut,  um  die  ehr- 
lichen Leute  von  den  unehrlichen  unterscheiden 
zu  können;  die  guten  werden  von  weitem  herum- 
gehn,  die  schlechten  aber  werden  geradewegs  auf 
die  Tür  zugehn," 

Einige  Tage  später  sah  Nasreddin,  daß  neun 
Leute  feldein  auf  die  Tür  zuschritten.  Er  ging 
sofort  zu  ihnen  und  fragte  sie:  „Wohin,  Leute?" 

„Wir  haben  Geschäfte,"  antworteten  sie;  „was 
gehts  dich  übrigens  an,  daß  du  es  wissen  mußt?" 

„Ihr  seid  Diebe  und  geht  stehlen,"  antwortete 

144 


ihnen  Nasrcddin.  „Nehmt  mich  auf  in  euere 
Gesellschaft;  sonst  werde  ich  euch  als  Diebe 
angeben," 

Nun  waren  die  Leute  wirklich  Diebe,  und  sie 
waren  sehr  erstaunt,  daß  der  Hodscha  die  Wahr- 
heit erraten  hatte;  sie  sagten  zu  ihm:  ,,Es  ist  so; 
wir  sehn,  du  weißt,  was  die  Leute  denken  und  wo- 
mit sie  sich  beschäftigen.  Komm  also  mit  uns, 
wir  wollen  unser  zehn  sein." 

Als  sie  ins  nächste  Dorf  kamen,  sahen  sie  eine 
Hirtin  mit  ihrer  Schafherde;  sie  schlichen  sich 
näher  heran  und  Nasreddin  sagte  zu  seinen  Ge- 
sellen: „Geht  ihr  ein  bißchen  in  den  Wald  und  ich 
will  zu  diesem  Mädchen  gehn  und  ihr  einige 
hübsche  Geschichten  erzählen;  und  wenn  ich  ihr 
mit  dem  Finger  die  Sonne  zeige,  so  kommt  rasch 
hervor  und  treibt  die  Schafe  weg," 

Gesagt,  getan.  Als  Nasreddin  sah,  daß  die 
Diebe  zehn  Schafe  weggetrieben  hatten,  sagte  er 
zu  der  Hirtin:  „Gott  befohlen,  Kind;  ich  muß  zu 
meinen  Gesellen  eilen," 

Er  holte  sie  erst  in  der  Nähe  seines  Hauses 
ein,  und  seine  erste  Frage  war:  „Wie  werden  wir 
jetzt  diese  zehn  Schafe  verteilen?" 

„Herr,"  sagten  die  Diebe,  „du  bist  der  älteste 
von  uns  und  der  gescheiteste  und  der  gerechteste; 
und  wie  du  sie  verteilst,  werden  wir  zufrieden 
sein." 

„Wenn  es  so  ist,"  sagte  Nasreddin,  „so  mag 
Gott  helfen.  Wir  sind  unser  zehn,  und  Schafe 
sind  auch  zehn;  ihr  seid  euer  neun.  Nehmt  ihr 
ein  Schaf,  so  werdet  ihr  euer  zehn  sein;  ich  werde 
die  andern  neun  nehmen,  und  so  werden  wir 
auch  zehn  sein," 

Nasreddin,   II.  10  145 


468. 


Da  sagte  einer  von  den  Dieben:  ,,Du  Kerl  von 
einem  Hodscha,  das  ist  nicht  gerecht." 

„Wenn  es  euch  nicht  recht  ist,"  antwortete 
Nasreddin,  „so  verklagt  mich  beim  Kadi;  ich 
werde  ihm  den  ganzen  Hergang  erzählen,  und  er 
soll  nach  dem  kaiserlichen  Gesetze  und  dem  gött- 
lichen Rechte  erkennen." 


E] 
Monat  Ramasan  in  einem  Dorfe  den  Vor- 
beter; als  der  Ramasan  zu  Ende  war,  zahlten 
ihn  die  Bauern  gut  und  er  kehrte  nach  Hause 
zurück.  Unterwegs  begegnete  er  einem  Räuber 
zu  Pferde  und  der  sagte  zu  ihm:  „Eh,  Hodscha, 
du  hast  viel  Geld  zusammengebracht.  Teil  es  mit 
mir;  für  dich  ist  es  zu  viel," 

Nasreddin  begann  ihn  zu  bitten,  er  möge  ihn 
ruhig  ziehen  lassen,  aber  es  half  ihm  nichts. 
Während  nun  der  Räuber  vom  Pferde  stieg, 
bückte  sich  der  Hodscha  rasch,  nahm  einen  Stein 
und  wickelte  ihn  in  sein  Tuch;  dann  sagte  er: 
„Wenn  es  denn  nicht  anders  geht,  da  ist  das 
Geld.  Aber  du  mußt  wissen,  daß  mir  darum  so 
leid  ist,  daß  ich  nicht  imstande  bin,  dirs  mit  der 
eigenen  Hand  zu  geben;  ich  werde  es  auf  die 
Wiese  dort  werfen  und  werde  weggehn,  und  du 
gehst  hin  und  nimmst  es." 

Der  Räuber  war  einverstanden ,  und  Nasr- 
eddin warf  den  eingewickelten  Stein  weit  von 
sich.  Voller  Habgier  lief  der  Räuber  hin,  ohne 
auf  Nasreddin  zu  achten;  der  aber  stieg  auf  das 
Pferd  und  ritt  davon. 


146 


Einmal  wurde  Nasreddin  von  einem,   dem  er  469. 

zweihundert  Groschen  schuldig  war,  geklagt, 
weil  er  nichts  zahlte.  Als  ihn  der  Kadi  fragte, 
ob  er  ihm  das  Geld  schuldig  sei  und  warum  er  ihn 
nicht  zahle,  antwortete  Nasreddin:  „Es  ist  wahr, 
ich  bin  ihm  zweihundert  Groschen  schuldig;  aber 
es  sind  schon  mehr  als  vier  Jahre  her,  daß  ich  ihn 
um  drei  Monate  Frist  gebeten  habe,  um  das  Geld 
aufzubringen.  Er  hat  mir  die  Frist  nicht  be- 
willigt; wenn  er  mir  aber  keine  Frist  geben  will, 
wie  soll  ich  das  Geld  zusammenbringen?" 


NAsreddin  stand  einmal  um  Mitternacht  auf,  470. 

ging  vors  Haus  und  begann  zu  krähen.  Die 
Nachbarn,  die  das  hörten,  fragten  ihn  um  den 
Grund,  und  er  antwortete  ihnen:  „Ich  habe  heute 
viel  Arbeit,  und  ich  möchte  gern,  daß  es  früher 
Tag  wird." 


DEr  Hodscha  wurde  einmal  gefragt,  wie  alt  er  471i 

sei,  und  er  sagte:  „Vierzig."  Als  man  ihn 
nach  einigen  Jahren  wieder  fragte,  wie  alt  er  sei, 
antwortete  er  wieder:  „Vierzig."  Die  Leute  be- 
gannen zu  lachen  und  sagten  zu  ihm:  „Hast  du 
uns  nicht  schon  vor  ein  paar  Jahren  gesagt,  du 
seist  vierzig?  und  jetzt  sagst  du  wieder  vierzig." 
,, Begreift  ihr  denn  nicht,"  antwortete  der 
Hodscha,  ,,daß  ein  ehrlicher  Mensch  immer  bei 
dem  bleiben  muß,  was  er  gesagt  hat?  Wenn  ich 
euch  jetzt  sage,  daß  ich  einen  Gott  habe,  wie  kann 
ich  denn  dann  ein  paar  Jahre  später  sagen,  daß 
ich  mehrere  hätte?" 

10*  147 


472.  Ij^In  Bauer  sagte  eines  Tages  zu  seinem  Sohne, 

XZtf  er  solle  heiraten,  „Gut,"  sagte  der  Sohn, 
„die  Gelegenheit  ist  sowieso  günstig;  in  unserm 
Dorfe  ist  ein  Mädchen,  ist  eine  Witwe  und  ist 
eine  geschiedene  Frau.  Jetzt  mußt  du  mir  raten, 
welche  ich  nehmen  soll." 

,,Ich  kann  dir  da  nicht  raten,"  antwortete  ihm 
der  Vater;  ,,aber  in  der  Stadt  habe  ich  einen 
Freund,  der  wird  dir  raten," 

Der  Bursche  ging  in  die  Stadt;  als  er  zu  dem 
Freunde  gekommen  war,  erzählte  er  ihm  alles. 
Der  jedoch  antwortete  ihm:  „Ich  kann  dir  auch 
nicht  raten;  aber  hier  in  der  Stadt  lebt  Nasreddin: 
such  ihn  auf,  er  wird  dir  raten," 

Der  Bursche  suchte  Nasreddin  überall,  ohne 
daß  ihm  jemand  hätte  sagen  können,  wo  er  ihn 
finden  werde,  bis  er  auf  einmal  eine  Schar  Kinder 
traf,  die  Pferdchen  spielten;  er  fragte  eines  von 
den  Kindern,  wo  Nasreddin  sei,  und  dieses  ant- 
wortete: „Ich  bin  es,"  Da  der  Bursche  sah,  daß 
ihm  nichts  andres  übrig  blieb,  erzählte  er  dem 
Knaben  alles.  Und  dieser  sagte  zu  ihm:  „Wenn 
du  das  Mädchen  nimmst,  so  weißt  es  du;  wenn 
du  die  Witwe  nimmst,  so  weiß  es  sie."  Als  aber 
der  Bursche  die  geschiedene  Frau  erwähnte,  da 
schlug  ihn  der  Knabe  mit  der  Peitsche  über  die 
Beine  und  ging  wieder  Pferdchen  spielen. 

Ärgerlich  kehrte  der  Bursche  zu  dem  Freunde 
seines  Vaters  zurück  und  sagte  zu  ihm:  „Mein 
Vater  hat  mich  nicht  zu  dir  geschickt,  damit  du 
mich  zu  den  Kindern  schickst,  sondern  er  hat 
mich  zu  dir  geschickt,  damit  du  mir  rätst."  Und 
er  erzählte  ihm,  was  ihm  Nasreddin  gesagt  hatte. 

„Nun,  er  hat  dir  gut  geraten,"  sagte  darauf 

148 


der  Freund;  „wenn  du  das  Mädchen  nimmst, 
wirst  du  ihr  befehlen,  und  wenn  du  die  Witwe 
nimmst,  so  wird  sie  dir  befehlen.  Und  daß  er 
dich  mit  der  Peitsche  über  die  Beine  geschlagen 
hat,  damit  hat  er  sagen  wollen:  Vor  einer  Ge- 
schiedenen lauf  wie  vor  dem  Teufel!" 


DEr  Hodscha  wollte  sich  eines  Tages  rasieren  47Z. 

lassen,  kam  aber  an  einen  ungeschickten 
Barbier,  der  ihn  bei  jedem  Striche  mit  dem 
Messer  ein  wenig  verletzte.  Nasreddin  litt  arge 
Qualen:  die  Tränen  rannen  ihm  übers  Gesicht 
und  aus  seinen  Augen  sprühten  Funken.  Unter- 
dessen hörte  man  draußen  einen  Lärm,  und  Nasr- 
eddin fragte  den  Barbier,  was  das  für  ein 
Lärm  sei. 

Der  Barbier  schaute  hinaus  und  sagte  zu  ihm: 
„In  der  Nähe  ist  ein  Schmied  und  der  beschlägt 
eben  ein  Pferd." 

„Ach,"  antwortete  Nasreddin,  „ich  dachte, 
es  wird  einer  rasiert," 

NAsreddin    hatte    auf     dem     Markte     einige  414. 

Sachen  gekauft  und  nahm  einen  Träger,  der 
sie  ihm  nach  Hause  tragen  sollte.  Unterwegs 
verlor  er  den  Träger;  er  suchte  ihn  den  ganzen 
Tag,  konnte  ihn  aber  nicht  finden. 

Als  er  nun  nach  zehn  Tagen  mit  zwei  Freun- 
den über  die  Straße  ging,  kam  ihnen  der  Träger 
entgegen.  Kaum  sah  ihn  Nasreddin,  so  lief  er  in 
eine  Nebenstraße;  seine  Freunde  liefen  ihm  nach 
und  riefen  ihm  zu:  „Warum  läufst  du?  Hier 
kommt  doch  der  Träger,  dem  du  neulich  deine 

149 


Sachen  übergeben  hast;  er  muß  ja  vor  dir  laufen, 
und  nicht  du  vor  ihm." 

Nasreddin  antwortete:  „Ich  laufe  vor  ihm 
weg,  weil  er  von  mir  den  Lohn  verlangen  kann, 
daß  er  meine  Sachen  zehn  Tage  lang  herum- 
getragen hat,  und  das  würde  mehr  ausmachen, 
als  alles  zusammen  wert  ist.  Dann  wäre  ja  die 
Suppe  teuerer  als  die  Schüssel." 

475.  T^^^  Hodscha  hatte  einen  bösen  Nachbar,  mit 
J_y  dem  er  Haus  an  Haus  unter  einunddem- 
selben  Dache  wohnte.  Da  er  mit  ihm  immer  im 
Streite  lebte,  gedachte  er  ihms  einmal  heimzu- 
zahlen; er  zündete  sein  Haus  an,  damit  so  auch 
das  des  Nachbars  verbrenne,  und  lief  aus  der 
Stadt,  damit  nicht  der  Verdacht  auf  ihn  falle. 

Als  dann  beide  Häuser  brannten,  sammelte 
sich  eine  große  Volksmenge  an;  aber  anstatt  das 
Feuer  zu  löschen,  schleppten  sie  aus  beiden  Häu- 
sern fort,  was  jeder  tragen  konnte.  Die  Leute 
sagten  es  Nasreddin,  daß  sein  Haus  brenne,  er 
jedoch  antwortete  kaltblütig:  „Schade,  daß  ich 
nicht  zu  Hause  war;  ich  hätte  auch  etwas  packen 
können.  Weil  ich  aber  nun  beim  Stehlen  nicht 
dabei  sein  konnte,  will  ich  mich  jetzt  wenigstens 
etwas  wärmen  hingehn." 

476.  T^Inmal  kam  Nasreddin  zu  einem  Freunde  auf 
JLtf  dem  Dorfe,  um  bei  ihm  zu  übernachten,  und 
er  war  sehr  hungrig.  Der  Freund  war  sehr  arm, 
und  an  Speisen  war  nichts  vorhanden  als  ein  ge- 
sottener Kürbis ,  der  gerade  vom  Feuer  weg- 
genommen worden  war.  Nasreddin  sagte:  „Gebt 
her,  was  da  ist;  ich  falle  vor  Hunger  um." 

150 


Man  legte  den  Kürbis  auf  einen  Teller  und 
setzte  ihm  ihn  vor;  Nasreddin  langte  zu  und 
steckte  eine  Handvoll  in  den  Mund;  aber  der 
Kürbis  vi^ar  so  heiß,  daß  er  ihm  Zunge  und  Mund 
verbrannte,  und  Nasreddin  mußte  alles  aus- 
spucken. Nun  fragte  er:  „Was  ist  das,  um  Gottes- 
willen?" und  sie  antworteten  ihm:  ,,Das  ist 
Kürbis,  Herr." 

Am  nächsten  Morgen  zog  Nasreddin  weiter. 
Unterwegs  sah  er  an  einem  Zaune  etliche  Kür- 
bisse hängen,  und  fragte  seinen  Führer:  „Was  ist 
das?"    „Kürbis,  Herr,"  antwortete  der  Führer. 

Da  hielt  Nasreddin  sein  Pferd  an,  blies  auf  die 
Kürbisse,  was  er  nur  konnte,  und  sagte:  „Pfui, 
Gott  vernichte  dich,  du  Unglückszeug!" 

DEr  Hodscha  Nasreddin  unterwies  stets  seine  411. 

Schüler,  wie  sie  sich  gegen  ältere  Leute  zu 
benehmen  hätten,  und  lehrte  sie  unter  anderm, 
daß  sie,  wenn  einer  niese,  in  die  Hände  klatschen 
und  „Zum  Wohlsein"  sagen  sollten.  Die  Schüler 
gehorchten  ihm  und  taten  immer  so,  wann  er  oder 
ein  anderer  älterer  nieste. 

Eines  Tages  fiel  nun  Nasreddin  unglücklicher- 
weise in  einen  Brunnen  und  begann  um  Hilfe  zu 
schreien.  Die  Schüler  kamen  schnell  hinzu- 
gelaufen und  ließen  ein  Seil  hinab;  er  packte  das 
Seil  und  sie  zogen  ihn  herauf.  Schon  hätten  sie 
nur  noch  einen  Ruck  zu  tun  gehabt,  daß  der 
Hodscha  seiner  schlimmen  Lage  ledig  gewesen 
wäre,  da  nieste  er,  naß  und  erkältet,  wie  er  war. 
Sie  ließen  das  Seil  los,  klatschten  in  die  Hände 
und  riefen,  wie  aus  einem  Munde:  „Zum  Wohl- 
sein!" 

151 


Und  der  arme  Hodscha  plumpste  wieder  in 
den  Brunnen  hinunter, 

478.  "TVEr  Hodscha  wurde  gefragt:  „Wann  wird  das 

J-/  Gebären  und  Sterben  aufhören?" 

Er  antwortete;  „Wann  Paradies  und  Hölle 
voll  sein  werden." 


479.  TM  Schreiben  war  der  Hodscha  nie  recht  ge- 

X  schickt  gewesen.  Er  las  und  schrieb  zwar  ein 
wenig,  aber  was  er  wußte,  hatte  er  nicht  aus  dem 
Buche,  sondern  das  machte  seine  natürliche  Be- 
gabung; und  es  war  auch  eine  Zeit,  wo  er  gar 
nichts  geschriebenes  lesen  konnte,  weil  er  es  erst 
lernte.  Gerade  damals  brachten  ihm  nun  die 
Bauern  einen  Bescheid  des  Kadis,  damit  er  ihnen 
vorlese,  was  drinnen  stehe.  Er  nahm  den  Be- 
scheid und  betrachtete  ihn  lange;  da  er  aber  seine 
Unwissenheit  vor  den  Bauern  nicht  eingestehn 
wollte,  so  sagte  er:  ,,Also  seht  einmal,  Leute,  was 
euch  der  Kadi  schreibt.  Diese  langen  Buch- 
staben sagen,  daß  ihr  ihm  Heu  bringen  sollt,  und 
diese  runden  sprechen  von  Eiern,  Da  ihr  dem- 
nach wißt,  was  der  Kadi  schreibt,  so  bringt  ihm 
Heu  und  einige  Hundert  Eier." 

Die  Bauern  taten  dies,  und  der  Kadi  nahm 
alles  und  schwieg. 

Wieder  brachten  die  Bauern  dem  Hodscha 
einen  Bescheid  des  Kadis  und  baten  ihn,  ihn 
ihnen  vorzulesen.  Er  nahm  die  Schrift  und  sagte 
zu  ihnen,  als  er  die  langen  und  die  runden  Buch- 
staben gesehn  hatte:  ,, Bringt  dem  Kadi  Holz  und 
viel  weiße  Zwiebeln," 

Die  Bauern  brachten  auch  das,  und  der  Kadi 

152 


war  zufrieden.  Er  nahm  alles  und  fragte  sie: 
„Wer  hat  euch  denn  den  Bescheid  vorgelesen?" 
Und  sie  sagten,  daß  es  der  Hodscha  Nasreddin 
gewesen  sei. 

Der  Kadi  ließ  den  Hodscha  rufen  und  fragte 
ihn:  „Verstehst  du  denn  etwas  von  der  Schrift?" 

„Nein,  ehrenwerter  Kadi,"  antwortete  der 
Hodscha. 

„O  ja,"  sagte  wieder  der  Kadi,  „du  verstehst 
dich  besser  darauf  als  ich  selber,  da  du  so  schön 
lesen  kannst." 

Einmal    hatte    der    Hodscha    sein   Haus    aus-  480. 

gebessert,  und  es  blieb  ihm  vor  dem  Hause 
ein  Haufen  Erde  liegen.  Als  er  nun  von  den 
Nachbarn  gefragt  wurde,  wohin  er  diese  Erde 
schaffen  werde,  antwortete  er:  ,, Nichts  leichter 
als  das;  ich  werde  eine  Grube  machen  und  sie 
hineinwerfen." 

„Und  was  wirst  du  denn  mit  der  Erde  aus 
dieser  Grube  tun?" 

„Ach,  an  eine  so  ferne  Zukunft  denke  ich 
überhaupt  nicht." 

Einmal  ging  Nasreddin  nach  Skutari.     In  der  481. 

Nähe  der  Stadt  sah  er  etliche  Kinder,  die 
miteinander  spielten.  Er  trat  zu  ihnen  und  sie 
sammelten  sich  um  ihn  und  fragten  ihn:  „Wohin, 
Herr?" 

„In  die  Stadt  da,"  antwortete  Nasreddin. 
„Aber  wißt  ihr,  Kinder,  sagt  mir,  was  ich  auf  dem 
Markte  kaufen  soll,  daß  ich  satt  werde  und  dabei 
mein  Geld  behalte?" 

Die  Kinder  antworteten  ihm:   „Da  mußt  du, 

153 


Herr,  ins  Schlachthaus  gehn,  und  dort  kaufst  du 
Ochsengedärm:  das,  was  drinnen  ist,  ißt  du  und 
dann  wäschst  du  die  Därme  gut  aus  und  ver- 
kaufst sie.  So  kannst  du  dich  ordentlich  satt 
essen  und  bekommst  noch  Geld  heraus." 

Als  der  Hodscha  hörte,  was  die  Kinder 
sagten,  dachte  er:  Wahrhaftig,  mir  blüht  in  Sku- 
tari  kein  Weizen;  wenn  schon  die  Kinder  so  sind, 
wie  werden  erst  die  Erwachsenen  sein!  Es  ist 
besser,  ich  mache  mich  davon. 

Und  damit  ging  er. 

482.  l^  Inmal  kam  ein  Türke  zum  Hodscha  Nasreddin 

Ca  und  bat  ihn,  ihm  einen  Brief  zu  schreiben;  er 
wolle  ihm  gerne  zahlen,  was  man  gewöhnlich  für 
einen  Brief  bezahle.  Der  Hodscha  sagte:  „Wem 
willst  du  den  Brief  schreiben  lassen  und  wohin?" 

,, Meinem  Sohne  in  Stambul,"  antwortete  der 
Türke. 

Nasreddin  fragte  wieder:  „Und  welchen  Preis 
soll  ich  dir  für  den  Brief  machen?  ich  habe  näm- 
lich drei  Preise:  billig,  teuer  und  noch  teuerer." 

„Du  weißt,  Hodscha,  daß  ich  ein  armer  Mann 
bin;  ich  kann  nicht  viel  zahlen:  mach  mir  also  den 
billigsten  Preis,  der  überhaupt  möglich  ist." 

„Also,  Freund,"  antwortete  Nasreddin,  „der 
billigste  ist,  wenn  ich  dir  den  Brief  schreibe  und 
du  ihn  nach  Stambul  trägst  und  dann  deinem 
Sohne  sagst,  was  du  ihm  geschrieben  hast-  Den 
teuerem  Brief,  wenn  ich  den  geschrieben  habe 
und  wenn  er  trocken  ist,  den  kann  ich  selber  nicht 
lesen.  Am  teuersten  aber  ist  es,  wenn  ich  den 
Brief  schreibe  und  ihn  selbst  nach  Stambul  trage 
und  ihn  dort  vorlese;   denn  meine  Schrift  kann 

154 


außer  mir  niemand  lesen,  nicht  einmal  die  Stam- 
buler  Gelehrten  alle  miteinander  samt  dem 
Scheich  ul  Islam." 

DEr  Hodscha  war  mit  dem  Kadi  befreundet  483. 

und  ging  ihn  öfter  besuchen,  um  mit  ihm  zu 
plaudern.  Eines  Tages  ritt  er  wieder  ins  Ge- 
richtshaus; das  Pferd  band  er  vor  dem  Hause  an 
und  er  ging  zum  Kadi  hinein. 

Während  er  beim  Kadi  saß  und  mit  ihm 
sprach,  wurde  ein  Mensch  vorgeführt,  und  der 
wurde  überwiesen,  daß  er  ein  falsches  Zeugnis 
abgelegt  hatte.  Zu  jener  Zeit  war  für  solche 
Verbrecher  als  Strafe  festgesetzt,  daß  sie  ver- 
kehrt auf  einem  Pferde  sitzend  durch  die  ganze 
Stadt  geführt  wurden.  Da  nun  gerade  das  Pferd 
Nasreddins  dawar,  wurde  diese  Strafe  auf  seinem 
Pferde  vollzogen. 

Ein  paar  Tage  später  wurde  der  Mensch 
wieder  wegen  eines  falschen  Zeugnisses  ergriffen 
und  mußte  wieder  zu  Pferde  durch  die  Stadt  ge- 
führt werden.  Und  da  sie  bei  Gericht  kein  Pferd 
zur  Hand  hatten,  liefen  sie  zum  Hodscha  und  ver- 
langten sein  Pferd. 

Aber  er  anwortete  ihnen:  „Ich  gebe  mein 
Pferd  nicht  her;  sagt  lieber  dem  Kerl,  er  soll 
entweder  dieses  Handwerk  aufgeben  oder  sich 
selber  ein  Pferd  kaufen,  damit  er  darauf  reiten 
kann,  wenn  er  etwas  anstellt." 

DEr    Hodscha    trug    einmal    Getreide    in    die  484. 

Mühle,  und  seine  Frau  hatte  ihm  den  Sack 
mit  dem  Getreide  zugebunden.     Unterwegs  ging 

155 


der  Sack  auf,  und  er  mußte  ihn  bis  zur  Mühle 
zehnmal  neu  zubinden. 

Als  er  nach  Hause  zurückkam,  machte  er 
seine  Frau  tüchtig  herunter  und  sagte  zu  ihr: 
„Wie  hast  du  denn  den  Sack  zugebunden?  ich 
habe  vielleicht  zehnmal  stehn  bleiben  müssen,  um 
ihn  zuzubinden." 

^^'  "pines  Tages  pflanzte  der  Hodscha  Weinreben; 

JCrf  ein  Spaßvogel,  der  vorüberging,  grüßte  ihn: 
„Guten  Morgen,  Hodscha!    Bist  du  schon  müde?" 

„Gott  segne  dich!"  anwortete  der  Hodscha; 
„ich  bin  noch  nicht  müde." 

,,Was  machst  du  denn  da?" 

„Weinreben  pflanze  ich;  siehst  du  das  nicht?" 

,,Aber  wann  wirst  du  von  ihnen  Trauben  be- 
kommen?" 

„Wenn  Gott  das  Glück  gibt,  in  drei  Jahren." 

,,Ja,  warum  pflanzst  du  sie  denn  dann  jetzt, 
warum  nicht  erst  im  dritten  Jahre?  Bist  du  denn 
verrückt?"  Mit  diesen  Worten  ging  der  andere 
weg  und  Nasreddin  setzte  sich  nieder  und  begann 
zu  überlegen;  Es  ist  wahr:  er  ist  ein  gescheiter 
Mensch;  er  hat  recht  mit  dem,  was  er  sagt.  Da- 
mit warf  er  den  Karst  über  die  Schulter  und 
machte  sich  auf  den  Heimweg. 

Als  seine  Frau  sah,  daß  der  Hodscha  so  rasch 
wieder  nach  Hause  kam,  fragte  sie  ihn:  „Was 
gibts  denn?  warum  kommst  du  so  bald  schon  zu- 
rück?" 

Und  er  erzählte  ihr,  wie  es  war,  und  fuhr  fort: 
, (Segen  über  ihn,  über  diesen  klugen  Mann!  ich 
hätte  mich  meiner  Seele  nicht  darauf  besonnen, 
daß  es  eine  richtige  Dummheit  ist,  heuer  Wein- 

156 


Stöcke  zu  pflanzen  und  erst  nach   drei   Jahren  - 
Trauben  zu  verkosten!" 

DEr   Hodscha   war   bei   regnerischem   Wetter  486. 

über  Land  gewesen.  Als  er  heimkam,  zog 
ihm  seine  Frau  die  Schuhe  aus  und  hängte  sie 
zum  Feuer,  damit  sie  trocken  würden;  er  aber 
stand  auf  und  sagte:  „Bist  du  dumm!  Warum 
tust  du  die  Schuhe  zum  Feuer,  damit  sie  ver- 
brennen? Trag  sie  lieber  vors  Haus  in  den 
Mondschein;  es  ist  ja  draußen  wie  bei  Tage," 

Die  Frau  gehorchte  ihm  und  hängte  die 
Schuhe  vors  Haus,  Als  sie  sie  dann  am  Morgen 
hereinholte,  und  als  er  bemerkte,  daß  sie  von  der 
Winterkälte  und  dem  Winde  steif  geworden 
waren,  sagte  er:  „Siehst  du  jetzt,  um  wie  viel  der 
Mond  besser  trocknet  als  das  Feuer?  ich  ver- 
wundere mich  auch  gar  nicht,  daß  er  sie  getrock- 
net, ja  sogar  geradezu  ausgedörrt  hat!" 


157 


Griechische  Überiieferungen 


Eines    Tages    nahm    der    Hodscha    Nasreddin  487. 

seinen  Esel  beim  Zaume  und  zog  ihn  so 
hinter  sich  her.  Einige  Gassenjungen,  die  das 
sahen,  beschlossen,  den  Esel  zu  stehlen,  ohne  daß 
der  Hodscha  etwas  davon  merkte,  und  einer  von 
ihnen  sagte  zu  seinen  Kameraden:  ,,Ich  will  die 
Sache  durchführen;  ihr  müßt  aber  mit  dem  Esel 
sofort,  wann  ihr  ihn  habt,  auf  den  Markt  gehn 
und  ihn  verkaufen."  Und  so  liefen  sie  dem  Hod- 
scha nach. 

Nach  einem  kleinen  Stück  Weges  nahm  der 
Knabe  dem  Esel  den  Zaum  ab,  legte  sich  ihn 
selber  um  und  lief  so,  mit  dem  Zaume  um  den 
Kopf,  hinter  dem  Hodscha  her;  unterdessen  nah- 
men die  andern  den  Esel  und  brachten  ihn  auf 
den  Markt,  um  ihn  zu  verkaufen. 

Nach  einer  Weile  sah  sich  der  Hodscha  um, 
und  da  sah  er,  daß  er  anstatt  eines  Esels  einen 
Menschen  angehalftert  führte.  „Wer  bist  du?" 
fragte  er  ihn.  „Ich  bin  dein  Esel,"  sagte  der 
Gassenjunge,  „und  bevor  ich  ein  Esel  geworden 
bin,  war  ich  ein  Mensch;  weil  ich  aber  eines  Tages 
meinen  Eltern  Kummer  bereitet  habe,  haben  sie 
mich  verflucht  und  ich  bin  ein  Esel  geworden. 
Zuerst  hat  man  mich  an  einen  Bäcker  verkauft, 
dann  an  einen  Gärtner,  und  zum  Schlüsse  habt 
Ihr  mich  gekauft.  Eben  jetzt,  als  Ihr  mich  hinter 
Euch  herzogt,  haben  mich  meine  Eltern  auf  der 
Straße  gesehn;  sie  hatten  Mitleid  mit  mir  und 
baten  Gott  und,  siehe  da,  auf  einmal  bin  ich 
wieder  ein  Mensch  geworden!" 

Verdutzt  griff  der  Hodscha  in  seinen  Bart  und 
sagte  nach  einer  kurzen  Überlegung:  „Was  du  da 
sagst,  ist  ja  nicht  unglaublich,  wenn  es  auch  nicht 

Nasreddin,   II.  H  if.i 


gerade  mich  hätte  treffen  müssen.  Geh  also,  mein 
Kind,  und  betrübe  deine  Eltern  künftighin  nicht 
mehr,"    Und  damit  entließ  er  ihn. 

Da  er  aber  ohne  Esel  nicht  sein  konnte,  ging 
er  auf  den  Markt,  um  einen  zu  kaufen.  Dort  sah 
er  nun  den  seinigen,  wie  er  von  dem  Ausrufer 
zum  Verkaufe  herumgeführt  wurde;  er  trat  leise 
an  ihn  heran  und  sagte  ihm  ins  Ohr:  ,,Du  bist 
wieder  ein  Esel  geworden,  hast  also  deine  Eltern 
wieder  erzürnt.  Vorwärts  also,  komm  wieder  in 
meinen  Stall;  du  bist  nicht  danach,  daß  du  wieder 
ein  Mensch  würdest,"  Und  völlig  überzeugt,  daß 
der  Esel  der  seinige  sei,  nahm  er  ihn  wieder 
zurück. 

488.  T^^''  Hodscha  wollte  seinen  Esel  verkaufen;  er 

JLy  führte  ihn  hinaus  und  übergab  ihn  dem  Aus- 
rufer. Der  beschrieb,  indem  er  ihn  herumführte, 
seine  Vorzüge,  daß  er  brav,  jung,  kräftig,  schnell 
usw.  sei.  Die  Käufer,  die  das  hörten,  überboten 
einander;  da  nun  aber  auch  der  Hodscha  glaubte, 
sein  Esel  habe  diese  Vorzüge  tatsächlich,  wollte 
er  nicht,  daß  er  in  fremde  Hände  komme,  und 
begann  auch  selber  mitzubieten.  Und  so  blieb 
ihm  schließlich  der  Esel;  er  nahm  ihn  also  und 
führte  ihn  wieder  nach  Hause  und  erzählte  die 
ganze  Geschichte  seiner  Frau, 

Die  hatte  an  eben  diesem  Tage  Lust  nach 
Schlagsahne  gehabt  und  hatte,  während  ihr  der 
Milchhändler  die  Sahne  zuwog,  verstohlen  und 
ohne  daß  er  es  bemerkt  hätte,  ihre  goldenen  Arm- 
bänder von  den  Händen  gezogen  und  sie  in  die 
Wagschale  zu  den  Gewichten  geworfen,  um  den 
Milchhändler  zu  betrügen  und  mehr  Sahne   zu 

162 


erhalten.  Das  mußte  sie  dem  Hodscha  erzählen 
und  der  sagte  nun  zu  ihr:  ,,Sehr  gut,  Frau;  so 
wollen  wir  denn  fortan  alle  beide  unser  Haus- 
wesen fördern:  ich  draußen  und  du  daheim," 

DEr   Hodscha   ging   einmal   in   ein  Bad.     Die  489. 

Wärter  gaben  ihm  ein  altes  Badetuch  ^  und 
ein  beschmutztes  baumwollenes  Reibzeug "  und 
behandelten  ihn  nicht  so,  wie  es  sich  gehört  hätte. 
Der  Hodscha  sagte  nichts,  hinterließ  aber,  als  er 
aus  dem  Bade  wegging,  auf  dem  Spiegel  zehn 
Asper,  einen  Betrag,  den  damals  nur  sehr  reiche 
Leute  geben  konnten,  und  darüber  waren  die 
Wärter  sehr  erstaunt. 

Nach  einer  Woche  ging  er  wieder  in  dasselbe 
Bad,  und  nun  setzten  die  Wärter  eine  Ehre 
darein,  ihm  alle  Aufmerksamkeit  und  Hoch- 
achtung zu  erzeigen.  Der  Hodscha  sagte  wieder 
nichts,  hinterließ  aber  beim  Weggehn  nur  einen 
Asper  auf  dem  Spiegel,  Wieder  wunderten  sich 
die  Wärter,  und  sie  sagten  zu  ihm:  ,,Was  ist 
das?" 

Er  antwortete  ihnen:  ,, Dieser  eine  Asper  ist 
die  Bezahlung  für  das  Bad  in  der  vergangenen 
Woche;  die  zehn  Asper,  die  ich  euch  in  der  ver- 
gangenen Woche  gegeben  habe,  sind  die  Be- 
zahlung für  das  heutige." 

DEr  Hodscha  kaufte  einmal  auf  dem  Markte  490. 

Gemüse  und  warf  es  in  seinen  Sack;   dann 
bestieg  er  seinen  Esel,   um  heimzukehren,   und 


1  Im  Originale  nfaitfiäXi. 

11*  163 


nahm  den  Sack  auf  seine  Schultern,  Unterwegs 
begegnete  ihm  einer  und  der  fragte  ihn,  warum 
er  den  Sack  nicht  dem  Esel  auflege,  sondern  ihn 
selber  trage. 

Er  antwortete:  ,, Damit  das  arme  Tier  nicht 
gar  zu  müde  wird." 

491.  I|^  Iner  gab  dem  Hodscha  ein  Hemd,  damit  er  es 
Jutf  auf  dem  Markte  verkaufe.  Das  Hemd  war 
aber  gestohlen,  und  das  wußte  der  Hodscha,  Auf 
dem  Markte  wurde  nun  in  der  großen  Menge  dem 
Hodscha  das  Hemd  gestohlen. 

Als  er  zurückkam  fragte  ihn  der,  der  ihm  das 
Hemd  gegeben  hatte,  um  wie  viel  er  es  verkauft 
habe,  und  der  Hodscha  antwortete:  ,,Der  Markt 
war  heute  sehr  flau,  und  darum  habe  ich  es  um 
deinen  Preis  verkauft,  um  so  viel  nämlich,  wie 
du  dafür  gezahlt  hast." 

492.  "P^^'^  Hodscha  brachte  seinen  Esel  auf  den 
JL/  Markt  und  übergab  ihn  dem  Ausrufer.  Es 
kam  ein  Käufer,  und  der  wollte  die  Zähne  des 
Esels  betrachten,  um  sich  über  sein  Alter  zu 
unterrichten;  aber  der  Esel  biß  ihn.  Es  kam  ein 
anderer  Käufer,  und  der  hob  ihm  den  Schwanz 
auf;  aber  der  Esel  schlug  aus.  Nun  sagte  der 
Ausrufer  zum  Hodscha:  „Deinen  Esel  da  kauft 
niemand;  denn  wer  von  vorn  an  ihn  herantritt, 
den  beißt  er,  und  wer  von  hinten  kommt,  den 
schlägt  er," 

„Das  ist  es  ja,"  antwortete  der  Hodscha;  „ich 
habe  ihn  auch  nicht  hergebracht,  um  ihn  zu  ver- 
kaufen, sondern  damit  die  Welt  sieht,  was  ich  die 
Zeit  her  von  ihm  zu  leiden  gehabt  habe." 

164 


Einmal  zankte  sich  der  Hodscha  in  der  Nacht  493. 

mit  seiner  Frau,  und  die  gab  ihm  in  ihrer 
Wut  einen  Fußtritt,  daß  er  die  Treppe  hinunter- 
kollerte. Als  es  Tag  geworden  war,  fragten  die 
Nachbarn,  die  diesen  Lärm  gehört  hatten,  den 
Hodscha,  was  geschehn  sei,  und  er  antwortete, 
daß  er  mit  seiner  Frau  einen  Streit  gehabt  habe. 

„Sehr  gut,"  antworteten  sie,  ,,aber  was  war 
das  für  ein  Lärm?" 

„Bei  dem  Streite",  sagte  er,  „ist  meine  Frau 
sehr  zornig  geworden,  und  da  hat  sie  meinen 
Kaftan  mit  einem  Fußtritte  über  die  Treppe 
hinabgestoßen." 

Als  sie  ihm  aber  vorhielten,  daß  ein  Kaftan, 
wenn  er  hinuntergestoßen  werde,  nicht  imstande 
sei,  einen  solchen  Lärm  zu  verursachen,  sagte  er: 
„Ach,  warum  nötigt  ihr  mich  so?  begreift  ihr 
denn  nicht,  daß  in  dem  Kaftan  ich  gesteckt 
habe?" 

Ein   Freund    ersuchte    den    Hodscha    um    ein  494. 

wenig  Geld  und  um  etwas  Frist.  Der  Hod- 
scha antwortete:  „Geld  kann  ich  dir  nicht  geben, 
aber  Frist  gebe  ich  dir,  weil  du  mein  Freund  bist, 
soviel  du  willst." 


Eines  Tages  hatte   der  Hodscha  seinen  Esel  495. 

verloren;  als  er  ihn  suchen  lief,  fragte  er  die 
Leute,  ob  sie  ihn  gesehn  hätten,  sagte  aber  dabei 
gleichzeitig:  „Preis  sei  dem  Herrn!" 

Man  fragte  ihn,  warum  er  Gott  preise,  und 
er  antwortete:  „Ich  preise  den  Herrn,  weil  ich 
nicht  oben  gesessen  habe;  denn  hätte  ich  oben 

165 


gesessen,  so  wären  wir  unfehlbar  alle  beide  in 
Verlust  geraten." 


496.  I  \E,T  Hodscha  hatte  wieder  einmal  seinen  Esel 
J_-/  verloren;  da  ließ  er  den  Ausrufer  ver- 
kündigen: „Wer  denundden  Esel  findet,  der  mag 
ihn  als  Finderlohn  behalten  samt  Halfter  und 
Sattel." 

497.  1^^ Iner  sagte  zum  Hodscha:  „Dort  tragen  sie 
l2ä  eine  Gans," 

Der  Hodscha  antwortete:  ,,Was  geht  das 
mich  an?" 

„Sie  tragen  sie  zu  dir  ins  Haus." 
„Was  geht  das  dich  an?" 

498.  t^ Ines  Tages  kaufte  der  Hodscha  eine  Leber; 
JZtf  als  er  sie  nach  Hause  trug,  begegnete  ihm 
ein  Freund,  und  der  fragte  ihn,  wie  er  sie  zu- 
bereiten werde.  Der  Hodscha  antwortete,  er 
werde  sie  so  zubereiten,  wie  man  das  allgemein 
gewöhnlich  tue.  ,,Ach  nein,"  sagte  der  Freund, 
„es  gibt  eine  andere  Zubereitungsart,  die  werde 
ich  dich  lehren,  und  wenn  du  die  Leber  auf  diese 
Weise  zubereitest,  so  wirst  du  sehn,  was  das  für 
ein  Wohlgeschmack  werden  wird," 

Darauf  sagte  der  Hodscha:  „Im  Gedächtnis 
kann  ich  das  nicht  behalten;  schreib  mir  deine 
Anweisimg  auf  einen  Zettel,  und  ich  schaue  dann 
auf  das  Geschriebene  und  koche  danach." 

Wie  nun  der  Hodscha  mit  neugieriger  Lüstern- 
heit heimging,  riß  ihm  ein  Falke  die  Leber  aus 
der  Hand  und  stieg  damit  in  die  Höhe.  Ohne 
irgendwie  ärgerlich  zu  werden,   zeigte  ihm   der 

166 


Hodscha  das  Rezept  seines  Freundes  und  rief 
ihm  zu:  „Du  bemühst  dich  umsonst,  die  Speise 
bringst  du  ja  doch  nicht  fertig;  die  Leber  hast  du 
mir  wohl  genommen,  den  Zettel  aber  nicht." 

DEr  Hodscha  Nasreddin  hatte,  wenn  er  einen  499. 

Schüler  wegschicken  wollte,  damit  er  den 
Krug  beim  Brunnen  fülle,  die  Gewohnheit,  den 
Schüler  zuerst  zu  prügeln  und  ihm  erst  dann  den 
Krug  einzuhändigen.  Da  fragte  ihn  einmal  einer 
seiner  Freunde:  ,, Warum  prügelst  du  eigentlich 
den  Schüler,  wann  du  ihm  den  Krug  gibst?" 

Nasreddin  antwortete  ihm:  „Damit  er  acht- 
gibt, daß  er  ihn  nicht  zerbricht;  denn  wann  er 
einmal  zerbrochen  ist,  dann  ist  es  unnütz,  ihn  zu 
prügeln," 

IN   der  Zeit,  wo  der  Hodscha  Nasreddin  sein  500. 

Feld  bearbeitete,  ging  er  jeden  Morgen  hin, 
zeigte  es  dem  Himmel  und  sagte;  ,,Herr,  dies  ist 
das  Feld  deines  Dieners;  ich  bitte  dich,  begieße 
es  ordentlich,  damit  es  Frucht  trage,"  Damit 
fuhr  er  eine  lange  Zeit  fort,  bis  eines  Nachts  ein 
Platzregen  fiel;  und  da  sagte  er:  ,,Auf  meinem 
Felde  werden  jetzt  Ähren  wachsen,  so  groß 
wie  ich." 

Nachdem  er  am  Morgen  in  heller  Freude  auf- 
gestanden war,  ging  er  sein  Feld  besuchen;  als 
er  aber  hinkam,  erkannte  er  nicht  einmal  den 
Ort  mehr.  Sein  Feld  war  nämlich  an  einem 
Gießbache  gelegen,  und  den  hatten  die  von  oben 
kommenden  Wassermassen  so  überschwemmt  und 
so  anschwellen  lassen,  daß  Nasreddin  nicht  mehr 
wußte,  wo  sein  Feld  war.   Als  er  sah,  in  was  für 

167 


einem  Zustande  es  war,  erhob  er  Augen  und 
Hände  zum  Himmel  und  sagte:  „Du  bist  nicht 
daran  schuld,  Herr;  schuld  daran  bin  ich  Dumm- 
kopf, weil  ich  dir  mein  Feld  gezeigt  habe." 

501.  "pines  Nachts  beklettelte  sich  der  Hodscha 
IZä  Nasreddin  im  Schlafe;  als  er  dann  am 
Morgen  beim  Erwachen  sah,  in  was  für  einer 
Verfassung  er  war,  sagte  er  zu  seiner  Frau,  weil 
er  sich  vor  ihr  schämte:  „Ach  Weib,  heute  Nacht 
habe  ich  einen  entsetzlichen  Traum  gehabt,  so 
daß  ich  noch  immer  zittere.  Da  waren  drei 
Minarete,  eines  auf  dem  andern,  und  in  der 
Spitze  des  dritten  steckte  eine  Nadel,  und  auf 
der  Nadel  war  ein  Tisch,  und  auf  dem  Tische  saß 
ich,  und  ich  habe  wohl  geschrien,  weil  sich  der 
Tisch  so  bewegte,  daß,  wenn  er  gefallen  wäre, 
auch  ich  mit  ihm  gefallen  wäre,  und  ich  hätte 
mich  zum  mindesten  in  tausend  Stücke  zer- 
schlagen." 

Seine  Frau  sagte:  ,,Wenn  ich  einen  solchen 
Traum  gehabt  hätte,  ich  hätte  mich  sicher  vor 
Angst  beklettelt." 

Nun  sagte  Nasreddin:  „Auch  mir  ist  es  so  er- 
gangen; aber  behalte  es  bei  dir  und  sag  niemand 
etwas." 

502,  |_|^In  Bauer,  der  seinen  Esel  verloren  hatte,  bat 
Cj  den  Hodscha  Nasreddin,  in  der  Moschee  zu 
verkündigen,  daß  ihn  der  Finder  seinem  Herrn 
zurückgeben  solle.  Als  das  allgemeine  Gebet 
vorüber  war,  sagte  Nasreddin:  ,, Muselmanen,  wer 
von  euch  sein  ganzes  Leben  lang  keinen  Kaffee 
und  keinen  Schnaps  getrunken  hat,  wer  nie  ge- 

168 


raucht  hat,  wer  nie  Karten,  Brett  oder  Dame 
gespielt  hat,  wer  nie  die  Geselligkeit  gesucht  hat, 
der  trete  vor,  damit  ich  ihn  sehe," 

Alle,  die  in  der  Moschee  anwesend  waren, 
dachten,  daß  keiner  dasei,  wie  ihn  der  Hodscha 
beschrieben  habe,  und  daß  sich  niemand  unter- 
stehn  werde,  vorzutreten;  aber  es  trat  doch  einer 
vor,  und  der  sagte  zum  Hodscha:  „Ich  habe  Zeit 
meines  Lebens  weder  Wein,  noch  Kaffee  ge- 
trunken, habe  keinerlei  Spiel  gespielt  und  war 
nie  in  einer  Gesellschaft." 

Da  drehte  sich  der  Hodscha  um  und  rief: 
„Wo  ist  denn  der,  der  den  Esel  verloren  hat? 
Schau,  da  ist  einer,  den  nimm;  einen  größern 
Esel  als  den  wirst  du  nie  finden," 

Einmal  kam  ein  Woiwode  bei  dem  Dorfe  des  593. 

Hodschas  Nasreddin  vorbei;  und  die  Ein- 
wohner schickten  Nasreddin  als  ihren  Gesandten 
zu  ihm,  damit  er  ihm  die  Huldigung  aller  Bauern 
darbringe.  Als  der  Woiwode  Wuchs  und  Gestalt 
Nasreddins  sah,  sagte  er  zu  ihm:  ,,Hat  jsich  denn 
kein  Mensch  gefunden,  den  die  Bauern  hätten  zu 
mir  schicken  können,  daß  sie  mir  dich  geschickt 
haben?" 

Unverzüglich  antwortete  Nasreddin:  „Die 
Menschen,  Herr,  schicken  sie  zu  den  Menschen; 
mich  haben  sie  zu  dir  geschickt," 

Einer  von  seinen  Freunden  fragte  den  Hod-  504. 

scha  Nasreddin:  „Wie  gehts  dir  mit  deiner 
Armut?" 

„Sehr  gut,"  antwortete  der  Hodscha. 

169 


Und  der  Freund  fragte  weiter:  „Wie  kann  es 
denn  einem  Armen  gut  gehn?" 

Nasreddin  antwortete:  „Ich  habe  mich  daran 
gewöhnt,  mein  Freund;  darum  gehts  mir  gut." 

505.  "pinmal   baute    der   Hodscha    einen    Backofen, 

12ä  Als  den  seine  Nachbarn  besichtigten,  sagte 
der  eine,  die  Tür  hätte  nach  Osten  gehört,  der 
andere  nach  Westen,  wieder  einer  nach  Süden, 
und  kein  einziger  war  mit  dem  Erzeugnis  Nasr- 
eddins  einverstanden. 

Geärgert  darüber  riß  Nasreddin  den  Ofen 
nieder  und  baute  ihn  nun  auf  einen  Wagen,  Die 
Nachbarn  kamen  wieder  zur  Besichtigung  und 
begannen  auch  wieder  zu  tadeln,  daß  die  Tür 
nicht  die  richtige  Lage  habe;  aber  als  der  erste 
sagte:  ,,Die  Tür  sollte  hier  sein",  antwortete 
Nasreddin:  „Wartet",  und  drehte  den  Wagen,  bis 
die  Tür  dort  war,  wo  dieser  Nachbar  gesagt  hatte. 
Und  als  ein  anderer  sagte:  ,,Die  Tür  müßte  dort 
sein",  drehte  er  sofort  wieder  den  Wagen,  und 
so  tat  er  allen  seinen  Nachbarn  Genüge, 

Und  er  sagte:  ,, Einen  bessern  Weg,  so  vielen 
Leuten  und  mir  selber  den  Willen  zu  tun,  habe 
ich  nicht  gefunden," 


506. 


Tische  ging,  nahm  er  das  Stück  Mastix  aus 
dem  Munde  und  klebte  es  auf  die  Nasenspitze. 
Einer  von  seinen  Freunden  fragte  ihn:  „Warum 
tust  du  das?" 


^  Das    Pistazienharz,    das   im    Orient    zur    Zahnpflege 
und  zur  Zahnreinigung  dient, 

170 


Er  antwortete:  „Es  ist  ganz  gut,  wenn  man 
das,  was  einem  gehört,  vor  Augen  hat." 

ETliche  Leute  fragten  den  Hodscha  Nasreddin:  507. 

„Hast  du  deine  Schuld  bezahlt?" 
Er  antwortete:   „Bezahlt  nicht,  aber  leichter 
gemacht  habe  ich  sie  mir." 

„Und  wie",  sagten  sie,  „hast  du  sie  dir  leichter 
gemacht,  ohne  sie  zu  bezahlen?" 

Nasreddin  antwortete:  „Ich  habe  sie  ver- 
jähren lassen." 

DEr  Hodscha  Nasreddin  war  einigen  Freunden  508. 

Geld  schuldig,  und  denen  sagte  er  immer, 
daß  er  sie  am  Sonntage  bezahlen  werde;  auf 
diese  Weise  drückte  er  sich  um  die  Bezahlung. 
Eines  Tages  kamen  nun  mehrere  Gläubiger  zu 
ihm  und  fragten  seine  Frau,  wie  er  sie  bezahlen 
wolle.  Sie  antwortete  ihnen,  der  Hodscha  habe 
am  Tage  vorher  genügend  viel  Distelsamen  ge- 
kauft, den  werde  er  auf  dem  Felde  aussäen,  die 
Disteln,  die  davon  wüchsen,  die  würden  sie  auf 
die  Straße  streuen,  wo  die  Tiere  mit  den  Baum- 
wollelasten vorüberkämen,  und  aus  dem  Erlöse 
für  die  Baumwolle,  die  an  den  Disteln  hängen 
bleiben  werde,  würden  alle  Gläubiger  bezahlt 
werden. 

Über  diese  Antwort  der  Frau  lachten  alle 
übermäßig,  aber  sie  entgegnete  darauf  und  sagte 
zu  ihnen:  ,, Jetzt  lacht  ihr  freilich,  weil  ihr  die 
Sicherheit  habt,  bezahlt  zu  werden," 

DRei  Männer,   die  ein  Säckchen  mit  Nüssen  509. 

gefunden  hatten,  kamen  zu  Nasreddin  und 
baten  ihn,  die  Nüsse  nach  Gottes  Weise  unter 

171 


sie  zu  teilen.  Nasreddin  öffnete  den  Sack  und 
gab  dem  einen  ein  paar  Nüsse,  dem  andern 
etliche  mehr  und  dem  dritten  alles,  was  der  Sack 
noch  enthielt. 

Daraufhin  sagten  die  drei  zu  ihm;  „Du  hast 
nicht  ordentlich  geteilt,  Hodscha," 

Aber  der  Hodscha  antwortete  ihnen:  „So  teilt 
Gott,  ihr  Dummköpfe!  dem  einen  gibt  er  viel, 
dem  andern  gar  nichts;  hättet  ihr  mir  gesagt,  ich 
solle  sie  unter  euch  nach  Menschenweise  ver- 
teilen, so  hätte  ich  die  drei  Teile  gleich  groß 
gemacht." 

510.  TN    der    Absicht,    bei    seinem    Nachbar    etliche 

X  Zwiebeln  zu  stehlen,  stieg  Nasreddin  auf  das 
Dach  und  versuchte,  durch  das  Rauchloch  in  das 
Haus  des  Nachbars  hinabzusteigen.  Nun  hielt  er 
einen  Schatten,  den  das  Mondlicht  machte,  für 
einen  Balken  und  setzte  unvorsichtigerweise  den 
Fuß  darauf;  so  stürzte  er  vom  Rauchloche 
hinunter  und  fiel  in  den  Herdwinkel  des  Nach- 
bars, wobei  er  sich  den  Fuß  garstig  brach.  Auf 
diesen  Lärm  erwachte  der  Nachbar  und  er  rief 
seinem  Weibe  zu,  sie  solle  rasch  Licht  machen, 
damit  er  den  Dieb  greife. 

Aber  der  Hodscha  sagte  zu  ihm:  „Beeile  dich 
nicht,  Nachbar;  nach  dem  Sturze,  den  ich  getan 
habe,  wirst  du  mich  nicht  nur  heute,  sondern 
auch  morgen  hier  haben." 

512.  T^^^  Hodscha  Nasreddin  verkaufte  die  Gurken 

1^  seines  Gartens,  und  von  dem  dafür  gelösten 
Gelde  kaufte  er  einen  Esel.  Als  er  den  nun 
einmal  mit  Holz  beladen  nach  Hause  trieb,  glitt 

172 


der  Esel  in  einem  Flusse,  über  den  sie  zu  setzen 
hatten,  aus,  fiel  nieder  und  ertrank.  Ohne 
darüber  auch  nur  im  geringsten  zornig  zu  wer- 
den, sagte  der  Hodscha:  ,,Der  aus  dem  Gurken- 
gelde  gekaufte  Esel  stirbt  eben  durchs  Wasser." 

DEr  Hodscha  Nasreddin  fragte  seinen  Sohn,  512. 

ob  er  schon  in  seinem  Leben  eine  süße 
Speise  gegessen  habe,  und  der  Sohn  antwortete 
mit  Nein.  Nun  fragte  ihn  der  Hodscha  von 
neuem:  ,,Was  ist  denn  dann  das,  was  du  alle 
Tage  ißt?"  Der  Junge  antwortete;  ,, Trockenes 
Brot."  Und  Nasreddin  sagte  zu  ihm:  „Und 
glaubst  du  denn,  daß  es  auf  der  Welt  noch  eine 
süßere  Speise  gibt  als  das  trockene  Brot?" 

DEr  Hodscha  Nasreddin  saß  einmal  in  einem  513. 

Garten,  und  da  betrachtete  er,  wie  schwach 
die  Wurzeln  der  Kürbisse  und  Melonen  seien  im 
Gegensatze  zu  der  Größe  der  Kürbisse  und 
Melonen;  und  da  er  im  Schatten  eines  Nuß- 
baumes saß,  fiel  es  ihm  auf,  daß  umgekehrt  der 
Nußbaum  so  groß  und  die  Nüsse  so  klein  seien. 
Und  er  sagte  zu  sich:  „Eine  merkwürdige  Sache! 
Gott  hat  sich  doch  bei  seiner  Schöpfung  wenig 
Mühe  gemacht;  sonst  hätte  er  nicht  die  Kürbisse 
und  Melonen,  die  nach  ihrer  Größe  an  großen 
Bäumen  wachsen  sollten,  an  kleinen  Pflanzen  ge- 
schaffen, die  Nüsse  aber,  die  ganz  klein  sind, 
umgekehrt  an  großen  Bäumen." 

Während  er  noch  diesen  Gedanken  und 
Zweifeln  nachhing,  fiel  plötzlich  durch  einen 
starken  Windstoß  eine  Nuß  mit  Heftigkeit  vom 
Baume  und  traf  ihn  an  der  Stirn;  das  verursachte 

173 


ihm  einen  außerordentlichen  Schmerz,  und  nun 
sagte  er:  ,,Ach,  Gott  hat  schon  gewußt,  was  er 
tat,  und  ich  habe  es  schlecht  bedacht;  denn  wäre 
die  Nuß,  die  heruntergefallen  ist  und  mich  ge- 
troffen hat,  ein  Kürbis  oder  eine  Melone  gewesen, 
dann  weh  mir!  sie  hätte  mir  wahrhaftig  den  Kopf 
zertrümmert." 

514.  "pines  Nachts  ging  der  Hodscha  Nasreddin  aus, 
AZj  um  in  einem  Laden  zu  stehlen,  und  nahm 
eine  Feile  mit.  Er  feilte  gerade  an  dem  Schlosse 
der  Ladentür,  als  zufällig  einer  seiner  Freunde 
daherkam;  und  der  fragte  ihn;  ,,Was  machst 
du  da?" 

Der  Hodscha  antwortete:  ,,Ich  spiele  Geige." 

Nun  fragte  ihn  sein  Freund:  „Aber  man  hört 
ja  keinen  Klang  von  deiner  Geige?" 

Nasreddin  antwortete  ihm:  ,, Morgen  wirst  du 
schon  den  Klang  hören," 

Am  Morgen  hörte  er  dann,  daß  der  Laden 
von  demunddem  in  dieser  Nacht  ausgeraubt 
worden  war, 

515.  TN  dem  Viertel,  wo  der  Hodscha  Nasreddin 
X  wohnte,  war  ein  Backofen,  und  den  besuchte 
der  Hodscha  manchmal  gegen  Mittag  und  zog 
den  Wohlgeruch  der  verschiedenen  Braten  ein. 

Eines  Morgens  brachte  nun  der  Mulazim  ^ 
eine  Gans  und  übergab  sie  dem  Garkoch,  damit 
sie  zu  Mittag  fertig  sei.  Als  sie  gebraten  war, 
nahm  sie  der  Garkoch  aus  dem  Ofen  und  legte 
sie  zusammen  mit  den  andern  Speisen  auf  die 


^  Etwa  Polizeileutnant. 

174 


Bank;  und  er  wartete  auf  den  Mulazim,  um  sie 
ihm  zu  übergeben.  Um  diese  Stunde  kam  dort 
Nasreddin  vorbei,  der  damals  der  Kadi  des 
Dorfes  war,  und  er  blieb  vor  dem  Backofen  stehn, 
um  die  Speisen  zu  bewundern;  aber  mehr  als 
alles  andere  schien  die  Gans  seine  Lust  zu  reizen, 
und  er  fragte  den  Garkoch,  wem  sie  gehöre. 

,,Dem  Mulazim,  Effendi,"  antwortete  der  Gar- 
koch. 

„Schick  sie  sofort  zu  mir,"  befahl  der  Hodscha. 

,,Aber  was  mach  ich  dann  mit  dem  Mulazim? 
Was  gebe  ich  ihm,  wann  er  kommt?" 

,, Schick  sie  augenblicklich  zu  mir,  sage  ich 
dir,"  sagte  der  Hodscha  beharrlich  und  fuhr  fort: 
„Es  ist  besser  für  dich,  du  hast  den  Kadi  zum 
Freunde  als  den  Mulazim.  Schick  sie  und  du 
wirst  es  nicht  bereuen." 

,,Aber  was  sage^  ich  dem  Mulazim,  wann  er 
kommt?" 

,,Dem  sagst  du,"  antwortete  der  Hodscha, 
„daß  sie  inwendig  aus  dem  Ofen  weggeflogen  ist, 
und  kümmere  dich  weiter  um  nichts," 

Als  der  Garkoch  die  Beharrlichkeit  des  Kadis 
sah,  schickte  er  ihm  die  Gans  ins  Haus,  weil  er 
ihn  nicht  verdrießlich  machen  wollte. 

Nach  fünf  Minuten  erschien  der  Mulazim  und 
verlangte  seine  Gans. 

Mit  der  unschuldigsten  Miene  nahm  der  Gar- 
koch die  Schaufel  und  fuhr  damit  in  den  Ofen, 
um  scheinbar  die  Gans  zu  suchen;  er  drehte  sie 
hieher,  er  drehte  sie  dorthin,  aber  umsonst, 

,, Merkwürdig,"  sagte  er ,  immer  herum- 
stöbernd, „sie  muß  weggeflogen  sein." 

„Vorwärts,    mach    schnell,"    entgegnete    der 

175 


Mulazim;  „es  ist  meine  Essenszeit  und  ich  habe 
einen  teuflischen  Hunger." 

Aber  die  Gans  kam  nicht  zum  Vorschein, 

Der  Mulazim  hatte  unterdessen  zu  schreien 
angefangen,  der  Garkoch  stocherte  fortwährend 
weiter,  wobei  er  immer  wiederholte,  die  Gans 
scheine  davongeflogen  zu  sein,  und  vor  der  Bank 
sammelte  sich  eine  Menge  Leute  an.  Schließ- 
lich verlor  der  Mulazim  die  Geduld  und  er  stürzte 
sich  auf  den  Garkoch;  der  riß  die  Schaufel  aus 
dem  Ofen,  um  sich  damit  zu  verteidigen,  aber 
dabei  flog  der  Schaufelgriff  einem  Juden,  der 
dabeistand ,  ins  Gesicht  und  schlug  ihm  ein 
Auge  aus. 

Als  der  Garkoch  sah,  in  welch  schlimmer 
Lage  er  war,  sprang  er  über  die  Bank  und  lief, 
um  sich  zu  retten;  aber  ihm  setzte  nicht  nur  der 
Mulazim  nach,  sondern  auch  der  Jude  und  die 
Freunde  des  Juden, 

Auf  dem  Wege  war  eine  Haustür  offen  und 
dort  lief  er  hinein,  um  sich  zu  verbergen.  In  dem 
Hofe  saß  aber  eine  schwangere  Frau,  und  als  die 
sah,  wie  er  plötzlich  hereinstürzte  und  was  für 
eine  Menge  ihn  verfolgte,  erschrak  sie  und  tat 
eine  Fehlgeburt, 

Der  Garkoch  versteckte  sich  in  einen  Winkel, 
um  iiicht  gefangen  zu  werden;  aber  zu  denen,  die 
ihn  schon  gejagt  hatten,  gesellten  sich  nun  noch 
die  Verwandten  der  Frau,  Das  Haus  hatte  zum 
Glücke  auch  eine  Hintertür;  durch  die  lief  der 
Garkoch  hinaus,  die  ganze  Menge  hinter  ihm,  und 
er  rannte  in  eine  Moschee,  um  sich  zu  retten,  und 
stieg  auf  das  Minaret.  Da  sie  ihm  aber  auch  dort- 
hin nachkamen,  warf  er  einen  Blick  hinunter;  und 

176 


weil  er  bedachte,  daß  sie,  wenn  er  dort  bliebe, 
heraufkommen  und  ihn  niedermachen  würden, 
stürzte  er  sich  vom  Minaret  hinunter  auf  das 
Pflaster,  just  auf  einen  jüdischen  Geldwechsler, 
der  dort  gebückt  auf  seiner  Bank  saß,  und  der 
war  auf  der  Stelle  tot. 

Nun  erreichten  ihn  seine  Verfolger,  und  sie 
schleppten  ihn  vor  den  Kadi.  Der  hatte  sich  eben 
zu  Tische  gesetzt,  um  die  Gans  zu  verzehren. 

Sie  fingen  alle  miteinander  zu  schreien  an, 
was  jeder  von  dem  Garkoch  erlitten  hatte,  ,, Still, 
der  Reihe  nach,"  sagte  streng  der  Hodscha,  der 
augenblicklich  den  Tisch  verließ  und  in  sein 
Amtszimmer  ging,  wo  das  große  heilige  Buch  war, 
nach  dem  er  Recht  sprach;  und  er  sagte  zu  dem 
Mulazim;  ,,Was  willst  du  von  dem  Manne  da?" 

„Effendi,  am  Morgen  habe  ich  ihm  eine  Gans 
gebracht,  damit  er  sie  brate,  und  jetzt  sagte  er 
mir,  sie  sei  weggeflogen.  Ich  verlange,  daß  er 
mir  meine  Gans  wiedergibt," 

Der  Hodscha  öffnete  sofort  das  Buch,  wandte 
einige  Blätter  um  und  las  vor,  daß  alle  hundert 
Jahre  einmal  ein  solches  Wunder  geschehe,  und 
es  seien  gerade  hundert  Jahre,  seitdem  das  letzte 
geschehn  sei;  und  glückselig  sei  der  zu  preisen, 
der  dabei  die  Gans  verloren  habe,  weil  die  ins 
Paradies  geflogen  sei  und  ihn  dort  erwarte. 

Freudestrahlend  entfernte  sich  der  Mulazim. 
Als  zweiter  kam  der  Jude  mit  dem  ausgeschlage- 
nen Auge. 

„Effendi,  der  Garkoch  hat  mir  mit  der  Schau- 
fel das  Auge  ausgeschlagen." 

Der  Hodscha  blätterte  wieder  in  dem  Buche 
und  las,  es  sei  natürlich  recht  und  billig,  daß  sich 

Nasreddin,   II.  12  177 


nun  der  Garkoch  hinstelle,  damit  ihm  der  Jude 
ein  Auge  ausschlage;  weil  aber  nach  dem  Buche 
ein  Auge  eines  Osmanen  so  viel  wert  sei,  wie 
zwei  eines  Juden,  müsse  sich  der  Jude  zuerst 
hinstellen,  damit  ihm  der  Garkoch  auch  noch  das 
andere  ausschlage,  und  dann  dürfe  er  dem  Gar- 
koch eines  ausschlagen.  Der  Hodscha  hatte 
seinen  Spruch  noch  nicht  beendigt,  so  war  der 
Jude  schon  unsichtbar  geworden. 

Als  dritter  kam  der  Gatte  der  Frau,  die  die 
Fehlgeburt  getan  hatte.  Über  diesen  Fall  schrieb 
das  Buch,  daß  der  Garkoch  mit  der  Frau  ein 
andres  Kind  machen  solle.  Es  ist  begreiflich, 
daß  es  auch  der  dritte  Kläger  vorzog,  sich  davon- 
zumachen. 

Zum  Schlüsse  kam  der  Bruder  des  erschlage- 
nen Geldwechslers. 

Wieder  wandte  der  Hodscha  die  Blätter  um, 
und  er  fand,  daß  der  Kläger  den  Garkoch  auf 
dieselbe  Weise  töten  solle:  der  Garkoch  müsse 
sich  nämlich  unter  das  Minaret  setzen,  und  er 
solle  sich  von  oben  auf  ihn  fallen  lassen  und  ihn 
also  töten. 

Nachdem  daher  auch  der  letzte  Reißaus  ge- 
nommen hatte,  dankte  der  Garkoch  dem  Hod- 
scha; und  jetzt  erinnerte  er  sich  der  Worte  des 
Hodschas,  daß  es  für  ihn  besser  sei,  den  Kadi  als 
den  Mulazim  zum  Freunde  zu  haben. 


178 


Anmerkungen 

literatur-  und  stoffgeschichtlichen  Inhalts 


12^ 


IL  Arabische  Überlieferungen 

1.  Aus  dem  Nawadir  el  chodscha  nasr  ed-din 
effendi  dschoha 

339.  Nawadir,  S.  2  (Basset  RTF,  XVI,  S.  458) ;  Buadem, 
Nr.  84;  Trefäi,  Nr.  124;  Serbisch,  S.  80  ff.;  Kroatisch,  S.  51. 

Als  älteste  Version  nennt  Basset  am  angegebenen  Orte 
eine  Erzählung  al  Masudis  ^  in  den  Prairies  d'or,  Paris, 
1861  ff.,  V  (Basset  schreibt  VII),  S,  390  ff.  von  einem 
Araber  der  Wüste  und  von  Haddschadsch,  dem  Feldherrn 
Abdulmeliks  (685 — 705) ;  vgl.  aber  auch  Bar-Hebraeus, 
S.  151,  Nr.  602. 

340.  Nawadir.  S.  2  (RTF,  XVI,  S.  459). 

341.  Nawadir,  S.  2  [RTF,  XVI,  S.  459);  Buadem, 
Nr.  85;  Trefäi,  Nr.  125;  Serbisch,  S.  81;  Kroatisch,  S.  48. 

Fourberies,  S.  17, 

342.  Nawadir,  S.  2  (RTF,  XVI,  S.  460);  Buadem, 
Nr.  92;  Trefäi,  Nr.  126;  Fourberies,  Nr.  1;  Serbisch,  S,  84; 
Kroatisch,  S.  59  ff. 

Fourberies,  S.  17;  Trefäi,  S.  13, 
Roda  Roda,  S.  154. 

343.  Nawadir,  S.  2  (RTF,  XVI,  S,  460);  Buadem, 
Nr.  93  und  132;  Serbisch,  S.  84;  Kroatisch,  S.  40. 

Die  Schnurre  kehrt  im  Nuzhat  al  udaba  in  zwei 
Fassungen  wieder,  von  denen  eine  auf  Dschoha  bezogen 
ist  (Basset  in  der  RTF,  XV,  S.  673  und  im  Keleti  Szemle, 
I,  S.  222). 

Vgl.  dazu  folgende  Stelle  im  Roger  Bontemps  en  Belle 
humeur,  Cologne,  1670,  S,  357: 

Or  un  certain  Seigneur  du  pays  de  Bretagne  en  avoit 
un  (bouffon)  le  plus  plaisant  qui  se  pouvoit  rencontrer, 
non  seulement  en  ses  actions,  mais  aussi  en  reparties:  un 
jour  l'ayant  envoye  de  Paris  ä  Lion  pour  aller  resiouir 
un  sien  Cousin  qui  estoit  malade,  passa  par  une  ville  oü 


über  Masudi  vgl.  Brockelmann ,  I,  S.  143  ff. ;   er  ist  9S6  gestorben. 

181 


l'on  faisoit  garder  les  portes  ä  raison  de  la  contagion, 
Le  Capitaine  le  voyant  asses  bien  montre,  se  voulut  in- 
former  qu'il  estoit,  et  d'oü  il  venoit;  c'est  pourquoy  il  luy 
demanda:  Monsieur  oü  alles  vous  maintenant?  Monsieur, 
respondit  le  boufon,  il  le  faut  demander  ä  ma  beste,  c'est 
eile  qui  me  meine. 

344.  Nawadir,  S.  2  (RTP,  XVI,  S.461];  Trefäi.  Nr.  127; 
Fourberies,  Nr,  8, 

345.  Nawadir,  S.  3;  Trefdi,  Nr.  128.  Von  Giufä:  Gon- 
zenbach,  I,  S.  51  ff.;  Pitre,  III,  S.  366,  Nr.  9  und  378; 
Crane,  S.  297.     Von  Dschahan:  Ilg,  II,  S.  44,  Nr.  93. 

Gonzenbach,  II,  S.  228;  Pitre,  III,  S.  376;  Crane,  S.380; 
Fourberies,  S.  18;  Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S,  73; 
Köhler,  I,  S.  99  und  341. 

Merkwürdigerweise  nirgends  erwähnt  finde  ich  die 
Fassung  des  Kathd  Sarit  Sdgara,  II,  S.  77;  weiter  seien 
genannt  die  letzte  Erzählung  des  Sackful  of  News  (Hazlitt, 
II,  S.  187;  dazu  Clouston,  Noodles,  S.  97  ff.),  Merkens,  III, 
S.  142,  Nr.  140,  Böhm,  Lettische  Schwanke,  S.  44  (dazu 
S.  117)  und  Frison,  Contes  et  legendes  de  Basse-Bretagne, 
Nr.  66  in  der  RTP,  XXII,  S.  404  ff. 

In  vielen  Überlieferungen  klettert  der  oder  die  Dumme, 
oft  auch  ein  Mann  mit  seiner  dummen  Frau,  auf  einen 
Baum;  es  kommen  Diebe,  die  dort  ihre  Beute  teilen  wollen, 
und  die  suchen,  als  schließlich  die  Tür  von  oben  auf  sie 
herunterfällt,  das  Weite,  indem  sie  alles  zurücklassen.  Zu 
dieser  Art  Erzählungen  gehören  auch  die  meisten  der  an 
den  oben  angeführten  Stellen  beigebrachten  Varianten, 
wozu  noch  kommen  F.  M.  Luzel,  Contes  populaires  de 
Basse-Bretagne,  Paris,  1887,  III,  S.  396  f f .,  P.  Sebillot, 
Contes  et  legendes  de  la  Haute-Bretagne,  Nr,  96  in  der 
RTP,  XXIV,  S.  142  ff.,  Pitre,  Novelle  popolari  toscane, 
S.  186  ff.  (von  Giucca  matto)  und  S.  193,  R.  Forster,  Fiabe 
popolari  dalmate,  Nr.  13  im  Archivio,  X,  S.  313  ff,,  Ilg,  II, 
S.  37  ff.  und  Merkens,  I,  S.  204  ff .,  Nr.  247;  vergl,  auch 
Archiv  für  slavische  Philologie,  XXII,  S.  309.  In  dem 
Märchen,  wozu  Cosquin,  I,  S,  241  ff,  die  in  Rede  stehen- 
den Züge  bespricht,  ist  das  Mitnehmen  der  Tür  anders 
motiviert;  ebenso  bei  J,  Fleury,  Litterature  orale  de  la 
Basse-N ormandie,    S,    161  ff.,    bei    Jacobs,    English    Fairy 

182 


Tales,  S.  28  ff,  (s.  auch  S,  231)  und  bei  demselben,  More 
English  Fairy  Tales,  S.  10  ff.  (s.  auch  S.  220  ff.).  Eine 
Kuhhaut  fällt  auf  die  teilenden  Diebe  bei  Luzel,  III, 
S.  414  ff.  und  427  ff.  und  bei  Carnoy,  Litterature  orale  de 
la  Picardie,  S.  192  ff,  (s.  Cosquin,  II,  S,  225  ff.);  in  den 
Folk  Tales  from  Tibet  von  W.  F,  O'Connor,  S,  35  ff,  genügt 
es,  daß  der  auf  dem  Baume  sitzende  einen  Anteil  an  der 
Beute  verlangt,  um  die  Diebe  zur  Flucht  zu  veranlassen. 
Ähnliche  Geschichten  bringen  Cosquin,  II,  S,  108  ff.,  112  ff, 
und  115,  ferner  Andrews,  Contes  ligures,  S.  90  ff.,  Monnier, 
S.  238  ff.  und  Ilg,  II,  S,  5  ff.  Zu  d  e  m  M  o  t  i  v  e  v  o  n 
der  Verscheuchung  der  Diebe  vgl.  weiter  die 
Nrn,  428  und  446. 

346,  Nawadir,  S,  3  [RTP,  XVII,  S,  36). 

Die  Geschichte  stammt  aus  Bar-Hebraeus,  dessen 
615.  Facetie  (S.  154)  lautet: 

When  another  silly  man  was  Cracking  an  almond  the 
kernel  slipped  away  out  bis  hands,  and  he  said,  ,,Glory 
be  to  Thee,  0  G6od,  for  even  the  kernel  of  the  almond 
trieth  to  escape  cieath." 

347.  Nawadir,  S.  4  {RTF,  XVII,  S.  92  ff.), 
Fourberies,  S,  18  ff.;  Hartmann,  S.  50, 

Diese  Fassung  des  weitverbreiteten  Motives  von  der 
Vertauschung  eines  Toten  gegen  einen 
Hammel  stimmt  so  ziemlich  mit  Fourberies,  Nr,  21 
überein.  Seine  anscheinend  älteste  Form  steht  in  der 
Sprichwörtersammlung  Maidanis  [Arabum  proverbia,  I, 
S.  403)  und  ist  in  al  Kaljubis  Nawadir  übergegangen;  sie 
lautet  nach  Bassets  Übertragung  in  der  RTP,  XV,  S,  41: 

Man  erzählt,  daß  Dschoha  bei  Tagesanbruch  aus  dem 
Vorraum  seines  Hauses  gekommen  und  über  einen  Leich- 
nam gestolpert  ist,  der  dort  lag;  er  warf  ihn  in  einen 
Brunnen,  Sein  Vater  zog  den  Toten,  als  er  davon  erfuhr, 
heraus  und  begrub  ihn;  dann  erwürgte  er  einen  Hammel 
und  warf  ihn  in  den  Brunnen.  Die  Verwandten  des  Toten 
begannen  die  Straßen  Kufas  zu  durchstreifen  und  nach- 
zuforschen, Dschoha  sah  sie  und  sagte  zu  ihnen:  ,,Der 
Leichnam  ist  in  unserm  Brunnen,"  Sie  gingen  hin  und 
ließen  ihn  hinabsteigen,   damit  er   den  Leichnam  herauf- 

183 


bringe.  Als  er  unten  war,  rief  er:  „Hatte  der  Tote 
Hörner?"     Alle  lachten  und  gingen  weg. 

Zu  der  arabischen  Variante  aus  Tunis,  die  als  Nr.  383 
wiedergegeben  ist,  und  zu  ihrem  augenscheinlich  ver- 
dorbenen berberischen  Gegenstücke,  der  Nr.  415,  gibt  es 
zahlreiche  Parallelen,  darunter,  wie  Basset  bemerkt,  noch 
eine  Dschohageschichte  bei  Mornand,  La  vie  arabe,  Paris, 
1856,  S.  117,  in  die  ebenso  wie  in  die  tunisische  Erzählung 
das  noch  zu  besprechende  Motiv  des  Wurstregens 
verwoben  ist,  und  eine  von  Abu  Nuwas  bei  Pharaon, 
S.  182  ff.;  von  einem  Ungenannten  erzählt  Riviere  in  dem 
Recueil  de  contes  populaires  de  la  Kabylie  du  Djurdjura, 
Paris,  1882  ff.:  La  tete  d'un  cheik  i. 

Das  Motiv  ist  wie  so  viele  andere  mit  Dschoha  ver- 
knüpfte nach  Sizilien  übergegangen;  man  vergleiche  die  als 
Nr.  430  mitgeteilte  Giufäerzählung  samt  ihren  Varianten. 
Sicherlich  auch  dem  Volksmunde  nacherzählt  ist  die 
21.  Novelle  Morlinis  (meine  Ausgabe  S.  82  ff.),  die  bei 
Straparola  die  4.  Novelle  der  8.  Nacht  bildet. 

Um  den  Leichnam  eines  jungen  Mädchens,  der  mit 
einer  Ziege  vertauscht  wird,  handelt  es  sich  in  zwei 
Versionen,  die  Cosquin,  H,  S.  182  ff,  zitiert,  einer  afghani- 
schen bei  Thorburn,  Bannü  or  Our  Afghan  Frontier,  Lon- 
don, 1876,  S,  207  ff,  und  einer  indischen  bei  Minaef, 
Indeiskija  skasky,  St,  Petersburg,  1877,  Nr,  15;  hierher 
gehören  noch  Swynnerton,  S,  178  ff,  und  P.  Sebillot, 
Contes  de  la  Haute-Bretagne.  Nr,  45  in  der  RTF,  XH, 
S.  51  ff.  Vgl,  noch  Clouston,  Noodles.  S,  152  ff„  Böhm, 
Lettische  Schwanke,  S,  44  ff,  und  117,  Sebillot  in  der  RTF, 
Vn,  S,  704  und  Chauvin,  VL  S,  126, 

In  einem  Märchen  bei  Cosquin,  H,  S.  317  ff,  erzählt 
ein  Mann  seiner  Frau,  um  sich  zu  vergewissern,  ob  sie 
ihn  an  den  Galgen  bringen  würde,  er  habe  seinen  Gesellen 
getötet  und  ihn  im  Walde  verscharrt;  die  Frau  plaudert, 
und  die  Obrigkeit  erfährt  von  der  Sache,  und  als  an  dem 
Platze  im  Walde  nachgegraben  wird,  findet  man  den 
Kadaver  eines  Schweines,  Unter  den  vielen  Varianten, 
die  Cosquin  anführt,  sind  mehrere,  wo  der  Mann  mit  dieser 
Täuschung  der  Frau  den  Zweck  verfolgt,  die  Richtigkeit 


1  Der  Verweis  Bassets  ifl  der  RTF,  XVII,  S.  93  auf  Hammer,  Rosenöl,  II, 
S.  308  ist  irrtümlich, 

184 


der  einen  der  ihm  von  seinem  Vater  erteilten  drei  Lehren 
zu  erproben;  dazu  vgl.  Mussafia,  Über  eine  altfranzösische 
Handschrift  der  fi.  Universitätsbibliothefi  zu  Pavia,  Wien, 
1870,  S.  68  und  Köhler,  II,  S.  402  ff.  Dieser  Zug,  in  dem 
ich  eine  Reminiszenz  an  das  Dschohamotiv  Maidanis  usw. 
sehn  möchte,  findet  sich  auch  in  den  zahllosen  Be- 
arbeitungen des  Motivs  von  dem  besten  Freunde,  dem 
Hunde,  und  dem  ärgsten  Feinde,  der  Gattin,  wovon  hier 
nur  das  124.  Kapitel  der  Gesta  Romanorum  (in  Österleys 
Ausgabe)  und  das  423.  Stück  von  Paulis  Schimpf  und 
Ernst  genannt  seien,  and  schließlich  rudimentär  auch  in 
den  Geschichten  von  der  Freundesprobe,  wozu  Chauvin, 
IX,  S,  15  ff.  zu  vergleichen  ist. 

348.  Nawadir,  S.  6  (RTF,  XVII,  S.  94  ff.);  Mardrus, 
S.  %ff.;  Fourberies,  Nr.  4;  Buadem,  Nr.  100;  Trefäi. 
Nr.  132;  Serbisch,  S.  87;  Kroatisch,  S.  58. 

Vgl.  Hörn,  S.  71,  wo  die  Schnurre  bei  Zakani  und  in 
dem  Mesnewi  von  Dschelaleddin  Rumi  nachgewiesen  wird; 
nach  Dschami  erzählt  Clouston,  Flowers,  S.  80,  nach 
dem  Mesnewi  (zit.  Ausg.  S.  364  ff.)  Kuka,  S.  97  ff. 

349.  Nawadir,  S.  6  [RTF,  XVII,  S.  96);  Buadem, 
Nr.  101;  Serbisch,  S.  87;  Kroatisch,  S.  56. 

Über  den  Prangerritt  der  Ehebrecherin 
usw.  vgl.  man  die  2.  der  pseudoplutarchischen  Quaestiones 
graecae  (über  die  'Oyoßnn;  von  Cumae),  eine  Stelle  bei 
Stobaeus  über  die  Pisidier,  zitiert  bei  Alexander  ab 
Alexandro,  Geniales  dies,  Lugduni  Batavorum,  1673,  II, 
S.  862,  Österley,  Baitdl  Fachisi,  Leipzig,  1873,  S.  66  und 
Liebrecht,  Zur  Volkskunde,  Heilbronn,  1879,  S,  386  ff ., 
429  und  509. 

350.  Nawadir,  S.  6  (RTF,  XVII.  S.  148). 

Seine  Nachweisungen  in  den  Fourberies,  S.  21  hat 
Basset  anläßlich  der  Übertragung  dieser  Erzählung  er- 
gänzt. 

Vgl.  auch  mein  Mönchslatein,  S.  223  ff.,  Lee,  The  De- 
cameron,  S.  191  ff.  und  Ispirescu,  S.  37  [Magazin,  XCVI, 
S.  580). 

351.  Nawadir,  S.  7  [RTF.  XVII,  S,  480). 

185 


Fourberies,  S.  22;  Basset  in  der  RTP,  XVII,  S,  480. 

Siehe  weiter  Bolte,  Die  Singspiele  der  englischen 
Komoedianten,  Hamburg  und  Leipzig,  1893,  S.  18,  Eupho- 
rion,  XV,  S,  12,  Lee,  The  Decameron,  S.  203  ff,  und  Chau- 
vin, VIII,  S.  39. 

352.  Nawadir,  S.  8  [RTP,  XVII,  S,  149). 

353.  Nawadir,  S.  8  [RTP,  XVII,  S.  149).^ 

Vgl.  folgende  persische  Erzählung  bei  Kuka,  S.  210: 

A  man  who  was  given  to  jesting,  and  who  would  not 
give  up  his  habits  even  when  he  became  old,  was  one  day 
adraonished  by  his  neighbours  and  acquaintances,  who 
Said  tho  him:  ,,You  had  better  turn  your  toughts  towards 
prayers  and  repentance;  now  is  not  the  time  for  you  to 
joke  and  jest.  Devote  your  leisure  hours  to  hearing  the 
Hadees  read."  He  replied;  ,,Rest  assured,  gentlemen, 
I  have  not  neglected  the  traditions.  I  have  heard  many," 
„Well,  narrate  to  us  one  of  them,"  said  they.  He  rejoined: 
„I  have  heard  from  Näfa'a,  son  of  Yareed,  that  our  Pro- 
phet used  to  say  that  there  are  two  qualifications  which 
every  one  ought  to  acquire  if  he  wants  to  obtain  happiness 
both  in  this  world  and  in  the  next," 

Kere  our  wag  paused  for  a  very  long  time. 

,,Aye,  but  teil  us  what  are  those  two  qualifications?" 
asked  the  men.  „Oh,  the  narrator,  my  friend  Näfa'a,  had 
forgotten  one  of  them,"  replied  the  wag,  ,,and  I  have  for- 
gotten  the  other!" 

354.  Nawadir,  S.  9  [RTP.  XVII,  S.  152). 

355.  Nawadir,  S.  9  [RTP,  XVII,  S.  151), 

356.  Nawadir,  S.  9  [RTP,  XVII,  S,  153);  siehe  oben 
Nr.  11. 

357.  Nawadir,  S.  11   [RTP,  XVII,  S.  485). 

358.  Nawadjr,  S.  12  [RTP,  XVIH,  S.  138), 

Vgl.  eine  brzählung  im  Fakihat  al  hulafa  von  ibn 
Arabschah  bei  Chauvin,  II,  S,   196,  Nr,  22    (dazu  S,  213, 

186 


Nr,  IV)  und  Lidzbarski,  Geschichten  und  Lieder,  S.  158  ff,; 
nicht  ohne  Bezug  ist  wohl  auch  Pauli,  Nr,  140. 

359,  Nawadir,  S.  12   [RTP.  XVIII,  S,  213), 

360,  Nawadir,  S,  12  [RTF,  XVIII,  S.  213). 

361,  Nawadir,  S,  12   (RTP,  XVIII,  S.  214). 
Kuka,  S,  164: 

A  desert  Arab  was  present  at  the  dinner  table  of  one 
of  the  Caliphs,  The  dish  of  „Faloodeh"  pleased  him  so 
much  that  he  began  to  stuff  himself  with  it,  not  caring  to 
taste  any  of  the  other  viands,  One  of  those  who  were 
present  said  to  him;  „Don't  eat  too  much  of  this  Faloodeh, 
or  it  will  be  the  death  of  you,"  The  Arab  withdrew  his 
band  from  the  dish,  remained  thoughtful  for  a  while,  and 
then  saying  to  the  men  present,  „I  bequeath  to  you  the 
care  of  my  family,"  again  feil  to  the  dish  with  renewed 
vigour, 

362,  Nawadir,  S.  13  (RTP,  XVIII,  S.  216  ff,);  Four- 
beries,  Nr,  15, 

363,  Nawadir,  S,  16  (RTP,  XVIII,  S.  218  ff.). 

Esel  (Kalb  etc.)  an  der  Stelle  des  Ehe- 
brechers: Cent  nouvelles  nouvelles,  n,  61  mit  ihren  Ab- 
leitungen Recueil,  1555,  S.  221  ff,,  n.  72  =  Aventures,  1556, 
S,  251  ff,,  n,  75  (statt  74)  und  Malespini,  Ducento  novelle, 
Venetia,  1609,  II,  Bl,  220 äff.,  n,  61;  A,  v.  Keller,  Er- 
zählungen aus  altdeutschen  Handschriften,  Stuttgart,  1855, 
S.  306  ff.;  Gastius,  Convivales  sermones,  II,  S.  99  ff .  = 
Melander,  Jocoseria,  I,  S.  41  ff.,  Nr.  35  =  deutsch,  I, 
S.  23  ff.,  Nr.  201;  Domenichi,  1562,  S.  53  ff.  =  1581, 
S.  64  ff.;  Chauvin,  VII,  S.  171;  Die  Qukasaptati  (Textus 
simplicior),  übers,  v.  R,  Schmidt,  Kiel,  1894,  S.  47  und 
dazu  Benfey,  Fantschatantra,  Leipzig,  1859,  I,  S.  144. 

Kombiniert  mit  andern  Zügen  findet  sich  das  Motiv 
in  den  Fabliaux  Des  iresces  und  De  la  dame  qui  fist  enten- 


1  Gastius  nennt  seine  Quelle  nur  kurz  Cam.,  Melander  aber  ausführ- 
lich D.  Joachimus  Camerarius  in  Rhetoricis  suis,  d.  s.  die  der  Api&UO^.oyict 
Tj&lXrj,    Lipsiae,   1552  angehängten  Exempla  diversa  exercitii  rhetorici. 

187 


danf  son  mari  qu'il  sonjoit  bei  Montaiglon-Raynaud, 
Recueil  des  Fabliaux,  Paris,  1872  ff.,  IV,  S.  67  ff.  und  V, 
S.  132  ff.  (dazu  Bedier,  Les  Fabliaux,  2e  ed.,  Paris,  1895, 
S.  193  ff.),  in  Kellers  Erzählungen,  S.  310  ff.:  Der  pfaff 
mit  der  snuer  und  S.  324  ff.:  Ain  spruch  von  ainer  frawen, 
die  ain  pf äffen  bulett,  und  wie  vil  sy  irnn  man  unglicks  an- 
legen, in  einem  Gedichte  Herrants  von  Wildonie,  Der  ver- 
kerte  wirf  in  v.  d.  Hagens  Gesammf abenteuern,  II,  S,  333  ff. 
(dazu  S.  XLII  ff.)  und  bei  Lambel,  Erzählungen  und 
Schwanke,  Leipzig,  1872,  S.  191  ff.  und  in  dem  Spruch- 
gedichte Hans  Sachsens  Der  power  mit  denj.  zopff,  I, 
S,  480  ff.  (dazu  L.  A.  Stiefel  in  den  Hans  Sachs-For- 
schungen, Nürnberg,  1894,  S.  124  ff.). 

364,  Nawadir,  S.  16  (RTF,  XVIII,  S.  219);  Buadem, 
Nr,  107;  Serbisch,  S.  90;  Kroatisch,  S.  59. 

365,  Nawadir,  S.  17  (RTF,  XVIII,  S.  351);  Fourberies, 
Nr,  27;  Buadem,  Nr.  108;  Serbisch,  S,  90;  Kroatisch, 
S.  51  ff. 

Fourberies,  S,  28;  Basset  im  Keleti  Szemble,  I,  S.  223, 
Nr.  27  (Nuzhat  al  udaba).  Zu  Hammers  Übertragung  der 
betreffenden  Geschichte  des  Nuzhat  al  udaba  im  Rosenöl, 
II,  S.  308  vgl,  Bassets  Bemerkung  in  der  RTF. 

366,  Nawadir,  S,  17  [RTF,  XVIII,  S,  347), 

367,  Nawadir,  S,  17  [RTF,  XVIII,  S.  347);  Buadem, 
Nr,  109;  Serbisch,  S.  91. 

368,  Nawadir.  S.  18  (RTF,  XVIII,  S.  348), 
Dieselbe    Geschichte    steht    schon    bei    Bar-Hebraeus, 

S.  111,  Nr,  49,  wo  ein  Poet  zu  einem  Geizhals  sagt: 
„Wouldst  thou  have  me  whilst  I  am  eating  one  morsel 
to  stand  up  and  bow  the  knee,  and  then  take  another?" 

369,  Nawadir,  S,  18  [RTF,  XVIII,  S,  348  ff.). 

370,  Nawadir,  S.  40  [RTF,  XIX,  S.  312);  Serbisch, 
S.  98. 

Die  Schnurre  ist  viel  älter  als  Nasreddin;  sie  steht 
schon  bei  Maidani  (Freytag,  II,  S.  603), und,  nicht  unwitzig 

188 


i 


erweitert,  in  dem  Kitab  al  askija  des  1200  verstorbenen 
al  Dschausi,  wo  sie  nach  Basset,  RTF,  XVII,  S.  158  lautet: 

In  Kufa  war  eine  Frau,  deren  Mann  mittellos  war; 
und  sie  sagte  zu  ihm:  ,,Mach  dich  doch  auf  und  reise  durch 
die  Länder;  vielleicht  hilft  dir  Gott,  Er  nahm  den  Weg 
nach  Syrien,  und  dort  verdiente  er  dreihundert  Dirhem; 
dafür  kaufte  er  sich  eine  Kamelstute,  Die  war  aber  hitzig 
und  bereitete  ihm  viel  Verdruß.  In  seinem  Ärger  darüber 
und  über  seine  Frau,  daß  sie  ihn  weggeschickt  hatte, 
schwur  er,  entweder  die  Kamelstute  an  dem  Tage,  wo  er 
nach  Kufa  heimkommen  werde,  um  einen  Dirhem  zu  ver- 
kaufen oder  sich  von  seiner  Frau  zu  scheiden.  Dann 
reute  es  ihn  und  er  sagte  alles  seiner  Frau.  Sie  nahm  eine 
Katze,  setzte  sie  der  Kamelstute  auf  den  Hals  und  sagte 
zu  ihrem  Manne:  „Geh  auf  den  Markt  und  rufe  aus:  ,Wer 
will  diese  Katze  um  dreihundert  Dirhem  kaufen  und  diese 
Kamelstute  um  einen?  ich  verkaufe  sie  aber  nur  mit- 
einander,' "  Das  tat  er.  Ein  Araber  kam,  betrachtete  die 
Kamelstute  von  allen  Seiten  und  sagte:  ,,Wie  schön  sie  ist! 
wie  lebhaft!  Wenn  sie  nur  nicht  die  Katze  auf  dem  Halse 
hätte!" 

Ähnlich  ist  eine  Fassung  im  Bäharistan  Dschamis, 
S,  86  (Clouston,  Flowers,  S,  82),  zu  der  Schlechta-Wssehrd, 
S,  147  ff,  bemerkt,  daß  die  Anekdote  im  Oriente  sehr  be- 
kannt ist,  und  daß  an  sie  viele  Sprichwörter  erinnern  wie: 
„Wäre  nicht  die  Verfluchte  an  seinem  Halse!" 

Als  Predigtmärlein  bearbeitet  ist  die  Geschichte  bei 
Bromyard,  Summa  praedicantium,  E,  8,  17  (in  der  Ausg, 
Basel,  Joh,  de  Amerbach,  ca,  1479) : 

Sicut  patet  de  illo  qui  moriens,  vxore  executrice 
facta,  bouem  pro  anima  sua  legauit  vt  fertur,  Vxor  vero 
bouem  et  gallum  simul  ad  forum  ducens,  vtrumque  simul 
vendidit  hac  conuentione,  quod  emptor  pro  gallo  marcam 
anglicanam  et  pro  boue  obolum  daret;  quod  cum  factum 
fuisset,  obolum  pro  anima  dedit  mariti. 

Auf  einer  ähnlichen  Erzählung  beruhen  Pauli,  Schimpf 
und  Ernst,  Nr,  462  (die  Nachweisungen  Österleys,  S,  526  ff.), 
und  Zincgref-Weidner,  IV,  S,  199  (Ochs  und  Hahn)  i.     In 


1  Nur  ein  einseitiger  Zusammenhang  besteht  mit  der  Nr.  22  der  Hun- 
dred Mery  Talys  (ed.  by  Oesterley,  London  1866,  S.  42  ff.  und  bei  Hazlitt,  Shake- 
speare Jest-Books  I,  S.  40  ff,). 

189 


der  55.  Novelle  der  Heptamerons  sind  es  wieder,  wohl 
mit  Anlehnung  an  eine  etwa  über  Spanien  herüber- 
gekommene Tradition  ein  Pferd  und  eine  Katze;  ebenso 
erzählt  G.  F.  Giuliano,  Dialogo  d'un  medico  con  un  secre- 
tario  et  un  palafreniere  di  un  principe  romano  del  modo 
et  utilitä  di  rar  quadragesima,  Roma,  1651,  S.  41,  wäh- 
rend die  kurze  Darstellung  in  Costos  Fuggilozio,  S.  38  ff.: 
Astuzia  d'una  contadina  in  satisfare  un  legato  del  morto 
marito  von  einem  Ochsen  und  einer  Katze,  die  31.  Er- 
zählung bei  M,  Somma,  Cento  racconti,  3  a  ed.,  Napoli, 
1822,  S.  79  ff.  von  einem  Pferde  und  einem  Hammel  (kom- 
biniert mit  dem  Stoffe  der  71.  Facetie  Poggios,  wozu  man 
Arlotto,  I,  S.  191  vergleiche)  und  P,  Sebillot,  Contes  de  la 
Haute-Bretagne,  Nr.  28:  Le  fermier  ruse  in  der  RTF,  XI, 
S.  509  von  einer  Kuh  und  einer  Katze  berichten, 

371.  Nawadir,  S.  43  [RTF,  XIX,  S.  311  ff.), 

372.  Nawadir,  S.  43   [RTF,  XIX,  S.  311). 

In  den  Fourberies,  S.  72  bemerkt  Basset  zu  diesem 
Schwanke:  ,,Sans  doute  l'origine  du  dicton:  Si  la  mon- 
tagne  ne  va  pas  ä  Mahomet,  c'est  Mahomet  qui  ira  a  la 
montagne"  und  wiederholt  dies  in  der  RTF  a.  a.  0.  Diese 
Behauptung  hat  dann  der  Fortsetzer  der  Arbeit  Büch- 
manns in  die  letzten  Auflagen  der  Geflügelten  V/orte  auf- 
genommen. Hätte  er  in  Wanders  Sprichwörter-Lexikon 
nachgesehn,  so  hätte  er  auf  S.  958  des  V.  Bandes  als 
Quelle  des  Sprichworts:  ,,Wenn  der  Berg  nicht  zum  Pro- 
pheten kommen  will,  so  muß  der  Prophet  wohl  zum  Berge 
gehn"  das  Gedicht  Hagedorns  „Mahomet  und  der  Hügel" 
angegeben  gefunden;  aber  auch  dieses  ist  nicht  die  un- 
mittelbare Quelle,  weil  es  wohl  sonst  statt  ,,Berg"  ,, Hügel" 
heißen  müßte  ^.  Die  Quelle  scheint  vielmehr  die  Moham- 
med betitelte  Erzählung  in  Hebels  Schatzkästlein  des 
Rheinischen  Hausfreundes  (zit.  Ausg.  IV,  S.  263  ff.)  zu 
sein,  deren  Anfang  lautet: 

Dem  Mohammed  wollten  es  anfänglich  nicht  alle  von 
seinen  Landsleuten  glauben,  daß  er  ein  Prophet  sei,  weil  er 
noch   kein   Wunder   getan   hatte   wie   Elias.      Dazu    sagte 

1  Die  SchluOverse  lauten: 

Will  nicht  zum  Mahomet  der  träge  Hügel  kommen, 
So  geht  jetzt  Mahomet  zum  trägen  Hügel  hin. 

190 


Mohammed,  ganz  gleichgültig,  wie  einer,  der  eine  Pfeife 
Tabak  raucht  und  etwas  dazu  redet,  „das  Wunder,"  sagte 
er,  „macht  den  Propheten  noch  nicht  aus.  Wenn  ihrs  aber 
verlangt,  so  werden  ich  und  jener  Berg  dort  geschwind 
beieinander  sein,"  Nämlich,  er  deutete  auf  einen  Berg, 
der  eine  Stunde  weit  oder  etwas  entfernt  war,  und  rief 
ihm  mit  gebietender  Stimme,  daß  der  Berg  sich  soll  von 
seiner  Stätte  erheben  und  zu  ihm  kommen.  Als  aber 
dieser  keine  Bewegung  machen  und  keine  Antwort  geben 
wollte,  wiewohl  keine  Antwort  ist  auch  eine,  so  ergriff 
Mohammed  sanftmütig  seinen  Stab  und  ging  zum  Berg, 
womit  er  ein  merkwürdiges  und  nachahmenswertes  Bei- 
spiel gab 

Woher  Hagedorn  und  Hebel  geschöpft  haben,  kann  ich 
nun  allerdings  nicht  sagen,  sicher  scheint  hingegen  zu  sein, 
daß  die  Dschohageschichte  von  dem  Palmbaum  (ebenso 
auch  wahrscheinlich  die  beiden  deutschen  Erzählungen) 
auf  einer  Mohammedlegende  fußt.  Bayle  zitiert  in  dem 
Artikel  Mahomet  [Dictionaire  historique  ei  critique,  3e  ed,, 
Rotterdam,  1720,  S,  1852)  eine  Stelle  aus  der  das  erste  Mal 
1686  erschienenen  Histoire  du  monde  von  Urb.  Chevreau, 
die  folgendermaßen  beginnt: 

Quand  les  Corei'schites  de  la  Mecque  l'eurent  prie 
(sc,  Mahomet)  de  faire  une  miracle  pour  faire  connoitre 
ce  qu'il  etoit,  il  divisa  la  Lune  en  deux  pieces  entre  les- 
quelles  ils  aperceurent  une  montagne,  Ayant  apele  deux 
arbres,  ils  se  joignirent  pour  aller  ä  lui,  et  se  separerent 
en  se  retirant,  par  le  commandement  qu'il  leur  fit. 

373.  Nawadir,  S,  43  [RTF,  XIX,  S.  312);  Buadem, 
Nr.  23;  Serbisch,  S,  59;  Kroatisch,  S,  36. 

Die  Geschichte  steht  schon  bei  Bar-Hebraeus,  S,  149, 
Nr,  587  („I  wish  to  know  how  far  my  voice  will  reach.") 
und  ähnlich  erzählt  Kuka,  S,  173. 

Eine  hübsche  Parallele  bieten  die  Contes  du  Sieur 
Gaulard.  S.  200  ff.: 

Or  il  (le  Sieur  Gaulard)  vid  plusieurs  personnages  a 
la  Cour,  mesmement  de  ceux  de  longue  robbe,  qui  auoient 
en  leurs  chambres  de  petites  cloches,  lesquelles  ils  son- 
noient  pour  appeller  leurs  seruiteurs,  quand  ils  en  auoient 
af faire;  et  s'estant  apperceu  qu'au  son  de  cette  cloche, 
aussitost  ils  ne  failloient  de  venir  vers  leurs  maistres,  il 

191 


luy  prit  fantaisie  d'en  auoir  vne.  Et  si  tost  qu'il  fut  en 
sa  chambre,  oü  il  luy  tardoit  ja  qu'il  n'estoit  arriue  pour 
en  faire  l'experience,  il  se  mit  ä  sonner  certe  cloche;  mais 
voyant  que  pas  vn  de  ses  seruiteurs  n'approchoit,  il  se 
persuada  que  ses  gens  ne  pouuoient  entendre  le  son.  Et 
pour  l'experimenter  il  sonna  sa  cloche  pres  sa  table,  puis 
estant  couru  ä  sa  porte  (car  nottez  qu'il  pensoit  courir 
aussi  viste  que  le  son  de  sa  cloche)  et  n'entendant  rien 
pres  d'icelle,  il  dit  que  ses  gens  auoient  raison  de  ne  pas 
estre  venus  vers  luy,  et  qu'il  failloit  bien  que  ceux  qui 
auoient  des  cloches,  eussent  quelque  recepte  pour  faire 
deualler  le  son  en  bas. 

374.  Nawadir,  S.  43   [RTP,  XIX,  S.  313  ff.). 

Der  analoge  Schwank  des  36.  Kapitels  der  Schild- 
bürger (v,  d.  Hagen,  Narrenbuch,  S.  188  ff.;  Das  Laienbuch, 
S.  135  ff.)  steht  schon  bei  Hans  Sachs,  IV,  S.  73  ff.,  ferner 
als  12.  Erzählung  von  Freys  Gartengesellschaft;  vgl.  dazu 
die  Noten  Boltes,  S,  220  und  Archiv  für  slavische  Philo- 
logie, XXII,  S.  309, 

375.  Nawadir,  S.  43  [RTP,  XIX,  S.  252  ff.). 

376.  Nawadir,  S.  46  [RTP,  XIX,  S.  251). 


192 


2.  Aus    der   von  Mardrus   besorgten   Ausgabe 
von  Tausend  und  einer  Nacht 

377.  Mardrus,  S.  93  ff.;  s.  oben  Nr,  37, 

378.  Mardrus,   S,   95  ff.;    Nawadir,   S.   8;    Fourberies, 
Nr.  3. 

Bei  Kuka  steht  (S,  214)  eine  persische  Variante: 
On  one  occasion  Mulla  Nasruddin  was  invited  to  a 
dinner  at  a  friend's  house.  A  dish  of  boiled  fowl  was 
placed  before  him.  As  the  fowl  was  not  thoroughly  cooked, 
he  partook  of  gravy  only,  and  said  to  his  friend:  „Please 
have  this  fowl  well  cooked  for  to-morrow,  when  I  shall 
again  be  your  guest."  On  the  next  day  the  same  dish  was 
placed  before  him,  and  he  found  that  again  the  fowl  was 
not  well  cooked.  He,  therefore,  partook  of  the  gravy,  and 
then  placing  the  fowl  in  front  of  himself,  began  his  pro- 
strations  and  genuflexions  as  in  prayers,  „What  are  you 
doing?"  asked  the  host.  The  Mulla  replied:  „I  am  going 
to  ask  a  blessing  on  this  flesh,  for  the  flesh  that  is  placed 
twice  over  the  fire  and  is  not  cooked,  cannot  be  the  flesh 
of  an  ordinary  fowl,  but  that  of  some  prophet  er  saint 
amongst  them." 

379.  Mardrus,  S.  96;  Nawadir,  S.  16;  Fourberies,  Nr.  14, 
Hartmann,  S.  57, 

380.  Mardrus,  S.  114. 


Nasreddin,  II.  13  JQß 


3.  Volkserzählungen  aus  Tripolis  und  Tunis 

381.  Stumme,  Tripolis,  S.  178  ff.;  vgl.  oben  Nr.  57. 

382.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  75  ff.  und  II,  S.  126  ff. 

Zu  dem  Motive  von  dem  Zolle  auf  verschie- 
dene Gebrechen  vgl.  Österleys  Nachweisungen  zu 
der  Nr.  157  der  Gesta  Romanorum,  S.  738  und  zu  der 
Nr.  285  von  Paulis  Schimpf  und  Ernst,  S.  506,  ferner  Waas, 
Die  Quellen  der  Beispiele  Boners,  S.  56  ff.  und  Chauvin, 
IX,  S.  18  ff.  Eine  interessante  Parallele  bietet  das  Nuzhat 
al  udaba  (Basset  in  der  RTF,  XV,  S.  672  ff.),  weil  auch 
hier  der  Zoll  auch  auf  den  Namen  gesetzt  ist: 

Man  erzählt,  daß  einer  einen  König  um  die  Erlaubnis 
gebeten  hat,  einen  Dirhem  von  Jedem  Buckligen,  ebenso 
einen  Dirhem  von  jedem,  der  Suleiman  heiße,  und  einen 
Dirhem  von  jedem,  der  aus  Mosul  sei,  einheben  zu  dürfen. 
Der  König  legte  diese  Steuer  auf,  und  der  Mann  nahm 
den  Bescheid  und  ging.  Er  sah  einen  Buckligen,  der  drei 
Hühner  hatte,  jedes  einen  Dirhem  wert;  da  streckte  er  die 
Hand  aus  und  nahm  eines  und  sagte:  ,,Auf  Befehl  des 
Sultans."  Der  Bucklige  begann  zu  schreien  und  um  Hilfe 
zu  rufen.  Einer,  der  ihn  kannte,  sagte  zu  ihm:  „Gib  acht, 
Scheik  Suleiman!"  Da  verlangte  der,  der  den  Bescheid 
hatte,  zwei  Dirhem  und  streckte  die  Hand  nach  dem 
zweiten  Huhne  aus.  Der  Bucklige  schrie:  „Ich  beschwöre 
dich,  tu  mir  nicht  unrecht;  ich  bin  ein  Fremder,  aus 
Mosul."  „Jetzt  sind  es  drei  Dirhem,"  sagte  der  andere; 
er  streckte  die  Hand  aus  und  nahm  auch  das  dritte  Huhn 
und  ging  weg. 

Diese  Fassung,  wo  das  Gebrechen,  der  Name  und  die 
Heimat  die  Anlässe  zu  der  Entrichtung  eines  Zolles  geben, 
ist  ein  Gegenstück  zu  dem  611,  Stücke  bei  Pauli:  dort 
bittet  ein  armer  Student  vergebens  um  ein  Almosen,  weil 
er  aus  Bremen  ist,  Nikolaus  heißt  und  nur  ein  Auge  hat. 

Die  Episode  von  den  drei  Dummen  hat  eine  bis 
in  Einzelheiten  übereinstimmende  Parallele  bei  Radioff, 
Proben  der  Volkslitteratur  der  türkischen  Stämme  Süd- 
sibiriens, Petersburg,  1866  ff.,  VI,  S.  257:  In  einer  Stadt, 
die  sonst  nur  von  Narren  bewohnt  wird,  nimmt  der  einzige 
nicht  närrische  eine  Frau.  Die  geht  nach  drei  Tagen  die 
Kuh  melken,  und  bei  dieser  Beschäftigung  läßt  sie  einen 

194 


Wind;  sie  bittet  die  Kuh,  nichts  davon  zu  sagen.  Dann 
kommt  ihre  Schwiegermutter  ebenfalls  bitten  und  bringt 
der  Kuh  eine  Schüssel  Kleie,  damit  sie  nichts  sage. 
Endlich  kommt  auch  der  Schwiegervater,  bringt  der  Kuh 
auch  eine  Schüssel  Kleie  und  bittet  sie  wie  die  beiden 
andern,  so  daß  sie  alle  drei  beisammen  sitzen.  Als  der 
junge  Gatte  nach  Hause  kommt,  wird  er  zornig  und  geht 
aus,  um  drei  ebenso  törichte  Leute  zu  finden:  findet  er 
sie,  soll  seine  Familie  verschont  bleiben;  findet  er  sie 
nicht,  will  er  seine  Familie  töten  usw.  usw. 

In  dieser  Kombination,  wo  es  sich  allerdings  meist  um 
die  junge  Frau  oder  Braut  und  ihre  Eltern  —  nicht  wie 
bei  Radioff  und  in  unserm  Schwanke  um  ihre  Schwieger- 
eltern —  handelt,  ist  das  Motiv  außerordentlich  verbreitet. 
Clouston  hat  ihm  in  dem  Book  of  Noodles,  S.  191  ff.  eine 
längere  Studie  gewidmet,  und  reichliche  Nachweise  finden 
sich  bei  Köhler,  I,  S.  81  ff.,  217  ff.  und  266;  dazu  kommen 
noch  Pitre,  III,  S.  137  ff.,  Crane,  S.  279  ff.  und  378,  Jacobs, 
English  Fairy  Tales,  S.  9  ff.  und  231  ff.  und  Aug.  Dozon, 
Trois  contes  bulgares,  Nr.  3:  Le  cochon  a  la  noce  in  der 
RTF,  III,  S.  381. 

Der  Schluß  unserer  Geschichte  bringt  wieder  den  Zug 
vom  eingebildeten  Toten,  der  uns  schon  oft 
genug  begegnet  ist. 

383,  Stumme,  Tunis.  I,  S.  78  ff .  und  II,  S.  131  ff.; 
Fourberies,  Nr.  55  =  unten  Nr.  415;  Pitre,  IV,  S.  444 
(Giufä).    Siehe  weiter  Nr.  347  und  Nr.  430. 

Das  Motiv  von  dem  Regen  eßbarer  Dinge, 
der  einer  dummen  Person  vorgetäuscht  wird,  um  ihrer 
Erzählung  die  Glaubwürdigkeit  zu  nehmen,  wird  uns  noch 
unten  bei  Nr.  407  beschäftigen;  abgesehn  von  derartigen 
Kombinationen  erscheint  es  noch  mit  Giufä  verknüpft  bei 
Pitre,  III,  S.  378.  Nachweisungen  geben  Köhler-Bolte  in 
der  ZW.  VI,  S.  73,  Clouston,  Noodles.  S.  154,  Cosquin, 
II,  S.  182,  Note,  Köhler,  I,  S.  340  und  342  und  Chauvin, 
VI,  S,  126;  dazu  wären  noch  zu  nennen  U.  Jahn,  Schwanke 
und  Schnurren,  S.  48  ff.,  Swynnerton,  S.  180  (s.  oben  die 
Note  zu  Nr.  347),  O'Connor,  Folk  Tales  from  Tibet.  S.  3311, 
Ilg,  II,  S.  38  ff.,  James  Bruyn  Andrews,  Contes  ligures. 
S.  92  ff.,  eine  brasilianische  Erzählung,  die  Basset  in  der 
RTF,  X,  S,  499  mitteilt,  Hazelius,  Ur  de  nordiska  folkens 

13*  195 


lif,  S.  101  ff.,  zitiert  im  Archivio,  II,  S,  477  ff.  usw.  usw. 
Hierher  gehört  auch  die  bei  Chauvin,  VIII,  S.  69  be- 
sprochene Novelle  des  Syntipas,  wozu  eine  im  Archivio, 
II,  S.  479  aus  dem  Finnischen  übersetzte  Erzählung  zu 
vergleichen  ist.  Alle  diese  Mittel,  um  ein  Ausplaudern 
ungefährlich  zu  machen  —  an  den  zwei  letztgenannten 
Stellen  handelt  es  sich  allerdings  um  einen  andern 
Zweck  —  gemahnen  an  die  List,  die  die  ungetreue  Frau 
anwendet,  um  den  wachsamen  Vogel,  Papagei  oder  Elster, 
zu  täuschen  (vgl.  darüber  die  Literaturnachweise  bei 
Chauvin,  VIII,  S.  35  ff.);  als  eine  Art  Bindeglied  könnte 
eine  Erzählung  bei  Bütner,  Von  Claus  Narren,  S.  119  (aus 
derselben  Quelle  bei  Zincgref-Weidner  V,  S,  174)  gelten, 
wo  der  Vogel  durch  einen  Narren  ersetzt  ist: 

Ein  Weib  machte  kundschafft  mit  eim  andern  Mann. 
Der  Narr  sähe  es;  die  Fraw  forchte,  der  Narr  mochte  sie 
verrathen,  vnnd  warff  ein  Säugfercklin  auff  jhn  hinab  in 
den  Hofe.  Der  Narr  meinet,  es  regnet  Schweinlein,  da 
ließ  die  fraw  eins  vmb  das  ander  auff  den  Narren  fallen, 
Vber  eine  zeit  fraget  der  Ehemann:  Sage  mir,  Heine,  wie 
hat  meine  Fraw  haußgehalten?  Heine  sprach:  Sie  lag  bey 
einem  andern  Mann.  Der  Ehemann  sprach:  Fraw,  du 
must  sterben.  Ach  nein,  sprach  die  Fraw,  eilet  nicht, 
Herr,  fraget  den  Narren  besser.  Also  fraget  der  Mann: 
Heine,  v,'enn  schlief f  die  Fraw  bey  einem  andern?  Heine 
antwortet:  ,,Nechst  war  es,  da  sähe  ichs,  vnd  am  selben 
Tage  regnet  es  viel  junge  Schweinlein.  Der  Herr  sprach: 
Hilff  Gott,  wie  ist  es  ein  ding,  wenn  mann  einem  Narren 
glaubet,  vnnd  den  Rechten  grund  nit  erfehret. 

384.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  79  und  II,  S.  132  ff. 
Hammer,  Rosenöl,  II,  S.  305  ff.  nach  dem  Nuzhat  at 

udaba,  und  dazu  Basset  im  Keleti  Szemle  I,  S,  222,  Nr.  8; 
s.  weiter  Chauvin,  VIII,  S.  49  ff. 

385.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  79  ff.  und  II,  S.  133  ff.;  vgL 
oben  Nr.  63. 

386.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  80  und  II,  S.  135. 
S.  die  Anmerkung  zu  Nr.  277, 

387.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  81   und  II,  S,  136. 

196 


Hartmann,  S.  59, 

Heller  in  fremdes  Geld  geworfen:  Hart- 
mann in  der  ZW,  VI,  S.  268;  Pauli,  Nr.  566;  Montanus, 
S.  25  und  562;  Chauvin,  VH,  S.  153. 

388.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  81  und  H,  S.  136  ff, 

389.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  81  und  H,  S.  137  ff. 

390.  Stumme,  Tunis,  I,  S.  82  und  H,  S.  139  ff, 

391.  Stumme,  Tunis,  I,  S,  82  ff,  und  H,  S.  140. 

Die  letzten  vier  Stücke,  zu  denen  eigentlich  auch 
schon  Nr,  387  gehört,  sind  Teile  eines  U  n  i  b  o  s  - 
märchens,  übertragen  auf  Dschuha;  dasselbe  gilt  von 
den  Nummern  46  bis  50  der  Fourberies,  die  deshalb  weg- 
geblieben sind,  und  von  der  Dschochigeschichte  bei  Lidz- 
barski,  Geschichten  und  Lieder,  S.  249  ff.  Teilweise  rudi- 
mentär begegnen  uns  einzelne  Unibosmotive  auch  bei 
T.  J,  Bezemer,  Volksdichtung  aus  Indonesien,  Haag,  1904, 
S.  196  ff,:  Streiche  des  Djonaha,  des  Batakschen  Eulen- 
spiegels; wie  Basset  in  der  RTF,  XX,  S.  3  wohl  ricktiger- 
weise  annimmt,  ist  dieser  Djonaha  (sprich:  Dschonaha) 
niemand  anders  als  der  arabische  Dschoha,  der  dem  Namen 
nach  auch  mit  dem  syrischen  Dschochi  identisch  ist.  Die 
türkische  Überlieferung  scheint  das  Unibosmärchen  nicht 
zu  kennen,  und  so  dürfte  auch  die  auf  Nasreddin  über- 
tragene serbische  Variante  aus  Bosnien,  die  in  der 
Anthropophyteia,  HI,  S,  366  ff,  steht,  auf  europäische  Ein- 
flüsse zurückzuführen  sein. 

Eine  ausführliche  Studie  der  in  diesen  Erzählungen 
zusammengefaßten  Motivenreihen  gibt  Zenatti  in  der  Ein- 
leitung zu  seiner  Ausgabe  der  Storia  di  Campriano  conia- 
dino,  Bologna,  1884  und  reichliche  Literaturnachweise 
bringen  Lidzbarski,  S.  249  und  Köhler-Bolte  in  der  ZW, 
VI,  S,  167;  vgl,  noch  Köhler,  I,  S,  230  ff„  III,  S,  13  ff.  u.  ö., 
Rittershaus,  S.  436  ff.,  Böhm,  Lettische  Schwanke,  Nr.  19, 
30  und  49  und  S.  113,  118  und  121  ff.  und  Busch,  Ut  öler 
Welt,  S,  28  ff. 

Interessant  ist  das  letzte  der  oben  genannten  Stücke 
in  den  Fourberies:  Dscheha  legt  sich  in  ein  Grab;  als  seine 
Gegner  bei  ihrer  Ankunft  hören,   daß  er  tot  sei,  wollen 

197 


sie  ihm  durch  ein  Loch  im  Grabe  einen  argen  Schimpf 
antun,  aber  er  brandmarkt  sie  auf  ihre  Hinterbacken, 
Durch  diese  Brandmale  beweist  er  dann,  daß  sie  seine 
Leibeigenen  sind,  und  sie  müssen  sein  Lebelang  für  ihn 
arbeiten.  Diese  Erzählung,  die  mit  dem  Schlüsse  der  Ge- 
schichte des  zweiten  Strolchs  bei  Henning,  Tausend  und 
eine  Nacht,  XXHI,  S.  219  ff.  (Chauvin,  VH,  S.  151  ff.) 
übereinstimmt,  hat  mit  Ausnahme  des  zuletzt  genannten 
Zuges,  daß  nämlich  aus  der  Brandmarkung  die 
Leibeigenschaft  abgeleitet  wird,  wozu  man 
Boltes  Nachweise  bei  Armeno-Wetzel,  Die  Reise  der  Söhne 
Giaffers,  Tübingen,  1895,  S.  215  vergleiche,  eine  inter- 
essante Parallele  in  einer  litauischen  Überlieferung  bei 
Veckenstedt,  Sztukoris,  S.  28  ff.  In  zwei  andern  litauischen 
Märchen  (Schleicher,  S.  44  ff.  und  86)  verstümmelt  der 
vermeintliche  Tote  seine  Widersacher,  als  sie  ihn  ver- 
unreinigen wollen,  mit  einem  Messer  und  einer  Schere; 
eine  sehr  große  Ähnlichkeit  hat  damit  eine  Erzählung  bei 
Socin  und  Stumme,  Der  arabische  Dialekt  der  Houwara 
des  Wad  Sus  in  Marokko,  Leipzig,  1894,  S.  34  und  98, 
wo  der  Tote  einem  seiner  Nachsteller,  der  riechen  will, 
ob  er  schon  stinke,  mit  einer  Schere  die  Nase  abschneidet. 
Vgl.  dazu  Köhler,  L  S,  324.  Zu  dem  sich  tot 
stellenden  Schuldner  usw.  vgl.  Hartmann,  S.  56, 
Bolte  bei  Wickram,  S.  368  und  unten  die  Noten  zu  Nr,  429. 


198 


III.  Berberische  Überlieferungen 

392.  Stumme,  Tamazratt,  S,  39  und  70,  Nr.  24;  Stumme, 
Tunis,  I,  S.  80  und  II,  S.  134  (hier  wird  der  Esel,  so  wie 
in  vielen  Unibosmärchen  von  drei  Leuten  gemeinsam  ge- 
kauft) ;  Fourberies,  Nr.  46  (ebenso  und  wirklich  ein  Teil 
eines  Unibosmärchens) ;  ebendort,  Nr.  36  (an  die  Stelle  des 
Esels  treten  hintereinander  zwei  Rinder) ;  Anthropophyfeia, 
V,  S.  328  und  329  f{.  (aus  Bosnien  und  von  Nasreddin; 
wegen  des  Anfanges  dieser  Erzählung  s.  oben  die  Anmer- 
kung zu  Nr.  277). 

Eine  besonders  ihres  Schlusses  wegen  merkwürdige 
Variante  bringt  die  serbische  Ausgabe,  S.  113  ff.: 

Eines  Tages  wollte  der  Hodscha  Nasreddin  einen  Esel 
kaufen  gehn.  Als  er  auf  den  Markt  kam,  traf  er  dort 
einen  Kerl,  der  aus  seinem  Esel  möglichst  viel  Geld 
herausschlagen  wollte.  Nasreddin  fragte  ihn,  was  der  Esel 
kosten  solle,  und  der  Mann  nannte  einen  hohen  Preis, 
fügte  aber  hinzu,  daß  sein  Esel  nicht  so  sei  wie  die  andern, 
sondern  jeden  Tag  Geld  scheiße,  einmal  lauter  Taler,  am 
andern  Tage  lauter  Dukaten;  und  um  Nasreddin  davon  zu 
überzeugen,  hob  er  dem  Esel  den  Schwanz,  nahm  einen 
Dukaten  heraus  und  steckte  ihn  in  den  Gürtel. 

Als  das  Nasreddin  sah,  brannte  er  nur  darauf,  den 
Esel  zu  kaufen,  und  zahlte  schließlich  eine  große  Summe 
für  ihn.  Beim  Abschiede  sagte  ihm  noch  der  Kerl,  wie  er 
ihn  zu  füttern  habe,  und  dann  gingen  sie  auseinander. 

Voller  Freude  ging  Nasreddin  mit  dem  Esel  heim  und 
fütterte  ihn  tüchtig,  ohne  sich  an  die  Vorschrift  zu  halten. 

Am  nächsten  Morgen  eilte  er  in  den  Stall,  einen  Sack 
in  der  Hand,  den  er  mit  den  Dukaten  füllen  wollte.  Aber 
er  fand  die  Stalltür  von  innen  verrammelt,  und  konnte 
nicht  eintreten.  ,, Schau  ihn  an,"  sagte  er  bei  sich,  „da 
hat  er  die  ganze  Nacht  geschissen,  und  der  Stall  ist  jetzt 
so  voll  Gold,  daß  ich  die  Tür  nicht  öffnen  kann."  Nach 
diesem  Selbstgespräche  guckte  er  durch  einen  Spalt  hinein, 
und  nun  sah  er  etwas  wie  Silber  glänzen;  er  war  davon 
nicht  gerade  entzückt  und  sagte  sich:  „Schau  dir  nur 
diesen  Dreckkerl  an!  Dukaten  hat  er  nicht  scheißen 
wollen,  sondern  nur  Taler."  Er  ging  um  eine  Axt  und 
schlug  die  Tür  ein. 

Als  er   dann   in   den   Stall   trat,   bekam   er   etwas  zu 

199 


sehn.  Der  viele  Hafer  hatte  den  Esel  aufgetrieben  und 
der  Esel  hatte  alle  viere  von  sich  gestreckt;  und  was 
Nasreddin  für  Taler  gehalten  hatte,  waren  die  Hufeisen 
des  verreckten  Esels. 

Nun  wurde  ihm  noch  weher  ums  Herz;  er  warf  den 
Sack  weg  und  begann  zu  jammern.  Daraufhin  kam  ein 
Nachbar  gelaufen,  und  der  fragte  ihn,  was  ihm  fehle. 
„Was  mir  fehlt?  na,  sieh  dir  die  Geschichte  an;  ich  habe 
ein  schönes  Stück  Geld  verloren."  Und  er  erzählte  dem 
Nachbar,  wie  er  betrogen  worden  sei. 

Der  Nachbar  beriet  ihn,  was  er  tun  solle:  ,, Hacke  dem 
Esel  den  Kopf  ab,  nimm  eine  oder  zwei  Oka  Seide  und 
wickle  sie  auf  den  Kopf;  dann  nimm  ihn  auf  den  Markt 
und  biete  ihn  zum  Verkaufe  aus.  Wenn  dich  einer  fragt, 
was  du  zu  verkaufen  hast,  so  sagst  du:  , Einen  Esels- 
kopf.' " 

Nasreddin  folgte  diesem  Rate  und  ging  mit  dem  Esels- 
kopfe auf  den  Markt.  Es  kam  einer  und  fragte  ihn,  was 
er  zu  verkaufen  habe,  und  Nasreddin  sagte:  ,, Einen  Esels- 
kopf." Der  Kunde  lachte  und  sagte:  „Aber  Hodscha,  du 
bist  doch  dumm!  das  soll  ein  Eselskopf  sein?  das  ist  ja 
Seide."  ,,Und  ich  sage  dir,  du  kaufst  nur  einen  Esels- 
kopf." Doch  der  Kunde  lachte,  weil  er  meinte,  das  sei 
nichts  als  eine  von  des  Hodschas  gewöhnlichen  Dumm- 
heiten. Sie  handelten  den  Preis  für  die  Oka  Seide  aus 
und  wogen  den  Klumpen  ab,  und  der  Kunde  bezahlte  das 
ganze  Gewicht  für  Seide.  Dann  verabschiedeten  sie  sich, 
und  jeder  ging  seines  Weges. 

Als  der  Käufer  den  Klumpen  abwickelte,  fand  er,  daß 
die  Seide  nur  oberflächlich  war  und  daß  das  andere  wirk- 
lich ein  Eselskopf  war;  sofort  lief  er  zum  Richter  und  ver- 
klagte Nasreddin,  daß  ihn  der  betrogen  habe.  Der  Richter 
ließ  den  Hodscha  rufen,  und  der  sagte,  als  er  vor  Gericht 
erschienen  war:  „Erhabener  Kadi,  frage  ihn,  was  ich  ihm 
gesagt  habe,  daß  ich  zu  verkaufen  habe,  und  du  wirst 
sehn,  ob  ich  ihn  betrogen  habe."  Der  Kadi  befragte  den 
Kläger  und  der  erzählte  genau  den  Sachverhalt.  Erstaunt 
fragte  ihn  nun  der  Kadi:  ,,Ja,  warum  klagst  du  denn,  wo 
du  doch  gewußt  hast,  was  du  kaufst?"  und  damit  ließ  er 
ihn  hinauswerfen. 

Auf  diese  Weise  hatte  der  Hodscha  Nasreddin  den 
erlittenen  Schaden  wieder  eingebracht.. 

200 


Der  Schluß  dieser  Erzählung  steht  als  selbständiger 
Schwank  in  der  griechischen  Ausgabe  Nr.  145  und  bei 
Pann,  S.  331  ff. 

Fourberies,  S.  74  ff. 

Goldmistende  Tiere  (ohne  Rücksicht  auf  die 
Unibosmärchen):  Grimm,  KHM,  III,  S,  65  ff.;  Benfey, 
Pantschatantra,  I,  S.  378  ff.;  Kathä  Sarit  Sägara,  II,  S.  8; 
Clouston,  Populär  Tales  and  Fictions,  I,  S.  123  ff,;  Forke, 
Die  indischen  Märchen  und  ihre  Bedeutung  für  die  ver- 
gleichende Märchenforschung,  Berlin,  1911,  S.  52. 

393,  G.  A.  Krause,  Proben  der  Sprache  von  Chat  in 
der  Sahara  in  den  Mittheilungen  der  Riebeclt' sehen  Niger- 
Expedition,  Leipzig,  1884,  II,  S,  31  ff,  =  Basset,  Contes 
populaires  d'Afrique,  S.  12  ff. 

Basset,  Zenatia,  S.  134;  Basset,  Nouveaux  contes  ber- 
beres,  Paris,  1897,  S.  349. 

Ähnlich  wie  hier  Schahas  Frau  den  Wasserschlauch 
hergibt,  verkauft  bei  Pitre,  Novelle  popolari  toscane, 
S,  187  Giucca  Quattrini  für  Töpfe.  Über  dieses  Motiv, 
das  Verschleudern  wertvoller  Dinge  durch 
einen  Dummkopf,  vgl.  Köhler,  I,  S.  66,  71,  342  und 
391;  zu  den  an  diesen  Stellen  und  im  Archiv  für  slavische 
Philologie,  XXI,  S,  285  gegebenen  Nachweisen  kommen 
noch  E.  Sklarek,  Ungarische  Volftsmärchen,  Leipzig,  1901, 
S,  251  ff,  und  298,  M.  Preindlsberger-Mrazovic,  Bosnische 
Vollismärchen,  Innsbruck,  1905,  S.  95  ff,  und  Chauvin,  VI, 
S,  31  ff. 

Zu  der  Wiedergewinnung  vgl,  Chauvin,  V,  S.  64,  Note, 

394,  Fourberies,  Nr,  2;  Nawadir,  S,  6;  vgl.  oben 
Nr,  160. 

Hartmann,  S.  53  ff. 

Ungefähr  dasselbe  erzählen  das  Radikal  al  afrah  von 
asch  Schirwani  {Basset  in  der  RTP,  XIV,  S,  290)  und 
Roda  Roda,  S,  75, 

395,  Fourberies,  Nr,  5;  Nawadir,  S,  13, 
Fourberies,  S,  26, 

Die  an  dieser  Stelle  zitierte  älteste  Version  der  Ge- 
schichte aus  Abdirabbihis  Kitab  al  ikd  al  farid  hat  Basset 
in  der  RTP,  XV,  S,  282  übersetzt;  ebendort  zitiert  Basset 

201 


noch  eine  Parallele  aus  dem  Mustatraf  von  al  Abschihi; 
vgl.  weiter  Dschami,  Bäharistan,  S.  73  ff.,  Kuka,  S.  205, 
Nr.  133  und  Galland,  S.  33. 

396.  Fourberies,  Nr.  7;  Buadem,  Nr.  98;  Trefdi,  Nr,  131; 
Serbisch,  S.  86;  Kroatisch,  S.  52, 

397.  Fourberies,  Nr.  9;  Nawadir,  S.  12. 
Fourberies,  S.  25;  Basset  in  der  RTF,  XVIII,  S.   138 

(eine  ähnliche  Erzählung  steht  schon  in  dem  Kitab  al  ikd 
al  farid  von  Abdirabbihi). 

398.  Fourberies,  Nr.  10;  Nawadir,  S.  11;  Buadem, 
Nr.  104;  Serbisch,  S.  88  ff.;  Kroatisch,  S.  58  ff . 

Fourberies,  S.  25;  Basset  in  der  RTF,  XVII,  S.  606. 

399.  Fourberies,  Nr.  12. 

Köhler,  I,  S.  500;  Hartmann,  S.  57. 

In  einer  Erzählung  des  im  siebenten  Jahrhundert 
n.  Chr.  verfaßten  Midrasch  Echa  rabbathi  verteilt  ein 
Mann  aus  Jerusalem  als  Gast  fünf  Hühner  auf  folgende 
Weise:  der  Hausherr  und  sein  Weib  erhalten  ein  Huhn, 
die  zwei  Söhne  eines,  die  zwei  Töchter  eines  und  er  selber 
zwei,  so  daß  überall  die  Zahl  drei  resultiert.  A.  Wünsche, 
der  diese  Erzählung  in  der  Z.  /.  vgl.  Littg.,  N.  F.,  IV, 
S.  40  ff.  mitteilt  (andere  Parallelen  bei  Armeno-Wetzel, 
Die  Reise  der  Söhne  Giaffers,  hg.  v.  Fischer  u.  Bolte, 
Tübingen,  1895,  S.  207),  bringt  ebendort,  S.  43  f f .  eine 
völlig  entsprechende  Variante  aus  Johannes  Juniors  Scala 
coeli,  Ulm,  1480,  Bl.  37b  bei: 

Cum  in  prandio  quinque  haberet  perdices,  voluit,  ut 
secundum  scientiam  divinam  eas  divideret,  Tunc  clericus: 
In  divinitate  trinitas  est  principium,  et  ideo  vobis  et  do- 
minae  do  unam  et  sie  estis  tres,  duabus  filiabus  unam  et 
sie  sunt  tres,  duobus  filiis  unam  et  sie  estis  tres;  mihi  soli 
duas  et  sie  sumus  tres. 

Vereinfacht  ist  dieses  Beispiel  in  der  türkischen  Volks- 
erzählung Vom  Räuber  und  vom  Richter,  die  wie  Prelog 
bemerkt,  der  Steindruckausgabe  von  Nasreddins  Schwän- 
ken als  Saum  für  jede  Seite  beigeschrieben  wurde  (vgl. 
Chauvin,  V,  S.  187).    Dort  heißt  es  (Camerloher,  S.  69  ff.): 

202 


Der  Richter hieß  ihn  auch  die  drei  Hennen  aus- 
teilen. Der  Räuber  schaute  sich  um,  sah,  daß  die  Kinder 
und  die  Diener  weggegangen  waren,  gab  eine  Henne  der 
Richterin  und  die  zwei  andern  sich  selbst. 

Richter:   „Was  ist  dies  für  eine  Verteilung?" 

Räuber:  ,,Die  Henne  ist  eins,  und  ihr  beide  dazu 
macht  drei;  ich  bin  eins,  und  die  zwei  Hennen  dazu 
macht  drei." 

Man  sieht,  daß  die  Schnurre  Dschehas  nur  eine  nicht 
unwitzige  Steigerung  dieser  Geschichte  darstellt.  Vgl, 
auch  unten  Nr.  467. 

400.  Fourberies,  Nr,  19;  Pharaon,  S,  185  ff.;  Pann, 
S.  353  ff. 

Fourberies,  S.  74. 

401.  Fourberies,  Nr,  22;  Nawadir,  S.  10, 
Fourberies,  S.  24  und  79. 

Hammer,  Rosenöl,  H,  S.  274  ff.;  Gladwin,  H,  S,  25, 
Nr,  66;  Clouston,  Flowers,  S.  95  ff.;  Kuka,  S.  83  ff,;  Basset 
in  der  RTF,  XIII,  S.  617  (aus  dem  Mustatraf  von  al  Ab- 
schihi).  Vgl,  auch  Wesselski,  Mönchslatein,  Nr,  20  und 
die  Noten  auf  S,  206, 

402.  Fourberies,  Nr.  23;  Buadem,  Nr.  99;  Nawadir, 
S.  5;  Serbisch,  S.  86. 

Fourberies,  S.  19  ff. 

Aristoteles  und  die  Königin;  Wesselski, 
Mönchslatein,  S.  244  ff.;  dort  wären  noch  anzuziehen  ge- 
wesen Holte,  Die  Singspiele  der  englischen  Komoedianten, 
S.  21,  Gaudefroy-Demonbynes  in  der  RTF,  XI,  S.  530,  Basset 
ebendort,  XV,  S,  109  ff.  und  A,  Borgeld,  Aristoteles  en 
Phyllis.  Groningen,  1902, 

403.  Fourberies,  Nr,  24;  Nawadir,  S,  44. 
Fourberies,  S,  73. 

Vgl.  Arlotto,  I,  S,  193  ff.,  wo  noch  auf  Boltes  An- 
merkung zu  Schumanns  Nachtbüchlein,  Nr,  42,  S,  409  und 
hinter  Freys  Gartengesellschaft,  S.  284,  auf  Bolte  in  der 
ZW,  XIII,  S,  422  und  auf  Cosquin,  II,  S,  209  zu  verweisen 
gewesen  wäre, 

404.  Fourberies,  Nr,  33, 

203 


405.  Fourberies,  Nr,  35;  vgl.  auch  dort  Nr.  36. 
Fourberies,  S.  74. 

Der  Betrug  mit  dem  Ziegenfelle,  auf  das  der  Sohn  als 
angeblicher  Käufer  mitbietet,  kehrt  wieder 
zu  Beginn  der  6.  Erzählung  bei  Socin  und  Stumme,  Der 
arabische  Dialekt  der  Houwara,  S.  35  und  98  (=i  Basset, 
Contes  populaires  d'Afrique,  S.  121),  die  uns  noch  unten 
bei  Nr.  407  begegnen  wird;  vgl.  auch  Henning,  Tausend 
und  eine  Nacht,  XIX,  S.  13  ff.  und  Chauvin,  VIII,  S.  107. 

406.  Fourberies,  Nr.  37. 

Vgl.  die  66.  Facetie  Poggios:  Dictum  Perusini  ad 
uxorem  und  die  93.  der  Cent  nouvelles  nouvelles.  Aus- 
führliche Nachweisungen  gibt  Bolte  zu  Frey,  Nr.  21, 
S.  223  ff.;  dazu  kommen  noch  Domenichi,  Facetie,  1562, 
S.  25  ff.  und  282  (=  Ausgabe  von  1581,  S.  30  und  349)  und 
Sagredo,  L'Arcadia  in  Brenta,  S.  386  ff. 

Anders  Serbisch,  S.   128: 

Der  Hodscha  Nasreddin  hatte  seiner  Frau  neue  Pan- 
toffel gekauft,  aber  mit  Papiersohlen.  Als  das  die  Frau 
sah,  begann  sie  mit  dem  Hodscha  zu  zanken,  aber  er  sagte 
zu  ihr:  ,,Du  nichtsnutziges  Ding,  kümmere  dich  um  deine 
Arbeit;  wollte  Gott,  du  könntest  mit  dem  Fuß  nicht  mehr 
auftreten:  dann  könntest  du  sie  hundert  Jahre  tragen." 

407.  Fourberies,  Nr.  38;  siehe  Nr.  426  und  427,  ferner 
die  Dschahangeschichte  bei  Stumme,  Malta,  S.  50  ff. 
(^  Stumme,  Studien,  S.  37),  den  Schluß  des  91.  Stückes: 
Dschahans  Abenteuer  bei  Ilg,  II,  S.  43  ff.  und  Pitre,  No- 
velle popolari  toscane,  S.  184  ff.  (von  Giucca),  Vgl,  auch 
oben  Nr.  277  und  die  Noten  dazu. 

Fourberies,  S,  75;  Basset  in  der  RTF,  XI,  S,  498  ff . 

Über  den  Verkauf  an  einen  Vogel,  einen 
Baum,  eine  Statue  usw,  handeln  Köhler,  I,  S,  51, 
65,  98  und  99  ff,,  Basset  im  Loqmän  herbere,  S.  77  ff,, 
Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S,  73,  Clouston,  Noodles, 
S.  143  ff.,  Cosquin,  II,  S.  179  ff.  und  Chauvin,  VI,  S.  125  ff. 
Ohne  Rücksicht,  ob  schon  zitiert  oder  nicht,  gebe  ich  hier 
alle  Versionen,  die  ich  einsehn  konnte,  indem  ich  auch  auf 
das  oben  bei  Nr,  383  angezogene  Motiv  von  dem  Regen 
eßbarer  Dinge  Rücksicht  nehme:  . 

204 


Stumme,  Elf  Stücke  im  Silha-Dialekt  von  Täzerwalt, 
Nr,  7  in  der  Zeitschr.  d.  Deutschen  Morgenl.  Ges.,  XLVIII, 
S.  403  ff.  (an  eine  Eule;  Regen  von  Bohnen  und  Erbsen); 
Stumme,  Der  arabische  Dialekt  der  Houwara,  S.  35  und 
98  f f .  (=  Basset,  Contes  populaires  d'Afrique,  S.  121  ff,): 
(Eule;  gewöhnlicher  Regen,  Scheint  verderbt  zu  sein); 
Riviere,  Recueil  de  contes  populaires  de  la  Kabylie  du 
Djurdjura,  S.  179  ff,  (Kuckuck,  Kuchenregen);  Ilg,  II, 
S.  51  ff.  (Holzbildsäule;  Weinbeerenregen);  Giamb.  Basile, 
La  Cunto  de  li  Cunti,  j.  I,  t.  4  (1.  Ausg.  1634),  Napoli, 
1891,  I,  S,  63  ff,  =  Der  Pentamerone,  übertragen  von 
F.  Liebrecht,  Breslau,  1846,  I,  S.  61  ff,  (Bildsäule;  Regen 
von  Rosinen  und  Feigen) ;  R,  Forster,  Fiabe  popolari  dal- 
mate,  Nr.  13  im  Archivio,  X,  S.  313  ff.  (Mehl  an  Bäume; 
ohne  Schatz)  und4  314  (Statue);  Schott,  Walachische 
Märchen,  Stuttgart,  1845,  zitiert  bei  Mackenzie,  The  Mar- 
vellous  Adventures  and  Rare  Conceits  of  Master  Tyll 
Owlglass,  New  Ed.,  London,  1890,  S.  313  (Baum) ;  Haltrich, 
S.  232  ff,  (Eiche) ;  Krauss,  Sagen  und  Märchen  der  Süd- 
slaven, I,  S,  249  ff,  (Buche);  Sklarek,  S,  204  ff,  (Weiden- 
baum) ;  Böhm,  Lettische  Schwanke,  S,  42  ff,  (Kiefern) ;  Blade, 
Contes  populaires  de  la  Gascogne,  III,  S,  127  ff,  (Statue); 
Sebillot,  Contes  de  la  Haute-Bretagne  in  der  RTP,  XI, 
S,  504  ff,  und  505  (Heiliger) ;  derselbe,  Contes  et  legendes 
de  la  Haute-Bretagne  in  der  RTP,  XXIV,  S,  140 ff,  (Heiliger; 
kein  Schatz  gefunden) ;  J,  Frison,  Contes  et  legendes  de  la 
Basse-Bretagne  in  der  RTP,  XXII,  S,  404  ff ,  (Heiliger); 
Sebillot,  Litterature  orale  de  la  Auvergne,  S,  81  (Heiliger; 
kein  Schatz  gefunden) ;  Carnoy,  Litterature  orale  de  la 
Picardie,  S,  190  und  196  (Christusbild) ;  Cosquin,  II, 
S,  177  ff,  (Ohne  Schatz  finden;  Jean  Bete  nimmt  dem 
Heiligen  einfach  die  Leinwand  wieder  ab), 

408,  Fourberies,  Nr,  40, 

409,  Fourberies,  Nr,  41, 

410,  Fourberies,  Nr,  42, 

411,  Fourberies,  Nr,  43, 

412,  Fourberies,  Nr,  52  und 

205 


413,  Fourberies,  Nr.  53. 

Diese  Erzählung  hat  eine  merkwürdige  Übereinstim- 
mung mit  dem  7.  der  KHM  der  Brüder  Grimm:  Der  gute 
Handel  und  mit  dem  52.  Stücke  der  Krausschen  Sagen  und 
Märchen  der  Südslaven;  in  diesen  beiden  Märchen  macht 
ein  Bauer  eine  Königstochter  durch  die  Erzählung  von 
dem  Fleischverkaufe  an  Hunde  (s.  oben  die 
Anmerkung  zu  Nr.  277,  wo  auch  auf  Jahn,  Schwanke  und 
Schnurren,  S.  103  ff.  zu  verweisen  gewesen  wäre)  lachen 
und  soll  sie  deshalb  zur  Gattin  erhalten. 

Königstochter  lachen  machen:  Grimm, 
KHM,  III,  S.  115;  Benfey,  Pantschatantra,  1,  S.  518;  Köhler, 

I,  S.  93  ff.  und  348;  Bolte  bei  Montanus,  S.  569;  Archiv  für 
slavische  Philologie,  XXI,  S.  295,  XXII,  S.  301  und  307.  Vgl, 
weiter  Monnier,  S,  325  ff ,  und  329;  Slftarek,  S,  206  ff ,  und 
295;  Wlislocki,  Märchen  und  Sagen  der  transsilvanischen 
Zigeuner,  Berlin,  1886,  S.  119 ff,;  Haltrich,  S,  175 ff,;  Wenzig, 
Westslawischer  Märchenschatz,  Leipzig,  1857,  S,  312  ff,; 
Blade,  Contes  populaires  de  la  Gascogne,  III,  S,  23  ff,; 
Jacobs,  English  Fairy  Tales,  S,  154  und  249  (Motiv  miß- 
verstanden] ;  Reinisch,  Die  Nuba-Sprache,  1,  S.  224  ff.  Eine 
diesen  Zug  behandelnde  Abhandlung  von  J,  Polivka  in 
der  Pohadkoslovne  studie,  Prag,  1904  ist  mir  unbekannt 
geblieben, 

414,  Fourberies,  Nr.  54  und 

415.  Fourberies,  Nr.  55. 

S.  die  Nrn.  347,  383  und  430. 

416.  Fourberies,  Nr.  56. 

Für  diese  Erzählung  gilt  das,  was  Benfey,  Pantscha- 
tantra, I,  S.  360  von  ihrer  Parallele,  der  äsopischen  Fabel 
Von  dem  Bauern  und  der  Schlange  (Halm,  Nr.  96)  sagt, 
nämlich  daß  sie  wie  ein  Fragment  aussieht  und  nur  den 
Eindruck  von  gehörtem  und  nicht  völlig  verstandenem, 
darum  unzusammenhängendem  macht;  vor  allem  fehlt 
jeder  Grund,  daß  Dscheha  den  Schakal  in  sein  Haus  auf- 
nimmt. Vgl,  Österleys  Anmerkungen  zu  Gesta  Roma- 
norum, Nr.  141  und  zu  Kirchhof,  Wendunmuth,  VII,  Nr.  91, 
die  Anmerkungen  Kurzens  zu  Waldis,  I,  Nr,  26,  Chauvin, 

II,  S,  94  und  Nopcsa,  Aus  Sala  und  Klementi,  Sarajevo, 
1910,  S,  63  ff, 

206 


Schakal  (Fuchs)  hat  zehn  (hundert  etc.)  Listen: 
Benfey,  I,  S,  316;  Köhler,  I,  S.  408,  534  und  560;  Chauvin, 
III,  S.  54. 

417,  Fourberies,  Nr,  59, 

Zu  der  Probe  der  Scharfsichtigkeit  vgl,  Busch,  Ut  öler 
Welt,  S.  12  ff. 

418.  Fourberies,  Nr,  60, 


207 


IV.  Maltesische  Überlieferungen 

419,  Bonelli.  S.  459;  Buadem,  Nr,  30;  Serbisch,  S,  61  ff. 

420,  Bonelli,  S,  459. 

421,  Stumme,  Studien,  S.  49  f f .  =  Stumme,  Malta, 
S,  79  ff.;  Stumme,  Studien,  S.  61  ff.  =  Stumme,  Malta, 
S.  91  ff.;  Bonelli,  S.  459  ff.;  Ilg,  II,  S.  41  ff.,  Nr.  91. 

Reichliche  Varianten  geben  Cosquin,  II,  S.  202  ff.  und 
363  ff.  und  Chauvin  in  der  ZW,  XV,  S.  462;  dazu  vgl. 
noch  Luzel,  Contes  populaires  de  Basse-Bretagne,  III, 
S.  400  ff.,  P.  Sebillot,  Contes  de  la  Haute-Bretagne,  Nr,  22 
in  der  RTF,  XI,  S.  453  ff.;  Wlislocki,  Märchen  und  Sagen 
der  transsilvanischen  Zigeuner,  S,  73  ff.;  Ilg,  II,  Nr,  98, 
S.  50  ff.;  Holte  in  der  ZYY,  XVII,  S.  339. 

422,  Ilg,  II,  Nr,  94, 

423,  Ilg,  II,  Nr.  95. 

Der  Schwank  erinnert  an  das  Salzsäen  im  14.  Kapitel 
des  Laienbuchs  (Stuttgart,  1839,  S.  61  ff.;  v.  d.  Hagen, 
S.  83  ff.),  wo  es  überdies  heißt:  „Demnach  auch  kund  und 
offenbar,  daß  andere  Sachen  wachsen,  als  Kälber,  so  man 
Käse  setzet,  und  Hühner,  wenn  man  Eier  in  Boden 
stecket  .  .  .";  vgl,  dazu  Böhm,  Lettische  Schwanke,  S.  119, 
Ähnlich  ist  das  Anbauen  von  Kuhschwänzen,  um  Kühe  zu 
erhalten;  s,  Keller,  Die  Schwaben,  S.  137  ff.  und  Bronner, 
Schelmen-Büchlein,  S.  107  ff.  Klaus  Narr,  der  Pfennige 
aussät,  um  Geld  zu  ernten  (S.  85),  will  auch  Schafe  und 
Geflügel  anbauen  (S.  203  ff.) : 

Clauß  strawte  Schaaflorbern  auß  vnd  meinet,  es 
würden  Schaaf  dauon  außgehen;  da  sprach  einer:  Lieber 
Clauß,  es  werden  keine  Schaaf  auß  diesem  Samen,  Clauß 
sprach:  Werdens  nit  Schaaf e,  so  werdens  Lämmer,  die 
dienen  auch  in  der  Küchen  an  die  Bratspiesse, 

Also  satzte  er  auch  Kötlein  von  Hünern  vnd  Gänsen 
vnd  versähe  sich,  es  würden  Hüner  vnd  Gänse  drauß 
wachsen;  da  spräche  einer  zu  jm:  Es  ist  vmb  sonst,  Clauß, 
was  du  thust;  wenn  du  aber  Eyer  einscharretest,  so  würden 
junge  Hüner  drauß,     Clauß  antvvortet;  Was  taug  vnd  kan 

Nasreddin,   II.  14  209 


ein  ding  vnversuchet?     Ich  wils  hiemit  versuchen,  wil  es 
denn  nicht  gerahten,  so  wil  ich  Eyer  eynscharren. 

Vgl.  auch  die  11.  und  die  12.  der  von  Decourdemanche 
hinter  den  Plaisanteries  de  Nasr-Eddin  Hodja,  S.  123  ff. 
mitgeteilten  Karakuschgeschichten. 

424.  Ilg,  II,  Nr.  96. 

Eine  maltesische  Parallele  steht  bei  Ilg,  II,  S,  39;  vgl. 
weiter  Grimm,  III,  S.  101. 

425.  Ilg,  II,  Nr.  97. 

Der  Schwank  ist  mir  außer  bei  Costo,  //  Fuggilozio, 
S.  91  und  bei  Sagredo,  L'Arcadia  in  Brenta,  S.  165  ff.  auch 
schon  in  einer  altern  italiänischen  Facetien-  oder  Novellen- 
sammlung begegnet;  leider  ist  mir  nicht  erinnerlich,  in 
welcher.  Auf  einer  italiänischen  Quelle  beruht  auch  das 
dasselbe  erzählende  35.  Stück  von  Wickrams  Rollwagen- 
büchlein; vgl.  Boltes  Noten  dazu  S.  370  ff. 


210 


V.  Sizilianische  Überlieferungen 

426.  Pitre,  III,  S.  353  ff.;  Crane,  S.  291  ff.;  Gonzen- 
bach,  I,  S.  249  ff.  (der  Anfang  ist  identisch  mit  der 
Nr.  427) ;  vgl.  oben  die  Nr.  277  und  407. 

Pitre,  III,  S.  371;  Crane,  S.  379;  Gonzenbach,  II, 
S.  228. 

Der  Befehl,  nur  an  Leute  zu  verkaufen, 
die  wenig  reden  begegnet  nicht  nur  in  der  Fassung 
bei  Pitre,  sondern  auch  bei  Basile,  Cosquin  und  Frison 
an  den  zu  Nr,  407  genannten  Stellen. 

427.  Pitre,  III,  S.  354  ff.;  Crane,  S.  292;  Gonzenbach, 
I,  S.  249  ff. 

Crane,  S.  379;  Cosquin,  II,  S.  180  ff. 

Bei  Pitre,  Novelle  popolari  toscane,  S.  188  deckt 
Giucca  mit  der  schon  gefärbten  Leinwand  einen  Dorn- 
busch zu,  der  ihm  vor  Kälte  zu  zittern  scheint. 

428.  Pitre,  III,  S.  355  ff.;  Crane,  S.  293. 
Crane,  S.  293  ff.  und  380. 

Bei  Pitre,  III,  S,  372  (Monnier,  S.  59)  steht  eine 
Variante,  wo  sich  Giufä  über  die  Fliegen  nur  deshalb 
beklagt,  weil  sie  ihn  belästigen;  der  Ausgang  ist  ebenso 
wie  in  der  in  Rede  stehenden  Erzählung.  Diese  Variante, 
die  mit  einer  Juvadigeschichte  bei  Mango,  S.  54  überein- 
stimmt, ist  eine  Parallele  zu  unserer  Nr.  280.  Vgl.  dazu 
noch  die  Nachweisungen  Pitres  im  Archivio,  V,  S.   140. 

Von  den  in  unsere  Erzählung  verwobenen  Motiven  er- 
innert der  Fleischverkauf  an  die  Fliegen  an 
den  oben  bei  Nr.  277  und  412  besprochenen  Fleisch- 
verkauf  an  die  Hunde,  während  wir  der  Ver- 
scheuchung von  Dieben  durch  ein  harm- 
loses Selbstgespräch  (zu  der  hier  besprochenen 
Fassung  vgl.  noch  die  Giufägeschichte  bei  Gonzenbach,  I, 
S.  260  ff.)  unten  bei  Nr.  446  begegnen  werden. 

429.  Pitre,  III,  S.  356  ff.;  Gonzenbach,  I,  S.  255  fL; 
Crane,  S.  298  ff.;  Monnier,  S.  12  ff. 

Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S.  74. 

Meist  bis  in  die  Einzelheiten  übereinstimmende 
Varianten  geben  Lidzbarski,  Geschichten  und  Lieder,  II, 
S.    175  ff.,    Ilg,    II,    S.    20  ff.,    M.    Preindlsberger-Mrazovic, 

1^*  211 


Bosnische  Volksmärchen,  S.  47  ff.,  Finamore  im  Archivio, 
V,  S.  219  ff,  und  P.  Sebillot  in  der  RTP,  XI,  S.  391  ff.;  vgl, 
auch  Archiv  für  slavische  Philologie,  XXII,  S.  305  (klein- 
russisch), 

430,  Pitre,  III,  S.  360  ff.;  Crane,  S.  294  ff.;  Gonzen- 
bach,  I,  S.  252  ff.;  Pitre,  IV,  S.  291. 

Pitre,  III,  373  ff.  und  IV,  444  ff.;  Crane,  S.  295  ff.  und 
S.  380;  Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S.  74. 
Vgl,  die  Nrn.  347,  383  und  415. 

431,  Pitre,  III,  S.  361  ff.;  Crane,  S.  296;  Gonzenbach, 

I,  S,  253,  Vgl,  die  als  Nr,  445  mitgeteilte  Juvadigeschichte. 

In  einer  Erzählung  bei  Stumme,  Malta,  S,  55  ff. 
(Studien,  S.  40)  wirft  Dschahan  das  kleine  Mädchen,  das 
er  waschen  soll,  in  einen  Kessel  siedenden  Wassers. 

Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S,  74;  weitere  Nach- 
weise gibt  Holte  bei  Frey,  S,  223, 

432,  Pitre,  III,  S,  365  ff.     Siehe  oben  Nr,  55, 

433,  Pitre,  III,  S.  366  ff.;  Crane,  S,  296  ff,;  Gonzen- 
bach, I,  S,  252;  eine  ähnliche  Geschichte  von  Juvadi  bei 
Mango,  S,  47  ff.;  Juvadi  et  la  jocca. 

Bei  Pitre,  Novelle  popolari  toscane,  S,  180  ff,  und  195 
setzt  sich  Giucca  erst  auf  die  Eier,  nachdem  er  sich  mit 
Honig  bestrichen  und  in  Federn  gewälzt  hat, 

Pitre,  III,  S,  376;  Crane,  S,  380;  Gonzenbach,  II, 
S,  228;  Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S.  74. 

Vgl,  weiter  meine  Anmerkungen  zu  Bebel,  I,  Nr.  26  und 
III,  Nr,  148  und  zu  Morlinis  49,  Novelle,  Lidzbarski,  Ge- 
schichten und  Lieder,  S,  128  ff.  (Bolte  in  der  Z.  /.  vgl. 
Littg.,  XIII,  S.  233),  Böhm,  Lettische  Schwanke,  S.  118  zu 
Nr,  33  und  endlich  Busch,  Ut  öler  Welt,  S.  35  ff.,  Nr.  16, 

434,  Pitre,   III,    S,   369  ff. 

Abu  Nuwas  ist  der  Held  dieser  Geschichte  bei  Veiten, 
Märchen  und  Erzählungen  der  Suaheli,  S.  25  ff.,  bei  Bütt- 
ner, Anthologie  aus  der  Suahelilitteratur,  I,  S,  90  ff.  und 

II,  S.  90  ff,  und  bei  Reinisch,  Die  Afar-Sprache,  I, 
S,  15  ff,  (in  die  letztgenannte  Erzählung  ist  der  gewöhn- 
liche Schluß  der  Unibosmärchen  verwoben) ;  von  Bahlul 
wird  sie  berichtet  bei  Meißner,  Neuarabische  Geschichten 
aus  dem  Iraq,  Nr.  44,  S.  76  und  77  ff.;  siehe  ebendort,  S,  V. 


212 


VT.  Kalabrische  Überlieferungen 

435,  F,  Romano,  Calabresismi,  Teramo,  1891,  S,  109, 
abgedruckt  im  Archivio,  XI,  S.  112, 

Das  Motiv  von  der  verkehrten  Ansprache 
oder  Begrüßung  (siehe  oben  die  Anmerkung  zu 
Nr,  169],  das  hier  nur  am  Schlüsse  leichthin  angedeutet 
ist,  ist  vollkommen  durchgeführt  in  der  Giufäerzählung 
bei  Pitre,  III,  S,  362  ff,;  vollständig  fehlt  es  hingegen  bei 
den  sonst  als  Parallelen  zu  bezeichnenden  Erzählungen  von 
Juvadi  bei  Mango,  S,  48  und  von  Dschahan  bei  Bonelli, 
S,  458  und  Stumme,  Malta,  S.  52  [Studien,  S,  38), 

Vgl.  weiter  Ilg,  II,  S,  48;  Die  Taten  des  Buassu. 

436,  Mango,  S.  48  ff, 

437,  Mango,   S,  49  ff. 

Vgl,  Henning,  Tausend  und  eine  Nacht ,  XXIII, 
S,  213  ff,  (Chauvin,  VII,  S,  150  ff ,) ;  Gonzenbach,  II, 
S,  138  ff,;  Pitre,  III,  S.  223  ff ,  und  236  ff,;  Cosquin,  II, 
S,  338  ff,;  Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI,  S,  171;  Wesselski 
bei  Morlini,  S,  320  ff,;  Clouston,  Populär  Tales  and  Fic- 
tions,  II,  S,  36  ff,  und  473  ff. 

An  Märchen,  die  dem  unsrigen  nahe  stehn,  seien  noch 
genannt:  Amalfi,  Novelluzze  raccolte  in  Tegiano  (Prov. 
di  Salerno),  Nr,   1:   Lo  cunto  re  lu  puorcu  im  Archivio, 

XIX,  S,  497  ff.;  G,  Crocioni,  Novelle  popolari  in  dialetto 
di  Canistro  (Aquila),   Nr,  4:   La  vaccarella  im  Archivio, 

XX,  S,  190  ff,;  Pitre,  Novelle  popolari  toscane,  S,  277  ff., 
Nr,  59;  //  porco  e  il  castrato;  P,  Sebillot,  Contes  de 
pretres  et  de  moines,  recueillis  en  Haute-Bretagne,  Nr,  1; 
Les  moines  et  le  bonhomme  im  Archivio,  XIII,  S,  274  ff,; 
Radioff,  III,  S,  336  ff.:  Eshigäldi;  vgl,  auch  Jacob,  Tür- 
kische Volkslitteratur,  Berlin,  1901,  S.  7  ff.  und  Archiv  für 
slavische  Philologie,  XXVI,  S,  465, 

Zu  dem  einleitenden  Zuge,  der  Herauslockung 
des  Tieres,  vgl,  Wesselski,  Mönchslatein,  S,  209  zu 
Nr,  29,  wo  noch  auf  Bromyard,  S,  8,  9,  Kdtha  Sarit  Sägara, 
II,  S,  68  ff,  und  636  und  Lecoy  de  la  Marche,  L'esprit  de 
nos  a'ieux,  S,  196  ff,  zu  verweisen  gewesen  wäre,  und 
Hertel,  Tantrakhydyika,  Leipzig  und  Berlin,  1909,  I, 
S.  137. 

213 


Zu  der  Verkleidung  als  Arzt  vgl.  noch  Tallemant  des 
Reaux,  Les  Historiettes,  3e  ed.  par  P.  Paris  et  De  Mon- 
merque,  Paris,  1865,  VI,  S.  220,  Nr.  472:  Vengeance 
raffinee. 

438.  Mango,  S.  51  ff. 

Der  Eingang,  nämlich  die  Tötung  des  Morgensängers, 
kehrt  wieder  in  der  bei  Pitre,  III,  S.  375  ff.  als  Variante 
zu  der  oben  als  Nr.  430  gebrachten  Giufägeschichte  mit- 
geteilten Erzählung. 

Der  Rest  ist  eine  Bearbeitung  des  Motivs  von  der 
mehrfachen  Ausnutzung  eines  Leichnams, 
worüber  man  —  ohne  Rücksicht  auf  die  in  den  Unibos- 
märchen  oft  vorkommende  Nutznießung  aus  der  Leiche  der 
Mutter  —  V.  d.  Hagen,  Gesammtabenteuer,  III,  S.  LH  ff., 
Cosquin,  II,  S.  333  ff.,  Bedier,  S.  469,  Köhler,  I,  S.  65, 
W.  C.  Hazlitt,  Tales  and  Legends  of  National  Origin  or 
widely  current  in  England  from  early  iimes,  London,  1892, 
S.  480  ff.:  The  Monk  of  Leicester  who  was  four  iimes 
slaine  and  once  hanged,  Rittershaus,  S.  396  ff,  und  399  ff., 
Böhm,  Lettische  Schwanke,  S.  119  ff.  vergleiche;  verwandt 
damit  ist  auch  Stumme,  Malta,  S.  61  ff.  (=  Studien, 
S.  44  ff.). 

439.  Mango,  S.  52  ff. 

Wie  man  sieht,  ist  diese  Geschichte  nichts  als  eine 
Variante  des  3.  Märchens  des  1.  Tages  bei  Basile;  ausführ- 
liche Nachweisungen  geben  Köhler-Bolte  in  der  ZW,  VI, 
S.  174  ff.  und  Köhler,  I,  S.  405  und  588.  Vgl.  auch  Archiv 
für  slavische  Philologie,  XXVI,  S.  463, 

Zu  der  Heilung  durch  Lachen  vgl.  oben  die 
Anmerkung  zu  Nr.  167  und  meine  Nachweise  in  Bebeis 
Schwänken,  II,  S.  110  ff.;  ferner  Studien  z.  vgl.  Lüg.,  VII, 
S.  236;  J.  Meder,  Quadragesimale  de  filio  prodigo,  1494, 
sermo  20,  zitiert  bei  Cruel,  Geschichte  der  deutschen  Pre- 
digt im  Mittelalter,  1879,  S,  568  ff.;  Celtes,  Fünf  Bücher 
Epigramme,  hg.  v,  Hartfelder,  Berlin,  1881,  S.  57;  Passano, 
/  novellieri  italiani  in  prosa,  2a  ed.,  Torino,  1878,  II, 
S.  104. 

440.  Mango,  S.  53. 

441.  Mango,  S.  53  ff. 

214 


442.  Mango,  S.  54. 

443.  Mango,  S.  54. 

Vgl.  Merkens,  I,  S.  168  ff.,  Nr.  196  und  Krauss, 
Zigeunerhumor,  S.  34  ff.;  ich  glaube  aber  die  Schnurre 
auch  schon  als  Predigtmärlein  gelesen  zu  haben. 

444.  Mango,  S.  55, 

Das  Verschmieren  der  Wandritzen  mit 
Teig  erinnert  an  das  Bestreichen  der  Erde  mit 
Butter:  Grimm,  KHM,  Nr.  59;  Haltrich,  S.  245,  Nr.  67; 
Rittershaus,  S.  357;  E.  H.  Carnoy,  Litterature  orale  de  la 
Picardie,  S.  189  ff.;  Böhm,  Lettische  Schwanke,  S.  118  zu 
Nr.  31;  Archiv  für  slawische  Philologie,  XXII,  S.  309;  Rei- 
nisch.  Die  Saho-Sprache,  I,  S.  242;  derselbe.  Die  Bedauye- 
Sprache,  Wien,  1893,  I,  S.  58  ff .  Getränkt  wird  die 
durstige  Erde  bei  L.  Morin,  Contes  Troyens,  Nr.  8  in  der 
RTP,  XI,  460  ff.,  und  ihre  Risse  werden  mit  Geld  verstopft 
bei  P.  Sebillot,  Litterature  orale  de  la  Haute-Bretagne, 
S.  98.    Siehe  auch  oben  die  Anmerkung  zu  Nr,  427. 

445.  Mango,  S.  55. 

Die  Unkenntnis  vom  Wesen  des  Kinds - 
Schädels  als  Ursache  der  Tötung  des  Kindes  begegnet 
konform  wie  hier  bei  Haltrich,  S.  243  (. , ,  da  merkte  Hans, 
daß  dem  Kinde  der  Scheitel  zuckte,  das  waren  aber  die 
Weichen,  die  bei  der  Aufregung  des  Kindes  erzitterten. 
Hans  aber  dachte,  das  sei  eine  bösartige  Blase,  nahm  eine 
große  Nadel,  stach  sie  durch,  und  das  Kind  zuckte  nur 
einigemal  und  war  tot , ,  .)  und  bei  G,  Amalfi,  /  chiochiari 
nel  mandamento  di  Tegiano  im  Archivio,  VII,  S,  132  ff,; 
eine  augenscheinlich  verdorbene  Version  erzählt  Alice 
Ferme,  Contes  recueillis  en  Tunis,  Nr,  1:  La  bonne  femme 
in  der  RTP,  VIII,   S.  28  ff. 

446.  Mango,  S.  55  ff.;  ebenso  von  Giufä:  Pitre,  III, 
Nr.  367  ff. 

In  derselben  Weise,  nur  daß  es  sich  um  das  einem  zer- 
brochenen Kruge  entströmende  Wasser  handelt,  geschieht 
die  Verscheuchung  der  Diebe  im  57.  Märchen 
bei  Gonzenbach,  II,  S.  3  ff. 

215 


Auf  die  durch  den  Schwank  Bebeis  II,  Nr.  112  und 
durch  die  6.  Novelle  der  13.  Nacht  bei  Straparola  charak- 
terisierten Erzählungsreihen,  die  ja  auch  hieher  gehören, 
näher  einzugehn,  würde  wohl  zu  weit  führen. 

447,  Mango,  S.  56.     Vgl,  oben  Nr.  49. 


216 


VII.  Kroatische  Überlieferungen 

448.  Kroatisch,  S.  91  ff.;   Nouri,  S.  94  ff, 

449.  Kroatisch,  S.  95. 

450.  Kroatisch,  S.  101;  eine  Variante,  wo  Nasreddin 
nicht  der  Gefoppte,  sondern  der  Foppende  ist,  bieten 
Tewfik,  Nr.  40,  Trefdi,  Nr.  138,  Griechisch,  Nr,  18,  Ser- 
bisch, S.  26  und  Kroatisch,  S.  16.  Vgl.  weiter  Buadem, 
Nr,  38,  Serbisch,  S.  63  und  Kroatisch,  S.  38  ff. 

Hörn  zitiert  im  Keleti  szemle,  I,  S,  69  eine  Version 
aus  der  Herzerfreuenden  Schrift  von  Zakani,  und  Basset 
hat  in  der  RTP,  XV,  S,  461  eine  damit  ziemlich  überein- 
stimmende aus  dem  Nuzhat  al  udaba  übersetzt.  Zeitlich 
in  der  Mitte  liegt  die  Nr.  1  der  von  Papanti  herausgegebenen 
Facezie  e  motti  dei  secoli  XV  e  XVI  (Bologna,  1874),  die 
etwa  zwischen  1490  und  1500  niedergeschrieben  worden 
ist  1.  Danach  hat  der  spanische  Gesandte  bei  Inno- 
cenz  VIII,  im  Jahre  1486,  als  der  König  von  Frankreich 
die  Florentiner  durch  Drohungen  dem  König  Ferrante  II, 
abspenstig  zu  machen  versuchte,  einem  Sekretär  Lorenzos 
de'Medici  und  einem  Beamten  der  Signoria  von  Florenz 
folgende  Geschichte  erzählt: 

Che  in  Hispagna  a  casa  sua  era  stato  uno  povero,  che 
andava  mendicando  con  un  bordone,  a  capo  del  quäle  era 
un  ferro  acuto  et  lungho;  e  quando  chiedeva  la  limosina 
ad  alcuno,  gli  voltava  la  punta  di  decto  bordone,  come 
se  gli  volessi  dare  con  epso,  dicendo:  Tale,  dammi  qualche 
cosa  per  l'amore  di  Dio,  se  no  ,  ,  ,  ,  Di  che  seguiva,  che 
molti,  cognoscendolo  matto  et  importuno,  vedendosi  völta 
la  punta,  et  interpretando  quello  se  no;  io  ti  darö  con 
questo  bordone;  per  non  havere  a  chonbatter  con  lui,  gli 
davano  la  limosina,  Segui  un  giorno,  che,  faccendo  il 
decto  povero  questo  acto  a  un  cavaliere,  huomo  giovane 
et  animoso;  trovandosi  la  spada  allato,  come  costumano 
in  quel  paese  ciascun  portarla;  sdegnandosi  questo  cava- 
liere, messo  mano  alla  spada,  et  voltätosi  al  povero  con 
epsa;   Che  se  no,   o  non   se  no?      II   povero   incontinenti 


1  Vgl.  meine  Ausführungen  darüber  bei  Arlotto,  II,  S,  323  ff. 

217 


rispose;  Se  non,  me  n'andrö  con  Dio  sanza  danari.    Et  cosi 
per  la  piü  corta  si  parti. 

Es  gibt  aber  noch  eine  viel  ältere  abendländische  Be- 
arbeitung, und  die  steht  in  dem  3.  Buche  der  Carmina  des 
von  Karl  dem  Großen  794  zum  Bischof  von  Orleans  er- 
nannten und  von  Ludwig  dem  Frommen  vier  Jahre  lang 
(817 — 821)  in  Angers  gefangen  gehaltenen  Italiäners  oder 
Südfranzosen  Theodulphus;  sie  folge  hier  nach  dem  Ab- 
drucke bei  Migne,  CV,  S.  330: 

Saepe  dat  ingenium  quod  vis  conferre  negabat, 

Compos  et  arte  est  qui  viribus  impos  erat. 
Ereptum  furto  castrensi  in  turbine  quidam 

Accipe  qua  miles  arte  recepit  equum, 
Orbus  equo  fit  praeco,  cietque  ad  compita  voce, 

Quisquis  habet  nostrum  reddere  certet  equum. 
Sin  alias,  tanta  faciam  ratione  coactus, 

Quod  noster  Roma  fecit  in  urbe  pater. 
Res  movet  haec  omnes,  et  equum  für  sivit  abire, 

Dum   sua  vel   populi   damna   pavenda   timet. 
Hunc  herus  ut  reperit,  gaudet,  potiturque  reperto, 

Gratanturque  illi  quis  metus  ante  fuit. 
Inde  rogant  quid  equo  fuerat  facturus  adempto, 

Vel  quid  in  urbe  suus  egerit  ante  pater, 
Sellae,  ait,  adjunctis  coUo  revehendo  lupatis 

Sarcinulisque  aliis,  ibat  onustus  inops. 
Nil  quod  pungat  habens,  calcaria  calce  reportans, 

Olim  eques,  inde  redit  ad  sua  tecta  pedes. 
Hunc  imitatus  ego  fecissem  talia  tristis, 

Ne  foret  iste  mihi,  crede,  repertus  equus. 

Einen  der  Fassung  bei  Memel,  S,  20,  Nr.  27  nahe- 
stehenden englischen  Schwank  druckt  Ashton,  S.  200  aus 
England's  Jests  Refind  and  Improv'd,  3rd  Ed.,  London, 
1693  ab: 

A  Scholar  meeting  a  Countreyman  upon  the  Road  rid 
up  very  briskly  to  him;  but  the  Countreyman,  out  of 
respect  to  him  was  turning  off  his  Horse  to  give  him  the 
Road,  when  the  Scholar,  laying  his  Hand  upon  his  Sword, 
said:  „Tis  well  you  gave  me  the  Way,  or  I'd  .  ,  .  ."  „What 
wou'd  you  have  done?"  said  the  Countreyman,  holding  up 
his  Club  at  him.  ,,Given  it  to  you,  Sir,"  says  he,  pulling 
off  his  Had,  to  him. 

218 


Vgl.  weiter  Lehmann,  Exilium  melancholiae,  D,  57, 
S.  96,  Amalfi,  XII  facezie  e  motti  raccolti  in  Piano  di 
Sorrente,  Nr,  1:  Fateme  'a  caretä,  ca  se  no!  im  Archivio, 
XXI,  S,  335  {{.  und  Krauss,  Zigeunerhumor ,  S.  143  ff., 
169  ff.  und  186. 

Diese  Drohung  Entweder....  oder....!  erinnert 
an  die  im  drohenden  Tone  gerichtete  Frage:  Ist  das 
Ernst  oder  Spaß?,  z.  B.  in  Archie  Armstrong' s  Ban- 
quet  of  Jests,  S.  216: 

Two  Gentlemen  meeting,  the  one  jostied  the  other 
from  the  Wall,  and  had  almost  made  him  to  measure  his 
length  in  the  channell:  who  by  much  adoe  recovering  him- 
selfe  came  up  close  to  him,  and  asked  him  whether  he 
were  in  jest,  or  in  earnest?  He  told  him  plainely,  that 
what  hee  did  was  in  earnest.  And  I  am  glad,  replies  the 
other,  that  you  told  me  so:  for  I  protest,  I  love  no  such 
jesting:  by  which  words  he  put  off  the  quarell. 

Nicht  identisch  mit  dieser  Version  ist  die  bei  Ashton, 
S.  335  aus  A  choice  Banquet  of  Witty  Jests,  Rare  Fan- 
cies,  and  Pleasant  Novels ....  Being  an  Addition  to 
Archee's  Jests,  London,  1660  abgedruckte,  die  Wort  für 
Wort  mit  Nr.  44  der  Conceits,  Clinches,  Flashes,  and 
Whimzies,  London,  1639,  bei  Hazlitt,  III,  S.  16  überein- 
stimmt; vgl.  weiter  Merkens,  H,  S.  89,  Nr,  108  und  III, 
S.  16,  Nr.  20  und  Joe  Millers  Jests,  S.  63,  Nr.  367,  Hierher 
gehört  auch  die  42,  Erzählung  der  Hundred  Mery  Talys, 
ed,  by  Österley,  S,  73  ff.  (bei  Hazlitt,  I,  S.  65  ff.  hat  sie  die 
Nr,  41), 

451.  Kroatisch,  S,  101. 

452,  Kroatisch,  S.  101  ff. 

Ähnlich  erzählt  Melander,  Jocoseria,  I,  Nr,  115, 
S,  93  ff.  (deutsche  Ausgabe  I,  Nr.  78,  S,  67)  wahrscheinlich 
nach  Bullinger,  Contra  Cochlaeum: 

Alium  quendam  (nugonem)  non  puduit  omni  assevera- 
tione  affirmare,  se  fuisse  in  regione  quadam,  ubi  apes 
ovibus  magnitudine  nihil  quicquam  cederent.  Hoc  quam 
mendacissime  ab  illo  dici,  cum  vel  surdus  audiret,  quidam 
ex  auditoribus  ita  illi  respondit:  Oportet  igitur  istic  qui- 
dam alvearia  perquam  capacia  esse.  Tum  nugo,  Non 
capaciora  nostratibus,   inquit,     Respondit  alter  iste:   Non 

219 


sunt  arapliora  nostratibus?  Deus  bone,  quid  ego  audio! 
Ecquomodo  igitur  ingentes  istae  apes  tuae  alveria  nostra- 
tibus haud  majora  intrare  possunt?  Cui  nugo  in  men- 
dacio  suo  veluti  mus  in  pice  haerens,  totusque  pudefactus, 
respondit:  Hujus  equidem  rei  curam  ipsis  relinquo.  Da 
laß  ich  sie  vor  sorgen. 

Reichliche  Nachweise  zu  dieser  Lügenschnurre  gibt 
Müller-Fraureuth  in  den  Deutschen  Lügendichtungen  bis 
auf  Münchhausen,  Halle,  1881,  S.  58  ff.,  72,  127  und  137, 
Eine  nicht  unwitzige  Variante  in  den  Additamenta  von 
Hermotimus  (hinter  Nicodemi  Frischlini  Balingensis 
Facetiae  selectiores  in  der  Ausgabe  Amstaelodami,  1660) 
ist  ihm  aber  entgangen;  dort  wird  S,  304  ff.  De  Apihus 
Indicis  folgendes  erzählt: 

Ein  aus  Indien  nach  Zeeland  heimgekehrter  schneidet 
auf,  die  Bienen  seien  in  Indien  so  groß  wie  in  Zeeland  die 
Elstern,  ,,Und  die  Bienenstöcke?"  ,, Nicht  größer  als  die 
unserigen,"  ,,Und  die  Löcher  darin?"  ,, Nicht  größer  als 
bei  uns."  „Wie  können  sie  dann  aus  und  ein?"  „Quae 
ingredi  non  possunt,  illas  oportet  foras  manere," 

453.  Kroatisch,  S,  102. 

454.  Kroatisch,  S.  102  ff. 

Müller  -  Fraureuth ,  der  zu  dem  Schwanke  über- 
flüssigerweise auch  KHM,  Nr,  146  heranzieht,  gibt  S.  53, 
125  und  78  eine  stattliche  Reihe  Varianten;  die  älteste 
Fassung  ist  ihm  freilich  entgangen.  Sie  steht  in  den 
Facette  et  motti  arguti  von  L.  Domenichi,  Fiorenza,  1548, 
El,  Bjb,  und  zwar  in  dem  Teile,  der  auf  dem  1479  ver- 
faßten bei  libretto  des  Padre  Stradino  beruht^;  mit  dem- 
selben Wortlaute  ist  sie  übergegangen  in  die  Facecies,  et 
motz  subtilz,  Lyon,  1559,  Bl,  9  b  (Lyon,  1597,  S.  29)  und  in 
die  spätem  Ausgaben  der  Domenichischen  Facetien  (1562, 
S,  59,  1581,  S.  71  usw.).  Wortwörtlich  identisch  steht  sie 
auch  nach  einem  alten  Manuskripte  in  der  Nr.  2  der  Zeit- 
schrift II  Cherico  del  Piovano  Arlatto  (1878),  S.  60  fL 

Eine  sehr  hübsche  und  sehr  frühe  Variante,  die  ich 
nur  aus  Dreux  du  Radier,  Recreations  historiques,  A  la 


1  Vgl.  Wesselski,  Arlotto,  U,  S.  30S  ff. 

220 


Haye,  1768,  I,  S,  %  ff,  kenne,  steht  in  den  VolaniiUae  von 
Hilarius  Cortesius  (Courtois),  Parisiis,  1533: 
Interrogabat  quispiam  Rex  Galliae 
In  Neustria  quidnam   referretur   novi? 
Tunc  Neuster  inquit  ludibundus,  et  joco 
(Ne  conveniri  se  putabat  a  suo 
Principe) :  Diebus  hisce  succrevit  ibi  olus 
Sublimitatis  tarn  arduae,  ut  sub  eo  queat 
Exercitus  Regis  quiescere  facile, 
Solis  sine  offensa.     Inde,  equitans  rex  longius, 
Habet  Brittonem  obvium;  rogat  et  eum  obvium, 
Ecquid  novi  Armorica  Brittannia  disserat? 
Cui  Brito:  Struunt  circumferentia  nova 
Lebetem:  ibi  cum  plurimus  sit  artifex 
Qui  verbere  intonet,  tarnen  non  liberum  est 
Ut  verberantes,  malleis  tonantibus, 
Intelligant  alios  aliquatenus;  scio, 
Quid  viderim.    Tum  Rex  joco  ait:  Id  scilicet 
Curatur  ut  Normanniae  coquant  olus. 

Die  Nachweisungen  Müller-Fraureuths  seien  weiter 
durch  folgende  ergänzt:  Doni,  La  Zucca  (1.  Ausg.  1552), 
Venetia,  1592,  Bl.  209a;  Luis  de  Pinedo,  Libro  de  chistes 
bei  Paz  y  Melia,  Sales  espanolas,  I,  S.  298  ff,;  C.  A.  M. 
v.  W.,  Zeitvertreiber,  S.  159;  Harsdörfer,  Ars  apophtegma- 
tica,  S.  210,  Nr.  954;  W.  Hickes,  Oxford  Jests  Refined  and 
Enlarged,  London,  1684  bei  Ashton,  S,  347;  Krauss, 
Zigeuner humor,  S.  159:  Ein  großes  Krauthäuptel;  „Fulano, 
Zutano,  Mengano  y  Perengano",  Cuentos  y  chascarrillos 
andaluces,  Madrid,  1896,  S,  84  ff.:  La  col  y  la  caldera. 
Nicht  uninteressant  ist  auch  eine  Version  aus  Annam  bei 
A.  Landes,  Contes  et  legendes  annamites,  Saigon,  1886, 
S.  319: 

Deux  menteurs  faisaient  assaut  de  mensonges.  „J'ai 
vu,  disait  Tun,  un  tambour  que  l'on  entendait  de  cinquante 
lieues."  —  „Et  moi,  disait  l'autre,  un  büffle  dont  la  tete 
etait  en  France  et  la  queue  en  Annam."  —  „Comment  cela 
se  pourrait-il?  dit  le  premier."  —  ,,Sans  un  büffle  pareil, 
repondit  son  camarade,  on  n'eut  pas  trouve  une  peau  pour 
ton  tambour?" 

455.  Kroatisch,  S,  103  ff, 

221 


VIII.  Serbische  Überlieferungen 

456.  Serbisch,  S.  44  ff. 

Eine  hübsche  Parallele  bieten  die  Contes  du  Sieur 
Gaulard,  S.  196  ff.: 

Vne  autrefois,  estant  arriue  ä  Grey,  son  coche  se  vint 
ä  rompre  en  deux  ou  trois  endroits,  Dequoy  extremement 
fasche,  parce  qu'il  deuoit  aller  en  quelque  Heu  en  dili- 
gence:  enfin  il  s'aduisa  d'escrire  ä  Monsieur  de  Lampas, 
son  cousin,  qui  demeuroit  ä  deux  Heues  de  lä,  et  le  prioit 
bien  fort  de  l'accomoder  de  son  coche  pour  deux  ou  trois 
iours.  Cela  fait,  il  cachette  sa  lettre,  et  estoit  prest  ä 
l'enuoyer  par  son  laquais,  quand  son  cocher  luy  vint  dire 
que  son  coche  estoit  fort  bien  r'habille,  et  qu'il  n'en  falloit 
ja  emprunter,  Alors  le  sieur  Gaulard  deschira  cette 
lettre,  et  se  fist  apporter  de  nouueau  vne  plume  et  de 
l'encre,  et  escriuit  ä  son  cousin  vne  autre  lettre,  par 
laquelle  il  le  remercioit  bien  fort  de  l'amitie  qu'il  luy 
vouloit  faire,  de  luy  enuoyer  son  coche,  qu'il  n'en  estoit 
plus  de  besoin,  et  que  le  sien  estoit  raccomode:  et 
despescha  son  laquais  qui  porta  cette  derniere  lettre  au 
sieur  de  Lampas,  qui  le  vint  trouuer  le  lendemain  expres 
a  dix  Heues  de  lä,  pour  scjauoir  ce  qu'il  vouloit  dire.  Lors 
il  lui  dit,  Mon  cousin,  i'estois  en  peine,  pource  que  ie  vous 
auois  escrit,  qu'il  vous  pleust  m'accomoder  de  vostre 
coche,  et  sqachant  la  bonne  affection  que  vous  me  portez, 
ie  me  suis  bien  doute,  que  des  que  i'aurois  escrit,  vous  me 
l'enuoiriez.  Et  par  ainsi  ie  vous  ay  escrit  la  derniere  fois, 
afin  que  vous  ne  m'enuoyssiez  pas  vostre  coche,  puis  que  le 
mien  estoit  refait. 

Anders  ist  folgende  persische  Geschichte  (Kuka, 
S.  157): 

An  inhabitant  of  Baghdad  went  to  Kazwin.  As  his 
stay  at  the  latter  place  was  prolonged  beyond  what  he  had 
originally  intended  it  to  be,  he  wrote  a  letter  to  his  family, 
mentioning  everything  about  himself  and  his  affairs;  but, 
as  he  could  not  find  any  messenger,  he  determined  to 
take  the  letter  himself  to  Baghdad.  Accordingly  he  took 
up  the  letter,  and  arrived  with  it  at  his  house,  but  stayed 
outside  the  door.  The  members  of  his  family  were  glad  to 
see  him,  and  asked  him,  to  enter  the  house;  but  this  he 
would   not    do,    saying,    ,,my    object    in    Coming    here   was 

223 


merely  to  bring  this  letter";  and  with  these  words  he  left 
again,  leaving  the  letter  with  them, 

457.  Serbisch,  S.  45  ff.;  Roda  Roda,  S.  124, 
G.  Bouchet,  Les  Serees,  V,  S.  69: 

Ce  maistre  qui  estoit  de  nos  Serees,  nous  conta  qu'vn 
iour  il  demanda  ä  vn  sien  mestayer,  comme  il  se  portoit 
depuis  deux  ou  trois  iours  que  sa  femme  estoit  morte, 
lequel  luy  respondit,  quand  ie  reuins  de  l'enterrement  de 
ma  femme,  m'essuyant  les  yeux,  et  trauaillant  ä  plorer, 
chacun  me  disoit,  compere,  ne  te  soucie,  ie  s(;ay  bien  ton 
faict,  ie  te  donneray  bien  vne  autre  femme.  Helas!  me 
disoit-il,  on  ne  me  disoit  point  ainsi,  quand  i'eu  perdu 
l'vne  de  mes  vasches. 

458.  Serbisch,  S.  48.  Ähnlich  Buadem,  Nr.  62;  Ser- 
bisch, S.  72  ff.;  Kroatisch,  S.  44. 

Eine  ähnliche  Schnurre  aus  dem  Nuzhat  al  udaba  hat 
Basset  in  der  RTP,  XV,  S.  363  mitgeteilt: 

Einige  Räuber  hielten  auf  der  Heerstraße  mehrere 
Kaufleute  an,  bemächtigten  sich  ihrer  und  verteilten  sie 
durchs  Los.  Die  einen  fanden  bei  ihren  Gefangenen  Stoffe 
und  seidene  Mäntel,  andere  Geld  und  andere  Dinge;  einer 
aber  schlug  seinen  Kaufmann  jämmerlich  mit  den  Worten: 
„Warum  sind  deine  Waren  nicht  so  wie  die  deiner  Ge- 
sellen?" Der  Kaufmann  antwortete:  „Verzeih,  Herr,  ich 
wußte  nicht,  daß  der  Markt  so  gut  besucht  sein  werde; 
habe  Geduld  bis  zum  nächsten  Mal."  Der  Räuber  lachte 
und  ließ  ihn  laufen. 

459.  Serbisch,  S.  97. 

460.  Serbisch,  S.  97  f f . 

461.  Serbisch,  S.  98. 

462.  Serbisch,  S.  109. 

Eine  seltsame  Parallele  und  wohl  zugleich  die  schließ- 
liche Quelle  des  serbischen  Schwankes  bietet  eine  Ge- 
schichte bei  Bar-Hebraeus,  S.  25,  Nr.  98,  deren  Held  der 
weise  Günstling  des  persischen  Königs  Khosrev  Anoschar- 
wan  (531—579)  ist: 

224 


Bazarjamhir's  wife  asked  him  a  certain  question  and 
he  replied,  „I  know  not  the  answer,"  Thereupon  she  said 
unto  him,  „Dost  thou  take  such  large  wages  from  the 
king  (for  thy  wisdom]  and  yet  not  know  the  answer  to 
my  question?"  And  he  replied,  „I  receive  my  wages  for 
what  I  know,  and  it  is  not  payment  for  what  I  know  not, 
If  I  were  to  receive  wages  for  that  which  I  know  not  all 
the  king's  treasures  would  be  insufficient  to  reward  me, 
for  the  things  which  I  know  not  are  exceedingly  many," 

Ebenso,  nur  daß  es  nicht  die  eigene  Frau  ist,  steht  die 
Geschichte,  die  bei  Masudi  fehlt,  bei  Galland,  S.  53  ff.; 
auf  einen  andern  übertragen  ist  sie  bei  Roda  Roda,  S.  63. 

463.  Serbisch,  S.  117. 

464.  Serbisch,  S.  128;  Griechisch,  Nr.  147;  Pann, 
S,  338. 

465.  Serbisch,  S.   131. 

466.  Serbisch,  S.  132. 

467.  Serbisch,  S.  135  ff. 

Zu  dem  Anfange  des  Schwankes  (Nasreddins  Tür) 
ist  auf  Pann,  S.  342  und  oben  auf  unsere  Nr,  329  zu  ver- 
weisen; zu  dem  Reste,  der  eine  Parallele  bei  Roda  Roda, 
S.  252  hat,  vgl.  die  Anmerkungen  zu  Nr.  399, 

468.  Serbisch,  S.  144  ff. 

469.  Serbisch,  S.  147. 

470.  Serbisch,  S.   148. 

471.  Serbisch,  S.  151  ff. 

472.  Serbisch,  S.  152  ff . 

473.  Serbisch,  S.  158. 

Vgl.  dazu  die  Nr.  92  bei  Luscinius,  Joci  ac  sales,  ab- 
gedruckt bei  Gastius,  Convivales  sermones,  I,  S.  288  ff,  und 
in  der  Ausgabe  Francofurti,  1602  der  Mensa  philosophica, 
S.  399  ff.,  Nr.  74: 

Nasreddin,   II.  15  ^2*^ 


Pauper  quidam  in  tonstrinam  veniens,  ob  Dei  amorem 
orauit  vt  tonderetur,  quod  nihil  sibi  esset  pecuniarum,  quo 
operam  tonsoris  conduceret.  Cum  tonsor  arrepta  hebete 
nouacula,  tanta  inclementia  miserum  radit,  vt  ad  singulos 
tractus  lachrymae  ex  oculis  vbertim  manarint,  interea 
eanis  in  culina  acerbe  verberatus,  magno  eiulatu  in  offi- 
cinam  tonsoris  prosiliit.  Quo  conspecto,  pauper  ceu 
parem  sortis  iniquitatem  in  animali  miseratus,  exclamauit: 
0  canis,  quid  adversi  accidit  tibi?  num  et  tu  rasus  es  ob 
Dei  amorem? 

Der  Schwank,  der  aus  Gastius  in  Domenichis  Facetie, 
1562,  S,  229  (1581,  S.  282  ff.),  in  die  Cicalata  in  lode  della 
Frittura  von  Lorenzo  Panciatichi  (Biscioni  im  Kommentar 
zu  Lorenzo  Lippis  Malmantile  racquistato,  Venezia,  1748, 
S.  47),  in  die  Cuentos  von  Juan  de  Arguijo  (Paz  y  Melia, 
Sales  espanolas,  II,  S.  137  ff.),  in  die  Certayne  Conceyts 
and  Jeasts,  Nr.  16  (Hazlitt,  III,  S.  8  ff.),  in  Zincgref- 
Weidners  Apophtegmata,  III,  S.  256  usw.  übergegangen  ist, 
ist  auch  die  Quelle  der  82.  Erzählung  in  Hebels  Schatz- 
kästlein des  Rheinischen  Hausfreundes  in  der  zitierten 
Ausgabe  III,  S.  204. 

Nahe  steht  aber  unserer  Geschichte  auch  folgender 
Schwank  Von  Claus  Narren,  S.  162: 

Als  jhm  Clauß  wolte  lassen  seinen  Bart  abnemmen, 
nam  der  Balbierer  einen  stumpffen  Harsach  ^  vnd  räuffte 
den  guten  Menschen  vbel.  Clauß  duldets  vnd  schweig 
stille.  In  dieser  weile  aber,  da  Clausen  der  Balbierer  be- 
schickte, ließ  der  Wirth  im  Hause  ein  gemestet  Schwein 
stechen  vnd  abschlachten,  das  schreye  sehr,  da  schrey 
Clauß  auch:  Hülff  Gott,  der  Schlächter  wird  stumpf f 
haben,  weil  das  Schwein  so  schreyet;  denn  mein  Balbierer 
hatt  auch  nit  scharff,  noch  machte  er  mir  nit  so  wehe, 
daß  ich  geschrien  oder  gezuckt  hette, 

474.  Serbisch,  S.   158  ff. 

Der  Schwank  steht  schon  im  Nuzhat  al  udaba,  woraus 
ihn  Basset  im  Keleti  szemle,  I,  S.  221  übertragen  hat, 
ferner  bei  Kuka,  S.  182,  Nr.  85. 

475,  Serbisch,  S.  159  ff- 


1  WoU  für  Scharsach;  s.  Grimm.  VIII,  S.  2220  ff. 

226     . 


476.  Serbisch,  S.  166. 

Tabourot,  Contes  du  Sieur  Gaulard,  S.  209: 
Allans  par  pays,  son  homme  voulant  gagner  le  beau 
chemin,  trauersa  vn  chemin  seme  de  pois.  A  raison 
dequoy,  le  sieur  Gaulard  se  mit  ä  crier  ä  gorge  desployee 
contre  son  homme,  et  luy  disoit:  Comment  belistre,  veux-tu 
brusler  les  iambes  de  mes  cheuaux?  ne  S9ais-tu  pas  bien 
que  mangcant  des  poix,  il  y  a  six  sepmaines,  ils  estoient 
si  chauds  qu'ils  me  bruslerent  toute  la  bouche?  Et  bien 
n'auoit-il  pas  raison? 

477.  Serbisch,  S.  169  ff.;  Griechisch,  Nr.  109;  Wala- 
wani,  S,  153  ff.;  G.  F.  Abbott,  Macedonian  Folklore,  Cam- 
bridge, 1903,  S.  114  ff.  (von  ,,Nasreddin  Khodja,  the  famous 
fourteenth  Century  wit  and  sage  of  Persia";  mit  einem 
Exkurs  über  das  Niesen);  Murad,  Nr.  7;  Pann,  S.  329. 

Die  Geschichte  ist  identisch  mit  der  bei  Henning,  Tau- 
send und  eine  Nacht,  XXIII,  S,  73  ff,  erzählten,  wozu  man 
Chauvin,  VI,  S,  137  vergleiche. 

478.  Serbisch,  S.  173. 

479.  Serbisch,  S.  176  ff. 
Vgl.  die  Nrn.  332  und  482. 

480.  Serbisch,  S.  177  ff. 

Die  Schnurre  steht,  geringfügig  abweichend,  schon  in 
Castigliones  Cortegiano,  1.  II,  c.  51  (meine  Ausgabe  I, 
S.  184  und  Nachweisungen  I,  S.  302)  und  in  den  Contes  du 
Sieur  Gaulard,  S.  190  ff. 

481.  Serbisch,  S.  179  ff.;  Anthropophyteia,  IV,  S.374lf. 

Der  Schwank  steht  schon  in  der  bereits  zitierten  tür- 
kischen Fabelsammlung,  die  Decourdemanche  unter  dem 
Titel  Fahles  turques,  Paris,  1882  aus  einem  von  1758 
datierten  Manuskripte  ins  Französische  übersetzt  hat  und 
deren  Abfassung  er,  allerdings  ohne  zwingenden  Grund, 
in  die  ersten  Jahre  des  16,  Jahrhunderts  verlegt;  die 
19,  Fabel,  L'avare,  lautet  dort,  S.  39,  folgendermaßen: 

C'est  vraiment  chose  etonnante,  disait  un  avarc 
insigne  ä  son  ami  en  tirant  un  aspre  de  sa  poche,  de  voir 
que,  quand  j'achete  de  la  nourriture,  mes  cheres  especes 
reviennent  dans  ma  bourse! 

15*  227 


—  Cela  t'est  bien  facile,  fait  l'autre:  tu  vas  ä  la  bou- 
cherie,  tu  y  fais  emplette  dun  apre  de  tripes  et  tu  les 
empörtes  chez  toi;  alors  tu  les  nettoies  avec  soin,  puis  tu 
en  revends  pour  un  aspre.  C'est  ainsi  que  ton  argent 
revient  dans  ta  bourse. 

L'avarice  attire  de  pareilles  repliques. 

Der  Schluß  des  vorliegenden  Schwankes  (nicht  auch 
des  aus  der  Anthropophyteia  angezogenen)  erinnert  an  die 
50.  Novelle  Morlinis,  wo  Gonnella,  nachdem  er  außerhalb 
Neapels  von  zwei  Frauenzimmern  abgefertigt  worden  ist, 
auf  den  Besuch  Neapels  verzichtet,  da  er  sich  sagt:  Si 
Parthenopeis  mulierculis  tanta  inest  argutia,  quid  de 
maribus  cogitandum? 

482.  Serbisch,  S.  183  ff.;  Roda  Roda,  S.  107. 

Vgl.  die  Nrn.  332  und  479.  Hierher  gehört  auch  die 
189.  Erzählung  von  Buadem:  Buadem  assoziiert  sich  mit 
einem,  um  eine  Schreibstube  zu  halten.  Als  sie  nun  am 
ersten  Abende  die  Einnahme  zählen,  ergibt  sich,  daß 
Buadems  Gesellschafter,  obwohl  sie  jeder  gleich  viel 
Schriftstücke  verfaßt  haben,  das  doppelte  eingenommen 
hat.  Sein  Geschreibsel  kann  nämlich  niemand  lesen,  und 
so  bringen  es  die  Kunden  zurück,  damit  er  es  ihnen  lesej 
dafür  läßt  er  sich  nun  ebenso  viel  entrichten  wie  fürs 
Schreiben.  Leider  kann  das  Buadem  nicht  auch  durch- 
führen, weil  er  das,  was  er  geschrieben  hat,  selber  nicht 
lesen  kann. 

483.  Serbisch,  S.  188. 
Siehe  oben  Nr.  349. 

484.  Serbisch,  S.  190. 

Krauss,  Zigeunerhumor,  S.  34  ff.:  Es  kommt  auf  die 
Seele  der  Zigeunerin. 

485.  Serbisch.  S.  190  ff. 
Roda  Roda,  S,  117. 

486.  Serbisch,  S.  192. 


228 


IX.  Griechische  Überlieferungen 

437.  Griechisch,  Nr.  1;  Tewfik,  Nr,  3;  Trefäi,  Nr.  164 
(statt  165);  Serbisch,  S.  12  ff.;  Kroatisch,  S,  3;  Murad, 
Nr.  9. 

Köhler,  I,  S.  507  ff. 

Zu  den  dort  gegebenen  Nachweisungen  kommen  noch 
Clouston,  Populär  Tales  and  Fictions,  I,  S.  458  ff., 
Clouston,  Noodles,  S.  81  ff.,  Joe  Millers  Jests,  S.  18  ff., 
Nr.  103,  Merkens,  I,  S.  208  ff.,  Nr.  250,  dazu  S.  275,  und 
III,  S.  222  ff.,  Nr.  214,  dazu  S.  257,  Yakoub  Artin  Pacha, 
Contes  populaires  de  la  vallee  du  Nil,  S.  51  ff.  (siehe  oben 
die  Anmerkung  zu  Nr.  63),  die  31.  Karakuschgeschichte 
bei  Decourdemanche,  Plaisanteries,  S.  140  ff.  und  Chauvin, 
VII,  S.  136  ff. 

488.  Griechisch,  Nr.  3;  Tewfik,  Nr.  55;  Trefdi,  Nr.  162 
(statt  163);  Serbisch,  S.  21  ff.;  Kroatisch,  S.  24.  Siehe 
oben  Nr.  309. 

Clouston,  Noodles,  S.  70  ff. 

489.  Griechisch,  Nr.  4;  Tewfik,  Nr.  36;  Trefdi,  Nr.  155 
(statt  156);  Serbisch,  S.  15;  Kroatisch,  S.  13  ff. 

490.  Griechisch,  Nr.  5;  Tewfik,  Nr.  69;  Trefdi,  Nr.  159 
(statt  158);  Serbisch,  S.  19  ff.;  Kroatisch,  S.  29. 

An  Parallelen  seien  genannt:  Poggio,  Fac.  56:  De  illo 
qui  aratrum  super  fiumerum  portavit;  Facecies,  et  motz 
subtilz,  Lyon,  1559,  Bl.  59a;  Costo,  //  Fuggilozio,  S.  107  ff.; 
Mery  Tales  of  tfie  Mad  Men  of  Gotliam,  Nr.  2  (Hazlitt,  III, 
S.  6;  Clouston,  Noodles,  S.  19  und  68);  Contes  du  Sieur 
Gaulard,  S.  198  =  Zincgref -Weidner,  V,  S.  119  und  Exi- 
lium  melancholiae,  L,  Nr.  6,  S.  283;  unabhängig  davon 
ebendort  M,  Nr.  36,  S.  311;  Hermotimus,  Additamenta, 
S.  294:  De  Agricola  parcente  Asino;  Merkens,  II,  S.  17, 
Nr.  21  und  III,  S.  27,  Nr.  36;  Jahn,  Scfiwänke  und 
Schnurren,  S,  67.  Vgl.  weiter  Sebillot,  Litterature  orale 
de  la  Hauie-Bretagne,  S.  387  und  Ispirescu,  S.  97  [Maga- 
zin. XCVI,  S.  613). 

In  einem  aus  den  letzten  Jahren  des  zwölften  Jahr- 
hunderts   stammenden    Spottgedichte    auf    die    Leute    von 

229 


Norfolk,  in  der  Descriptio  Ncrfolcensium,  lauten  die  Verse 
122  ff.  (bei  Wright,  Early  Mysteries  and  other  Latin 
Poems,  London,  1884,  S.  95)   folgendermaßen: 

Ad  forum  ambulant  (Norfokienses)  diebus  singulis, 

Saccum  de  lolio  portant  in  humeris, 

Jumentis  ne  noceant:  bene  fatuis, 

Ut  praelocutus  sum,  aequantur  bestiis. 

491.  Griechisch,  Nr.  7;  Tewfik,  Nr.  70;  Nouri,  S.  37; 
Trefdi.  Nr.  160  (statt  161);  Serbisch,  S,  20;  Kroatisch, 
S.  29. 

Um  einen  gestohlenen  Esel,  der  verkauft  werden  soll, 
handelt  es  sich  bei  Bar-Hebraeus,  S.  167,  Nr.  664.  Eine 
Variante  aus  al  Abschihis  Mustatral  hat  Basset  in  der 
RTF,  XVI,  S.  171  übertragen. 

492.  Griechisch,  Nr.  9;  Tewfik,  Nr.  4;  Serbisch,  S.  24; 
Kroatisch,  S.  4. 

493.  Griechisch,  Nr.  10;  Tewfik,  Nr.  64;  Nouri,  S.  174; 
Treiai,  Nr.  139;  Kroatisch,  S.  26. 

494.  Griechisch,  Nr.  24;  Tewfik,  Nr.  41;  Trefdi,  Nr.  140; 
Serbisch,  S.  25;  Kroatisch,  S.  16. 

Trefdi,  S.  19. 

Eine  Parallele  und  wohl  die  Quelle  in  Abdirabbihis 
Kitab  al  ikd  al  farid  hat  Basset  in  der  RTP,  XVII,  S.  150 
übersetzt. 

495.  Griechisch,  Nr.  31;  Tewfik,  Nr.  9;  Nouri,  S.  64; 
Trefdi,  Nr.  142;  Serbisch,  S.  34;  Kroatisch,  S.  7  und  93  ff. 

Trefdi,  S.  16. 

Bar-Hebraeus,  S,  145,  Nr.  566:  When  another  fool  was 
told,  „Thy  ass  is  stolen,"  he  said,  „Blessed  be  God  that 
I  was  not  upon  him." 

Ebenso  sagt  Karakusch  in  der  oben  zu  Nr.  487 
zitierten  Geschichte  zu  der  Frau,  die  ihm  klagt,  daß  der 
Esel  gestohlen  worden  sei:  ,,Tu  es  une  foUe.  Louanges  ä 
Dieu  que  l'äne  n'ait  pas  ete  vole  pendant  que  ton  mari  le 
chevauchait.     Dieu  ä  ecarte  le  mal  de  l'homme." 

Vgl.  oben  Nr.  79. 

230 


496,  Griechisch,  Nr.  33.  Anders  Tewfik,  Nr.  11;  Tre- 
löi,  Nr.  144;  Serbisch,  S.  35;  Kroatisch,  S.  6. 

Ebenso  verspricht  bei  Maidani,  I,  S.  392  der  schon 
oben  zu  Nr.  43  erwähnte  Habannaka  sein  verlorenes  Kamel 
dem  Finder,  und  dies,  weil  er  nicht  um  die  Freude  des 
Findens  kommen  will;  von  einem  ungenannten  erzählt  das- 
selbe ein  persischer  Schwank  bei  Kuka,  S.  205,  Nr.  135. 

497,  Griechisch,  Nr.  34;  Tewfik,  Nr.  25;  Trefdi, 
Nr.  152;  Serbisch,  S.  28;  Kroatisch,  S.  9  ff. 

Eine  hübsche  persische  Variante  lautet  (Kuka,  S.  220) : 
„I  hear  your  neighbour  has  some  festivity  at  his  house 

to-morrow,"  said  a  friend  to  Mulla  Nasruddin. 

,,It  may  be  so,  but  I  do  not  see  how  that  concerns  me," 

„But  he  is  going  to  invite  you  also." 

„And,  pray,  how  does  that  concern  you?" 

Der  Perser  Kuka  verweist  in  einer  Fußnote  auf  die 

bekannte  Anekdote  von  Friedrich  dem  Großen  und  dem 

den  Angeber  machenden  Offizier. 

498,  Griechisch,  Nr.  76;  Tewfik,  Nr.  5;  Trefdi.  Nr.  148; 
Serbisch,  S.  13  ff.;  Kroatisch,  S.  5. 

In  der  6.  der  von  Alfred  Harou  in  der  RTF,  IV  mit- 
geteilten Faceties  des  comperes  de  Dinant  (S,  484  ff.) 
stiehlt  ein  Hund  ein  Stück  Fleisch;  es  nützt  ihm  aber 
nichts,  weil  er  das  Rezept,  wie  es  zubereitet  wird, 
nicht  hat;  ebenso  erzählt  eine  Schnurre  bei  Zincgref- 
Weidner,  V,  S.  119  ff. 

499,  Griechisch,  Nr.  113;  Serbisch,  S.  112  ff;  Pann, 
S.  330. 

Die  Zwecklosigkeit  der  Strafe  nach  dem 
V  e  r  g  e  h  n  bildet  den  Gegenstand  einer  Anekdote  von 
dem  schon  erwähnten  Triboulet,  die  hier  nach  Dreux  du 
Radier,  I,  S.  6  mitgeteilt  sei: 

On  dit  que  ce  meme  Triboulet  ayant  ete  menace  par 
un  grand  Seigneur,  de  pcrir  sous  le  bäton,  pour  avoir  parle 
de  lui  avec  trop  de  hardiesse,  alla  s'en  plaindre  ä  Fran- 
<;ois,  qui  lui  dit  de  ne  rien  craindre:  Que  si  quelqu'un 
etoit  assez  hardi  pour  le  tuer,  il  le  feroit  pendre  un  quart 
d'heure  apres.  Ah!  Sire,  dit  Triboulet,  s'il  plaisoit  ä  votre 
Majeste  de  le  faire  pendre  un  quart  d'heure  avant, 

231 


Ebenso  steht  die  Schnurre  bei  P.  L.  Jacob,  Curiosites, 
S.  115,  Canel,  Recherches  historiquss,  S.  110,  Gazeau, 
S.  77,  Floegel,  S.  344,  Nick,  I,  S.  415  und  Doran,  S.  252; 
von  einem  ungenannten  erzählen  sie  Sagredo,  S.  68  und 
Casalicchio,  c.  I,  d,  8,  a.  5,  zit.  Ausg.  S.  146, 

Vgl.  schließlich  auch  die  54.  Facetie  Poggios:  De 
quodam  qui  Redolphum  sagittcndo  vulneravit  und  Leh- 
mann, Florilegium  politicum,  S.  273. 

500.  Griechisch,  Nr.  114;  Walawani,  S.  154  ff.  (in  Ak- 
schehir  lokalisiert);  Pann,  S.  337. 

Anders  und  mit  einem  entfernten  Anklänge  an  das 
Motiv  von  Nr.  160  und  394  erzählt  die  serbische  Ausgabe 
S.  148  ff.: 

Eines  Tages  ging  der  Hodscha  Nasreddin  vom  Hause 
weg,  und  seine  Frau  fragte  ihn:  ,, Wohin?" 

Nasreddin  antwortete:  „Ich  will  ein  bißchen  im  Wein- 
garten und  auf  dem  Acker  nachsehn." 
„Geh  nur,"  sagte  sie,  „so  Gott  will." 
„Ob  Gott  will  oder  nicht,"  sagte  er,  ,,ich  gehe." 
Als  er  dann  den  Weingarten  verließ,  um  nach  Hause 
zu   gehn,   war   der  Himmel   ganz   umwölkt.     Nach   kurzer 
Zeit  begann  es  zu  regnen  und  zu  hageln,  und  alles  wurde 
zerschlagen,  was  ihm  gehörte,  Weingarten  und  Acker,    Als 
Nasreddin  sah,  was  geschehn  war,  sagte  er:  ,,Du  bist  nicht 
schuld,  o  Gott,  sondern  ich;  warum  bin  ich  denn  gegangen, 
um  dir  zu  zeigen,  was  mein  ist?" 

501.  Griechisch,  Nr.  115;  Serbisch,  S.  184  ff. 

Eine  slawonische  Variante  (nicht  von  Nasreddin) 
steht  in  der  Anthropophyteia,  V,  S.  293  ff. 

502.  Griechisch,  Nr.  116;  Serbisch,  S.  138  ff.;  Pann, 
S,  336. 

Vgl.  Anthropophyteia,  I,  S.  181  ff. 

503.  Griechisch,  Nr.  117;  Pann,  S.  332  ff. 
Zabata,  Diporto  de'  viandanti,  S.  40: 

Andö  vn  villano  alla  cittä  per  sollecitare  vna  lite,  et 
eßendo  diuerse  volte  comparso  dinanzi  al  Giudice  con  suo 
poco  profitto,  fu  domandato  dal  detto  Giudice,  perche  era 
venuto  lui  a  sollecitare  detta  lite,  et  che  doueuano  man- 

232 


dare  persone  di  piü  intendimento,  et  di  miglior  presenza, 
alquale  esso  rispose,  Signore,  nel  luogo,  dou'io  sono  ci 
son  molti,  hanno  quelle  parti  che  dite,  lequali  veramente 
non  sono  in  me,  et  poteuano  mandare:  ma  hanno  fatto 
giudicio,  che  se  bene  io  vaglio  poco,  ch'io  sia  a  bastanza 
sufficiente  douendo  trattare  con  vn  par  vostro. 

Juan  de  Arguijo,  Cuentos  in  den  Sales  espanolas,  II, 
S.  209  ff.;  Harsdörfer,  Ars  apophtegmatica,  S.  222,  Nr.  998. 

504.  Griechisch,  Nr.   118. 

Bei  Pann,  S,  330  antwortet  Nasreddin  einem  Freunde, 
der  ihn  fragt,  wie  es  ihm  bei  seiner  Armut  gehe:  ,,Du 
brauchst  dich  nicht  zu  wundern;  ich  lebe  mit  meiner  Armut 
so  vergnügt  wie  der  Wurm  im  Kren,  und  wenn  ich  kein 
Geld  habe,  so  merke  ich  das  gar  nicht." 

505.  Griechisch,  Nr.  124;  Walawani,  S.  158  ff.  (in  Ak- 
schehir);  Serbisch,  S.  183  ff.  und  127  ff.;  Pann,  S.  335  ff . 

506.  Griechisch,  Nr.  142;  Serbisch,  S.  133;  Pann,  S.  330- 

507.  Griechisch,  Nr.  143. 

508.  Griechisch,  Nr.  144;  Buadem,  Nr.  63;  Serbisch, 
S.  73;  Kroatisch,  S.  44  ff.;  Roda  Roda,  S.   123. 

509.  Griechisch,  Nr.  146;  Pann,  S.  337  ff.  Anders  Ser- 
bisch, S.  129  ff. 

Vgl.  folgenden  Schwank  aus  der  Mensa  philosophica 
(1.  Ausg.  1475),  zit.  Ausg.  S.  229  ff.,  auf  dem  das  letzte 
Stück  des  II.  Buches  der  Bebelischen  Facetien  beruht: 

Quidam  histrio  infirmus,  hortante  sacerdote  vt  con- 
deret  testamentum,  ait  libenter:  Ego  nihil  habeo  nisi  duos 
equos,  quos  do  baronibus  et  militibus  terrae.  Et  cum 
sacerdos  inquireret,  quare  non  daret  pauperibus,  respon- 
dit:  Vos  praedicatis  nobis  quod  debeamus  esse  imitatores 
Dei.  Deus  autem  bona  dedit  illis,  et  non  pauperibus,  et 
ideo  sequor  illum,  et  facio  similiter. 

Roda  Roda,  S.  201. 

510.  Griechisch,  Nr.  148;  Pann,  S.  339. 
Roda  Roda,  S.  205. 

233 


511.  Griechisch,  Nr.  149;  Serbisch,  S.  128  ff.;  Pann, 
S.  345. 

512.  Griechisch,  Nr.  150;  Pann,  S.  330. 

513.  Griechisch,  Nr.  152;  Serbisch,  S.  120  ff. 
Köhler,  I,  S.  508. 

S,  auch  die  Anmerkung  zu  Nr,  71. 

514.  Griechisch,  Nr.  160;  Serbisch,  S.  108. 

Vgl,  Domenichi,  Facetie,  1562,  S,  157  und  Sagredo, 
L'Arcadia  in  Brenta,  S.  127  ff. 

515.  Griechisch,  Nr.  167. 

Dieser  Schwank  stimmt  fast  vollständig  überein  mit 
dem  von  Yakoub  Artin  Pacha,  S.  231  ff.  und  nach  diesem 
von  Mardrus,  XII,  S,  241  erzählten,  nur  daß  dort  die  Ver- 
wundung des  Juden  samt  dem  entsprechenden  Urteile 
fehlt;  s,  Chauvin,  VII,  S,  172  ff.  Die  Literatur  dazu  hat 
Chauvin,  VIII,  S,  203  fJugements  insenses)  zusammen- 
gestellt; man  vgl,  aber  auch  die  bei  Köhler,  I,  S,  578  und 
II,  S,  578  ff.  beigebrachten  Ergänzungen  zu  den  betreffen- 
den von  Chauvin  zitierten  Aufsätzen. 


234 


Anhang 


Der  Umstand,  daß  die  Sammlung  Tewfiks  in  der 
Reclamschen  Universal-Bibliothek  erschienen  ist,  hat  es 
mit  sich  gebracht,  daß  die  darin  enthaltenen  Stücke  in 
dieser  Ausgabe  der  Schwanke  Nasreddins  ausgeschlossen 
bleiben  mußten.  Immerhin  ergeben  sich  zu  den  einzelnen 
Geschichten  nicht  uninteressante  Parallelen, 

So  wird  bei  Tewfik,  Nr,  37  (Serbisch,  S.  44;  Kroatisch,  516. 

S,  15;  Trefäi,  Nr,  156  statt  157)  dem  Hodscha,  der  ein 
Reis  pflanzt,  vorgehalten,  daß  er,  wann  der  Baum  Früchte 
tragen  werde,  selbst  eine  Speise  der  Würmer  sein  werde; 
Nasreddin  antwortet,  daß  er  für  die  Nachkommen  pflanze, 
so  wie  die,  die  vor  ihm  dagewesen  seien,  für  ihn  gepflanzt 
hätten.  Dazu  vgl,  die  bei  Basset,  Contes  populaires  her- 
beres, S,  216  ff,,  Lidzbarski,  S,  154  und  Chauvin,  II,  S.  208 
angegebene  Literatur,  ferner  Wünsche,  Wajikra  rabba, 
S.  168  ff. 

Zu  Tewfik,  Nr,  42   (Serbisch,  S,  30;  Kroatisch,  S,  16;  517. 

Trefdi,  Nr,  157  statt  158:  es  ist  unmöglich  einen  Brief  an 
einen  Freund  in  Bagdad  zu  schreiben)  ist  auf  Phüogelos, 
Nr,   137  zu  verweisen: 

SiSbivtM  uayiiQip  ktyft  Tis  '  &dy($a6y  fjoi  ^uä^aiQuv  tfas 
SuvQvrje-  «5  di  ((ptj  ■  ovx  i^ut  fjd^aiqaf  J'tüf  ixtl  (pSd^ovany. 

Ähnlich  ist  auch  Phüogelos,  Nr,  99. 

Buadem,  Nr.  14  (Serbisch,  S.  56;  Kroatisch,  S.  33)  hat  5/8. 

ein  merkwürdiges  Gegenstück  in  den  Nugae  venales,  s,  1., 
1720,  S.  289  ff. 

Audierat  procul  arma,  bona  de  gentc  Batavus, 

Gestit  in  hostiles  fervidus  ire  globos, 
At  lateri  patrium  mater  dum  subligat  ensem, 

Haec,  inquit,  referas,  nate  fac  arma  domum. 
Vix  propior  steterat  pugnae,  vestigia  pressit 

(Mille  micant  enses,  vulnera  mille  ferunt), 
Numquid,  ait,  ludi  est?  oculis  non  parcitur  ipsis; 

Certe  oculis  ludus  non  placet  ille  meis. 
Forte  tarnen  jacuit  truncum  sine  nomine  corpus; 

Irruit:  Hispanum  nam  cutis  esse  docet. 

235 


Saevit  atrox,  et  qua  caedendo,  qua  laniando, 

Absecuit  miles  strenuus  ense  femur. 
Facturusque  fidem,  magni  argumenta  duelli, 

Et  femur,  et  ferrum  sanguinolenta  gerit. 
Inde  memor  moniti,  nam  pugna  cruenta  peracta  est, 

Arma  celer  properat  salva  referre  domum. 
Hoc,  ait,  Hispanum  mulctavi  verbere  mater, 

Maternosque  femur  projicit  ante  pedes. 
Horret  anus,  sed  enim  potius  caput  ense  tulisses, 

Nate,  refert,  olim  hie  forte  redibit  eques. 
Non  faciet  certo,  o  Mater;  sed  poscis  iniquum; 

Unde  Caput  vellem  tollere?  non  habuit. 

519.  Die  15.  Erzählung  von  Buadem  (Serbisch,  S,  56; 
Kroatisch,  S.  33)  scheint  auf  der  folgenden  in  Abschihis 
Mustatraf  (Basset  in  der  RTP,  XIII,  S.  552  ff.)  zu  be- 
ruhen: 

Ein  Bettler  blieb  vor  einer  Haustür  stehn  und  sagte 
zu  den  Leuten:  „Gott  segne  euch!  gebt  mir  ein  Stück 
Brot!"  „Das  können  wir  nicht."  „Also  ein  wenig  Korn 
oder  Bohnen  oder  Hirse."  „Wir  können  es  nicht."  ,,Dann 
ein  paar  Tropfen  Öl  oder  Milch."  ,, Haben  wir  auch  nicht." 
„Also  einen  Schluck  Wasser."  „Bei  uns  gibts  kein 
Wasser."  „Warum  bleibt  ihr  dann  da?  geht  doch  auch 
betteln;  ihr  habt  mehr  Recht  dazu  als  ich." 

Eine  persische  Parallele  bei  Kuka,  S.  161,  Nr.  2S. 

520.  Dasselbe  wie  bei  Buadem,  Nr,  20  (Serbisch,  S.  58; 
Kroatisch,  S.  34:  Der  betrunkene,  vor  dem  sich  alles  dreht, 
wartet  bis  sein  Haus  kommt)  erzählt  Tewfik  auch  im 
5.  Monate  von  Ein  Jahr  in  Konstantinopel  (deutsch  von 
Th.  Menzel,  Berlin,  1909  =  Bd.  10  der  Türkischen  Biblio- 
thek, S.  124);  die  Geschichte  steht  aber  schon  bei  Kuka, 
S.  189,  Nr.  103. 

521.  Mit  Buadem,  Nr,  22  (Serbisch,  S.  59),  wo  der  in  einen 
Brunnen  gefallene  um  einen  Strick  laufen  will,  um  sich 
herauszuziehen)  hat  viel  Ähnlichkeit  die  52.  Facetie  im 
Philogelos: 

£}(olaaitx6;  tl;  Xäxxov  neacüy,  avvex'^S  ißoa  äyaxakdjy 
icevKÖ  ßoti&ovs '  (ü;  ä'ovSfls  vntjxovt,  Xiyti  tiqos  iccvioy '  fXü)()6i 
fi^i,  eay  /u^  dyfl&aty  näytas  /Uttaiiyujaw,  Iva  ovtüj  yovy  not 
vnaxovacoat  xal  x?.i/uaxa  xoftiatoaiy- 

236 


Bei  Buadem  scheint  aber  der  Text  doppelt  verdorben 
zu  sein  (eine  Ungereimtheit  ist  schon  stillschweigend 
korrigiert  worden) ;  die  Geschichte  soll  wohl  ähnlich  lauten 
wie  folgende  persische  bei  Kuka,  S.  212: 

A  Kazwini's  ^  son  feil  into  a  well.  The  Kazwini  went 
to  the  well  and  said  to  the  son:  „Don't  go  away  tili  i 
return  with  a  rope  and  take  you  out!" 

Zu  der  Nr.  25   (Serbisch,  S.  59  ff.;  Kroatisch,  S.  36),  522. 

wo  Buadem  einen  Topf,  der  angeblich  Gift,  in  Wirklich- 
keit aber  Honig  enthält,  ausißt,  vgl.  meine  Nachv.eise  zu 
iMorlinis  49.  Novelle,  S.  99  ff.  und  davon  hauptsächlich 
Boltes  Angaben  bei  Frey,  S.  214,  ferner  Clouston,  Noodles, 
S.  122. 

Die  No.  27   (Serbisch,  S.  60  ff.;  Kroatisch,  S.  37)    er-  523. 

zählt:  Als  Buadem  vom  Sultan  entweder  mit  einem  Gold- 
stücke oder  mit  einem  Esel  oder  mit  einigen  Schafen  oder 
mit  einem  Weingarten  beschenkt  werden  soll,  antwortet  er, 
er  wolle  das  Goldstück  einstecken,  auf  den  Esel  steigen, 
die  Schafe  vor  sich  her  treiben,  in  den  Weingarten  gehn 
und  dort  für  den  Sultan  beten.  Dazu  vgl.  man  eine  Er- 
zählung von  Abu  Dulama,  die  bei  Lidzbarski,  S,  162,  in 
asch  Schirwanis  Nafhat  al  jaman  (Ph.  Wolff,  Das  Buch 
des  Weisen,  2.  Aufl.,  Stuttgart,  1839,  II,  S.  252  ff.)  und  bei 
Kuka,  S.  181,  Nr.  81  steht. 

In    Nr.  32     (Serbisch,    S,  62;    Kroatisch,    S.  38)    rät  524. 

Buadem  seiner  Frau,  die  in  der  Nacht  von  einem  Insekte 
in  den  Fuß  gebissen  worden  ist,  künftighin  in  den  Schuhen 
zu  schlafen;  ähnlich  erzählt  Philogelos,  Nr.  15: 

£)(oXaaTixos  xad-'  vnvovs  rjXoy  TitnairiXEVui  rfofaf ,  xov  nöda 
TKQisdtjaey.  haigo^  dt  aviov  nvd^öfjivos  t^v  aiiiav  xal  yvovg, 
ötxaiu);,   tcprj,   /uiogol  xakovuf&n.    &id  iC  y«p  avvTioöriios  xoe- 

Auf  Hierokles  beruht  wohl  Lehmann,  Exilium  melan- 
choliae,  T,  Nr.  55,  S.  244  und  schließlich  auch  Merkens, 
I,  S.  180  ff.,  Nr.  210. 


'  Kaswin  (südlich  vom  kaspischen  .Meere)  ist  eines  der  vielen  Schiida 
des  Orients. 

237 


525.  In  Nr.  40  (Serbisch,  S.  64;  Kroatisch,  S.  39;  Nawadir, 
S.  43)  antwortet  Buadem,  der  behauptet  hat,  er  kenne  das 
Verborgene,  dem  ungläubigen  Richter,  der  ihn  gefragt  hat, 
was  er  in  diesem  Augenblicke  denke:  ,,Du  hältst  mich  für 
einen  Betrüger."  Ausführlicher  erzählt  Abdirabbihi  im 
Kitab  al  ikd  al  farid   (Basset  in  der  RTP,  XIX,  S.  311): 

Man  führte  einen  Menschen,  der  sich  für  einen  Pro- 
pheten ausgab,  vor  al  Mamun  i,  und  der  Chalif  sagte: 
,,Hast  du  ein  Zeichen?"  „Ja;  ich  weiß,  was  du  denkst." 
,,Und  was  denke  ich?"  „Daß  ich  ein  Lügner  bin."  ,,Du 
hast  recht,"  sagte  Mamun  und  ließ  ihn  ins  Gefängnis 
werfen. 

Nach  einigen  Tagen  ließ  er  ihn  holen  und  sagte  zu 
ihm:  ,,Hast  du  eine  Offenbarung?"  ,,Nein."  „Warum 
nicht?"  ,,Ins  Gefängnis  kommen  die  Engel  nicht."  Der 
Chalif  begann  zu  lachen  und  ließ  ihn  frei. 

Ebenso  steht  die  Geschichte  auch  in  Abschihis 
Mustatraf  (Basset  in  der  RTP,  XIII,  S.  232);  eine  der 
unsern  entsprechende  Version  hat  Roda  Roda,  S.  73.  Eine 
sehr  hübsche  persische  Variante  bringt  Kuka,  S.  174: 

A  person  claimed  to  be  a  prophet.  He  was  asked  by 
some  persons  to  give  some  sign  of  prophetship.  He  said, 
„Let  every  one  of  you  think  upon  something,  and  I  shall 
be  able  to  teil  you  your  thoughts,"  They  said,  ,,we  have 
each  thought  of  something.  Now  teil  us  our  thoughts." 
He  replied,  ,,Well,  all  of  you  are  thinking  that  I  am  o  fool, 
and  that  I  am  telling  you  a  falsehood,"  They  acknow- 
ledged  that  for  once  he  was  right  in  his  conjecture. 

Ähnlich  kehrt  Frage  und  Antwort  in  dem  größten 
Teile  der  Erzählungen  von  den  drei  Fragen  wieder, 
deren  bekanntestes  Beispiel  Bürgers  Kaiser  und  Abt  ist; 
vgl.  dazu  die  oben  zu  Nr.  70  angegebene  Literatur, 

526.  Buadem,  Nr.  50  (Serbisch,  S.  67;  Kroatisch,  S.  40  und 
41),  wo  der  Einfaltspinsel,  nachdem  er  gesehn  hat,  wie 
die  Früchte  von  einem  Maulbeerbaume  geschüttelt  wurden, 
auch  Vögel  von  einem  Baume  schütteln  will,  beruht  wohl 
wieder  in  letzter  Instanz  auf  einer  Facetie  des  Philogelos, 
auf  der  19.,  die  folgendermaßen  lautet: 


»  813—833. 
238 


SxoXaaiixos  ISiav  noXXovs  argov&ov;  int  Siydgov  iarwia^, 
dnXwaas   top   xöXnof  iaiti  t6  Sev6qov,    öJj-  vno&t^öftivo^  zovs 

<fIQOV&OV^. 

Dasselbe  erzählt  Der  edle  Fincken-Ritter,  S.  57, 
Nr.  308. 

Die   Nr.  72  bei  Buadem    (Serbisch,   S.   76;   Kroatisch,  527. 

S.  48)  wird  in  Gladwins  Persian  Moonshee,  II,  S.  15, 
Nr.  31  folgendermaßen  erzählt: 

One  day  a  King  and  his  son  went  a  hunting.  The 
weather  being  hot,  they  put  their  für  cloaks  on  the  back 
of  a  jester.  The  King  smiled  and  said  to  the  buffoon, 
„you  have  an  ass's  load  upon  you."  He  answered,  ,,yes; 
or  rather  the  burdens  of  two  asses." 

In  der  folgenden  Geschichte,  Nr,  73  (Serbisch,  S.  76;  528. 

Kroatisch,  S.  48)  sagt  Buadem  seiner  Mutter,  es  sei  ein 
Bettler  unten,  der  um  Brot  bitte;  sie  antwortet,  er  solle 
sagen,  sie  sei  nicht  zu  Hause.  Darauf  entgegnet  Buadem: 
„Er  will  nicht  dich,  er  will  Brot."  Dasselbe  erzählt 
Gladwin,  II,  S.  20,  Nr.  53;  die  Quelle  dürfte  Dschamis 
Bäharistan  (zit.  Ausg.  S.  83)  sein,  woraus  auch  Galland 
(S.  43  ff.)  schöpft, 

Buadem,  Nr.  75  (Serbisch,  S,  77;  Kroatisch,  S.  48)  hat  529. 

im  wesentlichen  denselben  Inhalt  wie  die  folgende  Schnurre 
des  Nuzhat  al  udaba  (Basset  in  der  RTP,  XV,  S.  355): 

Man  erzählt,  daß  ein  unwissender,  dummer  Arzt  einem 
Kranken  einen  tötlichen  Trank  gegeben  hat,  so  daß  der 
Kranke  daran  gestorben  ist.  Nach  zwei  Tagen  ging  er 
wieder  nach  ihm  sehn  und  fand,  daß  er  tot  war  und  daß 
man  ihn  begraben  hatte.  Der  Vater  des  Toten  trat  dem 
Arzte  entgegen,  und  der  sagte:  „Was  für  eine  Kraft  war 
in  dem  Tranke!  wäre  dein  Sohn  am  Leben  geblieben,  so 
hätte  er  ein  ganzes  Jahr  keine  Arznei  gebraucht!" 

Die  Nr.  91   (Serbisch,  S.  83;  Kroatisch,  S.  57),  in  der  530. 

Buadem  einem  Freunde  rät,  er  solle  das  Haus,  wo  seine 
vier  Frauen  gestorben  sind,  nur  einem  Freunde  verkaufen, 
erinnert  an  die  bekannte  Anekdote  aus  Cicero,  De  oratore, 
II,  69,  278,  zu  der  meine  Ausgabe  von  Castigliones  Hof- 
mann, I,  S,  323  zu  vergleichen  ist. 

239 


531.  Zu  der  Nr.  103  (Serbisch,  S.  88;  Kroatisch,  S.  58), 
des  Inhalts,  daß  man  sich,  wenn  Käse  da  ist,  an  einen  den 
Käse  lobenden  Spruch  halten  soll,  wenn  aber  keiner  da 
ist,  an  einen  ihn  verwerfenden,  vgl.  Hammer,  Rosenöl,  II, 
S.  72,  Nr,  40;  von  Nasreddin  wird  die  Geschichte  erzählt 
bei  Roda  Roda,  S.  121,  und  bei  Kuka,  S.  214  ff.  steht  sie, 
ohne  daß  der  Sprecher  der  Sentenzen  genannt  würde, 
mitten  unter  den  Erzählungen,  deren  Held  Nasreddin  ist. 

532.  In  Nr.  106  (Serbisch,  S.  89;  Kroatisch,  S.  59)  wird 
erzählt:  Buadem,  der  auf  ,,Salz  und  Brot"  eingeladen 
worden  ist,  findet,  daß  sein  Gastgeber  nicht  vielleicht  aus 
Bescheidenheit  so  gesprochen  hat:  es  gibt  tatsächlich 
nichts  andres;  als  nun  der  Gastgeber  einem  zudringlichen 
Bettler  droht,  er  werde  ihm  den  Schädel  einschlagen,  rät 
Buadem  diesem,  sich  zu  packen,  weil  der  Mann  nie  lüge. 
Diese  Geschichte  steht  schon  bei  Abdirabbihi  (Basset  in 
der  RTP,  XVIII,  S.  217)  und  bei  Kuka,  S.  172,  Nr.  53. 

533.  Auf  dem  Bäharistan  (S,  83  der  genannten  Ausg.; 
Galland,  S,  44)  beruht  wieder  die  Nr,  119  (Serbisch,  S.  94; 
Kroatisch,  S.  61;  etwas  anders  Nawadir,  S,  41):  Buadems 
Frau  (im  Nawadir  Dschohas  Sohn)  ist  schwer  erkrankt, 
und  Buadem  läßt  die  Leichenwäscherin  holen;  als  man 
ihm  vorhält,  daß  doch  die  Kranke  noch  nicht  tot  sei, 
meint  er,  das  tue  nichts:  wenn  die  Waschung  beendigt  sei, 
werde  es  auch  mit  ihr  zu  Ende  sein,  und  so  habe  man 
wenigstens  Zeit  erspart.  Vgl.  auch  eine  Erzählung  des 
Nuzhat  al  udaba  (Basset,  Keleti  szemle,  I,  S.  223,  Nr.  25), 
wo  Dschoha,  der  um  einen  Arzt  für  seinen  Vater  ge- 
schickt worden  ist,  gleich  den  Leichenwäscher  mitbringt, 
weil  usw.  usw. 

534.  Ebenso  geht  auf  das  Bäharistan  (S,  75  ff.;  Galland, 
S.  36)  die  Nr.  120  (Kroatisch,  S.  61)  zurück:  Buadem 
kommt  zu  einem  Lehrer,  dem  er  etwas  aufzubewahren 
gegeben  hat,  und  bittet,  ihm  das  auszufolgen;  er  wird  er- 
sucht, bis  zum  Ende  des  Unterrichts  zu  warten.  Da  nun 
der  Lehrer  beim  Unterrichte  fortwährend  mit  dem  Barte 
wackelt,  sagt  ihm  Buadem,  er  solle  nur  um  das  Depot 
gehn;   das   Bartwackeln  werde   inzwischen   er   für   ihn   be- 

240 


sorgend  In  der  Fassung  des  Nawadir  (S.  41)  ist  der 
Lehrer  durch  einen  Kadi  ersetzt. 

Eine   ziemliche   Verbreitung   hat   die    121.    Geschichte  535. 

von  Buadem  (Serbisch,  S.  94;  Kroatisch,  S.  61;  Nouri 
S,  117;  Nawadir,  S.  41):  Auf  die  Frage,  wie  viel  Dumme 
es  in  seiner  Heimat  gebe,  antvi^ortet  Buadem,  das  wisse  er 
nicht,  die  Gescheiten  aber  könne  er  sofort  herzählen. 
Schon  Bar-Hebraeus  erzählt  sie  mit  der  Lokalisierung  in 
Emesa  oder  Homs,  einem  der  vielen  Schiida  des  Orients 
(Budge,  S.  158,  Nr.  630;  ins  Deutsche  übersetzt  von 
L.  Morales  in  der  Zeitschr.  d.  D.  Morgenl.  Ges.,  XL,  S.  419). 
Bahlul  ist  ihr  Held  im  Bäharistan  (S,  74;  Galland,  S.  34)  j 
ebenso  steht  sie  bei  Cardonne,  II,  S.  119  (deutsche  Ausg, 
S.  242)  und  Herbelot,  I,  S.  524;  nach  Herbelot  erzählen 
Flögel,  S.  172,  Nick,  I,  S.  141  und  Doran,  S.  68.  VgL 
weiter  Chauvin,  VII,  S,  126". 

Von  den  29  Stücken,  die  Murad  Efendi  in  Reime 
gebracht  hat,  ist  uns  die  Mehrzahl  schon  bei  den  nach 
andern  Fassungen  gebrachten  Schwänken  begegnet;  hier 
mögen  noch  die  Inhaltsangaben  der  Gedichte,  zu  denen 
ich  Parallelen  nachweisen  kann,  samt  diesen  folgen, 

Murad,  Nr.  2:  Nasreddin,  der  sich  mit  einem  Nachbar,  $36. 

einem  Geizhalse,  nach  einem  Zwiste  versöhnt  hat,  über- 
nimmt die  Beistellung  des  Friedensmahles,  und  auf  dieses 
bereitete  sich  der  Geizige  durch  ein  längeres  Fasten  vor. 
Als  er  sich  dann  dazu  einfindet,  muß  er  Nasreddin  erst  zu 
den  Einkäufen  auf  den  Markt  begleiten.  Nasreddin 
fragt  zuerst  um  gutes  Weißbrot;  da  der  Händler  sein  Brot, 
um  es  anzupreisen,  mit  Butter  vergleicht,  meint  Nasreddin, 

1  Zur  Erklärung  dieser  Schnurre  fährt  Galland  fort:  Les  Mahometans 
ont  cette  coutume  dans  tout  le  Levant  de  branler  la  tete  en  devant  et  en 
arriere  lors  qu'ils  lisent;  et  comme  les  enfans  qui  lisoient  sous  ce  Maitre 
d'Ecole  branloient  la  tele,  le  Maitre  d'EcoIe  branloit  aussi  sa  sienne,  quoi 
qu'il  eut  pu  s'en  abstenir,  mais  c'etoit  sa  coutume.  Les  Juifs  branlent  aussi 
la  tete  dans  leur  Synagogues  en  priant  Dieu,  mais  d'une  epaule  ä  l'autre, 
et  non  pas  en  devant  et  en  arriere  comme  les  Mahometans.  Les  uns  et 
les  autres  pretendent  que  cette  agitation  les  rend  plus  attentifs  ä  leurs 
Prieres. 

2  Die  Quellen  Herbelots  bespricht  Meißner  in  den  Neuarabischen 
Geschichten  aus  dem  Iraq,  S.  v ;  über  Bahlul  überhaupt  s.  die  bei  Chauvin, 
VII,  S.  127  angegebene  Literatur  und  Pr>m-Socin,   Tür  'Abdin,  II,  S.  387. 

Nasreddin,   II.  Iß  9/-I 


es  sei  besser,  sich  gleich  an  die  Butter  zu  halten.  Die 
Butter  wird  nun  als  süß  wie  Öl  gepriesen,  und  Nasreddin 
verzichtet  auf  sie  zugunsten  des  Öls.  Da  weiter  der 
Händler  von  seinem  Öle  sagt,  es  sei  klar  wie  Wasser,  sieht 
Nasreddin  von  jedem  Einkaufe  ab  und  bewirtet  seinen 
Gast  mit  Wasser. 

Dieselbe  Geschichte,  aber  von  einem  Geizigen  aus 
Basra  und  einem  aus  Kufa,  bringt  Hammer  aus  dem,  wie 
er  sagt ,  ursprünglich  persischen ,  aber  schon  unter 
Murad  II.  ins  Türkische  übertragenen  ,,Dschamiol  Hikajat 
ve  Lamiol-rivajat"  im  Rosenöl,  II,  S.  261  iL;  ebenso  steht 
sie  bei  A.  Certeux,  Kehir-Chahä  in  der  RTF,  III,  S.  496b  ff. 
Die  anscheinend  älteste  Version,  wo  in  der  obigen  Reihe 
Brot  und  Butter  fehlen,  steht  bei  Bar-Hebraeus  (Budge, 
S.  113  ff.,  Nr.  439;  Morales  in  der  Zeitschr.  d.  D.  Morgenl. 
Ges..  XL,  S.  416  ff.). 

537,  Die  Nr,  8  bei  Murad  erzählt:   Als   der  Hodscha   mit 

dem  Aga  auf  die  Jagd  reiten  muß,  nimmt  er  sich  drei 
Datteln  mit;  sooft  er  aber  eine  in  den  Mund  steckt,  richtet 
der  Aga  eine  Frage  an  ihn,  so  daß  ihm,  weil  er  die  Dattel 
samt  dem  Kerne  nicht  verschlucken  kann,  nichts  übrig 
bleibt,  als  sie  auszuspucken.  Am  Abende  will  der  Aga  mit 
einer  Zofe  seiner  Gattin  scherzen;  aber  nun  rächt  sich 
Nasreddin  an  ihm  und  stört  ihn  dreimal  hintereinander 
just  im  entscheidenden  Momente,  indem  er  an  die  Tür 
pocht  und  immer  eine  seiner  bei  der  Jagd  gegebenen  Ant- 
worten richtig  stellt. 

Von  Harun  al  Raschid  und  seinem  Sklaven  Ibad  er- 
zählt dasselbe  Hammer  im  Rosenöl,  II,  S.  232  ff,  nach  dem 
,,Mehedschon-nufus";  an  die  Stelle  Ibads  tritt  Abu  Nuwas 
bei  Meißner,  Neuarabische  Geschichten  aus  dem  Iraq, 
S.  72  und  73,  Nr.  40.  Vgl.  auch  Basset  in  der  RTF,  XXII, 
S.  215  ff. 

S3S.  In  der  10.  Erzählung  Murads,  die  bei  Buadem,  Nr.  61 

(Serbisch,  S.  72;  Kroatisch,  S.  44)  der  Schlüpfrigkeit, 
damit  aber  auch  des  Witzes  entkleidet  ist,  schleichen  sich 
Strolche  in  den  Stall  Nasreddins;  er  und  seine  Frau  hören 
ihr  Gespräch,  wonach  sie  beabsichtigen,  die  Kuh  zu 
stehlen,  den  Hausherrn  umzubringen  und  an  der  Frau  ihre 

242 


Lust  zu  büßen.  Begreiflicherweise  ist  Nasreddin  sehr  ent- 
rüstet, als  seine  Frau  zuzuwarten  rät. 

Dieses  Exempel  weiblicher  Begehrlichkeit  steht  bei 
Hammer  Rosenöl,  II,  S.  293  nach  dem  „Nozhatol-ebsar", 
das  wohl  mit  dem  von  Basset  in  den  Contes  populaires 
herberes,  S  201  zu  seiner  dasselbe  erzählenden  50.  Ge- 
schichte (Le  vieillard,  la  femme  et  les  voleurs)  als 
l'arallele  zitierten  Kitab  nozhat  el  absar  identisch  ist. 

Bei  Murad,  Nr.  19  zeigt  sich  Nasreddin  von  dem  Vor-  539 

trage  eines  stumpfsinnigen  Dichters  sehr  gerührt;  als  ihn 
dieser  voll  Stolz  fragt  was  denn  auf  ihn  einen  besondern 
hmdruck  gemacht  habe,  erhält  er  zur  Antwort,  daß  sich 
iNasreddm  beim  Anblicke  seines  wackelnden  Bartes  i  weh- 
mütig   eines   alten   Ziegenbockes    im    Vaterhause    erinnert 

Dieser  Schwank  ist  wohl  zusammenzustellen  mit  dem 

•''°^-  ^.^  /^^  c™^^  ^^'  Eselsstimme,  den  ich 
im  Monchslatem,  S.  8  mitgeteilt  habe;  in  einer  an  unsere 
Version  gemahnenden  Form    (Bart,  nicht  Stimme,  ist  das 

mTT  pr p^  vv'"!^^  '^^^*  er  im  Nuzhat  al  udaba 
[Basset  RTP,  XV  S.  353),  bei  Gladwin,  II,  S.  15,  Nr  33 
(dazu  Clouston  F/ou;ers,  S.  71  ff.),  bei  Swynnerton,  S.  157 
und  m  einer  bulgarischen  Erzählung  aus  Altserbien  in  der 
Anthropophyteia,  II,  S.  387  ff. 

Zu  meinen  Nachweisungen  im  Mönchslatein,  S    197  ff 
sind  noch  nachzutragen:  A.  Lecoy  de  la  Marche,  L'esprit 

sLillnf'r"'.^'  ^5""  ^'■'  ^^  ^"^'^^  ^-  d«  Vitry)  lindXu 
Sebi  lot  Contes  de  pretres  et  de  moines,  recueillis  en 
Haute-Bretagne,  Nr.  12  im  Archivio,  XIII,  S.  567. 

^ch\?hZ  ^^'  ^"^^^""g  i^^'-^ds   bringt   die   bekannte   Ge-  540 

schichte    vom   Traumbrod,    wozu   man   Chauvin,     IX, 

ö.  28     vergleiche,  und  zwar  in  einer  Fassung,  die  der  des 

.      j  °'  ^L^'^°^°   (Hammer,  Rosenöl,  II,  S.  303  ff  •  Basset 

'°  ^n    ^\^\  ?7'   ?.•  '^S^^-^'   ^ber  auch   dJirlkesnewi 

von  Dschelaleddin  Rumi  außerordentlich  nahe  stehtf  nTch 

l^lf      'Tl^^I''  wie  in  der  von  Clouston  in  den  Populär 

^°^''  °"^  ^'^''°"*'  ".   S.  89  aus   der  Historia  Jeschuae 

^  S,  die  Fußnote  1  auf  S.  241. 

2  Eine  Variante  habe  ich  im  Euphorion.  XV,  S.  10  ff.  behandelt. 

16* 

243 


Nczareni illustrata    a    Joh.    Jac,    Huldrico,    Leyden, 

1705,  d.  i.  Huldreichs  Ausgabe  der  Tholedoth  Jesu  mit- 
geteilten Version  um  eine  Gans  handelt  es  sich  in  der  ser- 
bischen Ausgabe,  S.  155  ff.  (Nasreddin  foppt  zwei  Der- 
wische), 

541.  Die  kroatische  Ausgabe  enthält  zwei  außerordent- 

lich verbreitete  Erzählungsstoffe;  der  eine  (S.  91  ff.; 
Nouri,  S.  57  ff.)  stellt  die  unter  dem  Namen  Asinus 
V  u  1  g  i  bekannte  Geschichte  dar,  zu  der  man  die  bei 
Chauvin,  II,  S.  148,  III,  S.  70  und  145  und  VIII,  S-  140 
angegebene  Literatur,  ferner  Waas,  Die  Quellen  der  Bei- 
spiele Boners,  S.  48,  Köhler,  II,  S.  571,  Meißner,  Neu- 
arabische Geschichten  aus  dem  Iraq,  S.  54  und  55,  Nr.  30 
und  S.  III  vergleiche.  Zwei  Versionen  sind  bis  jetzt  un- 
beachtet geblieben:  die  eine  steht  im  Antonius  dialogus 
von  Jo.  Jov.  Pontanus  {Opera,  Basilae,  1538,  II,  S.  163) ; 
die  andere,  die  die  Fabel  damals  schon  als  Altweiber- 
märchen charakterisiert,  findet  sich  in  einem  Briefe 
Petrarcas  (Epistolae  de  rebus  familiaribus  et  variae,  ed, 
Fracasetti,  Florenz,  1859  ff.,  II,  S.  404): 

Unam  tibi  e  fabellis  referam  vulgo  notis,  et  quibus 
anus  ante  fccum  hibernas  noctes  fallere  solitae.  Senex 
cum  adolescente  filio  agebat  iter.  Erat  his  unus  parvus 
asellus  arabobus,  quo  vicissim  laborem  viae  levabant.  Hoc 
dum  genitor  veheretur,  sequente  pedibus  suis  nato,  irri- 
dere  obvii.  En,  aiebant,  ut  moribundus  inutilisque  seni- 
culus  dum  sibi  obsequitur,  formosum  perdit  adolescentem. 
Desiluit  senex,  et  invitum  natum  in  suum  locum  sustulit, 
Murmurare  praetereuntium  turba;  en  ut  segnis  et  praevali- 
dus  adolescens,  dum  propriae  blanditur  ignaviae,  decre- 
pitum  patrem  mactat.  Pudore  ille  victus,  patrem  coegit 
ascendere.  Ita  uno  quadrupede  simul  vecti  murmur  occur- 
rentium  indignatioque  crebrescere,  quod  una  brevis  duabus 
magnis  bellius  premeretur.  Quid  te  moror?  His  moti 
pariter  ambo  descendunt,  et  vacuo  asello  pedibus  incedunt 
propriis.  Enimvero  tunc  illusio  acrior  risusque  protervior, 
duos  asinos  uni  ut  parcant,  sibi  non  parcere.  Hie  genitor: 
cernis,  inquit,  fili,  ut  nil  quod  probetur  ab  omnibus  fieri 
potest;  repetamus  pristinum  morem  nostrum;  hi  suum 
loquendi  carpendique  omnia  morem  servent.  Nil  amplius 
dicam,  nee  necesse  est:  rudis  fabella,  sed  efficax, 

244 


Weiter  hat   eine   Geschichte   in   der  kroatischen  Aus-  542. 

gäbe,  S.  95  ff.  (Nouri,  S.  41  ff.)  folgenden  Inhalt:  Der 
Hodscha  erzählt  seiner  schwatzhaften  Frau,  er  habe  ein  Ei 
gelegt,  Sie  erzählt  das  unter  dem  Siegel  der  Verschwiegen- 
heit ihrer  Nachbarin  Ajscha,  diese  wieder  ihrer  Freundin 
Fatima;  binnen  kurzem  verbreitet  sich  die  Sache  in  stets 
gesteigerter  Form  in  der  ganzen  Stadt  und  endlich  erfährt 
sie  auch  der  Sultan,  dem  schon  von  699  Eiern  berichtet 
wird.  Auch  er  tut  so  wie  die  andern  und  fragt  Nasreddin, 
ob  es  wahr  sei,  daß  er  700  Eier  gelegt  habe. 

Dies  ist  die  Fabel  La  Fontaines  Les  femmes  et  le 
secret;  vgl.  Boltes  Nachweisungen  bei  Montanus,  S.  592  ff. 
und  Chauvin,  VIII,  S.  168  und  197. 

Unter     den     serbischen     Überlieferungen     in     den  543. 

Anihropophyteia  ist  eine  (I,  S.  465  ff.),  die  ebenso  wie  eine 
Erzählung  im  Nawadir  (S.  16)  den  Stoff  des  Dit  de  perdriz 
(Montaiglon-Raynaud,  I,  S.  188  ff.)  behandelt;  die  ser- 
bische Variante  tut  dies  in  einer  Form,  die  sehr  an  die 
der  Tausend  und  einen  Nacht  (Chauvin,  VI,  S,  179  ff.)  er- 
innert. Man  vergleiche  Legrand,  Fabliaux  ou  contes, 
Paris,  1829,  IV,  S.  38  ff.;  Bedier,  S.  466;  v.  d.  Hagen,  Ge- 
sammtabenteuer,  II,  S.  XV  ff.;  Pauli,  S.  514,  Nr.  364; 
H,  Sachs,  II,  S.  169  und  III,  S.  149;  A.  L.  Stiefel  in  den 
Hans  Sachs-Forschungen,  S.  158  ff.;  Benfey,  I,  S.  146; 
Österley  in  der  Zeitschr.  f.  vgl.  Littgesch.,  I,  S.  54;  K.  Rein- 
hardstoettner  ebendort,  VII,  S.  474;  Cosquin,  II,  S.  348  fL; 
Fourberies,  S.  27  ff.  Zu  den  an  diesen  Stellen  genannten 
Nachweisungen  kommen  noch:  Der  edle  Fincken-Ritter, 
S.  61,  Nr.  353;  Blade,  Contes  populaires  de  la  Gascogne, 
III,  S.  289  ff,;  Sebillot,  Litterature  orale  de  la  Haute- 
Bretagne,  S,  137  ff,;  Stumme,  Tunis,  I,  S.  73  und  II,  S,  122. 

Die  Erzählung  in  der  Anihropophyteia,  II,  S.  412  ff,  544. 

ist  äußerst  obszön:  Nasreddin  rächt  sich  an  einem  Gläu- 
biger, einem  reichen  Türken,  der  seine  Tochter  verführen 
will,  indem  er,  als  seine  Tochter  verkleidet,  zuerst  die 
drei  Töchter  und  dann  die  Frau  des  Türken  beschläft  und 
schließlich  noch  ihn  selber  schändet.  Der  hier  nur  zum 
Schluß  vorkommende  Zug,  daß  die  dankbaren  Mädchen 
und  ebenso  ihre  Mutter  auf  ihren  Kuchenanteil  zugunsten 
der  falschen  Zuleika  verzichten,  ist  besser  verarbeitet  in 

245 


Sercambis  Novelle  De  Malvagio  famulo  (ed,  Renier, 
S.  335  ff.),  zu  der  die  191.  Facetie  Poggios:  Facetia  cuius- 
dam  qui  subagitabat  omnes  de  domo  samt  den  von  Noel, 
II,  S.  183  ff.  beigebrachten  Parallelen  zu  vergleichen  ist, 

545.  In  Anton  Panns  rumänischer  Gedichtesammlung 
Nazdravaniile  lui  Nastratin  Hogea  wird  S,  331  erzählt, 
wie  der  Hodscha  ob  seiner  Lustigkeit  von  einem  Freunde 
gefragt  wird,  ob  er  denn  seine  Schulden  bezahlt  habe.  Er 
antwortet  verneinend;  aber  die  Sorge  überlasse  er  den 
Gläubigern. 

Das  ist  eine  Variante  der  oft  bearbeiteten  204.  Facetie 
Poggios:  Exploratio  ad  hominem  tristem  ob  pecuniam 
debitam  (dazu  Noel,  II,  S.  193  ff.). 

546.  Pann,  S,  338  (Griechisch,  Nr.  151):  Als  der  Hodscha 
Nasreddin  Knoblauch  gegessen  hat,  weigert  sich  seine 
Frau,  mit  ihm  zu  schlafen,  weil  sie  den  Geruch  nicht  ver- 
trägt. Der  Hodscha  fragt  einen  Freund,  wie  er  es  an- 
stellen müsse,  um  geruchlosen  Knoblauch  zu  bekommen, 
und  erhält  den  Rat,  ihn  (der  Schale)  entkleidet  zu 
pflanzen.  Der  Knoblauch  riecht  aber  wieder,  und  nun 
meint  der  Freund,  der  Hodscha  müsse  eben  auch  sich 
selber  entkleiden.  Der  Erfolg  bleibt  wieder  aus,  und  der 
Hodscha  sagt  zum  Knoblauch;  Dich  habe  ich  ausgezogen, 
mich  habe  ich  ausgezogen,  aber  dein  Gestank  ist  ge- 
blieben. 

547.  Sehr  hübsch  ist  folgende  Geschichte  bei  Pann,  S,  340: 
Als  der  Hodscha  einmal  sein  Hemd  flickt,  bildet  der  Zwirn 
zufällig  einen  Knoten,  und  er  merkt,  daß  die  Näharbeit 
dadurch  leichter  von  statten  geht.  Voll  Stolz  erzählt  er 
allen  Leuten,  was  für  eine  Erfindung  er  gemacht  hat,  erntet 
aber  nur  Spott. 

Vgl.  Eulenspiegel,  Hist.  50  (Neudruck,  Halle,  1884, 
S,  78  ff.;  Dr.  Thomas  Murners  Ulenspiegel,  hg,  v,  Lappen- 
berg, Leipzig,  1854,  S,  73  ff .  und  257)  und  Aug,  Wilh, 
Schlegels  Poetische  Werke,  Heidelberg,  1811,  II,  S.  278  fL: 
Parabel  vom  Eulenspiegel  und  den  Schneidern. 

548.  Pann,  S,  342  ff.:  Im  Kaffeehause  bitten  den  Hodscha 
seine  Freunde,  eine  Lüge  zu  sagen;  er  entgegnet  aber  mit 

246 


trauriger  Miene,  sie  hätten  freilich  leicht  lustig  sein,  ihm 
sei  aber  sein  Vater  gestorben,  und  er  habe  kein  Geld  zum 
Begräbnis.  Darauf  gibt  ihm  jeder  Geld  und  er  geht  mit 
einem  hübschen  Sümmchen  fort.  Bald  darauf  kommt  der 
totgesagte  Vater  ins  Kaffeehaus;  auf  die  Vorwürfe  seiner 
Freunde  entgegnet  Nasreddin,  sie  hätten  ihn  ja  lügen 
heißen. 


Pann,  S.  344  ff.:  Ein  Kaufmann  gibt  dem  Hodscha  irr-  549. 

tümlich  Seife  statt  Käse,  Als  der  Hodscha  den  vermeint- 
lichen Käse  ißt,  stellt  er  fest,  daß  er  anders  als  sonst 
schmecke;  seine  Frau,  die  ihm  zusieht,  sagt  ihm,  daß  er 
eben  Seife  esse.  Aber  Nasreddin  ißt  ruhig  weiter:  der 
Kaufmann  sei  ein  Ehrenmann,  und  was  er  bezahlt  habe, 
werde  er  auch  essen. 

Ebenso  essen  im  24,  Stücke  der  Märchen  der  Schluh 
von  Tazerwalt  von  Stumme,  Leipzig,  1895  die  Bewohner 
des  Wad  Draa  Seife  für  Honig  (Hartmann  in  der  ZW,  VI, 
S.  269), 

Ein  guter  Schwank  ist  auch  folgender  (Pann,  S,  346) :  550. 

Der  Hodscha  geht  mit  seiner  Ziege  auf  den  Markt,  um 
dort  ihre  Milch  zu  verkaufen.  Es  kommt  ein  Kunde,  und 
der  Hodscha  melkt  die  Ziege;  da  aber  dem  Kunden  die 
Milch  zu  teuer  ist,  schüttet  er  sie  der  Ziege  zurück  in  den 
Mund,  damit  sie  wieder  in  die  Euter  fließe. 

Vgl,  dazu  Kathä  Sarit  Sdgara,  II,  S,  61:  Story  of  the 
king  ivho  replaced  the  flesh  mit  Tawneys  Noten, 

Diese  Ziege  wird  später    (Pann,   S.  346)   von  Wölfen  551. 

gefressen;  der    Hodscha    macht    sich    aber    nichts    daraus 

und  sagt:  Wo  Gewinn  ist,  kann  auch  einmal  ein  Ver- 
lust sein. 


Altbekannte    Motive    behandelt    die    folgende    Erzäh-  552. 

lung  (Pann,  S,  347  ff.);  Der  Hodscha  sieht  einmal,  wie  in 
einem  Hofe  ein  Diener  einem  reich  geschmückten  Esel  die 
Fliegen  abwehrt,  während  der  Eigentümer  des  Esels  ver- 
gnügt zusieht;  er  geht  hin,  umarmt  und  küßt  den  Esel  und 

247 


sagt:  „Schade,  daß  er  nicht  reden  kann."  Auf  die  er- 
staunte Frage  des  Eigentümers  antwortet  er:  „Freilich 
kann  ich  ihn  reden  lehren,  noch  dazu  in  vier  fremden 
Sprachen."  Daraufhin  bekommt  er  den  Esel  mit  nach 
Hause  und  dazu  ein  schönes  Stück  Geld,  damit  er  das  ver- 
wöhnte Tier  ordentlich  pflege;  in  einem  Jahre  soll  der 
Unterricht  beendet  sein.  Nasreddins  Frau  ist  mit  dem 
Geschäfte  nicht  zufrieden,  aber  er  tröstet  sie,  daß  in  dem 
Jahre  entv/eder  der  Besitzer  oder  der  Esel  oder  er  selber 
sterben  könne,  und  das  Geld  habe  er  ja  schon.  Am 
nächsten  Tage  beginnt  er  mit  dem  Unterrichte,  indem  er 
dem  Esel  mit  Stockschlägen  beibringt,  auf  einen  Wink 
mit  der  Hand  den  Kopf  zu  heben  oder  zu  senken.  Als 
das  Jahr  um  ist,  bringt  Nasreddin  den  Esel  zu  seinem 
Herrn,  der  eine  Menge  Gäste  eingeladen  hat.  Auf  die 
Frage  Nasreddins,  ob  er  wie  die  andern  Esel  brällen  wolle, 
hebt  der  Esel  den  Kopf  zum  Zeichen  der  Verneinung,  und 
so  beantwortet  er  noch  eine  Reihe  ähnlicher  Fragen,  Den 
Einwand  des  Besitzers,  daß  der  Esel  noch  immer  nicht 
spreche,  beantwortet  Nasreddin  dahin,  daß  der  Esel  noch 
ein  kleines  Kind  sei,  das  schon  alles  verstehe,  aber  zu 
reden  erst  noch  lernen  werde.  Der  Herr  des  Esels  gibt 
mit  Freuden  wieder  Geld  her,  aber  nun  ändert  Nasreddin 
sein  Verfahren;  er  gibt  dem  Esel,  dem  er  das  Essen  ab- 
gewöhnen will,  täglich  weniger  Futter,  bis  er  endlich  ver- 
endet. Als  er  dann  dem  Eigentümer  des  Esels  dessen  Tod 
meldet,  veranstaltet  ihm  der  voll  Trauer  ein  schönes  Be- 
gräbnis. 

In  den  Hauptzügen  deckt  sich  diese  Geschichte  mit 
La  Fontaines  Fabel  Le  charlatan,  zu  der  man  Robert, 
Fables  inedites  des  Xlle,  Xllle  et  XlVe  siecles,  Paris, 
1825,  H,  S.  54  ff.  vergleiche.  Um  einen  Bären  handelt  es 
sich  bei  Lodovico  Carbone,  Facezie,  ed.  Abd-el-Kader  Salza, 
Livorno,  1900,  S.  58  ff.,  Nr.  83,  um  einen  Affen  in  der 
88,  Novelle  von  Des  Periers  (zit.  Ausg.  S.  300  ff.):  D'un 
singe  qu'avoit  un  abhe,  qu'un  Italien  entreprint  de  faire 
parier  und  um  einen  Elephanten  in  folgenden  Fassungen: 
Guicciardini,  Detii  et  fatti,  Venetia,  1581,  S.  21:  Cosa 
opportune,  et  utile,  godere  il  beneficio  del'tempo;  Ls 
tombeau  de  la  melancholie  (1.  Ausg.  1625),  Paris,  1639, 
S,  214  ff.:  Gentille  inuention  d'vn  Gentilhomme  Frangois 
pour  sauver  sa  vie;  Democritus  ridens,  S,  42;  Roger  Bon- 

248 


temps  en  Belle  humeur,  S.  369:  Ben  tour  d'Anthoine  Mar- 
tinus;  Das  kurtzweilige  Leben  von  Clement  Marodt 
(1.  deutsche  Ausg.  1660),  Gedruckt  im  Jahre  1663,  S.  29  ff.; 
(Henry  Daudiguier)  Histoire  des  amours  de  Lysandre  et 
de  Calisto  (1,  Ausg.  Leyden,  1650],  Amsterdam,  1670, 
S.  433.  Die  Geschichte  ist  noch  heute  lebendig,  wie 
Roseggers  Bearbeitung  zeigt. 

Älter  scheint  die  Erzählung  von  dem  Esel  zu  sein, 
der  lesen  lernen  soll:  Stricker,  Der  Pfaffe  Amis, 
V.  181  ff.  (Lambel,  Erzählungen  und  Schwanke,  Leipzig, 
1872,  S.  25  ff.,  13  und  16);  Poggio,  fac.  250:  Facetum  homi- 
nis dictum  asinum  erudire  promittentis  (Noel,  II, 
S,  257  ff.);  Brant,  Esopi  appologi,  Basileae,  1501,  Bl.  Bja; 
Eulenspiegel,  Hist.  29  (Neudruck,  S.  44  ff.;  Lappenberg, 
S.  40  ff.  und  246) ;  Camerarius,  Fabellae  Aesopicae,  Tu- 
bingae,  Ex.  off,  Morhardi,  1538,  Bl.  86a;  Rex  et  subditus; 
H.  Sachs,  IV,  S.  308;  Fr.  Delicado,  La  Lozana  Andaluza, 
Paris,  1888,  II,  S.  277  ff.;  Seb.  Mey,  Fabulario,  Valencia, 
1613,  fäb.  47  (Menendez  y  Pelayo,  Origenes,  II,  S.  CX  ff.) ; 
Tales  and  Quicke  Answeres,  Nr.  99:  Of  hym  that  vnder- 
toke  to  teachs  an  asse  to  rede  (Hazlitt,  I,  S.  115);  Pryra- 
Socin,  Tür  'Abdin,  II,  S.  291  ff.  (hier  handelt  es  sich  um 
ein  Kamel),  Lesen  und  schreiben  soll  der  Esel  lernen 
bei  Abstemius,  Hecatomythium  secundum,  fab.  33:  De 
grammatico  docente  asinum  (Aesopi  Phrygis  et  aliorum 
Fabulae,  Venetiis,  1539,  Bl.  61b)  und  Waldis,  Esovus,  IV, 
Nr,  97  (hg,  V,  Kurz,  II,  S.  270  fL  und  Anm.  S.  184),  Vgl, 
weiter  Leveque,  Les  mythes  et  les  legendes  de  l  Inde  et 
de  la  Perse,  Paris,  1880,  S,  560  ff,,  ZW,  VII,  S.  95  ff.  und 
Archivio,  XXI,  S.  358, 

Zu  dem  Tröste,  daß  in  der  gestellten  Frist  der  eine 
oder  der  andere  sterben  kann,  vgl,  Chauvin,  VIII, 
S.  117  ff. 

Der  Zug,  daß  einem  Esel  oder  Pferde  das 
Essen  abgewöhnt  werden  soll,  kehrt  auch  heute 
noch  oft  in  Schwänken  wieder;  er  findet  sich  aber  schon  im 
Philogelos,  wo  die  9,  Facetie  lautet: 

£^oi.aaTiX(i;  d-iXtav  zov  ovov  avrov  äc6<i£ai  /Ltij  TQCüyny,  ov 
naqißakif  uvto)  loorpag.  aTioO-ttfönof  öi  lov  ovov  dno  kiuov, 
tkeye  *  [Xtyä'Aa  s^rjuiüi&tjv  •  oVf    yitQ  ifxctO^t  fx>}  TQwyeiy,    xöts 


OTie&avf. 


>49 


553.  Interessant  ist  ein  griechisches  „Märchen"  in  den 

schon  zitierten  52  UaQuuvf^ta;  es  ist  das  23.  (S.  54  ff.): 
'fl  yvvaixa  tov  Naargadty  XorC«,  dessen  wesentlicher  Inhalt 
in  einer  breitern  Fassung  in  den  NfoMrjfixa  'Aydkfxia, 
II,  Athen,  1874,  S.  103  ff.  als  33.  der  Jrjucü^tj  nctQniivditt 
Nd^ov  wiederkehrt:  Die  Frau  Nasreddins  ist  in  den  Arzt 
des  Dorfes  verliebt.  Da  er  auf  ihre  Blicke  und  sonstigen 
stummen  Liebeswerbungen  nicht  achtet,  schickt  sie  ihm 
endlich  durch  ihre  Magd  eine  Torte,  worein  sie  einen 
Zettel  gesteckt  hat.  Der  Hodscha  begegnet  der  Magd, 
nimmt  ihr  die  Torte  ab,  ißt  diese  mit  einem  Freunde  auf, 
liest  den  Zettel,  übergibt  der  Magd  einen  andern,  des  In- 
halts, daß  er  in  der  Dunkelheit  kommen  werde,  und  be- 
fiehlt ihr,  der  Frau  zu  sagen,  sie  habe  ihren  Auftrag  aus- 
gerichtet und  der  Arzt  sende  ihr  diese  Antwort.  Ganz 
glückselig  richtet  die  Frau  alles  her  zum  Empfange  des 
Geliebten,  Inzwischen  geht  der  Hodscha  zu  dem  Arzte 
und  läßt  sich  von  ihm  ein  stark  wirkendes  Abführmittel 
geben;  in  der  Dunkelheit  geht  er  dann  in  sein  Haus. 
Seine  Frau,  die  ihn  erwartet  hat,  hält  ihn,  weil  beide 
gleich  dick  sind,  für  den  Arzt,  und  sie  begeben  sich  sofort 
ins  Bett,  Nun  beginnt  auch  schon  das  Abführmittel  zu 
wirken:  der  angebliche  Arzt  besudelt  nicht  nur  Bett  und 
Zimmer,  sondern  auch  die  liebeshungrige  Frau  und  macht 
sich  endlich  unter  ihren  Verwünschungen  davon.  Nach 
einigen  Tagen  kommt  der  Hodscha  zurück,  und  sein  erstes 
ist,  daß  er  den  Arzt  zum  Essen  einlädt.  Seinem  der  Magd 
erteilten  Auftrage  gemäß,  fehlt  auf  dem  Tische  bald  ein 
Löffel,  bald  eine  Gabel,  bald  ein  Glas,  so  daß  er  mehrmals 
Gelegenheit  hat,  das  Zimmer  zu  verlassen  und  die  Zornes- 
ausbrüche seiner  Frau  gegen  den  Arzt  zu  belauschen,  dem 
sie  schließlich  einen  Löffel  Reis  ins  Gesicht  wirft.  Der 
Arzt  entfernt  sich,  indem  er  dem  Hodscha  sein  Bedauern 
ausspricht,  daß  sein  Weib  nicht  recht  bei  Sinnen  sei,  Sie 
ist  aber  von  ihrer  Leidenschaft  geheilt  und  liebt  fortan 
ihren  Hodscha  so  wie  früher  den  Arzt, 

Mit  geringfügigen  Abweichungen  wird  diese  Ge- 
schichte in  einer  Novelle  Bandellos  erzählt,  nämlich  der 
35,  des  I,  Teiles:  Naovo  modo  di  castigar  la  moglie  ritro- 
vato  da  un  Gentiluomo  veneziano;  die  Novelle  Bandellos 
ist  die  Quelle  der  1.  Histoire  in  den  Amans  trompez, 
Amsterdam,  1696,  S,  3  ff,:  De  Camille,  et  du  Docteur  du 

250 


Cil,  die  wieder  nach  Tittraanns  Einleitung  zum  II.  Bande 
der  Simplicianischen  Schriften  Grimmeishausens,  Leipzig, 
1877,  S.  XIX  ff.  die  Quelle  der  Erzählung  im  5.  bis  8.  Ka- 
pitel  des  II.  Teiles  des  Vogelnests,  S,  174  ff.  ist. 


Die    griechische    Ausgabe    der    Schwanke    Nasreddins  554. 

schließt  mit  einer  Geschichte,  in  der  Nasreddin  gar  nicht 
vorkommt;  denselben  Inhalt  hat  aber  Buadem,  Nr.  161  und 
überdies  hat  sie  Renato  La  Valle  1910  im  Giornale  d'Italia, 
dessen  Vertreter  er  in  Konstantinopel  ist,  von  Nasreddin 
mitgeteilt:  Einmal  erschien  Nasreddin  vor  dem  Sultan  und 
klagte  ihm  sein  Leid;  „Ich  habe  nicht  zu  leben,"  sagte 
er,  „könnte  aber  mein  Leben  sehr  gut  fristen,  wenn  du 
mir  durch  ein  Handschreiben  die  Erlaubnis  gäbest,  von 
jedem  Muselman,  der  vor  seiner  Frau  Furcht  hat,  fünf 
Para  einzuheben."  Da  die  Zahl  der  Muselmanen,  die  ihre 
Weiber  fürchten,  sehr  groß  ist,  wird  der  Hodscha  bald  ein 
reicher  Mann.  Da  sagt  der  Sultan  zu  ihm:  „Da  du  durch 
meine  Gnade  reich  geworden  bist,  hoffe  ich,  daß  du  dich 
mir  durch  ein  Geschenk  erkenntlich  zeigen  wirst." 
„Sicherlich,  Großherr;  ich  habe  dir  auch  schon  eine 
wunderschöne  Sklavin  aus  Cypern  mitgebracht."     „Sprich  * 

doch  leiser,"  sagte  der  Sultan,  indem  er  sich  scheu  um- 
blickte; „im  Nebenzimmer  ist  meine  Frau."  Sofort  nahm 
der  Hodscha  den  Erlaß  aus  der  Tasche  und  sagte:  „Fünf 
Para  her,  Großherr!" 

Vgl.  Krauss,  Zigeuner humor,  S.  208  ff.:   Wer  sich  da 
vor  seinem  Weibe  fürchtet. 


Zum     Schlüsse     folge     eine     Dschohageschichte,     die  555. 

Reinisch  in  der  N uhasprache,  im  Idiome  von  Fadidscha, 
aufgezeichnet,  deren  Übertragung  ins  Deutsche  er  aber  aus 
naheliegenden  Gründen  unterlassen  hat  [Nuba-Sprache,  I, 
S,  236  ff.): 

Dschauha  quondam  gregem  prae  se  agebat  ac  dum 
vadid  magna  voce  clamavit:  „Gregem  meum  totum  is,  sive 
vir  erit  sive  femina,  accipiet,  qui  me  edocuerit,  quo  modo 
coitus  instituatur," 

Quam  conditionem  captiosam  audivit  homo  quidara, 
qui  in  loco  superiore  occupatus  erat  opere  in  agro,    Oculis 

251 


igitur  modo  in  meridiem,  modo  in  septentrionem  conversis 
non  conspexit  uUum  testem  molestum. 

Tum  is  homo  secum:  ,,Age,  inquit,  id  quod  vull  edocebo 
istum  ac  gregem  eius  accipiam."  Itaque  Dschauham  is 
acclamavit  verbis:   „Heus   tu,   huc  venu   nam  te  edocebo." 

Venit  Dschauha  et  rusticus  braccis  detractis  se  obtulit 
illi  apto  ad  eam  rem  usus  corporis  statu.  Qui  mox  penem 
intulit  in  anum  rustici  semenque  emisit. 

lam  cum  penem  eduxisset  Dschauha  quaesivit  ex 
rustico,  quid  esset  album  illud,  quod  de  natura  ipsius 
destillaret.     Rusticus;  „Inde,  inquit,  nascuntur  pueri." 

Tum  Dschauha  rusticum  manibus  apprehendit  et 
clamavit:  „Redde  mihi  liberos  meos!"  Is  autem  cum,  ne 
clamore  Dschauhae  res  proderetur,  metueret,  miti  ac  clara 
voce  dixit:  „Ego  vero  nullo  pacto  postuio  gregem  tuum; 
quam  ob  rem  tacitus  quaeso  abeas." 

Unde  profectus  cum  grege  Dschauha  cum  ad  villam 
venisset,  ante  aedium  ianuam  mulierem  vidit  cum  puella 
sedentem.  Cum  igitur  ibi  eadem  quae  ante  clamando 
pronuntiasset,  mulier  ad  puellam  haec  locuta  est:  ,,Cum 
non  sint  nobis  armenta,  hunc  quae  vult  edocendo  faciam, 
ut  gregem  eius  accipiam," 

Advocatus  Dschauha,  postquam  mulier  vestibus  depo- 
sitis  accubuit,  eam  subagitavit.  Coitu  perfecto  ex  muliere 
quaesivit,  quid  esset  album  illud,  quod  de  natura  ipsius 
destillaret. 

Respondit  muHer:  „Necdum  id  tu  cognovisti?"  „Mi- 
nime,"  ait  Dschauha.  Et  mulier:  „Inde,  inquit,  nascuntur 
pueri." 

Tum  Dschauha  mulierem  manibus  apprehendit  ac 
minis  usus  petiit  ab  ea,  ut  sibi  liberos  redderet.  Perterrita 
mulier:  ,,Iam  abeas,  inquit,  cum  grege,"  Itaque  profectus 
est  Dschauha. 

Cum  autem  sol  ad  occasum  vergeret,  rusticus  domum 
venit  ex  agro  ac  cum  matre,  uxore  filiaque  consedit  ad 
cenandum. 

Sedentibus  iis,  vir  cum  grave  interdiu  fecisset  opus 
podice,  crepitum  emisit. 

Tum  is:  „Quid,  inquit,  id  est?"  Et  uxor:  ,,Id  podex 
tuus  fecit." 

Quae  cum  dixisset  mox  ipsa  crepuit.  Ex  qua  cum 
quaesivisset  vir,  cur  creparet,  respondit:  „Praeteriit  villam 

252 


nostram  homo  quidam  cum  aliquot  boum  capitibus  et 
clamavit:  ,Qui  me  coitum  facere  didicerit,  sive  vir  erit 
sive  femina,  gregem  meum  mercedem  accipiet,'  Ut  rem 
familiärem  tuam  augerem,  me  ab  illo  subagitari  passa  sum, 
qua  re  defatigata  crepitum  emisi." 

Tum  vir:  „Ergone,  inquit,  iste  huc  etiam  venit?  ut  ego 
quoque  creparem,  is  effecit." 

Quae  cum  locuti  essent,  rem  integram  reliquerunt. 


253 


ibn  Abdirabbihi,  Kitab  al  ikd  al  farid  I,  206  254  258;  II,  Index. 

201   202  230  238  240 
al  Abschihi,  Mustatraf  I,  255  257  273  279;  II,  202  203  230 

236  238. 
Abstemius,  Hecatomythia  II,  249. 
Agricola,  Sprichwörter  I,  239. 
Alexander  ab  Alexandro,  Dies  geniales  II,  185, 
Amans  (Les)  trompez  II,  250. 
Andrews,  Contes  ligures  II,  183  195. 
Anthropophyteia  I,  207  216  217  224  228  237  273  278  279; 

II,  232  243. 
ibn  Arabschah,  Fakihat  al  hulafa  I,  217  255;  II,  186. 
-/    Archie  Armstrong's  Banquet  of  Jests  I,  231  237  249  250; 

II,  219. 
Arguijo   (Juan  de),  Cuentos  II,  226  233. 
Arienti,  Porretane  I,  220  239  254. 
Arlottos  Schwanke  1,  205  207  227  240  246  256  259  260  275 

278;  II,  203. 
Armeno-Wetzel,  Die  Reise  der  Söhne  Giaffers  II,  198, 
Artin  Pascha  (Yakoub),  Contes  populaires  de  la  vallee  du 

Nil  I  224;  II,  229  234. 
Asbjörnsen,  Fairy  Tales  from  the  Far  North  I,  274, 
Aesop  I,  218  259;  II,  206. 

Augier  et  Sandeau,  Le  gendre  de  M.  Poirier  l,  208, 
Aurbacher,  Volksbüchlein  I,  211  220  232  272, 
Aventures  (Les  joyeuses),  1556  I,  223  233  271;  II,  187, 
Auentures  (Les  joyeuses),  1577  I,  233  271, 

Baitäl  Pachisi  II,  185. 

Bandello,  Novelle  I,  222  242;  II,  250. 

Banquet  (A  choice)  of  Witty  Jests  II,  219. 

Baraton,  Poesies  I,  225  280, 
/      Bar-Hebraeus,  The  Laughable  Stories  I,  212  219  231   243 
260  267  276  282;  II,  181   183  188  191  224  230  241  242. 
V       Basile   (Giamb.),  La  cunto  de  li  cunti  II,  205  211  214, 

Basset,  Contes  d'Afrique  I,  216  233  236;  II,  204  205, 

—  Contes  berberes  I,  280;  II,  201  243. 

—  Löqman  berbere  I,  226  273;  II,  204. 

—  Zenatia  I,  239  263;  II,  201, 

Bebel,  Schwanke  I,  210  231  240  252  275  280;  II,  212  214 

216  233, 
Behrnauer,  Die  vierzig  Veziere  1,  250  279, 

255 


Beroalde  de  Verville,  Le  Moyen  de  parvenir  I,  277. 

Bezemer,  Volksdichtung  aus  Indonesien  II,  197. 

Bharataka  Dvätrim^ikä  I,  217. 

Birlinger,  Volksthümliches  aus  Schwaben  I,  268. 

Blade,  Contes  populaires  de  la  Gascogne  I,  208  217  236 

241  252  269;  II,  205  245. 
Boccaccio,  Decameron  I,  216  229;  II,  186. 
Böhm,  Lettische  Schwanke  I,  249  252  268  274  276;  II,  182 

184  197  205  209  212  214. 
Boner,  Der  Edelstein  I,  220  237;  II,  194  244. 
Bouchet,  Les  Serees  I,  277;  II,  224. 
Brant  (Sebastian),  Esopi  appologi  I,  257  268;  II,  249. 
Bromyard,  Summa  praedicantium  II,  189  213. 
Bronner,   Bayerisches   Schelmen-Büchlein   I,   207   220   242 

246  249  273;  II,  209. 
Bullinger,  Contra  Cochlaeum  II,  219. 
Busch,  Ut  öler  Welt  I,  252  276  280;  II,  197  207  212. 
Bütner  (Wolf gang).  Von  Claus  Narren  I,  213  223  238  241; 

II,  196  209  226. 
Büttner,  Suaheli- Litteratur  I,  213  225;  II,  212. 

Camerarius  (Joachim),  Arithmologia  II,  187. 

—  Fahulae  I,  259;  II,  249. 

Campbell,  Populär  Tales  of  the  West-Highlands  I,  208  261 

268  269  272  274. 
C.  A.  M.  V.  W.,  Zeitvertreiber  I,  221  222;  II,  221. 
Carbone   (Lodovico),  Facezie  I,  225  250;  II,  248. 
Cardonne,   Melanges  de  litteratur e   Orientale  I,   256  259; 

II,  241. 
Carnoy,   Litter ature   orale  de  la  Picardie   I,  252  272;   II, 

183  205. 
Casalicchio,  L'utile  col  dolce  I,  225  250  262;  II,  232. 
Castiglione,  //  cortegiano  I,  225;  II,  227  239. 
Catull  I,  211. 

Celles,  Epigramme  II,  214. 
Cent  nouvelles  nouvelles  I,  271;  II,  187  204, 
Cervantes,  Don  Quixote  I,  268. 
Chappuis,  Les  facetieuses  Journees  I,  247. 
Chevreau,  Histoire  du  monde  II,  191. 
Cicero,  De  oratore  I,  225;  II,  239. 
Cieco  da  Ferrara,  Mambriano  I,  265. 
Conceites  (The  Pleasant)  of  Old  Hobson  1,  225  234. 

256 


Conceits,  Clinches,  Flashes,  and  Whimzies  II,  219, 
Conceyts  (Certayne)  and  Jests  I,  231;  II,  226, 
Cortesius,   Volantillae  II,  221. 
Cosquin,  Contes  populaires  de  Lorraine  I,  272;  II,  182  183 

184  195  203  204  205  209  211  213  214  245. 
Costo,  //  Fuggilozio  I,  228  235  278;  II,  190  210  229. 
Cowell,  The  Jätaka  I,  272. 

Crane,  Italian  Populär  Tales  I,  265;  II,  195  211. 
Cukasaptati  II,  187, 

Dähnhardt,  Natursagen  I,  265, 

Daudiguier   (Henry),  Lysandre  et  Calisto  II,  249, 

Delicado,  La  Lozana  andaluza  II,  249, 

Delight  and  Pastime  I,  215, 

Dcmocritus  ridens  I,  213  215  266  280. 

Descriptio  Norfolcensium  II,  230. 

Des  Periers,  Nouvelles  recreations,  l,  223  233  235;  II,  248. 

Domenichi,  Facetie  I,  215  221  231  232  250  266;  II,  187  204 

220  226  234. 
Doni,  /  Marmi  I,  231. 

—  Rime  del  Burchiello  I,  233. 

—  La  Zucca  II,  221. 

Dschami,  Bäharistan  I,  259  282;  II,  189  202  239  240  241, 
al  Dschausi,  Kitab  al  askija  II,  189. 
Dschelaleddin  Rumi,  Mesnewi  I,  248  272;  II,  185  243, 
Dunbar  (William)  I,  256, 

Echa  rabbathi  II,  202, 

England' s  Jests  I,  229;  II,  218, 

Eyering,  Proverbiorum  copia  I,  220  237  247  250  280. 

Fables  turques  I,  267;  II,  227. 

Fabliaux  (Deutsche)  s.  Hagen,  Keller  (Ad.  v.)  und  Lambel, 

Fabliaux  (Französische)  s,  Legrand  und  Montaiglon-Ray- 

naud. 
Facecies,  et  motz  subtilz  II,  220  229. 
Facetie  (Les  piacevoli  et  ridiculose)  di  M.  Poncino  della 

Torre  I,  220, 
Facetie,  motti,  buffonerie  et  burle  del  Piovano  Arlotto  I, 

247, 
Facezie  e  motti  dei  secoli  XV  e  XVI  II,  217. 
al  Farazdak  I,  215. 

Nasr eddin,  IL  17  0^1 


Farce  des  deux  savetiers  I,  220, 

Fincken-Ritter  (Der  edle)  I,  244;  II,  239  245. 

Firenzuola,  La  Trinuzia  I,  275. 

Fleury,  Litter ature  orale  de  la  Basse-Normandie  I,  210; 

II,  182. 
Frey,  Gartengesellschaft  I,  244  249  252  257  275;  II,   192 

204  212  237. 

Galland,  Les  paroles  remarquahles  des  Orientaux  I,  207 

232  247  258  259  261  262  263  282;  II,  202  225  239  240 

241. 
Garibay,  Cuentos  I,  229  247, 
Garzoni,  La  piazza  universale  I,  247. 
—  La  sinagoga  de  gl'ignoranti  I,  265, 
Gastius,  Convivales  sermones  I,  231;  II,  187  225, 
Georgeakis  et  Pineau,  Le  Folk-lore  de  Leshos  I,  221  251 

269, 
Gerlach,  Eutrapeliae  I,  247, 
German  Rogue  I,  271, 

Gesta  Romanorum  I,  264;  II,  185  194  206, 
Giuliano,   Dialogo   d'un   medico   con   un   secretario   et   un 

palafreniere  II,  190, 
Gladwin,  The  Persian  Moonshee  I,  222  243  254  258  259; 

II,  203  239  243, 
Gonzenbach,  Sicilianische  Märchen  II,  213  215, 
Gotham  (The  Mad  Men  ofj  s,  Tales. 
Grillenuertreiber  I,  217, 
Grimm,  Kinder-  und  Hausmärchen  I,  222  264  272;  II,  201 

206  210  215  220. 
Grimmeishausen,  Vogelnest  II,  251, 
Guicciardini,  Detti  et  fatti  1,  225;  II,  248, 
Guru  Paramdrtan  I,  217  225  268, 

Hagedorn  II,   190. 

Hagen,  Gesammtabenteuer  II,  188  214  245, 

Haltrich,  Deutsche  Volksmärchen  aus  Siebenbürgen  I,  217 

270;  II,  205  206  215, 
Hammer,  Rosenöl  I,  248  261;  II,  196  203  240  242  243. 
Harrington   (John)   I,  257, 
Harsdörfer,  Ars  apophtegmatica  I,   222  229   231   247  250. 

280'  II    221  233 
Hehel,' Schatzkästlein  I,  215;  II,  -190  226. 

258 


Heine,  Reisebilder  I,  208. 

Herbelot,  Orientalische  Bibliothek  I,  245;  U,  241. 

Hermotimus,  Additamenta  U,  220  229, 

Herrant  v,  Wildonie  H,  188, 

ibn  Hidschdscha,  Thamarat  al  aurak  I,  247, 

Hierokles  s.  Philogelos. 

Hundred  Mery  Talys  I,  239;  H,  189  219. 

Ilg,  Maltesische  Märchen  I,  221  262  276  278;  H,  183  205 

209  210  213. 
Ispirescu,  Snöve  I,  205  207  234  241  268  276;  H,  185  229, 

Jacke  of  Dovers  Quesi  of  Inquirie  I,  248  249  266, 
Jacob,  Türkische  Volkslitteratur  II,  213. 
Jacobs,  Celtic  Fairy  Tales  I,  269, 

—  English  Fairy  Tales  I,  241  252  268  272  274;  H,  182  183 
195  206. 

Jacques  de  Vitry,  Exempla  I,  245;  H,  243, 

Jahn,  Schwanke  und  Schnurren  I,  269;  II,  195  206  229, 

Jätaka  s.  Cowell. 

Jests  of  Scogin  I,  221  225  237, 

Joe  Millers  Jests  I,  231  248;  II,  219  229, 

Johannes  Junior,  Scala  coeli  II,  202. 

Juvenal  I,  211, 

al  Kaljubi,  Nawadir  II,  183. 
»     Kathd  Sarit  Sägara  s.  Somadeva. 

Keller  (Ad.  v.),  Erzählungen  aus  altdeutschen  Hand- 
schriften I,  265;  II,  188. 

Keller  (Albr.),  Die  Schwaben  I,  208  220  226  249  269;  II, 
209. 

Kirchhof,  Wendunmuth  I,  218  225  233;  II,  206. 

Knoop,  Volkssagen  I,  269. 

Knowles,  Folk-Tales  of  Kashmir  I,  252  268. 

Kopisch  I,  268, 

Krauss,  Sagen  und  Märchen  der  Südslaven  I,  222  226  276 
280;  II,  205  206. 

—  Zigeunerhumor  I,  207  210  222  253  254  268;  II,  215  219 
221  228  251- 

Kuka,  The  Wit  and  Humour  of  the  Perstans  I,  207  209  211 
212  219  227  231  243  245  248  255  260  276  277  282;  II, 
185  186  187  202  203  223  226  231  236  237  238  240. 

17*  259 


La  Fontaine  II,  245  248. 

Laienbuch  I,  235  269;  II,  192  209. 

Lambel,  Erzählungen  und  Schwanke  II,  188. 

Lamii,  Latifeh  nameh  1,  256, 

Landes,  Contes  annamites  I,  226  265;  II,  221. 

Leben  (Das  kurtzweiligej  von  Clement  Marott  I,  268;  II, 
249. 

Leger,  Recueil  de  contes  populaires  slaves  I,  252, 

Legrand,  Fabliaux  II,  245. 

Lehmann,  Exilium  melancholiae  I,  229  231  238  247  250  262 
268  277;  II,  219  229  237. 

—  Florilegium  politicum  I,  208  237, 

Lidzbarski,  Geschichten  aus  neu-aramäischen  Handschrif- 
ten I,  242  255  265;  II,  187  197  211  212  235  237, 

Lindener,  Katzipori  I,  268. 

Lucas,  Didlogos  I,  225. 

Lundorf,  Wißbadisch  Wisenbrünlein  I,  277. 

Luscinius,  Joci  ac  sales  II,  225. 

Luzel,  Contes  populaires  de  Basse-Bretagne  II,  182  183 
209. 


Mackenzie,  Tyll  Owlglass  I,  240. 

Abu  Madjan,  Madschmu  az  zarf  I,  264  277. 

al  Maidani,  Madschma  al  amthal  I,  214;  II,  183  188  231, 

Marguerite  de  Navarre,  L'Heptameron  I,  278;  II,  190. 

Marianus   (Christophorus),  Convivium  evangelicum  I,  277, 

al  Masudi,  Les  Prairies  d'or,  II,  181  245. 

Meder,  Quadragesimale  II,  214. 

Meier,  Deutsche  Sagen  aus  Schwaben  I,  241. 

Meißner,  Neuarabische  Erzählungen  aus  dem  Iraq  I,  227; 

II    212  219  241  242  244. 
Melander,  Jocoseria  I,  222*  247  269;  II,  187  219. 
Memel,  Anmuthige  lustige  Gesellschaft  I,  221  222;  II,  218. 
Menage,  Origini  della  lingua  italiana  I,  218  228. 
Mendoza,  Lazarillo  de  Tormes  I,  262. 
Mensa  philosophica  I,  274;  II,  233. 
Merkens,   Was  sich  das  Volft  erzählt  I,  210  217  226  229 

241  249  250  252  268  269  274;  II,  182  215  229  237. 
Meschreb,  der  weise  Narr  I,  230. 
Mey,  Fäbulario  I,  247  249. 
Minaef,  Indeisltija  sliasliy  II,  184. 

260 


Monnier,  Les  contes  populaires  en   Italie   I,  207  280;   II, 

183  206. 
Monosini,  Flores  italicae  linguae  I,  219. 
Montaiglon-Raynaud,  Fabliaux  II,  188  245. 
Montanus,  Schwankbücher  I,  229  249  252  254  260  265  268 

272;  II,  197  206  245. 
Morlini,  Novellen  I,  240  250  263  271  272;  II,  184  212  213 

228  237. 
Motylinski,  Dialogue  en  dialecte  de  Djerba  I,  236. 
MüUenhoff,  Märchen  und  Lieder  I,  241  268. 
Musculus,  Enarrationes  I,  269, 

Narren,   Gaukler  und  V  o  1  k  s  li  e  b  li  n  g  e  ; 

Arlotto  s,  Arlottos  Schwanke. 

Armstrong  s.  Archie  Armstrong's  Banquet  of  Jests. 
^   Bahlul  II,  212  241. 

Barlacchia  s,  Facetie,  motti,  buffonerie. 

Abu  Dulama  II,  237. 

Eulenspiegel  II,  246  249;  s.  auch  Mackenzie. 

Gonnella  II,  228. 

Habannaka  I,  214;  II,  231. 

Hobson  s.  Conceites  (The  Pleasanf). 

Karakusch  I,  230;  II,  210  229  230. 

Klaus  Narr  s.  Bütner. 

Abu  Nuwas  I,  211;  II,  184  242. 

Poncino  della  Torre  s.  Facetie  (Le  piacevoli). 

Scogin  s.  Jests  of  Scogin. 

Sztukoris  s.  Veckenstedt,  Sztukoris. 

Triboulet  I,  223;  II,  231. 
Nicolas  de  Troyes,  Le  grand  parangon  des  nouvelles  nou- 

velles  I,  265, 
Nieri,  Racconti  popolari  lucchesi  I,  257. 
Nopcsa,  Aus  Sola  und  Klementi  II,  206, 
Novella  dell  Grasso  legnajuolo  I,  275. 
Novelle  antiche  I,  227  229. 
Nugae  doctae  Gaudentii  Jocosi  I,  269. 
Nugae  venales  II,  235. 
Nuzhat  al  udaba  1,  230  234  257  282;  II,  181    188  194  196 

217  224  226  239  240  243. 

O'Connor,  Folk  Tales  from  Tibet  I,  225;  II,  183  195, 
Ortoli,  Les  contes  populaires  de  l'ile  de  Corse  I,  241, 

261 


Ouville,  L'EIite  des  Contes  I,  228  277, 
Oxford  Jests  I,  225;  II,  221, 

Panciatichi,  Cicalate  II,  226. 
Pantagrueliques  (Les)  I,  225. 
Pantschatantra   (Benfey)   II,  187  201  206  207  245. 

—  (Dubois)  I,  263. 

Parangon  (Le)  des  Nouvelles  honnestes  I,  229, 

PasquU's  Jests  I,  275. 

Pauli   (Job.),  Schimpf  und  Ernst  I,  223  232  239  244  264 

275;  II,  185  189  194  197  245. 
Pauli  (Seb.),  Modi  di  dire  I,  228  265. 
Petrarca,  Epistolae  II,  244, 
Petrus  Alphonsi,  Disciplina  clericalis  I,  206. 
Pharaon,  Spahis,  Turcos  et  Coumiers  I,  222. 
Philagrius  s.  Pfiilogelos. 
Pfiilogelos  I,  206  208  210  213  219  222  225  230  263  274  277; 

II,  235  236  237  239  249. 
Pinedo  (Luis  de),  Lihro  de  cliistes  I,  205;  II,  221. 
Pitre,   Fiabe,   novelle   e  racconti  popolari   siciliani  I,   217 

250  265;  II,  195  213. 

—  Novelle  popolari  toscane  I,  212  218  226  272;  II,  182  201 
211  212  213. 

Plutarch,  De  exilio  I,  219. 

—  Questiones  graecae  II,  185. 

Poggio,  Facetiae  I,  234  244  257  265  267  278;  II,  190  204 

229  232  246  249. 
Pontanus  (Jo,  Jov.),  Antonius  dialogus  II,  244. 
Predigt  mär  lein  I,  222  231  250  280;  II,  185  203  213 

243.     S.  auch  Bromyard,   Jacques  de  Vitry,  Johannes 

Junior,  Mensa  pfiilosopfiica  und  Meder, 
Preindlsberger-Mrazovic,  BosniscJie  Volksmärchen  II,  201 

211, 
Prym  und  Socin,  Tur  'Abdin  I,  210  217  268;  II,  241  249. 
Pulci,  Morgante  I,  239, 

Radioff,  Volfislitteratur  der  türkischen  Stämme  Süd- 
sibiriens II,  194  213. 

Recreations  frangoises  I,  278. 

Recueil  des  plaisantes  et  facetieuses  nouvelles  I,  223  233 
271;  II,  187, 

262 


Reinisch,  Die  'Afar-Sprache  I,  278;  II,  212, 

—  Die  Bedauye-Sprache  II,  215. 

—  Die  Nuba-Sprache  I,  223,  235;  II,  206, 

—  Die  Saho-Sprache  II,  215. 

Rittershaus,  Die  neuisländischen  Volksmärchen  I,  226  240 

252  263  272  274  276;  II,  197  214. 
Riviere,  Contes  populaires  de  la  Kabylie  du  Djurdjura  II, 

184  205. 
Roda  Roda,  Der  Pascha  lacht  I,  213  225  232  258  260  261 

263  268  272  280;  II,  181  201  225  228  233  237. 
Roger  Bontemps  en  Belle  Humeur  II,  181  248. 
Rückert  I,  211  269. 

Saadi  I,  258. 
v'     Sacchetti,  Novelle  I,  259  277, 

Sachau,  Fellichi-Dialekt  von  Mosul  I,  255. 

Sachs  (Hans)  I,  223  229  232  256  257  259  265  268;  II,  188 

192  245. 
Sackful  of  News  I,  207  242;  II,   182. 
Sagredo,  L'Arcadia  in  Brenta  I,  220  225  228  247  254  266 

280;  II,  204  210  232  234, 
Santa  Cruz  (Melchor  de),  Floresta  espanola  I,  229, 
Sauve,  Le  Folk-lore  des  Hautes-Vosges  I,  220. 
V      Schiefner,  Tibetan  Tales  I,  242, 
Schildbürger  s.  Laienbuch. 
asch  Schirwani,  Nathat  al  jaman  I,  211  243  260;  II,  201 

237. 
Schlegel   (August  Wilhelm)   II,  246. 
Schleicher,  Litauische  Märchen  I,  217;  II,  198. 
Schott,  Walachische  Märchen  II,  205. 

Schumann,  Nachtbüchlein  I,  244  265  268  269  276;  II,  203, 
Schupp  I,  222  231, 
Sebillot,  Litteratture  orale  d'Auvergne  I,  252;  II,  205. 

—  Litteratture  orale  de  la  Haute-Bretagne  I,  252  272  276; 
II,  215  229  245, 

Sercambi,  Novelle  I,  214;  II,  246. 
Siao  li  Siao  I,  206, 

Sklarek,  Ungarische  Volksmärchen  II,  201  205  206, 
Socin  und  Stumme,  Der  arabische  Dialekt  der  Houwara 
II,  198  204  205, 
V       Somadeva,  Kathd  Sarit  Sdgara  I,  242;  II,  182  201  213  247. 
Somma,  Cento  racconti  II,  190. 

263 


Stobaeus  II,  185. 

Storia  di  Campriano  contadino  II,  197. 

Straparola,  Piacevoli  notti  I,  264  265  271;  II,  184  216. 

Stricker,  Der  Pfaff  Amis  II,  249. 

Stumme,  Maltesische  Märchen  II,  214. 

—  Tunisische  Märchen  II,  245, 

Swynnerton,  Romantic  Tales  from  the  Panjäb  I,  217  224 

231  262  265  268  270  272  277;  II,  184  195  243. 
Syntipas  II,  196. 

Tabourot,  Contes  facecieux  du  Sieur  Gaulard  I,  208  219 

272  277;  II,  191  223  227  229. 
Tale  of  Beryn  I,  245. 

Tales  and  Quicke  Answeres  1,225  231234  250  268;  11,249. 
Tales  (Mery)  of  the  Mad  Men  of  Gotham  I,  244  268  272; 

II,  229. 
Tallemant  des  Reaux  II,  214. 
,      Tanträkhyäyika  I,  249;  II,  213. 
y      Tausend  und  eine  Nacht  I,  238  244  271  282;  II,   198  204 

213. 
Tewfik,  Ein  Jahr  in  Konstantinopel  II,  236. 
Theodulphus,  Carmina  II,  218, 
Tholedoth  Jesu  II,  244. 
Thorburn,  Bannü  II,  184. 
Timoneda,  Patranuelo  I,  220. 

—  Sobremesa  I,  225  279. 
Titius,  Loci  controversi  I,  218, 
Tombeau  (Le)  de  la  melancolie  II,  248. 
Tripitaka  1,  242  272. 

Veckenstedt,  Sztukoris  I,  224;  II,  198. 

—  Zamaiten  I,  241. 

Veiten,  Märchen  der  Suaheli  I,  211;  II,  212. 
Vinson,  Le  Folklore  du  Pays  Basque  I,  217. 
Volkserzählungen: 

Afghanische  s,  Thorburn. 

Ägyptische  s.  Artin. 

Albanische  s.  Nopcsa. 

Algerische  s.  Basset,  Contes  herberes  (auch  von  Ber- 
bern in  Marokko  usw.),  derselbe,  Zenatia,  Pharaon 
und  Riviere. 

Annamitische  s,  Landes. 

264 


Volkserzählungen: 
Brasilianische  II,  195. 
Corsicanische  s.  Ortoli, 
Dalmatinische  II,  182  205. 
Deutsche  I,  217  242  246  268;  s.  auch  Birlinger,  Bronner, 

Busch,   Grimm,   Jahn,  Albr.   Keller,   Knoop,   Meier, 

Merkens  und  MüUenhoff. 
Englische  s.  Jacobs. 
Finnische  II,   196. 
Französische  I,  217  224  237  241   242  252  268  272  274 

275;   II,   182   184  190  195  203  205  209  211   212  213 

215  231  243;  s.  auch  Blade,  Carnoy,  Cosquin,  Fleury, 

Luzel,  Sauve,  Sebillot  und  Vinson. 
Griechische  II,  251;  s.  auch  Georgeakis, 
Indische    s.    Garu   Paramärtan,    Knowles,    Minaef    und 

Swynnerton, 
Indonesische  s.  Bezemer. 
aus  dem  Irak  s.  Meißner. 
Isländische  s.  Rittershaus, 
Italiänische  I,  207  220  237  241  250  262  264  274;  II,  180 

212  213  215  219;  s.  auch  Andrews,  Crane,  Gonzen- 

bach,  Monnier,  Nieri,  Seb.  Pauli,  Pitre  und  Storia. 
Japanische  I,  252. 
Jüdische  I,  222  241. 
Keltische  s.  Campbell  und  Jacobs, 
aus  dem  östlichen  Kleinasien  s.  Lidzbarski,  Prym-Socin 

und  Sachau. 
Lettische  s.   Böhm. 

Litauische  s.  Schleicher  und  Veckenstedt. 
Maltesische  s.  Ilg  und  Stumme. 

Marokkanische  II,  205  247;  s.  auch  Socin-Stumme. 
Nubische  s.  Reinisch,  Nuba  und  Bedauye. 
aus  Ostafrika  s.  Reinisch,  'Afar  und  Saho. 
Rumänische  s.  Ispirescu  und  Schott. 
Russische  I,  205. 
Sibirische  s,  Radioff. 
Siebenbürgische  s.  Haltrich. 
Skandinavische  II,  195;  s.  auch  Asbjörnsen. 
Spanische  II,  221, 
Suaheli  s.  Büttner  und  Veiten. 
Südslavische  II,  195;  s.  auch  Anthropophyteia,  Krauss 

und  Preindlsberger-Mrazovic. 

265 


Volkserzählungen: 

Tibetanische  s.  O'Connor  und  Schiefner. 

aus  Timbuctu  I,  216, 

Tunisische  I,  277;    II,  215;    s,    auch    Motylinski    und 

Stumme. 
Türkische  II,  202;  s,  auch  Jacob, 
Ungarische  s,  Sklarek. 
Westslavische  s.  Leger, 
der  Zigeuner  s,  Krauss  und  Wlislocki, 

Wajikra  rabba  I,  227;  II,  235, 

Waldis,  Esopus  I,  239  269;  II,  206  249. 

Wickram,  Rollwagenbüchlein  I,  207  232  235  249  275  278; 

II,  198  210. 
Wlislocki,  Märchen  der  transsilvanischen  Zigeuner  II,  206 

209. 

Zabata,  Diporto  de'  viandanti  I,  212  220  225;  II,  232. 
Zakani,  Die  herzerfreuende  Schrift  I,  207  210  214  235  244 

248;  II,  185  217. 
az  Zamachschari,  Rabi  al  abrar  I,  235. 
Zimmerische  Chronilt  I,  248  269. 
Zincgref-Weidner,  Teutsche  Apophtegmata  I,  208  229  238 

241  262;  II,  189  196  226  229  231, 


266 


I 


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PN 

6231 

N27H63 

1911 

V.2 

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